Hersteller_Numark
Test
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02.12.2011

DETAILS

Nachdem ich den Neuankömmling von seiner braunen Umverpackung befreit habe, springt mir als erstes ein bis dato unbekanntes Karton-Emblem ins Auge. „Serato Inside“ verlautet es dort, wo man normalerweise das Traktor-LE oder VDJ Zeichen vermuten würde. Das sollte jedoch nicht die einzige Überraschung beim Mixdeck Express bleiben. Der Vollautomat für Silberlinge und Sticks ist mit knapp drei Kilogramm Kampfgewicht nicht nur um einiges leichter als sein Vorgänger, er fällt auch mit knapp 53 Zentimetern in der Breite etwas kürzer aus. Was einerseits an der schmaleren Mixersektion liegt, die beim vorliegenden Modell auf das iPod-Dock verzichtet und den Abstand zwischen den Fadern insgesamt verkürzt. Zum anderen sind auch die Decks geschrumpft, da sie auf die Effekt-Sektionen verzichten. Anwendern, die ihre Titel naturbelassen spielen und lieber ein übersichtliches Layout einfordern, wird dies wohl gerade recht sein.

Ob der Bursche sich auch für das nächtliche Kiezhopping mit der S-Bahn empfiehlt?  Nun, mit einem Case oder einer Digibag bewaffnet und mit ein paar USB-Sticks in der Tasche ließe sich sicher eine 24h-Nonstop-Tournee vom Mauerpark über die Spree-Location zur nächtlichen Chartbuster-Kellerparty im Studentenwohnheim bewältigen. Primär wird der Numark aber wohl im Kofferraum landen, denn er scheint einen idealen Reisebegleiter für die rollende Diskothek abzugeben. Auch in der Cross-Genre-Bar, in der Tanzschule oder auf Tour mit einem Promo-Team würde er sich bestimmt gut machen, hat er doch professionelle Ausgänge und zwei Mikrofonanschlüsse für die Moderation unter der Haube. Selbst Bedroom-DJs dürften Gefallen an der schlanken Kiste finden, kann sie doch auf beengtem Raum allerlei Technik servieren und ist ein echter Hingucker. Was ich mir allerdings gewünscht hätte, wäre ein abnehmbarer Kunststoffdeckel für die Studio- und Wohnzimmerfraktion, damit die Kiste einem über die Zeit nicht zustaubt. Stattdessen bringt die Verpackung neben dem Testkandidaten ein Netzteil, ein USB-Kabel, je eine Treiber- und Software-CD sowie ein Handbuch zum Vorschein. Letztgenanntes erklärt die Funktionen der Bedienelemente und die Konfiguration mit Serato DJ-Intro, gibt aber ebenfalls Auskunft über ein Traktor LE2-Setup. Aktuell befindet sich in der Online-Version (PDF) auf Seite 49 noch die Anleitung für VDJ LE - sie hat es allerdings nicht ins gedruckte Werk geschafft. Im Übrigen werden sämtliche Numark´schen Neuankömmlinge im Controllerbereich (Express, N4 und Mixdeck-Quad) zum Testzeitpunkt (November 2011) mit Live-Intro angepriesen.

Front- und Backpanel

Ein neugieriger Blick unter die Aussparung am Frontpanel zeigt einen regelbaren 6,3-Millimeter-Klinken-Mikrofonanschluss mit Aufholverstärkung und nachgelagertem Treble-Bass-EQ, der mit einem Cut-Boost von +/- 15 dB arbeitet. Sollte es während einer Hochzeitsbeschallung oder auf der Stage zu einer Interview-Situation kommen, steht eine weitere Buchse an der Hinterseite bereit. Unverständlicherweise steht dem ersten Mikrofonkanal kein Einschaltknopf zur Seite, sodass ein SM58 dort jedes Mal aufs Neue einzupegeln wäre. Das Mikrofonsignal wandert direkt auf den Master, eine Talkover-Funktion ist nach wie vor nicht zu finden. Rechts daneben sind zwei Kopfhöreranschlüsse als Standard- und Miniklinke arrangiert, sodass man auch zu zweit am Gerät arbeiten könnte. Schließt man einen zweiten Kopfhörer an, kommt es nicht zu einem Pegelabfall. Sehr schön. Schade finde ich aber, dass die Schalter für die Flankensteilheit des Crossfaders und die Fader-Reverse-Option dem Rotstift zum Opfer gefallen sind - was darauf schließen lässt, dass Scratcher nicht unbedingt zur primären Zielgruppe gehören.

