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25.08.2020

Neues Bass-Event: Report von der „BassCon Online 2020“

Format mit Zukunft: Die erste "Basscon Online" war ein voller Erfolg!

Online-Bassworkshop mit Top-Bassdozenten und Teilnehmern aus aller Welt

Vom 21. bis 23. August fand das Online-Bass-Event "BassCon Online" statt - ein Bass-Event der Extraklasse, geboren in Zeiten von Corona-Lockdown und "Social Distancing"! Initiiert und organisiert wurde das Event von Ove Bosch, einem leidenschaftlichen Bassisten, der über viele Jahre zuständig für die Organisation und Abwicklung der legendären Warwick BassCamps war, die in ihrer Größe und Ausrichtung bis heute Ihresgleichen suchen. Erfahrung und Professionalität waren somit also schon mal garantiert. In unserem Report erfahrt ihr, was an den drei Workshoptagen Wissenswertes passierte!

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Die Idee für diese besondere Form von Live-Seminar kam Ove Bosch im April 2020, in Zeiten des "Social Distancing". Er wollte etwas initiieren, das viele Aspekte in einem einzigen Event verknüpfte: "Treffen, quatschen, klönen, sich austauschen, voneinander lernen". Nach intensiver Vorbereitung und der Zusage zahlreicher international renommierter Dozenten konnten die Teilnehmer/innen für günstige 149,- Euro die Teilnahme an dem zwölfstündigen Event (verteilt auf drei Tage) buchen.

BassCon Online: Bass-Seminar per Meeting-Plattform

Die zugeschalteten Bassisten und Bassistinnen wohnten den Sitzungen auf der Meeting-Plattform "Zoom" aus allen Teilen der Welt bei. In den Meetings kann man alle zugeschalteten Beteiligten simultan in kleinen Einzelfenstern sehen, was dem Ganzen ein wirklich einzigartiges, internationales Appeal verlieh.

Was darüber hinaus der Atmosphäre "das gewisse Etwas" verlieh, war die Tatsache, dass man hier eine Zusammenkunft vieler Gleichgesinnter quasi in deren privaten vier Wänden abhielt, ohne jegliche Show-Attitüde. Persönlicher und privater geht es kaum noch! Die drei Tage wurden mit jeweils zwei zweistündigen Sitzungen Stunden angesetzt - auf diese Weise blieb an jedem Tag auch noch reichlich Zeit für individuelle Fragen der Teilnehmer.

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BassCon Online: Internationale Bass-Stars als Dozenten

Auch die Dozenten taten das Ihre, um die ganze Sache wie eine Veranstaltung unter Freunden aussehen zu lassen. Immer wieder ergaben sich spontan Gespräche zwischen Bassisten, die sich schon lange kennen und die sich gegenseitig zu bestimmten Themen austauschten.

Wichtig: Die Teilnehmer konnten zu jedem Zeitpunkt Fragen stellen, entweder direkt oder via Chat - dann vorgelesen von Moderator Ove Bosch, der die ganze Veranstaltung höchst kompetent begleitete und anleitete. Als Sahnehäubchen gab es am Ende einer jeden Sitzung für die Teilnehmer hochwertige Giveaways zu gewinnen!

BassCon Online: Stu Hamm Workshop

Den Auftakt machte Stuart "Stu" Hamm, der seine tägliche Warmup-Routine im Detail sezierte und mit begleitendem PDF-Notenmaterial darlegte. Die Themen wanderten von einfachen Tonleitern, über Intervalltraining, Akkord-Arpeggien in verschiedenen Varianten, Tipps zur Kräftigung der Greifhand bis hin zu Tapping-Techniken.

BassCon Online: Guy Pratt und Lee Sklar Workshop

Erwartungsgemäß informativ und unterhaltsam wurde es dann mit den Basslegenden Lee Sklar und Guy Pratt, die im Doppelpack alternierend zu sämtlichen Fragen und denkbaren Themen Rede und Antwort standen - stets gespickt mit ebenso amüsanten wie lehrreichen Anekdoten aus ihrem bewegten Leben als gutgebuchte Session-Bassisten.

