Hersteller_Korg SP_1000bis2000
Test
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08.01.2010

Praxis

Sounds
Das SV-1 bietet 36 Presetsounds, die nahezu vollständig aus schwerem Gerät der 60er und 70er stammen. Ganz vorne im Team der Analog-Allstars steht natürlich das Fender Rhodes. Als Presets werden eine realistische, recht crunchige und eine mehr synthetische FM-Version angeboten. Beide werden mit unterschiedlichen Effekten variiert. Doch bereits Variation 1 beglückt. Ein sehr leicht angezerrter Sound, eine Prise Plattenhall und vor allem hörbare Nebengeräusche der auftreffenden Hämmer und der gesamten Mechanik. Das, was bei guten Klaviersounds inzwischen Standard ist, wird hier endlich auch für elektromagnetische Tasteninstrumente eingeführt. Korg nennt das die Real Experience Technologie. Yeah! Das Ergebnis klingt sehr, sehr authentisch. Die Lautstärke dieser Noise-Samples ist zudem einstellbar.           
Was ich beim Rhodes vermisse, ist eine glockigere Soundvariante, da das Original bekanntlich je nach Einstellung der Klangstäbe auch einen solchen Sound bieten kann.

Die Nebengeräusch-Samples veredeln ebenfalls die Wurlitzer-Klänge, sodass auch diesen eine selten gehörte Authentizität innewohnt. Allerdings wird hier auch klar, dass der exzellente Sound aus dem Zusammenspiel von Samples, Effekten und Röhrenamps resultiert. Außerdem im Programm ist ein Yamaha CP-70, ein Pianet, Clavinets und weitere frühe Versuche der Klavieremulationen.

Im Angebot sind auch ein paar akustische Flügel und Klavierklänge. Zum Beispiel ein brillanter Yamaha- sowie ein etwas dunklerer Steinway-Flügel. Beide in gewohnt hoher Korg-Qualität. Abgerundet wird die Abteilung von zwei Klaviersounds und zwei Klavier/Stringpad-Kombinationen, wobei letztere erstaunlich geschmackvoll gelayert ist. Die Orgel-Sektion bietet ebenfalls sechs verschiedene Sounds. Neben einer Hammond findet man selten gehörte Klänge von Farfisa und Vox. Die klingen zwar schön dreckig, können aber leider mit Zugriegel oder Percussion nicht weiter editiert werden. In Verbindung mit der gewichteten Tastatur würde ich folglich beim Thema Orgel eventuell andere Instrumente vorziehen, obgleich die Sounds an sich gelungen sind.    

In der Kategorie „Others“ sind drei Streicher-Klänge im Angebot. Zwei davon stammen aus den Anfängen der Synthie-Zeit (Mellotron und Solina), der dritte entspricht der heutigen Emulationskunst und bietet einen warmen, weichen Teppich. Außerdem ein Chor und zwei Brass-Synthiesounds, die wohl dem Gesamtkonzept als Stagepiano geschuldet sind.

Effekte & Amps
Was das SV-1 so einzigartig macht, sind jedoch die Effekte und Amp-Simulationen. Hier schüttelt das Teil seine Asse aus dem Ärmel. Die Effekte sind in vier Gruppen aufgeteilt, die sich hintereinander schalten lassen. Am Start sind Pre-Effekte, also klassische Bodentreter, Modulationseffekte sowie Hall/Delay plus ein Limiter. Bei den Pre-Effekten findet man einen Kompressor, Booster, Vibrato und Tremolo sowie ein Wah-Wah Effekt. Im Soundbeispiel hört man ein Fender-Tremolo und ein Vox Wah-Wah. Per Drehpoti lassen sich dabei die entsprechenden Parameter wie Geschwindigkeit oder Effekttiefe einstellen. Leider funktioniert das am Gerät nicht stufenlos. Der Software-Editor bietet in diesem Zusammenhang einige Vorteile. Dazu später mehr. Unter den Modulationseffekten befinden sich die Klassiker Chorus, Phaser, Flanger und Rotary. Der Hallkanal bietet mit Room, Plate, Hall und Federhall vier Halltypen sowie Tape- und Stereo-Delay, letzteres mit Tap-Tempo Funktion. Zunächst unsichtbar ist ein Stereo-Limiter, der sich nur mithilfe der Software bedienen lässt. Die Effekte klingen allesamt enorm gut. Man hat hier nicht nur ihre physikalische Funktionsweise nachgezeichnet, sondern den Sound eines bestimmten Modells vor Ohren gehabt und diesen mit all seinen Charakteristika und Schwächen imitiert. Daraus resultiert der hohe Grad an Authentizität.

Gleiches gilt für die Amp-Sektion. Sechs Klassiker (Roland Jazz Chorus, Fender Super Reverb, Fender Twin, Vox AC 30, Bogner Ecstacy und eine Leslie-Imitation von Korg) sind im Angebot. Neben dem charakteristischen Frequenzgang sind auch Verzerrung und der Rauschanteil emuliert. Man könnte sagen: liebevoll. Wie die Röhre technisch genau arbeitet, kann ich nicht „fachmännisch“ beurteilen. Wohl aber kann ich meinen Ohren vertrauen: Das finale Klangergebnis ist Spitze und macht bei vielen Sounds mehr als die halbe Miete. Im Soundbeispiel hört man ein Rhodes mit

 

a.) Roland Jazz Chorus

b.) Fender SuperReverb

c.) Vox AC30

Editor-Software
Mitgeliefert wird eine Editor-Software, die einige zusätzliche Features bietet. Beispielsweise können mit ihrer Hilfe weitere Presets auf dem Computer gespeichert und auf Wunsch zum SV-1 übertragen werden. Ganze Listen solcher Backup-Datensätze lassen sich so verwalten. Außerdem lassen sich bei einigen Effekten und Amps bestimmte Parameter nur per Software regeln, so etwa die Attack-Zeit des Kompressors oder die Wahl der entsprechenden Box zum Amp, um nur zwei zu nennen. Im Editor lassen sich alle Regler endlich auch stufenlos bewegen. Es ist also durchaus sinnvoll, mit dem Editor zu arbeiten, die favorisierten Sounds hier zu erstellen und auf das Piano zu übertragen.

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