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Test
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16.04.2013

Praxis

Ein sanfter Druck auf den Powerknopf erweckt das SP-280 zum Leben. Rote Status-LEDs zeigen, dass Piano1/Bank1 und der Reverb aktiviert sind, im Display steht 120, was in diesem Fall die BPM-Zahl des Metronoms angibt. Ich greife in die Tasten und bin überrascht über den beachtenswerten Klang, der aus den eingebauten Speakern tönt. Laut und klar, definiert und voluminös zeichnet sich das Piano über die kleinen Membranen unter dem Lochgitter ab. Für eine Bandprobe reicht der Pegel natürlich nicht, aber Kinderchor, Streichquartett und Blockflötenkreis kann man damit locker an die Wand spielen. Ich will es genau wissen und reiße den Volume-Regler bis zum Anschlag auf. Beim Forte kommt das SP-280 nun an seine Grenzen, denn die Lautsprecher fangen deutlich hörbar an zu zerren und das Gehäuse schnarrt bei manchen Resonanzen kräftig mit. Na gut, man muss es ja nicht übertreiben. Fakt ist, dass man mit dem SP-280 durchaus größere Räume beschallen kann. Auch aus dem Kopfhörerausgang kommt ein satter Pegel. Die internen Speaker sind übrigens auch aktiv, wenn man Klinkenkabel an den Stereoausgang anschließt, und schalten sich nur dann ab, wenn eine oder beide Kopfhörerbuchsen belegt sind. 

Tastatur

Die Tastatur ist nicht wie beim SP-250 die RH3, die auch im SV-1 oder dem größten Kronos verbaut ist, sondern die NH-Tastatur, wobei NH eine Abkürzung für „Natural Weighted Hammer Action“ ist, die dem Namen nach ein natürliches Spielgefühl vermitteln soll. Das tut sie auch, zumindest gibt sie sich Mühe, im Bassbereich etwas schwerer gewichtet und im Diskant etwas leichtgängiger zu sein. Das Repetitionsverhalten ist tadellos, Tastenhub und Druckpunkt sind ebenfalls sehr anständig, auch wenn sie der griffigeren RH3-Tastatur eindeutig unterlegen ist. Mich wundert, dass Korg diesbezüglich im Vergleich zum SP-250 einen Rückschritt gemacht hat. Was mir außerdem bei genauerer Betrachtung auffällt, sind Rückstände von Schmierfett, die am Rand der schwarzen Tasten hervorquellen und davon zeugen, dass das Keyboard frisch geölt aus der Fabrik kommt. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, aber an den Fingern möchte ich die weiße Paste lieber nicht haben. Trotz dieser kleinen Abstriche kommt man mit der NH-Tastatur im SP-280 gut zurecht und kann nuancenreich, präzise und dynamisch spielen.

Über den Knopf „Touch“ lässt sich die Anschlagsempfindlichkeit in drei Abstufungen auswählen. Voreingestellt ist der mittlere Grad 2, mir persönlich gefällt Stufe 1 am besten, da sie den größten Dynamikumfang ermöglicht.

Sound

Kommen wir zum wichtigsten Punkt: dem Klaviersound. Aufgeteilt in die Kategorien Piano1 und Piano2 finden sich insgesamt sechs verschiedene Klavierklänge, die eine stattliche maximale Polyphonie von 120 Stimmen bieten. Den Anfang bei Piano1 macht standesgemäß ein Flügel, der ausgewogen, brillant und opulent daherkommt. Als Variation finden sich ein mit „Klassisches Piano“ betitelter Sound, der im Vergleich ein wenig matter und unaufdringlicher klingt, sowie ein etwas schrillerer, rockiger Klaviersound, der im Handbuch „Jazz Piano“ genannt wird. Hier hören wir den Flügelsound (mit Reverb), wobei ich den Akkord am Ende sehr lange liegen gelassen habe, um das Ausklingverhalten zu demonstrieren:

Hier der meiner Meinung nach recht charmante Classic Piano Sound (ohne Reverb), ebenfalls mit einem langen Ausklang:

Piano2 macht den Reigen komplett mit einem poppigen, leicht farblosen „Live Piano“, dem obligatorischen Honky-Tonk und zuletzt einem CP 70 Sample, das auch etwas blutleer wirkt.

