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25.06.2019

MWM Phase Essential und Phase Ultimate Test

Drahtloser Controller für DVS

Die Drahtlose DVS-Revolution?

Als die französische Firma MWM, die für den kabellosen Mixfader und das Pro Link bekannt ist, im Frühjahr 2018 ihr neues Produkt „Phase DVS“ erstmals vorstellte, horchte die weltweite DJ-Community auf. Denn bei diesem Gerät handelt es sich um kabellose Steuerungseinheiten bzw. Controller, die in der Lage sind, gängige DVS-Software über Funk zu steuern, ohne dass man dafür ein Timecode-Vinyl benötigt. Wie bitte? Kein Tonarm, keine Abtastnadel? Richtig gehört! Zwei mit wiederaufladbaren Batterien ausgestattete Sendeeinheiten, die sogenannten „Remotes“ schicken ihre Positions-, bzw. Rotationsdaten per Funk an eine Empfangseinheit, welche dann entsprechende das DVS-System steuert. Wir haben das Produkt „auf Herz und Nieren“ getestet und sagen euch, ob Phase im DVS-Bereich alles „auf den Kopf stellt“ oder nicht.

Details

Das in Paris ansässige Unternehmen MWM möchte mit dem Phase DVS allseits bekannte „Sollbruchstellen“ für DVS-DJs umgehen und deren Performance in Clubs und auf Bühnen, etc. erleichtern. Nervigen Störquellen gibt es für DVS-DJs leider viele. Besonders in Clubs sind die Turntables oft schlecht oder gar nicht gewartet und machen den „Plattenreitern“ durch ausgeleierte Tonarme, oxidierte Kontakte, brüchige Phonokabel und vieles mehr das Leben schwer. Auch Körperschall (physische Übertragung des Audiosignals auf den Tonabnehmer), verschmutzte Abtastnadeln oder das simple Springen der Nadeln können die Arbeit eines DJs erschweren. All diese Umstände möchte man mit Phase nun umgehen.

Das klingt ein wenig nach Revolution und so bekam das Produkt weltweit große Aufmerksamkeit und wurde von DJs und Fachjournalisten entsprechend „heiß“ diskutiert. So stellte der bekannte US-DJ „Jazzy Jeff“ das Produkt im Oktober 2018 auf seinem Youtube-Kanal vor und lobte es als „mögliche Revolution im DJ-Sektor“, während sein Kollege, der 1988er DMC-Worldchampion „DJ Cash Money“ Phase noch im April 2019 auf seinen Social-Media-Seiten als „Novelty“ und „Joke“ bezeichnete.

Nachdem der Launch von Phase immer wieder vom Hersteller verschoben wurde, ist das Produkt nun endlich käuflich zu erwerben. Phase ist in zwei Varianten zu haben. Einmal als „Essential“ Version mit zwei Remotes und einer Empfangseinheit und als „Ultimate“ Variante mit gleich vier Remotes und einer Empfängerstation.

Lieferumfang

Die stylishe schwarze Phase-Box erinnert von der Aufmachung her ein wenig an Produkte von Apple. Die Empfängerstation hat die kompakten Maße von 25 x 124 x 77 mm (H x T x B) und macht mit seinem stabilen Kunststoff-Chassis, Alurahmen und vergoldeten Kontakten einen angenehm wertigen Eindruck. Passgenau sind die beiden Sendeeinheiten in den „Docks“ der Empfängerstation untergebracht. Durch einen praktischen Magnet-Mechanismus sind sie dort vor Herausfallen geschützt und docken zuverlässig an die Kontakte der Empfängerstation an. Die Remotes wirken trotz ihres geringen Gewichtes von nur jeweils wenigen Gramm erfreulich robust und sind auf ihrer Unterseite ebenso mit vergoldeten Kontakten versehen. Die Essential-Version wird mit zwei Remotes geliefert, während das Ultimate Paket mit gleich vier Sendeeinheiten daher kommt. Davon abgesehen ist der Lieferumfang beider Produkte identisch.

Außerdem finde ich in dem Karton zwei hochwertige Cinchkabel zum Verbinden der Empfängerstation mit der DVS-Hardware und ein ebenso solides USB-Kabel. Mit diesem wird die Empfängerstation mit Spannung versorgt, per Software konfiguriert oder mit einer neuen Firmware ausgestattet, etc. Alle Kabel sind mit stylishen, eckigen Stecker bestückt und verfügen erfreulicherweise ebenso über vergoldete Kontakte.

Des Weiteren befinden sich im Lieferumfang noch vier Magnetaufkleber zum Fixieren der Sender auf den Schallplatten, ein Set mit regulären Aufklebern sowie ein deutschsprachiges Manual. Dieses erklärt in leicht verständlichen Worten, wie man Phase anschließt und in Betrieb nimmt. Der erste Eindruck ist wichtig und fällt erfreulicherweise positiv aus.