Beide Bassisten sind übrigens - bedingt durch die Lockdowns während der Covid-19-Pandemie - unverhofft zu Youtube-Vloggern geworden, die auf ihren eigenen Kanälen demonstrieren, welche Basslinien sie im Studio eingespielt haben, wie diese gespielt werden, und unter welchen Umständen sie entstanden. Man merkte den beiden Session-Bassisten daher deutlich an, dass der lockere Umgang vor einer Kamera für sie kein Neuland mehr darstellt.

Spontan schaltete sich dann noch der britische Bassist Dave Swift hinzu, der seit 20 Jahren Hausbassist bei der berühmten "Jools Holland Show" ist. Swift berichtete, wie er und einige Kollegen den Lockdown genutzt haben, um sich auf einem Landgut zu verschanzen, gemeinsam Songs zu schreiben, aufzunehmen und live zu streamen - und dabei derart viel Aufmerksamkeit erregen konnten, dass mittlerweile zahlreiche externe Aufträge an sie herangetragen werden. So wird aus einer Krise eine Chance!

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BassCon Online: Rudy Sarzo Workshop

Am zweiten Tag konnten sich die Teilnehmer mit Hardrock-Ikone Rudy Sarzo unterhalten (checkt auch unbedingt einmal seinen tollen Podcast "The Dash"). Die Sitzung begann mit einer Schweigeminute für den an diesem Tag verstorbenen engen Freund Sarzos, Quiet-Riot-Drummer Frankie Banali. Trotz der traurigen Nachricht sagte Rudy seine Teilnahme an der BassCon nicht ab.

Der mittlerweile 70jährige Bassist mit kubanischen Wurzeln, welchem man sein Alter auf wundersame Weise nicht im Geringsten ansieht, plauderte höchst informativ und mitunter philosophisch über die Welt des Rock'n'Roll.

Auf dem Programm standen die geschäftliche Seite des Business sowie Anekdoten über die diversen Bands, in die er als "Hired Gun" hineinwachsen musste. Rudy berichtete bereitwillig von dem Spagat, die Basslines einer Band einerseits möglichst authentisch zu spielen, andererseits aber auch an wechselnde Musiker (z.B. neue Drummer) anzupassen. Zudem demonstrierte Rudy Ideen auf seinem Sechssaiter-Bass, der wie eine Gitarre gestimmt ist.

Es war höchst inspirierend zu erleben, mit welcher Passion und welcher Neugier der gestandene Profi nach wie vor den Willen zeigt, sich täglich zu verbessern und immer neu dazuzulernen - fraglos ein Teil des Geheimnisses seiner anhaltenden Jugendhaftigkeit!

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BassCon Online: Michael Tobias Workshop

Der zweite Gast des zweiten Tages war an Fachwissen nicht zu toppen: Bassbauer Michael Tobias erklärte sehr detailliert, worauf es beim Bau eines Basses ankommt, der einem Musiker auf den Leib geschneidert werden soll. Er erläuterte den Fragenkatalog, der zu Beginn eines Kundenauftrages gestellt wird, um die Bedürfnisse des Musikers möglichst genau analysieren zu können - seiner Ansicht nach der wichtigste und schwierigste Teil, bevor der eigentliche Bassbau beginnt.

Es gibt wohl kaum jemanden auf der Welt, der ähnlich viel über Hölzer und deren Klangeigenschaften in Bässen weiß wie Michael, der schon seit 1974 Gitarren baut. Nachdem Michael vom Gitarrenbau frustriert war, weil er ungern Sachen kopierte, änderte sich alles, als eines Tages ein junger Bassist zu ihm kam, der einen Bass von ihm gebaut haben wollte. Hier eröffnete sich plötzlich eine ganze Welt kreativer Ideen, was dazu führte, dass er sich nach und nach fast ausschließlich dem Bassbau widmete.

