Test
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20.10.2015

Numark NS7 III Test

Professioneller DJ-Controller

Die Kommandobrücke jetzt auch mit Displays

Mit den Numark NS7 III ringt ein neuer Display-Controller für Serato um die Gunst der DJs. Damit liegt das Gerät voll im Trend, denn spätestens seit dem Numark NV und nachdem auch Traktor Kontrol S5, S8 und D2 mit kleinen Monitoren ausgestattet wurden, scheint der Blick zum Notebook während der Mixsession obsolet zu sein. Doch der NS7 III hat noch mehr zu bieten: Ein Standalone-Mischpult beispielsweise, berührungsempfindliche Regler, eine Pad-Matrix und direkt angetriebene Jogwheels. Grund genug, die Kommandozentrale über den bonedo.de Testparcours zu ziehen.

Details

Beim Numark NS7 III handelt es sich um einen DJ-Controller mit motorisierten 7-Inch-Jogwheels, vollständiger, standalone nutzbarer Vierkanal-Mixersektion und angeschraubter Display-Einheit, die aus drei separaten Anzeigen besteht. Zu den weiteren Features zählen unter anderem berührungsempfindliche FX-Potis, Strip-Search-Controller und acht Trigger-Pads im MPC-Stil pro Deckseite. Ferner zwei Mikrofoneingänge (einer davon mit Klangregelung), eine vollständige Crossfader-Zuweisungsmatrix und Vorhörsektion und natürlich vier analoge Eingänge, von denen zwei auch auf Phono-Verstärkung umschaltbar sind und auch ohne Rechneranbindung genutzt werden können. Grundsätzlich wurde die Hardware-Konzeption des Vorgängers NS7 II vollständig beibehalten und lediglich um die Displays ergänzt. Die gute Nachricht für Besitzer eines NS7 II ist dann auch, dass sie die Anzeige separat kaufen können und somit ihren treuen Mix-Begleiter nicht in Rente schicken müssen, wenn auch sie in den Genuss der schicken Visualisierung kommen wollen. Das ist nicht nur ein klarer Indikator, dass es sich bereits beim NS7 II um ein ausgereiftes Gerät mit wenig Spielraum für Verbesserungen handelte, sondern auch ein schönes Beispiel für gelungene Produktpflege.

Packungsinhalt

Dem schnörkellosen Karton entnehme ich den massiven Controller, ein Kaltgerätekabel, ein kurzes USB-Kabel (zum Anschluss des Display), ein langes USB-Kabel, eine Kurzanleitung sowie zwei Aluminium-Drehteller samt Slipmat. Ebenfalls im Lieferumfang sind ein kleiner Inbusschlüssel samt entsprechender Madenschrauben zur Arretierung der echten 7-Inch-Platte an der Drehachse.

Erster Eindruck

Sowohl im Gesamten wie auch im Detail erweckt der NS7 III durchweg den Eindruck eines professionellen Arbeitsgeräts. Das beginnt beim luxuriösen Platzangebot, denn mit einer Grundfläche von 76 Zentimetern in der Breite und 47,5 in der Tiefe (ohne Display) ist der Numark der größte mir bekannte DJ-Controller am Markt. Sein Gewicht von rund 15 Kilo (!) ist mehr als stattlich. Kein Wunder, sind doch sämtliche Teile der sauber verschraubten Außenhülle aus Metall gefertigt.

Das Layout des Controllers folgt dem klassischen Arrangement eines DJ-Arbeitsplatzes: Das Zentrum bildet die vierkanalige Mischersektion. Links und rechts davon logieren die Decks samt Transport-, Pitch-, Cue- und Effektsteuerung. Auffällig von Anfang an: das großzügige Platzangebot, die Vielzahl dedizierter Bedienelemente und das gute visuelle Feedback.

Montage: Teller und Display

Die Montage der Drehteller stellt keine große Herausforderung dar: Mit zwei Fingern greife ich durch die beiden Öffnungen an der Telleroberseite und setze ihn auf der Antriebsachse ab. Dabei muss er mit zwei Arretierungsnasen in der entsprechenden Aussparung an der Achsenbasis landen. Danach stapel ich zunächst die Slipmat, dann das 7-Inch-Vinyl und schlussendlich einen Arretierungspuck über die Antriebsachse und ziehe diese mit der Madenschraube fest – fertig.

Zum Anbringen der Display-Einheit befestige ich zwei solide Metallzungen mit zwei Rändelschrauben pro Seite an der Aussparung, wo man bislang den optionalen Laptop-Stand angedockt hat. Das Display wird in die überstehenden Laschen eingehängt. Strom- und Datenversorgung erfolgen über zwei Buchsen, wobei der Strom vom NS7 kommt, der Rechneranschluss dann allerdings direkt an der Display-Einheit erfolgt.

Anschlüsse

Der Blick auf die Rückseite zeigt links zunächst einmal den Wahlschalter für den Drehwiderstand des Motors (Low/High Torque), eine Erdungsrändelschraube sowie eine XLR/Klinke-Kombibuchse für den Anschluss eines zweiten Mikrofons. Daran anschließen sich vier Stereo-Cinch-Eingänge, von denen zwei zwischen Line- und Phono-Verstärkung umschaltbar sind. Es folgen eine USB-Buchse zum Anschluss des Displays und die Strombuchse zur Energieversorgung desselben. An der Display-Einheit entdecke ich einen separaten Power-Taster, eine USB-Buchse für den Rechnerverbund sowie eine zusätzliche USB-Buchse für weitere Datenträger. Diese ist hier allerdings denkbar ungünstig platziert.

