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28.10.2020

Native Instruments Traktor Pro 3 Test

DJ-Software

Neu aufgelegt mit vielen kreativen Funktionen

Die Berliner Software-Schmiede Native Instruments gehört zu den Pionieren in puncto DJ-Software und DVS-Systeme und ist seit dem letzten großen Traktor Update aus 2018 nun mit Traktor Pro Versionsnummer 3.4 am Start. Zugegeben: es war eine Zeit lang etwas still um das einstige Zugpferd, das trotz innovativer Zuwächse wie Remix- und Stem-Decks Fans an die Mitbewerber-Produkte von Serato und Pioneer DJ abgeben musste. Ob die Neufassung potent genug ist, den verlorenen Boden wieder gutzumachen? 

Details

Traktor Pro 3 kann über den Webshop von Native Instruments als Vollversion für 99 Euro oder Update für 49 Euro erworben werden. Letzteres steht für Anwender von Traktor Pro 1-2, Traktor Duo 1-2, Traktor Scratch Pro 1-2 oder Traktor Scratch Duo 1-2 zur Verfügung. Ab sofort gibt es auch nur noch Traktor Pro 3 und keine aufpreispflichtige Scratch-Ausgabe mehr, denn die Timecode-Steuerung ist jetzt fester Bestandteil der Software und kann von allen Anwendern genutzt werden – nice! Zudem erlaubt der Berliner Hersteller in diesem Zusammenhang auch die Verwendung einer beliebigen Soundkarte, sodass man nicht zwingend ein Traktor Audio 6 Audiointerface, einen Traktor Kontrol Z2 Mixer oder anderes „Scratch Certified“ Produkt eines Drittherstellers verwenden muss.

Einziger Haken: Wer noch keine Timecode-Medien besitzt, muss diese nachkaufen (ab 19 Euro pro Stück). Bei einigen Controllern von Native Instruments, wie dem neuen Traktor Kontrol S4 MK3 oder S2 MK 3, gehört die Software auch zum Lieferumfang. Des Weiteren bietet die Neufassung eine überarbeitete Bedienoberfläche, eine neue Audio-Engine inklusive eines neuen Elastique-3-Time-Stretch-Algorithmus von Zplane, Mixer FX und eine Reverse-Funktion.

GUI

Die offensichtlichste Neuerung, die Traktor Pro 3 zu bieten hat, ist die neugestaltete Bedienoberfläche. Zugegebenermaßen war ich schon immer ein Fan der farblich zurückhaltend ausgeführten Oberfläche, die viele Informationen bereitstellt, dabei aber trotzdem übersichtlich ist – das mag der eine oder andere natürlich anders sehen. Leider hat Native Instruments es aber verpasst, im Zuge der Neugestaltung eine Optimierung für Retina Displays vorzunehmen. Die neue Oberfläche wirkt moderner und ist insgesamt etwas dunkler geworden, wodurch farbige Reglerstellungen oder aktivierte Taster besser hervorgehoben werden. Neben der Farbauswahl haben die Berliner aber auch die Anordnung einiger Funktionen modifiziert. Das oben in der Mitte platzierte Master-Panel beinhaltet jetzt zentral alles, was den Bereich Ausgangslautstärke, globales Tempo und externe Synchronisation anbelangt und erhält somit Zuwachs aus dem nicht mehr vorhandenen Metronom-Panel.

Im Master-Panel können jetzt MIDI-Clock- oder bei entsprechender Auswahl im Einstellungsfenster auch Ableton-Link-Kommandos ausgesendet werden inklusive eines wählbaren Offsets, um zusätzliche Hard- oder Software zu synchronisieren. Des Weiteren lassen sich in diesem Bereich die Snap- und Quantisierungs-Taster jetzt besser als solche erkennen und auch der Limiter ist bequem ein- und ausschaltbar. Für den Limiter gibt es zudem die Auswahlmöglichkeit zwischen dem alten „Classic“-Modus aus Traktor Pro 2 und dem neuen „Transparent“-Modus, der ein Clipping zu 100 % verhindern soll und unterhalb von 0 dB nicht arbeitet. Weitere Neuheiten in dem GUI sind die deutlich vergrößerte Master-Pegel-Anzeige und die Positionierung des Loop-Recorders auf der linken Seite – ein sinnvoller Schritt, wie ich finde, da die Funktionen jetzt vom Master-Panel getrennt sind.

Mixer FX

Im Mixerbereich gab es in Traktor Pro bislang Auswahlmöglichkeiten für die Equalizer und Filter. Neu hinzugekommen sind „Mixer FX“, deren Auswahlmenü unterhalb des Filter-Drehreglers zu finden ist. Klickt man auf dieses, so werden hier vier Mixer-FX zur Auswahl eingeblendet. Ihre Zusammensetzung lässt sich im Einstellungsfenster im Bereich Mixer festgelegen. Insgesamt gibt es acht Effekte: Reverb, Dual Delay, Noise, Time Gater, Flanger, Barber Pole, Dotted Delay und Crush. Die Zusammenstellung der Effektauswahl ist für alle Decks gleich. Aus dieser Auswahl kann danach aber deckspezifisch selektiert werden und somit eine individuelle Bearbeitung erfolgen – super!

