Test
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01.09.2020

Praxis

Werden die Snares professionellen Ansprüchen gerecht?

Im Studio angekommen, heißt es zunächst „Auspacken“, was etwas Zeit in Anspruch nimmt, da jede Snare nicht nur in drei ineinander gesteckten Kartons, sondern obendrein in einem flauschigen Säckchen verschickt wurde, was im Preissegment unter 400 Euro wohl sonst eher die Ausnahme sein dürfte. Dank der sauber montierten Snareteppiche und sanft laufenden Stimmschrauben kann ich auch gleich beginnen, die Snares in vier unterschiedlichen Tunings zu testen: supertief und fett, mittel, mittel-hoch und hoch. Abgesehen vom supertiefen Tuning benutze ich dabei keinerlei Dämpfung. Die Spannung des Resonanzfells passe ich bei jedem neuen Tuning an die des Schlagfells an, um immer den bestmöglichen Mix aus Kesselton und Teppichansprache zu erreichen. 

Das Sustain, soviel lässt sich vorweg sagen, ist dank der verrundeten Kesselgratungen und der vier Luftausgleichslöcher bei allen vier Testmodellen kontrolliert und schnell verklungen. Die Sonic Saver Hoops bei den Modellen „Shadow“ und „Nucleus“ scheinen das Obertonverhalten bei offenen Tunings nochmal etwas stärker zu komprimieren als die handelsüblichen Triple Flanged Hoops der Modelle „Venom“ und „Razor“, die sich für meinen Geschmack allerdings etwas angenehmer, quasi unauffälliger spielen lassen – vielleicht nur eine Frage der Gewohnheit?!

Die Razor in 14“ x 5“

Der Name ist Programm! Die „Razor“ Snare besticht durch einen prägnanten Charakter, wobei „messerscharf“, so wie es ihr Name vielleicht vermuten lässt, sicherlich nochmal deutlich anders klingt. Der Teppich ist bei dieser Snare jederzeit spürbar „nah am Stock“ und sorgt in allen Tunings für ein kontrolliertes Spielgefühl. Natürlich ist diese Snare ideal für funkige Grooves im hohen Tuning, jedoch stellt sie einmal mehr unter Beweis, dass auch flache Snares wunderbar mit lasch gespanntem Schlagfell funktionieren können. Durch die 5“ Kesseltiefe ist der Teppich dabei sehr präsent und gibt dem tiefen Tuning einen "elektronischen" Anstrich.

Die Shadow in 14“ x 6,5“ 

Das Modell „Shadow“ stellt sich schnell als Alleskönner heraus. Die verschiedenen Klangeigenschaften der Kesselmaterialien Birke und Walnuss belohnen in Kombination jedenfalls alle Tuningexperimente mit einem kontrollierten und gleichbleibend vollen und warmen Kesselton. Für ihre 6,5“ Kesseltiefe besitzt die „Shadow“ obendrein eine sehr gute Teppichansprache. Vor allem im supertiefen Tuning klebt der Teppich förmlich am Stick, ein Effekt, den man sonst vor allem von flacheren Kesseln oder Metallsnares kennt. Das eher dunkle, holzige Timbre im Sound der „Shadow“ Snare kommt sicherlich am besten im Studio oder auf leisen bis mittellauten Bühnen zur Geltung. 

Die Nucleus in 14“ x 5,5“

Dieses Modell beschreibt Mapex als „the center, when you need to drive the groove right down the middle.“ So konkret die „Nucleus“ Snare demnach klingen soll, zeigt sie sich im Test leider doch etwas unpräzise. Zwar sorgt ihr Kessel aus Walnuss und Ahorn zusammen mit den Sonic Saver Hoops für einen dunklen, holzigen Kesselton mit einem auffallend kurzen Sustain, doch will sich dieser nicht so recht mit dem Teppichsound mischen, der im Vergleich zum Kessel relativ scharf wirkt. Von allen vier Testkandidaten sitzt diese Snare für meinen Geschmack dadurch entgegen ihrer Beschreibung am allerwenigsten „in der Mitte“. Sicherlich lässt sich hier aber mit einem alternativen Snareteppich-Modell etwas nachhelfen.

Die Venom in 14“ x 5,5“

Die "Venom" Snare könnte als große Schwester der „Razor“ Snare bezeichnet werden, da auch ihr Ahornkessel klanglich in die helle, prägnante Richtung geht. In puncto Stimmumfang steht diese Snare den anderen drei Modellen in nichts nach und macht in allen Tunings durchweg eine gute Figur, wobei sie vergleichsweise „gewöhnlich“ klingt. Für alle, die eine gut funktionierende Snare suchen, die sich keinesfalls in den Vordergrund spielt, könnte die „Venom“ dadurch interessant sein.

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