Der rückseitige Mike/Aux-In wird über Channel 3 ins Geschehen gebracht und nutzt den Dreiband-EQ der Mixersektion samt Quellwahlschalter. Was den Klang angeht: Das Mikrofonsignal wird rauschfrei und natürlich eingebracht. Meiner Meinung nach werden Moderatoren und MC-Performances gleichermaßen bedient. Der vordere Anschluss zeigt sich aber leider schwachbrüstiger als sein Kollege am Backpanel, was sich spätestens dann bemerkbar macht, wenn ihr den Master bei 0 dB einpegelt. Nachstehend haben wir beide Wege abgegriffen, wobei EQ und Gain-Regler in Mittenstellung positioniert sind. Im Übrigen lässt sich weder das Mastersignal, noch der AUX mit dem USB-interface (0in/4out) abgreifen, weil man es nicht zur Aufnahme, sondern nur zum Playout verwenden kann. Schade.

Den Kontakt zur Beschallungsanlage stellt unser Testkandidat entweder per XLR oder Cinch her. Das Mixdeck klingt in Anbetracht der Preisklasse mehr als ordentlich. Vor allem an den symmetrischen Ausgängen herrscht eine gute Portion Druck. Da kann der Pegel der Cinch-Outs naturgemäß nicht mithalten. Warum Numark sich für einen dreifach geklonten Master entschieden hat, ist mir indes nicht ganz schlüssig. Ihr habt richtig gelesen, der Hauptausgang liegt als XLR-Master sowie als Cinch-Master und als Master-2 vor, die von einem gemeinschaftlichen Regler in ihrer Ausgangslautstärke reguliert werden. Ich persönlich hätte hier definitiv lieber einen regelbaren Booth- und/oder Record-Out gesehen. Über den AUX-IN (Phono/Line) kann ein Plattenspieler oder alternativ Line-Gerätschaft wie ein iPad zugespielt werden. Die Erdungsschraube zur Aufnahme der Massekabel ist etwas ungünstig über dem Mikrofonanschluss positioniert. Rechts außen beschließen eine USB-Buchse Typ-B, der Einschaltknopf und die Aufnahme für das Kaltgerätekabel unseren Ausflug über das Backpanel.

Mixersektion

Die zentrale Mixersektion wartet mit drei vollausgestatteten Kanalzügen auf. Von Süd nach Nord sehe ich einen 45-Millimeter-Linefader, einen Dreifach-EQ samt Gain sowie einen Kippschalter zur Quellanwahl. Allen drei Bändern steht eine maximale Absenkung von -28 dB und eine Verstärkung von + 10 dB anheim. Cue schickt den zugehörigen Audiostrom auf den Kopfhörer. Der Gain-Regler kümmert sich um den Pegelabgleich zwischen den ausgewählten Signalquellen, die aber von Haus aus ziemlich gut aufeinander abgestimmt sind, soweit das komprimierte Audiomaterial in vernünftiger Qualität vorliegt. 320 kbit/s sollten es schon sein, möchte man dem Partyvolk unter die Augen treten. Kanäle 1 und 2 spielen Musik von CD, USB1, USB2 oder PC ab. Kanal 3 kennt die Stellungen Aux und Mike2 - er ist von zwei siebenstufigen Pegelanzeigen eingerahmt, hier wird die Ausgangslautstärke entsprechend des Mastervolume-Reglers angezeigt. Es ist nicht möglich, das Cue-Signal der Einzelkanäle Pre-Fader zu visualisieren, sodass sich der DJ beim Einpegeln ausschließlich aufs Gehör verlassen muss. Die Farbcodierung lautet 4x gelb, 2x orange und 1x rot, wobei die letzte LED fürs Clipping steht, was insgesamt etwas knapp bemessen ist.

Etwas gewöhnungsbedürftig für Deejays, die bereits Erfahrungen am Clubmixer gesammelt haben, ist wohl die Cuemix-Abteilung auf 12 Uhr. Zum einen ist die Position selbst durchaus ungewöhnlich, ferner liegen die Potis und vor allem auch der Cuemix-Fader ziemlich nah an den Kippschaltern zur Quellenauswahl. Vielleicht hätte die Konstruktionsabteilung diesen Block einfach ein paar Zentimeter nördlicher platzieren können. Der Minifader blendet anders als bei einem Battlemixer nicht zwischen den Kanälen A/B, sondern zwischen Master und Preview. Dies gewährleistet, dass sämtliche drei Kanäle abgehört werden können.

