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Test
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27.05.2016

Korg volca FM Test

Mini FM-Synthesizer

FM-Revival

Analoge Drummachine, Digitaler Sampler, Subtraktiver Poly und Bass Synth – fehlt eigentlich nur noch ein FM-Synthesizer! Und der ist jetzt endlich auch erhältlich, hört auf den Namen volca FM und ergänzt die Korg volca Serie folgerichtig. Nach volca beatsvolca keysvolca bass und volca sample muss nun also auch der „Mini DX7“ unter das Bonedoskop. Aber was ist eigentlich FM?

FM – das hat man schon sicherlich schon mal am Radio gelesen, neben AM. FM steht für Frequenzmodulation und beschreibt ein Modulationsverfahren bei dem die Frequenz („Tonhöhe“) eines Trägersignals von einem anderen Signal moduliert wird. AM hingegen heißt Amplitudenmodulation, weil hier die Amplitude („Lautstärke“) eines Signals moduliert wird. Aber was hat das bitte mit einem Synth zu tun ? 

Nun, 1967 entdeckte der Amerikaner John Chowning auf der Grundlage Jean Baptiste Joseph Fouriers, dass man bereits mit der Modulation zweier Sinus-Signale sehr obertonreiche Signale gewinnen kann, was dazu führte, dass Yamaha sich 1983 darauf ein Patent holte und im GS1, GS2 sowie später dem sensationell erfolgreichen DX7 und seinen Nachfolgern zum Einsatz brachte. Seitdem ist die Frequenzmodulationssynthese auch für den Otto-Normal-Musiker verfügbar und prägte besonders in den 80ern mit den resultierenden, trockenen FM-Bässen, gläsernen FM-Glöckchen, elektrischen Pianos und Organs sowie verstörendem Metalnoise-Gekratze unser Klangverständnis. Der historische Bildungsauftrag wäre damit erfüllt – stürzen wir uns auf die Details!

Details

volca, ich bin dein Vater!

Der Korg volca FM ist ein dreistimmiger FM-Synthesizer mit sechs Operatoren und vollständig zum Yamaha DX7 kompatibel. Das bedeutet, dass via SysEx Patches übertragen werden können (genau wie bei Native Instrumentes FM8). Via Sync-Buchse ist sogar ein Klang-Austausch zwischen zwei Korg volca FM möglich – aber immer der Reihe nach.

Family Business

Wie alle Korg volcas ( bass, keys, beats und sample) ist auch der Korg volca FM in einem äußerst kompakten, dennoch soliden Kunstoffgehäuse (193 x 115 x 40 mm) untergebracht und bei einem Gewicht von 0,36 kg (ohne Batterien) äußerst Reise-freundlich. 

Ein eingebauter Lautsprecher auf der Rückseite sowie eine Batterie-Laufzeit von ca. 10 Stunden unterstreichen das Ganze. Geliefert wird die kleine Kiste mit sechs passenden AA-Batterien, einem Sync/Audio Kabel (Miniklinke 3,5 mm), einem Manual-Beipackzettel sowie einem Parameter/Algorithmus-Übersichtspappkärtchen. Letzteres fehlte bei meinem Testgerät leider, lässt sich aber wie das „Handbuch“ auch online einsehen.

DX7-inspirierte Oberflächlichkeiten

Die Oberfläche ist von zehn transparenten Potis geschmückt, wobei der Tempo-Knopf sogar LED-hinterleuchtet ist (blinkt im Takt rot). Ein weiteres, jedoch schwarzes Poti ist für die Lautstärke zuständig und der Sound wird über eine Kopfhörer-taugliche Miniklinkebuchse ausgegeben. Ist ein Kabel eingesteckt, verstummt der rückseitige Speaker. Ein weiterer schwarzer Drehregler ist als Encoder (endlos) ausgelegt und für die Programm- und Parameterauswahl zuständig. 

Hinzukommen zwei 3,5 cm lange Fader: Einer für die Transposition, der andere für die Velocity bzw. die Parameterwerte im Edit Mode. Acht rot Hintergrund-beleuchtete Gummi-Taster zollen in den Farben Türkis, Braun und Rosa eindeutig den Folientasten des DX7 Tribut. Apropos Folie und kein Feedback: Die „Tastatur“ ist Multitouch-fähig, damit polyphon spielbar und gleichzeitig für die Darstellung der 16 Steps sowie weiterer Zusatzfunktionen zuständig. Unter ihr befinden sich 16, mit den weißen bzw. goldenen Tasten korrespondierende, rote LEDs, welche sich auch für die Visualisierung der beiden letztgenannten Funktionen zuständig zeigen. 