Hört man mal genauer hin, offenbart sich nun ein Grund für den geringen Preis des Korg SP-280. Hier wurde nicht zuletzt bei der Klangerzeugung und am Speicher gespart. Natürlich erwartet niemand zu diesem Preis Gigabyte-große Multi-Samples mit Saitenresonanzen, facettenreichen Velocity-Switches und Dämpfergeräuschen. Aber ein wenig mehr Liebe zum Detail hätte dem Klavierklang unseres Testkandidaten doch ganz gut getan. Vor allem das Ausklingverhalten kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Samples hörbar künstlich geloopt und gefadet werden. Für meinen Geschmack steht der Ton auch etwas zu lang, bevor er vollends verklungen ist. Man darf den Preis und den Anwendungsbereich dieses Gerätes nicht außer Acht lassen, daher will ich auch nicht all zu penibel sein. Denn was man für sein Geld geboten bekommt, ist ein absolut brauchbarer und zeitgemäßer Klaviersound. Trotzdem sollte man sich eine gesunde Skepsis bewahren, wenn ein Hersteller mit dem „authentisch reproduzierten Klang eines Konzertflügels“ wirbt. Schließlich ist das die Hauptaufgabe dieses Instruments.

Erfreulich ist wiederum, dass das Sustain-Pedal, das dem SP-280 beiliegt, auch die Halbpedal-Funktion unterstützt. Es kennt also nicht nur „an“ oder „aus“, sondern auch weitere Abstufungen wie bei einem echten Klavier. Noch mehr Möglichkeiten bietet das Instrument, wenn man die optional erhältliche Pedal-Einheit mit Soft-, Sostenuto- und Haltepedal anschließt. Dann hat man wie bei einem Flügel drei Pedale zur Verfügung, mit denen man die Dämpfer und den Klangcharakter differenziert kontrollieren kann.

Das SP-280 hat noch 24 weitere Klangfarben im Angebot. In den Kategorien E.Piano1 sind drei Rhodes-Varianten, die mich allesamt mehr überzeugen als die akustischen Pianos. Bank1 bietet ein drahtiges, erdiges Stagepiano, Bank2 ein glockiges Dyno-Rhodes und Bank3 ein Suitcase mit einem kräftig tremolierenden Anteil Auto-Pan. Hier kommt richtig Freude auf, zumal man sich bei Korg viel Mühe gegeben hat, die unvermeidbaren Nebengeräusche der akustischen Vorbilder zu reproduzieren. Ein Velocity-abhängiges Release-Sample sorgt dafür, dass man beim Loslassen der Taste die Dämpfer gegen die Tines schlagen hört. Mit dem Lautstärkeanteil dieser Nebengeräusche hat man es fast ein bisschen zu gut gemeint, denn bisweilen klingen diese nachgebildeten Artefakte wie eine missglückte MP3-Codierung. Dennoch vermittelt dieses Feature ein schönes Rhodes-Feeling.

Unter E.Piano2 runden ein Digi-E-Piano à la Phil Collins, ein nicht wirklich überzeugendes Wurlitzer und eine DX7-Simulation die Palette ab.

Die restlichen Sounds decken die üblichen Sounds eines Digitalpianos ab und bieten kaum Überraschungen. Unter Harpsi/Clav findet man ein Cembalo, das beim Loslassen der Tasten ebenfalls schön reproduzierte Nebengeräusche von sich gibt, ein Clavinet, das für die eine oder andere Stevie-Nummer schon mal herhalten kann und ein brauchbares funky Synth-Clav. 

Vibes/Guitar bietet anständig klingende Varianten von Vibraphon, Marimba und Nylongitarre.

