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Test
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24.09.2009

Praxis

Installation der Software
Kommen wir nun zum Praxistest, in dem sich der 49 SL MkII unter Logic, Main Stage und Ableton Live beweisen muss. Die Installation der Automap Software verläuft etwas umständlicher, als ich dachte. Es empfiehlt sich, sorgfältig die beiden beigelegten PDF-Manuals - eines für die Soft- und eines für die Hardware - zu lesen und allen Schritten genau zu folgen. Ich hätte mich über ein echtes analoges Handbuch gefreut, das keinen wertvollen Platz auf dem Bildschirm verschwendet, aber das ist heute generell eher unüblich geworden - mit allen Vor- und Nachteilen. Die Automap-Software „verpackt“ jedes Plug-In mit einem extra Programm, um die Kommunikation zwischen den verschiedenen Komponenten herzustellen. Daher wird jedes Plug-In einzeln angekreuzt und so für Automap aktiviert. Anschließend muss man noch im Environment von Logic rumfummeln, um Logic über HUI, das normalerweise zur Kommunikation mit Mackie-Steuerungskonsolen benutzt wird, Automap-kompatibel zu machen.

Plug-In Kompatibilität
Nach der Installation erscheinen die aktivierten Plug-Ins in der Auswahl der DAW jeweils zweimal: einmal wie gewohnt und einmal mit dem Zusatz „Automap“. Als Nächstes stelle ich jedoch fest, dass sich die Logic-internen Plug-Ins nicht für Automap aktivieren lassen. Das gleiche Problem hat man auch mit Ableton Live- und den neuen Cubase VST 3 Plug-Ins.

Automap funktioniert also nur mit AU, VST1, VST2 und ProTools (RTAS und TDM)!

 

Dies liegt laut Novation an der programmiertechnischen Beschaffenheit der DAW-internen Plug-Ins und soll in einem der nächsten Updates wohl verbessert werden. Solange dies noch nicht behoben ist, haben wir es hier mit einem sehr großen Minuspunkt zu tun.

DAW Steuerung
Dafür arbeitet die Transportfunktion einwandfrei. Start, Stop und Record werden problemlos aktiviert. Die Mixerzuweisungen funktionieren ebenfalls. Man kann mit dem Controller auf Anhieb die Volume- und Pan-Fader bewegen und Spuren muten oder scharfstellen. Die Solo-Tasten liegen auf den gleichen Buttons wie die Transportfunktionen, eine Doppelbelegung, die ich etwas unglücklich finde. Deshalb versuche ich, die Solo-Funktion mit der Novation Lernfunktion auf andere Buttons auf der linken Seite des Controllers zu legen: Erst den SOLO Button im Logic bedienen, dann die LEARN-Taste auf dem Controller aktivieren und als drittes den Controllerbutton drücken, mit dem ich die SOLO-Funktion steuern will. Es passiert leider nicht das, was ich will: Dieser Button aktiviert statt der SOLO-Funktion nun den Mute-Button von einer ganz anderen Spur. Ein reproduzierbarer Bug, der auf anderen Computern so anscheinend nicht vorkommt. Aber ich schaffe es auch mit der Unterstützung der Novation Hotline über vier Wochen Zeit nicht, dieses Problem zu beheben. Erschwerend kommt hinzu, dass man beim MIDI-Lernen nicht versehentlich gegen einen falschen berührungsempfindlichen Regler kommen darf, was schwer zu vermeiden ist, da die Buttons teilweise sehr dicht nebeneinander angeordnet sind.

Plug-In Steuerung
Ich probiere den SL MkII mit verschiedenen Plug-Ins aus. Auf den ersten Blick bin ich meistens erfreut, dass jedes der Knöpfchen und Fader einer bestimmten Funktion im Plug-In zugeordnet ist. Man kann tatsächlich sofort loslegen, ohne eine MIDI-Zuweisung gemacht zu haben. Die Werte werden wie von Zauberhand im Display des Controllers angezeigt. Da das Display nur Platz für acht Werte hat, zeigt es immer die Werte der Controllerreihe an, in der man gerade einen Wert verstellt oder die man gerade berührt hat, sofern diese Reihe berührungsempfindlich ist. Gerade bei Software-Synthies mit richtig vielen Reglern kann man sofort schrauben, was das Zeug hält. Und falls die vielen Fader, Buttons und Encoder des SL MkII trotzdem nicht ausreichen, kann man mit dem Page-Button neben dem Display eine neue Page öffnen und findet ziemlich schnell den gesuchten Parameter.