Phase Konzept

Die Signalkette, mit der man bei DVS-Systemen arbeitet, basiert auf der analogen Übertragung der Timecode-Information der Timecode-Schallplatte als Audiosignal über Abtastnadel, Tonabnehmer, die Kontakte des SME-Bajonettverschlusses, die Plattenspieler-interne Verkabelung, die Cinch-Strippen sowie die Anschlüsse des Phono-Inputs der verwendeten DVS-Hardware (Audiointerface oder DVS-Mixer). Phase umgeht große Teile dieser analogen Signalkette und macht so u.a. den Tonabnehmer und den Tonarm überflüssig. Die Sensoren in den Sendern ermitteln die aktuellen Rotationsdaten bzw. Positionsinformationen und schicken diese per Funk an die Empfängereinheit. Das passiert laut Hersteller nahezu latenzfrei mit einer Auflösung von maximal 3200 Positionsdaten pro Sekunde.

Die Macher von Phase arbeiten dabei nach eigenen Angaben weder mit Wifi- noch Bluetooth Frequenzen, sondern haben dazu ein eigenes System zur Funkübertragung entwickelt, dessen Übertragungsfrequenz alle 10 Millisekunden wechseln soll. So möchte MWM verhindern das es zu Interferenzen, bzw. Störungen der Übertragung durch andere Funksignale, wie z.B. Wifi oder Funkmikrofonen kommen kann.

Die Empfängerstation erzeugt aus den Daten der Remotes Timecodesignale, welche mit den Cinch-Kabeln aus dem Lieferumfang an die DVS-Hardware (Audiointerface oder DVS-Mixer) weitergeleitet werden und interagiert nicht, wie von vielen Interessierten anfangs fälschlicherweise angenommen, via USB direkt in die Software. Verwendet werden im Gegensatz zu den Timecode-Vinyls die Line-Inputs und nicht die Phono-Eingänge der Hardware. Der Hersteller verspricht bei der Verwendung von Phase das gleiche Feeling wie bei regulären Vinylscheiben oder Timecode-Vinyl.

Inbetriebnahme

Aus Gründen der Transportsicherheit (Brandgefahr) sind die Akkus der Transmitter im ausgelieferten Zustand zunächst ungeladen. Zum Laden schließe ich die Empfangseinheit inklusive der in den beiden Docks sitzenden Remotes per USB an meinen Computer an. Anschließend leuchten alle LEDs der Empfängerstation sowie Sendeeinheiten einmal auf. Der erste Ladevorgang dauert circa zwei Stunden, wohingegen das nachfolgenden Wiederaufladen der Akkus in lediglich circa einer Stunde erledigt ist. Alternativ könnte ich die Remotes auch mit einem USB-Netzteil oder einem aktiven USB-Hub aufgeladen werden.

Laut Hersteller darf man Phase allerdings nicht per USB mit seinem DVS-Mixer verbinden, da dies das Gerät beschädigen könnte. Für den Test habe ich folgendes Setup verwendet: MacBook Pro mit 2,5 GHz Intel Core i5 Prozessor, 8 GB RAM und macOS Version 10.12.4. Serato DJ Pro Software, Version 2.1.2. Pioneer DJM-S9 Mixer 2 x Technics 1210 MKII Turntable

Nachdem die Remotes vollständig geladen sind, besorge ich mir von der MWM-Website die Mac-Version der MWM Connect Software (Version 1.00.01). Der Installationsvorgang ist nach wenigen Augenblicken erledigt und nach dem obligatorischen Neustart des Computers verbinde ich die Phase-Empfängerstation via USB mit meinem Rechner. Im Anschluss starte ich erstmals die MWM Connect Software, die mich dann zunächst auffordert, einen MWM-Kundenaccount mit den üblichen Email- und Passwort-Informationen zu erstellen. Dem komme ich nach und nachdem auch die Verifizierung der Accountdaten per Email erledigt ist, kann die Konfiguration der Hardware endlich beginnen.

Ich logge mich also in mein brandneues Kundenkonto ein und die Software erkennt problemlos das Phase-Gerät und ordnet dieses meinem Account zu. Unter dem Punkt „DVS“ wähle ich nun den verwendeten „Timecode“. Hier habe ich die Auswahl zwischen Serato, Traktor, Rekordbox, Ms Pinky, edjing, sowie einer Custom-Option. Ich wähle Serato als Software aus anschließend die Geschwindigkeit der Control-Vinyls.

Das entsprechende Aufklappmenü offeriert mir 33 1/3, 45 sowie 78 RPM. Ich wähle die Geschwindigkeit 33 1/3 RPM. Im Menüpunkt „LED“ habe ich nun praktischerweise die Möglichkeit den Dock A und Dock B zugeordneten Remotes jeweils neun verschiedene Beleuchtungsfarben zuzuordnen. Meine Wahl fällt auf gelb für die Sendeeinheit im Dock A und lila das Remote im Dock B.