Die Teilnehmer bombardierten Michael förmlich mit Spezialfragen: Klangliche Eigenschaften verschiedener Tonhölzer, Holzbehandlung, Raumfeuchtigkeit bei Lagerung, Halsformen, Mensurlängen, Einfluss von Leim auf den Klang, Tonabnehmerwahl und Position, Einschwingen von Hölzern und vieles mehr - und erhielten stets hochkompetente und lehrreiche Antworten. Beeindruckend!

BassCon Online: John Patitucci Workshop

Auch der letzte Tag der Basscon Online lieferte ein wahres Feuerwerk an Input und Inspiration mit den Gästen John Patitucci und Michael Manring.

John Patitucci demonstrierte beeindruckend auf seinem Yamaha BB-Ltd. 5-String, an dessen Entwicklung er beteiligt war, dass zahlreiche Latin-Grooves auf 6/8-Metren aufbauen. Er rückte den Fokus beim Bassspiel auf die vier Aspekte "Time, Tone, Taste, Touch" heraus - allem voran die Ausbildung einer guten Time, was er mit dem Satz "Wir spielen Drums mit Saiten" untermauerte!

Neben vielen Anekdoten, mitunter von Herbie Hancock und Chick Corea, ging es weiter über Themen wie Jazz-Improvisation, wiederum vier Pfeiler beachtend: "Rhythmus, Emotion, Syntax, Vokabular" - verbunden mit der Empfehlung, dass es hilfreich sei, seinen Basspart zu singen. Auch beim Transkribieren von Basslinien ist die Entwicklung der Fähigkeit, die Basslinien zu singen, bevor man sie auf das Griffbrett überträgt, enorm hilfreich.

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BassCon Online: Michael Manring Workshop

Michael Manring startete seine Sitzung mit einer beeindruckenden Vorführung aller nur erdenklichen Spieltechniken mit seinem E-Bow auf seinem ZON 4-String Fretless, um dann zu einer sehr spannenden philosophischen Diskussion zum Thema "Kreativität" einzuladen.

Er sagte, dass es unsere Verantwortung als denkende Spezies sei, kreativ zu sein. Dabei ist es unwichtig, in welchem Bereich man kreativ ist, denn Kreativität wirke sich auch in anderen Bereichen aus. Wer also beispielsweise malt, dessen Kreativität in diesem Bereich kann sich auch für seine Musik auswirken.

Darüber hinaus ging es um das Thema "Ängste" - damit verbunden gab er den Hinweis, dass der größte Teil von Kreativität auf Fehlern basiere. Zwischendurch gab es immer wieder Ausflüge über Michaels Erfahrungen während seiner Studienzeit auf Berklee, seiner Schülerzeit bei dem legendären Jaco Pastorius und viele weitere Themen, die immer wieder durch spannenden Zwischenfragen der Teilnehmer angeregt wurden.

BassCon Online: Fazit

Als Resümee kann man sagen: "Es wurde viel geredet und wenig gespielt, aber jedes Wort war Gold wert." Die Teilnehmer konnten bei dieser Veranstaltung unglaublich viel "first hand information" einsammeln - und das in einer gelungen intimen Atmosphäre, die man am besten mit "Lagerfeuer-Diskussionen unter Freunden" beschreiben konnte.

Beeindruckend war die Anzahl der unterschiedlichsten Nationalitäten, die hier zusammenkamen, was nicht nur in meinen Augen einmal mehr bestätigte, dass Musik weltweit in allen Kulturen eine enorme Kraft auf die Menschen ausübt und auch die Möglichkeit bietet, dass wir alle einander näherkommen.

Somit bleibt nur, Ove Bosch alles Gute für Fortsetzungen dieses tollen Events zu wünschen. Möge sich die BassCon als regelmäßiges Event jenseits von Pandemie und Lockdown etablieren! Der Grundstein jedenfalls ist gelegt und die Begeisterung der Dozenten und Teilnehmer gleichermaßen spricht für sich. Wann immer die nächste BassCon stattfindet, ich werde mit Sicherheit wieder dabei sein!

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