Die Orgeln in der Kategorie Organ1 sind wenig inspirierend. Jazzorgan1 klingt durch die wenig authentische Leslie-Simulation sehr künstlich. Die beiden anderen Jazzorgeln machen schon etwas mehr Spaß, taugen aber auch nicht als Hammond-Kopie. Die drei Kirchenorgeln unter Organ2 hingegen überzeugen schon eher. 

Die Strings können in Sachen Authentizität nicht mit modernen Sample-Librarys mithalten, als Flächensounds können sie hier und da aber vielleicht mal nützlich sein. Den Abschluss bilden drei Chor-Variationen, von denen die letzte tatsächlich ein wenig an einen echten Chor erinnert.

Zusätzliche Features

Neben dem Single-Modus gibt es noch zwei weitere Tastatur-Modi: den Layer- und den Partner-Modus. Bei Layer werden zwei Klangfarben miteinander gekoppelt, man kann also durch gleichzeitiges Drücken von zwei Sounds beispielsweise ein Piano mit Streichern unterlegen oder ein E-Piano mit einem Vibraphon doppeln. Hierdurch entstehen weitere Klangkombinationen, die sich sogar noch verfeinern lassen: Die Function-Taste ermöglicht es, die Lautstärkeverhältnisse der beiden Klänge untereinander anzupassen, mit einer etwas umständlichen Tastenkombination kann man außerdem beide Layer-Sounds um jeweils eine Oktave nach unten oder oben transponieren.

Bei dem Wort Partnermodus denkt so mancher jetzt vielleicht nicht vorrangig ans Klavierspiel. Ungeachtet dessen ist diese Funktion für den Unterricht vorgesehen. Die Tastatur wird dabei mittig zwischen Eb4 und E4 geteilt, die beiden entstehenden Tastaturzonen dahingehend nach oben und unten oktaviert, dass man zweimal den gleichen Tonumfang nebeneinander hat. Das Pedal wirkt nur auf den rechten Bereich, es sei denn, man benutzt die optionale Pedal-Unit, die in diesem Modus für beide Seiten je ein Haltepedal bereitstellt. Mit „Function“ kann man auch im Partnermodus die Lautstärkeverhältnisse beider Seiten untereinander anpassen, außerdem kann man für beide Seiten verschiedene Soundkategorien einstellen, zumindest eingeschränkt. Klavierlehrer und Musikschulen werden den Partnermodus (und vermutlich auch die zwei Kopfhörerausgänge) zu schätzen wissen, für alle anderen ist dieser Modus wie eine rudimentäre Split-Funktion, also allemal eine nette Dreingabe.

Sehr praktisch ist auch der Line-In, ein Feature, das beim SP-250 gefehlt hat. Korg hat offenbar Kundenwünsche erhört und dem SP-280 einen Miniklinke-Eingang spendiert. An diesen lassen sich externe Abspielgeräte wie MP3-Player und dergleichen anschließen. Regelbar ist der Input nicht, man muss die Lautstärke also am Abspielgerät selbst einstellen. Ausgegeben wird der Line-In sowohl über die Kopfhörer, als auch über die internen Lautsprecher. Somit wird das Piano ganz nebenbei noch zur passablen Mini-Anlage, was in Zeiten von Smartphones und Tablets sehr praktisch ist.

Auch MIDI hat das SP-280 an Bord. Über MIDI In und Out kann es auf 16 Kanälen sogar multitimbral mit externen Sequencern, Soundkarten und Klangerzeugern kommunizieren. Die Masterkeyboard-Funktionen sind spartanisch, aber da das Instrument über eine anständige Tastatur verfügt, kann man vor allem den MIDI-Ausgang sicherlich sinnvoll einsetzen. MIDI über USB gibt es in Ermangelung eines solchen Anschlusses nicht. MIDI-Settings wie Kanalauswahl oder Local on/off werden über den „Function“-Button vorgenommen, der mit ausgetüftelten Tastenkombinationen das MIDI-Menü aufruft und im Display so gut es geht darstellt.