Ähnlich wie in den Systemeinstellungen eines Computers habe ich unter der Rubrik „Energysaver“ die Möglichkeit, die Zeiten für den Sleep Mode (Pausieren der Remote Funktion) und dem Shutdown (Vollständiges Ausschalten der Sendeeinheiten) bei Nichtbenutzung individuell zu konfigurieren. Das ist u.a. sehr wichtig, damit sich die Akkus der Remotes bei Pausen unnötig entleeren. Möglich sind hier Zeiten zwischen einer Minute und Unendlich (Off). Für den Schlafmodus wähle ich eine Zeit von 20 Minuten und den Shutdown eine Stunde.

Aus dem Schlaf „aufwecken“ lassen sich die Sendeeinheiten durch ein simples hin- und herbewegen, während man die Remotes nach dem vollständigen automatischen Abschalten zum Reaktivieren kurz in den jeweiligen Dock stecken muss. Beides funktionierte im Test ohne Beanstandungen. Bei vollständig geladenen Akkus soll die Betriebszeit der beiden Remotes laut Herstellerbei bei circa 10 Stunden liegen. Im Menüpunkt „Info“ der App finde ich die Informationen zur verwendeten Software-Version, der Seriennummer, sowie meine Account-infos.

Der „Soft Reset“ löscht alle in der App vorgenommen individuellen Einstellen und setzt diese in die Default-Einstellungen zurück. Mit dem „Hard Reset“ habe ich ebenfalls die Möglichkeit, die App in den Auslieferungszustand zurück zu setzten und außerdem die Hardware aus dem aus dem verwendeten Kundenkonto zu löschen. Das ist notwendig, wenn man sein Phase-Gerät wechselt oder dieses verkaufen möchte.

Eine der wichtigsten Aufgaben der MWM Control Software in Verbindung mit Phase ist die Überwachung der aktuellen Ladezustände der beiden Remotes. Diese werden entsprechend in Prozent angezeigt. Zusätzlich zur Angabe in Prozent wäre eine Zeitangabe der voraussichtlichen Restlaufzeit der Sender wünschenswert gewesen.

Startschwierigkeiten

Soweit die Theorie, nun aber zurück zur Praxis. Denn noch habe ich die Einheit nicht in Betrieb genommen. Mit den Cinch-Kabeln aus den Lieferumfang verbinde ich den Ausgang von Dock A mit dem Line-Input von Deck 1 meines DJM-S9 Mixers und entsprechend das Dock B mit dem Line-Eingang des Deck 2. Nun platziere ich zwei der vier Magnetsticker auf meine beiden Timecode-Vinylscheiben. Dabei ist zu beachten, dass die Klebestreifen der Magnetsticker nicht wiederverwendbar sind.

Die Benutzung von Timecode-Vinyl ist bezüglich Phase allerdings nicht zwingend erforderlich. Hier kann man problemlos auch reguläre Schallplatten verwenden. Wie im Manual beschreiben, hole ich die Remotes aus den Docks und warte, bis die LED-Positionsmarker auf diesen sich nicht mehr bewegen. Das bedeutet, die Kalibrierung der Sender ist nun abgeschlossen und sie sind nun einsatzbereit. Nun setzte ich die Remotes auf die Sticker der Vinyl-Labels. Dank ihrer Einkerbung auf der Unterseite und des Magnet-Mechanismus rasten diese dann auch perfekt und wackelfrei ein. Eigentlich sollte Phase nun startklar sein.

Ich öffne Serato DJ Pro und wähle anstelle der Phono-Signale die Line-Inputs als Quelle. Doch nur ein Sender erzeugt ein perfekt kreisrundes Timecode-Signal. Die zweite Sendeeinheit bleibt zunächst „stumm“. Also vertausche ich erstmal die beiden Remotes in den Docks und ordne diese durch die „Pairing“ Funktion von Phase den jeweiligen Docks A und B neu zu. Dazu drücke ich die Setup-Tasten A & B der Sendeeinheit für länger als drei Sekunden. Sobald diese Tasten aufhören zu blinken sind die Remotes den jeweiligen Docks neu zugeordnet. Dennoch erzeugt die Sendeeinheit in Dock B keinen Timecode.

Nun versuche ich mein Glück per Soft-Reset in der MWM Connect Applikation. Auch das bleibt zunächst leider erfolglos. Anschließend trenne ich die Empfängerstation von ihrer USB-Versorgungsspannung. Auch durch diese Aktion bringt nicht das gewünschte Ergebnis. Nach diversen nervenden Versuchen und über einer Stunde Zeit schaffe ich es dann aber doch noch, das zweite Deck in Betrieb ans Laufen zu bekommen. Meine anschließende Netz-Recherche in den einschlägigen Foren und Kommentaren von Usern auf Social Media verrät mir dann schnell das diese und ähnliche Problematiken leider (noch) häufig auch bei anderen Nutzern vorkommen. Hier muss MWM dringend nachbessern.

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