Displays

Numark verbaut beim Mixdeck-Express zwei blau hinterleuchtete LED-Displays. Sie versorgen den DJ während seiner Session mit mixrelevanten Daten, wie ID3-Tags, Ordnerbezeichnungen, Laufzeiten, Abspielstatus, Loops, Tempo oder Pitch. Ein Kontrast- oder Helligkeitsabgleich wurde ihnen nicht zugedacht, allerdings lassen sich die Anzeigen auch bei größeren Neigungswinkeln gut ablesen. Titelinformationen erscheinen auf einer scrollenden neunstelligen Punktmatrix. Damit lässt sich arbeiten. Was mir positiv auffällt: Sie empfangen auch Titelinformationen im MIDI-Betrieb mit Serato – doch dazu später mehr. Unter dem Screen schalten drei Tasten durch die Abspielmodi, Tags und Zeitanzeige. Mittels PROG wird eine Playliste zur automatischen Titelwiedergabe angelegt. Sozusagen ein Autopilot, falls der Pilot selbst zu vernebelt für eine Punktlandung ist oder mal das stille Örtchen aufsuchen muss. LOOP, TAP und die restlichen Tastenheimer werden uns im Praxisteil begegnen.

Fader und Potis

In puncto Fader und Potis bin ich ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht, sind mir doch die griffigen, gummierten Drehknöpfe und angenehmen Flachbahnregler des Erstlings positiv im Gedächtnis geblieben. Hier verrichten nun silbrige Kappen und Köpfe ihren Dienst, die für mich optisch eher wie manch fernöstlicher Sparstrumpf- und Klon-Politik entsprungen rüberkommen. Zum Regelverhalten: Die Equalizer greifen ordentlich in das Klangbild ein, packen aber auf den letzten Teilern im Cut ziemlich stark zu. Der eine mag dies, der andere nicht. Die Linefader zeigen ein praxistaugliches Gleitverhalten, allerdings könnte der Überblendregler ruhig noch etwas zarter über die Leiterbahn rutschen. Eine mechanische Einstellmöglichkeit ist nicht vorhanden. Positiv zu erwähnen ist: Das gute Stück lässt sich im Falle eines Defektes oder Verschleißes unkompliziert austauschen. Prima. Was für manchen, aber längst nicht jeden Anwender vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig sein könnte: Gefühlte 70 Prozent der Lautstärke kommen auf den letzten beiden Teilungen der Linefader, wohingegen auf den ersten 70 Prozent Regelweg eher zarter Pegelzuwachs festzustellen ist. Die Fadercurve kann hier nicht auf linear umgestellt werden.

Jogdials

Zentraler Blickfang einer jeden Decksektion sind die schnittigen 150 Millimeter Jogwheels. Der haptische Widerstand ist in meinen Augen hervorragend eingestellt und resultiert in einem außergewöhnlich angenehmen Regelverhalten während des Beatmatchings. Der Rundlauf der Teller ist exakt, selbst nach heftigen Backspins kommen sie schnell wieder zum Stehen. Echt klasse. In den Außenring sind seitliche Führungskerben eingelassen, die Oberfläche ist angeraut und zeigt in der Mitte eine Metallscheibe. Dank Touch-Sensor sind die Wheels in der Lage, zwischen Seiten- und Oberflächenkontakt zu unterscheiden. Standardmäßig ist der Nudge-Modus eingestellt, bei dem Bewegungen am Dial kurzzeitig zu einem Pitchbend führen, wodurch sich die Schläge temposynchroner Tracks angleichen lassen. SCRATCH aktiviert die gleichnamige Funktion bei Handauflage auf der Oberfläche, wobei Pitchbending am Seitenrand erhalten bleibt. Das Gefühl ist anders als bei einer Vinylscheibe, keine Frage. Aber aufgrund der Größe und Haptik des Numark-Tellers ist sicherlich mehr drin, als nur Babyscratches, auch wenn die fünf innovativen Scratch-Modi des großen Bruders nicht an Bord sind. Um das Jogdial herum verteilt springen noch zwei weitere Buttons ins Auge, welche die Effekte Reverse und Brake auslösen. Die Audiobeispiele folgen nachstehend.

Neben den zuvor angesprochenen Betriebsarten kann das Dial noch im Song spulen. Dazu ist lediglich der Search-Button für die Hochgeschwindigkeitssuche zu aktivieren, woraufhin das Rad entsprechend der Voreinstellungen mit 15, 30 oder 60 Sekunden pro Turnus im Audiomaterial springt. Im Pausenmodus navigiert der DJ auf Wunsch framebasiert mit 1/75s. Das ist besonders hilfreich, um einen Loop oder Cue-Punkt akkurat anzulegen.

Unter dem Teller blinken zwei große, vollauslösende Cue- und Play-Taster aus beleuchtetem,  halbtransparentem Hartplastik - sie sind auch in dunklen Umgebungen sehr gut auszumachen. Rechts daneben ist die Auswurf-Taste für die CD-Laufwerke platziert, auf den Außenflanken haben sich die Werkzeuge zur Tempomanipulation in Form eines abschaltbaren, vierstufig skalierbaren 100-mm-Pitch-Faders, zweier Pitchbend-Tasten und eines Pitch Range-Buttons niedergelassen, der das Regelintervall des Faders auf +/- 6, 12, 24 oder 100 Prozent umschaltet.

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