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25.10.2016

Noten lesen lernen für Gitarristen 8

Die fünf Griffbrettpositionen der C-Durtonleiter

Noten lesen für Anfänger – Schritt für Schritt erklärt

In der letzten Folge habe ich dir einen schnellen Weg gezeigt, Noten umzusetzen, die über die erste Lage hinausgehen. Die Herangehensweise, alle höheren Töne generell auf der ersten Saite zu spielen, ist nützlich, wenn es schnell gehen muss oder wenn nur wenige einzelne Töne den Tonumfang der ersten Lage übersteigen.

Die Methode hat jedoch große Nachteile: Ständige Lagensprünge lassen sich mitunter nicht vermeiden, was Spielfehler und unsauberes Spiel begünstigt, weite Teile des Griffbretts bleiben ungenutzt. Flüssiges oder gar schnelles Spiel ist schwer möglich.

Daher möchte ich dir heute noch ein anderes Blattspiel-Konzept vorstellen, das ich immer dann anwende, wenn ich etwas Zeit habe, ein Stück oder Notenbeispiel vorzubereiten. Wie meinte einer meiner Gitarrenlehrer ganz richtig: "Es ist ein Riesenunterschied, ob du ein dir fremdes Notenbeispiel sofort spielen musst oder ob du fünf Minuten Zeit zur Vorbereitung hast."

Basis für das Spielen von Noten beliebiger Tonhöhe ist das Beherrschen der Durtonleiter in fünf Positionen. Wie du sicherlich bemerkt hast, basieren die allermeisten Stücke und Melodie-Beispiele, mit denen wir es zu tun haben, auf Durtonleitern. Daher ist es für das Gitarrenspiel im Allgemeinen, aber auch speziell für das Spielen nach Noten langfristig eine wichtige Voraussetzung, jede Durtonleiter an jeder Stelle des Griffbretts spielen zu können.

Das klingt erst mal nach sehr viel Arbeit. Hat man sich jedoch mit der Materie einmal näher befasst, fällt auf, dass wir mit insgesamt fünf Patterns jede Durtonleiter in jeder Griffbrettposition spielen können. Denn weil die Struktur von Durtonleitern, also ihre Tonabstände untereinander, immer gleich ist, können wir diese fünf Patterns in jeder Tonart nutzen.

Das heißt im Klartext: Einmal fünf Patterns (oder Griffbrett-Positionen) lernen, zwölfmal (für jede Tonart) anwenden! Das klingt doch schon besser, oder?!

Vielleicht hast du schon längst die Durtonleiter auf dem ganzen Griffbrett geübt, falls nicht, hier eine kurze Übersicht über die fünf Griffbrett-Positionen. Zumindest Position 1 müsste dir aus dieser Workshop-Reihe schon bekannt vorkommen. Sie beinhaltet auch die leeren Saiten, während alle weiteren Patterns nur aus gegriffenen Tönen bestehen.

Für den Einstieg befassen wir uns heute einmal ausschließlich mit den fünf Positionen der C-Durtonleiter.

Am Beispiel C-Dur habe ich hier das ganze Griffbrett wie besprochen in fünf Positionen aufgeteilt. In jeder Position können wir einen Ausschnitt der Durtonleiter spielen, die Grundtöne (jedes c) habe ich zur besseren Orientierung farbig markiert.

Ab dem zwölften Bund wiederholen sich die Töne eine Oktave höher, das bedeutet, dass wir dort Position 1 und danach alle weiteren Patterns wieder verwenden und somit das Griffbrett theoretisch auch bis zu den allerletzten Bünden bespielen können. Mehr als die gezeigten fünf Patterns benötigen wir in keinem Fall.

Schauen wir uns dieselben fünf Positionen in Notenschreibweise an:

Die Patterns haben also jeweils einen Umfang von 16 bis 17 Tönen.

Nun werfen wir einen Blick auf das erste Notenbeispiel. Es steht in C-Dur, kommt also ohne Vorzeichen aus.

Aber können wir mit einem der fünf Patterns auch das komplette Notenbeispiel spielen? Dazu bestimmen wir den höchsten und den tiefsten Ton und damit den Tonumfang unseres Notenbeispiels. Für den Fall, dass du mit den Namen der höheren Noten im Notensystem noch Schwierigkeiten hast, habe ich in der folgenden Übersicht noch einmal alle Töne der C-Durtonleiter bis zum zwölften Bund mit Notennamen und Oktavbezeichnung aufgelistet.

Wir können folglich von der leeren sechsten Saite bis zur ersten Saite im zwölften Bund den Tonbereich zwischen großem E und zweigestrichenem e'' abdecken.

In Bsp. 3 heißt der tiefste vorkommende Ton H (in Takt 5), der höchste d'' (in mehreren Takten). Mit dieser Erkenntnis suchen wir uns nun ein Pattern der Durtonleiter, das diesen Tonumfang abdeckt.
Lösung: Position 4 deckt den benötigten Tonumfang als einziges Pattern komplett ab, also sollten wir Bsp. 3 an dieser Stelle des Griffbretts spielen.