Auf der rechten Flanke finden sich der Master-Out (XLR/Cinch), der Booth-Out (Cinch), ein versenkter Power-Taster, der Stromkabelanschluss sowie ein Lüfterauslass ein.

Wechseln wir die Blickrichtung auf die Vorderseite: Sie startet mit einer XLR/Klinke-Kombibuchse für das erste Mikrofon, gefolgt von einem Gain-Regler, einer Zweiband-Klangregelung (High/Low) und einem On/Off-Schiebeschalter. Im Zentrum residiert die Crossfader-Matrix, mit der ich die Einzelkanäle wahlweise am Fader vorbei oder auf die linke (A) oder rechte (B) Seite adressieren kann. Via Contour-Poti darf ich das Regelverhalten stufenlos zwischen weicher und harter Überblendung bestimmen.

Die rechte Hälfte ist dem Vorhören gewidmet: Blend-Poti, Split-Cue-Schieberegler und Volume-Poti – so soll es sein. Immer lobenswert: die Ausführung der Kopfhörerbuchse im Standard- und Miniklinken-Format.

Navigation

An der Oberseite der Mittelachse sitzt die Dateinavigation, mit der eine vollständige Kontrolle über Playlisten, Crates und die Detailansicht innerhalb von Serato möglich ist. Links und rechts davon erblicke ich Potentiometer, mit denen ich die Lautstärke von Booth- und Main-Out steuern kann. Darunter ist eine elfsegmentige LED-Kette platziert, die den Tempo-Versatz zwischen linkem und rechtem Deck visualisiert. Wohlgemerkt: den Tempo-Unterschied, nicht den Beat-Drift.

Kanalzüge

Direkt darunter sitzen die vier identisch aufgebauten Eingangskanäle: Sie starten im Norden mit einer Effektzuweisung auf die linke oder rechte Deckseite (A/B). Es folgen der Gain-Regler und die dreibandige EQ-Einheit (High, Mid, Low), gefolgt von einem mittengerasterten Poti für das duale Filter, das in Linksrichtung einen High-Cut und nach rechts gedreht einen Low-Cut bewirkt. Darunter schließt sich der Cue-Taster nebst einem Kanalwahl-Schieberegler (PC, Mic, Line, Phono) an. Den Abschluss nach bilden 45-Millimeter lange Linefader und natürlich der Crossfader.

Effektsteuerung

Wie eigentlich überall am NS7 III, ist auch die Effektsteuerung vollständig mit Bedienelementen ausgestattet. Nervige Shift-Akrobatik ist hier quasi ein Fremdwort. Vier Rotary-Encoder mit schickem LED-Kranz und vier Taster sind für diesen Bereich abgestellt und genügen vollständig, um alle Effekte im Griff zu halten. Dabei dienen die ersten drei der Befehligung der Effektstärke, der letzte im Bunde zur Einstellung des Effektmetrums. Wichtig: Mit dem Taster „Touch" aktiviert man die Berührungssensorik der Potiköpfe. Und das nicht nur im Bereich der Effektsteuerung, sondern auch bei den Kanalequalizern. Ist die Funktion aktiv, genügt es, das entsprechende Poti nur anzufassen und der Effekt ist aktiviert. Im Bereich des Equalizers bewirkt ein Anfassen einen Cut des entsprechenden Frequenzbandes.

Decks/Transport

Die Ausstattung der beiden Deckseiten, die jeweils zwischen 1/3 und 2/4 umschaltbar sind, fällt ebenso großzügig aus. Links und rechts neben dem Jogwheel sitzen 100-Millimeter Pitchfader mit Null-Indikator, nach unten flankiert von Pitch-Bend-Tastern, nach oben von Tempo-Range (Master Tempo) und Slip-Mode (Motor off). Darüber dann der bereits vom NS7 II bekannte Bleep/Reverse-Switch, der nach oben gedrückt eine temporäre Umkehrung der Abspielrichtung bewirkt, nach unten eine dauerhaftes Reverse. Taster und Potis für Tempo-Tap, Beatgrid-Anpassung und Anlauf/Abbremsverhalten komplettieren die Arbeitsmöglichkeiten. Eine besondere Erwähnung verdient das gut konzipierte Strip-Search-Pad, mit dem ich mich schnell und mit visuellem Feedback innerhalb der Audiodatei bewegen kann.

An den Innenseiten der Decks sitzen fünf Hotcue-Taster, die zwar in gewisser Weise redundant erscheinen mögen, da sich Hotcues auch über die acht Trigger-Pads anspringen lassen, gleichzeitig aber viel über die Konzeption den NS7 III aussagen. Nämlich über die Fülle und Reichhaltigkeit der Bedienelemente. Man bekommt – wie wir im Praxisteil noch sehen werden – hier an jeder Stelle das Gefühl, das (im positiven Sinn) geklotzt und nicht gekleckert wurde. Das bekannte Trio aus Play/Pause, Cue und Sync und die acht, am Rand mehrfarbig beleuchteten Multifunktionstasten, die in den Modi Cue, Auto/Roll, Loop, Sampler und Slicer agieren können, komplettieren die Deck-Sektionen.

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