Reverse

Eine von vielen Anwendern ebenfalls lange vermisste Funktion in Traktor wurde jetzt nachgereicht: die Rückwärtswiedergabe. Zur Aktivierung befindet sich ein dedizierter Reverse-Schalter in jedem Deck. Wird dieser in dem GUI gedrückt, aktiviert sich gleichzeitig der Flux-Mode, um einen synchron laufenden Mix nicht zu unterbrechen. Möchte man die Rückwärtsfunktion ohne Flux-Mode nutzen, so muss man diese auf einen externen Controller oder die Computertastatur mappen.

Updates 3.1, 3.2, 3.3 und 3.4

Obwohl es in letzter Zeit wilde Spekulationen um die Zukunft bzw. den Verkauf von Traktor Pro gab, wie hier nachzulesen ist, wird der Pioneer unter den DJ-Software-Produkten stetig weiterentwickelt. Dieser Test basierte ursprünglich auf einer der ersten Traktor Pro 3 Versionen (3.0.1), die in den letzten zwei Jahren einige Updates erhalten hat. Aktuell wird Traktor Pro 3.4.0 per Native Access zum Herunterladen angeboten. Nachfolgend findet ihr die wichtigsten Neuerungen, die mit den letzten Updates ergänzt wurden.

Controller-Support

Native Instruments hat den Controller-Support von Traktor Pro weiter ausgebaut und bietet eine Unterstützung für die Pioneer-DJ-Geräte XDJ-1000MK2, XDJ-700 und DJM-V10 sowie für den Rane Twelve MK2. Die Devices werden per Plug-&-Play erkannt und automatisch konfiguriert. Für die hauseigenen Controller Traktor Kontrol S4 MK3 und S2 MK3 sowie für den S3 und S8 lassen sich jetzt Custom Mappings generieren, sodass ihr eigene Controller-Belegungen wählen könnt, ohne die ursprünglichen Zuweisungen komplett neu programmieren zu müssen (over-mapping). 

Parallele Wellenform

Zur Mixerleichterung bietet Traktor Pro neue große, horizontale Darstellungsoptionen für Wellenformen. Die Wellenformen werden durch die Auswahl des Layout-Presets „Parallel“ im oberen Bereich des Programms eingeblendet. Wer hier spezielle Anpassungen vornehmen möchte, lokalisiert die neu hingekommenen Einblendoptionen unter „Decks Layout“ im Preferences-Fenster und konfiguriert das Arbeitsfenster nach seinem Gusto. Zur Vereinfachung der Songvorbereitung (Setzen von Beatgrids, Hotcue-Punkten etc.) gibt es zudem das Layout-Preset „Preparation“, das ein einzelnes Deck inklusive einer großen Wellenform beinhaltet.

Harmonic Mixing

Um Mixe klanglich besser aufeinander abstimmen oder deren Dynamik gezielt steuern zu können, bedient man sich der Tonarten von Songs und passt diese gegebenenfalls an. Der hierzu benötigte Timestretch-Prozess wurde durch die Implementierung des neuen Elastique Timestretch Algorithmus Version 3.3.0 klanglich verbessert. Zudem ergänzten die Berliner zahlreiche Funktionen und Anzeigen in den Track Decks und in den Kopfzeilen der Decks, um die Anpassung gezielter, übersichtlicher und einfacher vornehmen zu können.

Ein neues „Key Widget“ ersetzt den Key-Lock-Taster und erlaubt neben der Aktivierung der Key-Lock-Funktion, Anpassungen in Halbtonschritten. Wird ein Song transponiert, kann man die gewählte Anpassung als Zahl im Key Widget ablesen, sodass sich hier sehr gezielt arbeiten lässt. In den Kopfzeilen der Tracks Decks blendet die Option „Resulting Key“ die Tonartanpassungen ein, die durch Tempoänderungen ohne aktivierte Key-Lock-Funktion erfolgen.

Um das Harmonic Mixing noch weiter zu vereinfachen, kann man im Browser die Songs mit den passenden oder benachbarten Tonarten direkt anzeigen lassen. Dies geschieht durch Selektion von „Only color matching keys“ oder „Also color adjacent keys“ im Preferences-Fenster im Bereich Browser Details.

Smart Listen

Traktor Pro bietet jetzt (endlich) auch Smart Listen, also Playlisten, die sich auf Grundlage gewählter Kriterien selbständig mit Inhalten füllen. Zwei Anwendungsbeispiele für Smart Crates findet ihr in meinem Workshop „Smart Crates und Playlists in Serato, VDJ, Rekordbox und Co. Einsetzen“.

Die Smart-Listen-Funktion in Traktor Pro ist recht mächtig, ihr könnt hier acht verschiedene Kriterien (BPM, Genre, Import Date, Last played etc.) wählen, die alle oder nur einzeln erfüllt werden müssen und hierbei Bedingungen definieren (is, is greater than, is around, is less than or equal to etc.). Mit diesen Listen kann man auch in großen Sammlungen sehr einfach für Ordnung sorgen.

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