Die Nummern der Positionen sind keine festen, allgemeingültige Bezeichnungen, aber sie dienen uns hier zur besseren Orientierung. Wenn es jetzt darum geht, die Griffbrett-Position für sich selbst oder andere Gitarristen schriftlich festzuhalten, verwendet man besser die bekannten, allgemein gültigen Lagenangaben (römische Zahlen).
Dies ist in der Tat immer eine sinnvolle Maßnahme, damit beim nächsten Spielen die Suche nach der besten Spielposition nicht aufs Neue beginnt. Für Position 4 würden wir uns also VII (siebte Lage) notieren, weil der 1. Finger hier im siebten Bund greift.

Zum Kennenlernen der Töne in dieser Position ist es hilfreich, die Tonleiter einige Male ganz langsam auf- und abwärts zu spielen und dabei die Notennamen laut aufzusagen. Anfangs ist das erfahrungsgemäß mühsam, aber es hilft, nach und nach deine Orientierung in der jeweiligen Lage zu verbessern.

Beim Spielen eines Notenbeispiels nach dieser Methode ist es zudem sinnvoll, jeden Ton auch relativ zum vorhergehenden Ton zu betrachten: Bsp. 3 beginnt mit einem c'', dann geht es zum nächsthöheren Tonleiterton (d''), wieder einen Schritt zurück (c'') und zu guter Letzt drei Stufen abwärts zum g'. Wir nutzen also das jeweilige Durtonleiter-Pattern als Schablone. Jeder Ton der Melodie ist ein Ton aus dem Pattern, sofern er nicht mit einem Versetzungszeichen erhöht oder erniedrigt wurde.

Auch hier sollten wir wieder zuallererst das Pattern und daraus folgend die Lage bestimmen.
Der tiefste Ton des Notenbeispiels ist G (im vierten Takt), der höchste Ton a' (mehrfach vorhanden, erstmals im siebten Takt). Somit kennen wir den Tonumfang und können das ideale Pattern bestimmen.
Bei Bsp. 5 ist das zweite Pattern (Position 2) und damit die zweite Lage (II) perfekt geeignet, denn nur hier sind alle Töne des Notenbeispiels vorhanden.

Könnte es im Einzelfall nicht sein, dass ein Notenbeispiel mit mehreren Patterns gleichermaßen gut gespielt werden kann?
Ja, auch das ist möglich. Ist der Tonumfang eines Notenbeispiels so gering, dass er von mehreren Patterns abgedeckt wird, können wir uns nach persönlicher Vorliebe für ein Pattern entscheiden. Eine gute Übung wäre es in diesem Fall auch, die Melodie nacheinander in allen möglichen Positionen zu spielen.

Schauen wir uns dazu Bsp. 6 an: 

Der tiefste Ton ist d, der höchste Ton a'.
Dieser Tonumfang wird von mehreren Patterns abgedeckt. Genau genommen können wir Bsp. 6 mit fast jeder der fünf Tonleiter-Positionen spielen. Einzig Position 1 ist nicht optimal geeignet, da hier der höchste spielbare Ton g' ist, es fehlt a'.
Zur Übung solltest du das Beispiel möglichst in allen Positionen einmal spielen. Die finale Entscheidung kann man auch vom gewünschten Klang oder vom Spielgefühl abhängig machen. Ich habe mich für die Aufnahme auf Pattern 2 festgelegt, weil es sich für mich gut anfühlt und mir der vergleichsweise schlankere Sound der Gitarre in dieser Lage am ehesten zusagt.

Nächstes Notenbeispiel: 

Wir ermitteln wieder den Tonumfang und stellen fest, dass dieser von E bis e'' reicht. Leider kann keines der Patterns dieses große Spektrum abdecken.
Daher müssen wir hier zwangsläufig Lagenwechsel einbauen.

Das Notenbeispiel beginnt mit e'', das wir nur in Position 5 vorfinden. Also wählen wir zu Beginn dieses Pattern. Der tiefste Ton, den wir hier spielen können, ist d. In der dritten Zeile von Bsp. 7 geht es aber noch tiefer hinab. ich würde mit Beginn der dritten Zeile zu Position 1 wechseln. Nur dort ist das ebenfalls vorkommende E vorhanden. In diesem Pattern können wir im weiteren Verlauf alles spielen, bis auf den vorletzten Takt. Dort geht es noch einmal zum e'', sodass ich die letzten beiden Takte wieder in Position 5 spielen würde.

Du siehst, nicht immer ist es mit einem Pattern zu bewerkstelligen. In diesem Fall sucht man sich günstige Stellen im Stück, an denen man aufgrund von Pausen oder langen Tönen einfach einen Lagenwechsel bewerkstelligen kann.

Nun folgen noch fünf Beispiele, die jeweils in einer einzigen Position ohne Lagenwechsel gespielt werden können. Du sollst jedoch diesmal selbst herausfinden, welches Pattern das jeweils günstigste ist. Manchmal gibt es auch hier mehrere Möglichkeiten. 

In der nächsten Folge schauen wir uns an, wie wir mit den fünf Patterns auch in anderen Tonarten arbeiten können.

Viel Erfolg!

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