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20.11.2018

Native Instruments Traktor Pro 3 Test

Professionelle DJ-Software

Neu aufgelegt mit vielen kreativen Funktionen

„Da ist es endlich!“ werden viele DJs sagen – nach einer gefühlt unendlichen langen Wartezeit veröffentlicht die Berliner Software-Schmiede Native Instruments jetzt das vermeintlich große Update für die DJ-Software Traktor Pro und hievt diese auf die Version 3. Leider wurde es in letzter Zeit etwas still um den einstigen Pionier, der trotz innovativer Zuwächse wie Remix- und Stem-Decks Fans an die Mitbewerber-Produkte von Serato und Pioneer DJ abgeben musste. Ob die Neufassung potent genug ist, den verlorenen Boden wieder gutzumachen, habe ich mir angeschaut.

Details

Traktor Pro 3 kann über den Webshop von Native Instruments als Vollversion für 99 Euro oder Update für 49 Euro erworben werden. Letzteres steht für Anwender von Traktor Pro 1-2, Traktor Duo 1-2, Traktor Scratch Pro 1-2 oder Traktor Scratch Duo 1-2 zur Verfügung. Ab sofort gibt es auch nur noch Traktor Pro 3 und keine aufpreispflichtige Scratch-Ausgabe mehr, denn die Timecode-Steuerung ist jetzt fester Bestandteil der Software und kann von allen Anwendern genutzt werden – nice! Zudem erlaubt der Berliner Hersteller in diesem Zusammenhang auch die Verwendung einer beliebigen Soundkarte, sodass man nicht zwingend ein Traktor Audio 6 Audiointerface, einen Traktor Kontrol Z2 Mixer oder anderes „Scratch Certified“ Produkt eines Drittherstellers verwenden muss.

Einziger Haken: Wer noch keine Timecode-Medien besitzt, muss diese nachkaufen (ab 19 Euro pro Stück). Bei einigen Controllern von Native Instruments, wie dem neuen Traktor Kontrol S4 MK3 oder S2 MK 3, gehört die Software auch zum Lieferumfang. Des Weiteren bietet die Neufassung eine überarbeitete Bedienoberfläche, eine neue Audio-Engine inklusive eines neuen Elastique-3-Time-Stretch-Algorithmus von Zplane, Mixer FX und eine Reverse-Funktion.

GUI

Die offensichtlichste Neuerung, die Traktor Pro 3 zu bieten hat, ist die neugestaltete Bedienoberfläche. Zugegebenermaßen war ich schon immer ein Fan der farblich zurückhaltend ausgeführten Oberfläche, die viele Informationen bereitstellt, dabei aber trotzdem übersichtlich ist – das mag der eine oder andere natürlich anders sehen. Leider hat Native Instruments es aber verpasst, im Zuge der Neugestaltung eine Optimierung für Retina Displays vorzunehmen. Die neue Oberfläche wirkt moderner und ist insgesamt etwas dunkler geworden, wodurch farbige Reglerstellungen oder aktivierte Taster besser hervorgehoben werden. Neben der Farbauswahl haben die Berliner aber auch die Anordnung einiger Funktionen modifiziert. Das oben in der Mitte platzierte Master-Panel beinhaltet jetzt zentral alles, was den Bereich Ausgangslautstärke, globales Tempo und externe Synchronisation anbelangt und erhält somit Zuwachs aus dem nicht mehr vorhandenen Metronom-Panel.

Im Master-Panel können jetzt MIDI-Clock- oder bei entsprechender Auswahl im Einstellungsfenster auch Ableton-Link-Kommandos ausgesendet werden inklusive eines wählbaren Offsets, um zusätzliche Hard- oder Software zu synchronisieren. Des Weiteren lassen sich in diesem Bereich die Snap- und Quantisierungs-Taster jetzt besser als solche erkennen und auch der Limiter ist bequem ein- und ausschaltbar. Für den Limiter gibt es zudem die Auswahlmöglichkeit zwischen dem alten „Classic“-Modus aus Traktor Pro 2 und dem neuen „Transparent“-Modus, der ein Clipping zu 100 % verhindern soll und unterhalb von 0 dB nicht arbeitet. Weitere Neuheiten in dem GUI sind die deutlich vergrößerte Master-Pegel-Anzeige und die Positionierung des Loop-Recorders auf der linken Seite – ein sinnvoller Schritt, wie ich finde, da die Funktionen jetzt vom Master-Panel getrennt sind.

Mixer FX

Im Mixerbereich gab es in Traktor Pro bislang Auswahlmöglichkeiten für die Equalizer und Filter. Neu hinzugekommen sind „Mixer FX“, deren Auswahlmenü unterhalb des Filter-Drehreglers zu finden ist. Klickt man auf dieses, so werden hier vier Mixer-FX zur Auswahl eingeblendet. Ihre Zusammensetzung lässt sich im Einstellungsfenster im Bereich Mixer festgelegen. Insgesamt gibt es acht Effekte: Reverb, Dual Delay, Noise, Time Gater, Flanger, Barber Pole, Dotted Delay und Crush. Die Zusammenstellung der Effektauswahl ist für alle Decks gleich. Aus dieser Auswahl kann danach aber deckspezifisch selektiert werden und somit eine individuelle Bearbeitung erfolgen – super!

Reverse

Eine von vielen Anwendern ebenfalls lange vermisste Funktion in Traktor wurde jetzt nachgereicht: die Rückwärtswiedergabe. Zur Aktivierung befindet sich ein dedizierter Reverse-Schalter in jedem Deck. Wird dieser in dem GUI gedrückt, aktiviert sich gleichzeitig der Flux-Mode, um einen synchron laufenden Mix nicht zu unterbrechen. Möchte man die Rückwärtsfunktion ohne Flux-Mode nutzen, so muss man diese auf einen externen Controller oder die Computertastatur mappen.

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