Schwierigkeiten mit dem Workflow
Beim weiteren Arbeiten und Spielen mit der Automap-Funktion fallen mir allerdings viele Dinge auf, die meinem intuitiven Arbeiten im Wege stehen und meinen Workflow oft unterbrechen.


1. Die Belegungen der Regler sind in einigen Fällen unsinnig. So steuern beispielsweise Drehregler des Controllers eine On/Off-Funktion im Plug-In oder ein Button steuert einen Parameter, dem eigentlich ein Drehregler oder Fader zugeordnet werden müsste. Dies muss dann per Learn-Funktion umprogrammiert werden. Im populären Drumsampler Battery steuern nur die ersten vier SL-Pads die Battery-Pads an, die nächsten vier muss man „anlernen“. 

2. Das Display auf der rechten Seite, das wir noch vom ReMOTE SL kennen, ist beim MkII aus Kostengründen wegrationalisiert. Das linke Display zeigt die Werte für die Fader auf der rechten Seite zwar an, bei acht Reglern verliert man aber hier tatsächlich schnell den Überblick - ein großer Rückschritt im Vergleich zum Vorgänger.

3. Die Berührungsempfindlichkeit hat gleich mehrere Tücken. Zum einen berührt man im Arbeitsprozess oft versehentlich einen falschen Regler und das Display zeigt dann Werte an, die man nicht braucht - vor allem bei der Learn-Funktion ist es möglich, dass so versehentlich falsche Zuweisungen passieren. Zum anderen sind leider nicht alle Controllersektionen berührungsempfindlich. Dies ist nicht konsequent und nicht intuitiv.


4. Die Lernfunktion folgt manchmal nicht meinen Anweisungen und weist den Controllern andere Parameter zu.


5. Wie bereits erwähnt, kann man viele DAW-interne Plug-Ins nicht mit Automap ansteuern und auch die Lernfunktion des SL MkII greift hier nicht. Zwar lassen sich mit der DAW-internen Lernfunktion Parameter zuzuweisen, aber benutzt man beim Arbeiten abwechselnd AU-Plug-Ins und DAW Plug-Ins, muss man im Controller immer in einen anderen Mode wechseln, von Automap nach Advanced.


6. Wechselt man zwischen diesen beiden Modes, stellen sich in den Plug-Ins ungewollt Werte um und Einstellungen verschwinden. Dies passiert bei mir unter allen getesteten DAWs, also Logic, Ableton Live und Main Stage, sogar beim mitgelieferten BassStation Plug-In.

SL MkII im Test mit Ableton Live
Ebenfalls mit dem SL-Controller habe ich das Programm Ableton Live getestet, das vor allem durch eine intuitive Bedienweise besticht, die auch in Livesituationen der Experimentierfreude viel Spielraum bietet. Die Erfahrungen aus Logic und Main Stage wiederholen sich hier genauso: Ableton Plug-Ins sind nicht Automap tauglich, die Lernfunktion hat den gleichen Bug und die Umstellung von Automap nach Advanced verstellt Presets. Der einzige Unterschied: Bei diesem Programm kann man in den Preferences den Controller auswählen, den man benutzen möchte, und Ableton bietet ohne Automap nahezu alle Features, die Automap verspricht: Die Parameter der Plug-Ins, auch die der Ableton Plug-Ins, sind automatisch den Reglern auf dem Controller zugeordnet und das Display auf dem Controller zeigt die Werte an. Ich kann meinen Spieltrieb ausleben, ohne mit einem weiteren Programm das System instabil zu machen und die Bug-Anfälligkeit zu erhöhen. Die Automap-Software ist ohne Funktion - und plötzlich gefällt mir der Controller wieder richtig gut!