Neben dem Kopfhörer-Ausgang finden wir außerdem die von den anderen volcas bekannten Sync In/Out-Buchsen sowie einen MIDI-Eingang. Links oben befinden sich der Power-Schalter und die Netzteil-Buchse. Ein Netzteil ist übrigens nach wie vor nicht Teil des Lieferumfangs. 

Are you smart enough?!

Der FM-Synthese haftet hartnäckig der Ruf an, sie sei recht komplex in der Bedienung. Das war schon immer so und alle Versuche, die Bedienung etwas einfacher zu gestalten, scheiterten, weil zwischen den Parameter-Sweetspots klanglich leider auch eine Menge Müll in Form von Alien-Noises zu Tage tritt. Ein guter Vorrat an Patches gehörte deswegen zum guten Ton: Für keinen anderen Synthesizer findet man online so viele Presets wie für den DX7 und es wird bis heute rege damit gehandelt und getauscht. 

Mit 32 Klang-Presets ist der volca FM zwar nicht unbedingt üppig bestückt, es reicht aber um die 80er klanglich fast vollständig abzubilden. Das soll nicht abwertend klingen, denn ich mag die 80er doch gar sehr. Wie bei allen volca-Kisten ist die Limitierung auf einen klar abgegrenzten Klangraum in Zeiten GB-schwerer Sample Librarys und Eierlegender-Wollmilch-Synths ein echter Segen und eine Bereicherung zugleich – ich möchte keinen meiner volcas missen!

Aber ich schweife ab; zurück zum Thema. Auch Korg hat versucht, das Parameter-intensive Thema FM benutzerfreundlich abzubilden. Und so finden wir auf der linken Seite  – unter dem achtstelligen Sieben-Segment-„80s-Style“-Display – die wichtigsten Parameter im Direktzugriff. Dazu gehören die vier Makro-Controls für den Attack und das Decay für je alle Modulatoren und alle Carrier sowie zwei LFO-Makros (Depth und Speed). Als Carrier bezeichnet man die Trägersignale, welche von den Modulatoren in ihrer Frequenz verändert werden. Es handelt sich hierbei übrigens um spektral ziemlich nahe liegende Frequenzen im Hörbereich. Eine kleine Veranschaulichung findet ihr im folgenden Video:

Übrigens: Sollte der Modulator den Carrier mit bis zu etwa 10 Hz modulieren, entsteht ein Vibrato. Werden indes etwa 20 Hz überschritten, so kommen zum Grundton des Trägers weitere Obertöne hinzu. Das ist additiv und damit das Gegenteil von subtraktiv, der am weitest-verbreitenden Synthese-Art im Musikbereich, denn dort wird mit einem möglichst vollen Spektrum gearbeitet bevor dieses mit Hilfe eines Filters ausgedünnt (subtrahiert) wird. 

Sequenzer, Spielhilfen und andere Annehmlichkeiten

Natürlich ist der volca FM auch mit einem Step-Sequenzer mit 16 Schritten ausgestattet, welcher dank „Motion Sequence“ auch Parameter-Änderungen aufzeichnen kann. Eine klassische Step-Ansicht gibt es hingegen nicht, was ich äußerst schade finde. Der Active Step Mode überspringt nämlich nur deaktivierte Steps, doch das nur am Rande. Insgesamt 16 Speicherplätze stehen für den Sequenzer zur Verfügung, welche unabhängig von den 32 Preset-Speicherplätzen sind. Also immer schön doppelt speichern!

Dankenswerterweise wurde an ein Metronom gedacht, das die Aufnahme erleichtert, wenn gerade keine Drummachine synchron läuft. Hinzu kommen ein Chorus-Effekt sowie die Voice Modes Mono, Poly und Unison, für fettes Mono- bzw. Akkord-Spiel. Als Spielhilfe steht ferner ein extrem umfangreicher Arpeggiator zur Verfügung. 

Nerdtalk

Schauen wir einmal unter die Haube, stellen wir fest, dass es 6 Operatoren gibt. Diese können jeweils Modulator oder Carrier sein bzw. sich auch selbst modulieren. Es gibt dabei bis zu 32 Varianten der Verschaltung, auch Algorithmen genannt, was unterschiedliche Sounds ermöglicht und im folgenden veranschaulicht wird:

Wer sich auch die Parameter List angeschaut hat (beide befinden sich auch auf einer mitgelieferten Papp-Karte), wird die enorme Anzahl an Parametern der FM-Synthese geahnt haben. Um genau zu sein, gibt es 23 Parameter pro Operator, was bei sechs Stück insgesamt 138 Operator-Parameter ergibt, zu denen nochmal 16 allgemeine Parameter hinzukommen. In der Summe also 154 – gut, dass Coffee Shopped einen Software Editor im Angebot hat! Schade hingegen, dass Korg keinen selbst anbietet.

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