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26.02.2021

Nach 40 Jahren: Verschollener KRAAN-Rickenbacker kehrt zu Hellmut Hattler zurück!

Hellmut Hattlers roter Rickenbacker-Bass ist ein Stück deutsche Musikgeschichte

Obwohl die deutsche Basslegende Hellmut Hattler im Laufe der Jahrzehnte mit Instrumenten der verschiedensten Hersteller zu sehen war, ist der modifizierte Rickenbacker 4003 (zu hören z. B. auf dem KRAAN-Album "Let It Out") wahrscheinlich das Modell, welches man am ehesten mit dem in Ulm lebenden Bassisten assoziiert. Unglaubliche vier Jahrzehnte lang galt dieses berühmte Instrument als verschollen - nun hat es seinen Weg zurück zu Hellmut Hattler gefunden!

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Ab 1977 spielte Hattler den roten Rickenbacker 4003, der auch das Cover des "Bassball"-Albums ziert. Die originale Brücke tauschte er gegen eine Replacement-Bridge der Hannoveraner Firma Rockinger aus. In das Schlagbrett schnitzte der stilprägende Plektrum-Bassist das Profil eines Gesichts, und das obere Korpushorn wurde mit einem Streifen bunter Regenbogen-Folie beklebt. Zuletzt verewigte sich Hellmut, indem er seinen Namen auf den Headstock des Basses schrieb. Zahllose Gigs und Recordings wurden mit diesem Instrument absolviert.

Da bleibt die Frage: Wie konnte es passieren, dass ein derart markantes Instrument 40 Jahre lang verschwindet? Die Antwort ist eine ziemlich unglaubliche Geschichte!

Ende der 1970er-Jahre erhielt Hellmut Hattler ein Ibanez-Endorsement. Im Zuge der Verhandlungen (und da der Rickenbacker ohnehin viele Probleme bei der optimalen Einstellung der beiden Halsstäbe verursachte) ließ Hattler das Instrument kurzerhand im Lager des deutschen Ibanez-Vertriebes - damals wie heute die Firma Meinl - und spielte bekanntlich fortan unter anderem diverse Roadstar- und Blazer-Modelle von Ibanez.

Aufgrund verschiedener "Irrungen und Wirrungen" wechselte Hatter 1990 zu Instrumenten der Firma Warwick - der legendäre Rickenbacker jedoch verblieb die gesamte Zeit über in den Tiefen des Lagers des Meinl-Musikalienvertriebes und geriet weitgehend in Vergessenheit.

Hellmut erinnert sich: "Nach dem Warwick-Edorsement spielte ich ab Mitte der Neunziger die unterschiedlichsten Bässe, unter anderem von Status, Basslab, Ritter, Magnus Krempel etc. Ich war immer ziemlich happy mit meinen Instrumenten und vermisste den Rickenbacker nicht wirklich. Erst als es mit KRAAN wieder richtig losging, kam die Idee auf, eventuell unsere Original-Instumente der 70er-Jahre einzusetzen. So schrieb ich die damalige Meinl-Chefetage an, doch der Bass blieb verschollen. Erst vor wenigen Tagen fasste ich erneut Mut und bat den neuen Meinl-Chef Alexander Meinl, doch mal nachsehen zu lassen, ob das Instrument den Firmenumzug überlebt hat und auffindbar sei. Alexander reagierte super freundlich, und zack: Nur wenige Tage später kam der Bass nach 40 Jahren in altem Glanz bei mir an! Dass ich zwischen Euphorie und Ungläubigkeit buchstäblich im Zimmer herumflog, brauche ich vermutlich nicht zu betonen. Ich habe die Rückkehr gleich bei Facebook gepostet - und die Reaktionen darauf waren überwältigend. Viele Leute erinnern sich noch gut an den roten Rick, weil sie ihn in den 70ern bei Konzerten gesehen haben."

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Und in welchem Zustand ist dieses Stück deutsche Musikgeschichte nach all der Zeit? Hellmut führt aus: "Die Halsstäbe sind immer noch verdreht. Darum befürchte ich, dass der Bass live eher nicht einsetzbar sein wird. Es sei denn, ein Kenner der Materie nimmt sich einer Reparatur an. Aber jetzt freue ich mich erst einmal über den lange vermissten Heimkehrer!"

Das glauben wir dir nur zu gerne, lieber Hellmut - was für eine Geschichte! Viel Spaß mit deinem "verlorenen Sohn"!

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