Auswirkungen auf die CPU
Als Letztes werde ich noch die Auswirkungen der Automap-Software auf die Prozessorleistung testen. Da jedes Plug-In von Automap einzeln verpackt wird, liegt die Vermutung nah, dass hier wertvolle Power verbraucht wird, die an anderer Stelle fehlen könnte. Ich führe zwei Tests durch. Beim ersten öffne ich 50 Novation BassStations. Einmal mit und einmal ohne Automap-„Verpackung“ und notiere die Prozessorleistung (siehe Grafiken).

Ohne Automap liegt der User-Anteil meiner CPU bei 35%, der Systemanteil bei 14% und der Anteil der Zeit, in der der Prozessor ungenutzt ist (Idle), liegt bei 57%. Mit Automap zeigen der User- und Systemanteil etwas höhere Werte und die Prozessoren werden langsam ausgelastet. Beim zweiten Test versuche ich, mein MacBook Pro dadurch an seine Grenzen zu bringen, dass ich so viele Spuren mit dem leistungsintensiven PSP Vintage Warmer öffne, wie ich schaffe. Es ächzt wie die alte Dampflok von Jim Knopf und schafft ohne Automap 37 Spuren und mit Automap 34. Die Hobbymathematiker unter den Lesern können sich jetzt ausrechnen, dass eine Automap-„Verpackung“ ungefähr ein Zehntel des Vintage Warmers an Prozessorleistung braucht. Angesichts dessen, was die Software leistet, sind diese Werte meiner Meinung nach vertretbar. Man sollte sich trotzdem dessen bewusst sein, dass ein Rechner mit aktiviertem Automap mehr zu tun hat als ohne.

Grundsatzfrage
Beim Test dieses Geräts stellte sich für mich die grundsätzliche Frage: Brauchen Studio- und Livemusiker überhaupt einen Controller, der mit einer zusätzlichen Software das komplette System steuern kann? Sind die Lern- und Presetfunktionen der DAWs nicht mittlerweile gut genug, um einen herkömmlichen MIDI-Controller mit vielen Reglern nach den jeweiligen Bedürfnissen mit den gewünschten Funktionen zu belegen? Eine weitere Software, die sich zwischen Controller und DAW quetscht, wird vermutlich immer zusätzliche Leistung verbrauchen und das ganze System anfälliger für Bugs und andere Ungereimtheiten machen. Das Vorhaben, einen MIDI-Controller zu bauen, der im Zusammenspiel mit allen Systemen (Windows/Mac, Logic/Cubase/ProTools, VST/AU/ProTools, Plug-Ins verschiedener Hersteller ...) immer und unter allen Umständen zu allen Schandtaten bereit ist, ist meiner Meinung nach sehr ehrgeizig und mit der Novation SL MkII Serie definitiv noch nicht vernünftig gelöst. Die DAW-eigenen Plug-Ins kann man nicht bedienen und viele andere Kompromisse und Bugs machen Automap zu einem Tool, dass das Musikmachen für mich komplizierter gemacht hat, anstatt es zu vereinfachen. Schnell greift man doch zur Maus, weil sie, gerade im Mixer einer DAW, das praktischere Tool ist. Möglicherweise funktioniert der SL auf Windows und mit Cubase besser - mit meinem Mac lief die Software leider nicht rund. Ich bin sehr gespannt auf das nächste Update, aber glaube nach diesem eingehenden Test, dass Novation mit Automap einen Service anbieten möchte, den eigentlich die DAW-Hersteller übernehmen sollten. Hier geht Ableton mit gutem Beispiel voran. Ableton kann eigentlich schon alles, was Automap verspricht. Davon sollten sich Logic, Cubase und ProTools eine Scheibe abschneiden und dann wären Programme wie Automap oder HyperControl von M-Audio überflüssig, es gäbe weniger Bug-Quellen und der Computer könnte seine Power für kraftzehrende Plug-Ins aufsparen.

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