Darüber hinaus findet man im SP-280 ein paar fast schon obligatorische Zusatzfunktionen. Dazu gehören ein Transpose-Button, der die Tastatur wahlweise in fünf Halbtonschritten nach oben oder unten transponiert und ein praktisches Metronom, bei dem man nebst Tempo auch die Lautstärke, zwei verschiedene Sounds und die Taktart einstellen kann. Die verfügbaren Taktarten sind 2/4, 3/4, 4/4 und 6/4.

Der Gesamtklang des Instruments kann mit dem „Brilliance“-Taster beeinflusst werden. Wie bei der Anschlagsdynamik gibt es hier drei verschiedene Abstufungen. Drastisch sind die Unterschiede nicht, aber ein wenig matter oder heller klingt es mit diesem Equalizer-Ersatz schon. Außerdem verfügt das SP-280 noch über Reverb und Chorus, die es ebenfalls in jeweils drei unterschiedlichen Typen gibt. Der Hall-Effekt ist bei ausnahmslos jedem Sound voreingestellt, was ich persönlich etwas fragwürdig finde. Abgesehen davon, dass der Hall ziemlich stark rauscht, erzeugt er stets eine künstliche Größe und verwässert den Klang. Ich möchte beim Spielen nicht immer das Gefühl haben, in einem Konzertsaal zu stehen. Na gut, man kann den Effekt ja auch einfach ausschalten. Der Chorus erscheint mir wie ein Relikt aus der Vergangenheit, so als wäre es ein ungeschriebenes Gesetz, dass in einem Digitalpiano ein Chorus vorhanden sein muss. Ich finde ihn verzichtbar, auch wenn er laut Handbuch den Sound „fülliger“ macht.

Schön ist, dass man für jeden einzelnen Sound die Effekte ein- oder ausschalten kann. Möchte man also zwischen einem stark verhallten Flügel, einem trockenen Rhodes und Chorus-Strings hin- und her springen, merkt sich das Gerät die Einstellungen. Leider nur, bis das Instrument ausgeschaltet wird. Und das betrifft nicht nur die Effekte, sondern grundsätzlich alle Einstellungen, die man am SP-280 macht, einschließlich MIDI-Settings, Layer- und Partnermodus-Einstellungen, Transposition, Anschlagsdynamik und Brillanz. Die einzige Voreinstellung, die sich das Piano merkt, ist das Aktivieren oder Deaktivieren des Energiesparmodus. Dieser sorgt dafür, dass sich das SP-280 automatisch abschaltet, wenn es 30 Minuten lang nicht angerührt wurde. In Zeiten des Klimawandels sicher eine intelligente Funktion, die man aber bei Bedarf dauerhaft abschalten kann. Alle anderen Settings muss man nach dem Einschalten jedes Mal von neuem vornehmen, was mitunter etwas mühsam ist. Leider ist das bei Geräten dieser Preisklasse aber keine Seltenheit.

Erwähnenswert sind ansonsten noch die 20 Klavierstücke, die sich hinter dem Taster „Piano Song“ verbergen. Hier findet man eine Art Jukebox, gefüllt mit unterschiedlichen Werken der Klavierliteratur, von virtuosen Chopin-Etüden über „Für Elise“ bis zum „Entertainer“. Man kann zuhören, mitspielen und sich inspirieren lassen. Selbiges gilt für die zehn Demo-Songs, die Beispiele der jeweiligen Sound-Kategorien geben.

Ferner bietet das SP-280 die Möglichkeit, acht verschiedene Stimmungen auszuwählen. Neben der obligatorischen wohltemperierten Stimmung lassen sich über die „Function“-Taste reine, orientalische und pythagoräische Stimmungen sowie Werckmeister, Kirnberger, Slendro und Pelog einstellen. Der Kreis der Anwender dieses Features dürfte überschaubar sein, für die stilechte Interpretation von alter Musik oder Weltmusik kann es aber ganz nützlich sein. In den Soundbeispielen hört man ein nach Kirnberger gestimmtes Cembalo und eine Gitarre mit orientalischer Stimmung: 

Die mitgelieferte deutsche Bedienungsanleitung ist kurz und übersichtlich, leicht verständlich geschrieben und anschaulich bebildert.

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