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Test
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10.05.2013

Korg MS-20 mini Test

Monophoner Analogsynthesizer

Geht in die Knie und klatscht in die Hände

Mit der Ankündigung des MS-20 mini erregte Korg auf der NAMM Show 2013 Aufsehen. Nicht ohne Grund: Der 1978 erschienene MS-20 ist neben dem Minimoog wohl der legendärste monophone Analog-Synthesizer überhaupt. Was für ein Sound! Was für ein Design! Ein echter Meilenstein in der elektronischen Musikgeschichte. Und nun bringt Korg einen leicht geschrumpften Klon des über dreißigjährigen Klassikers heraus. Ebenfalls voll analog, ebenfalls halbmodular, ebenfalls mit dem Zeug zum Kassenschlager.

Der Neue ist mit MIDI und USB ausgestattet und etwas kleiner – das waren auch schon die einzigen neuen Features. Davon abgesehen gleicht er dem Original bis aufs Haar, kostet aber nur etwa halb so viel, wie man derzeit für einen MS-20 auf dem Gebrauchtmarkt hinblättern muss. Aber was ist mit dem Sound? Was mit dem ganz speziellen Spielgefühl eines Vintage-Synthesizers? Hat der MS-20 mini nicht nur das Aussehen, sondern auch den Charakter von seinem Urahn geerbt? Wir haben das für euch im A/B-Vergleich getestet. Weitere Infos bekommt ihr auch in unserem Video-Interview mit einem der beiden Entwickler.

Details

Als Besitzer eines MS-20 bin ich dem mini gegenüber natürlich erst mal etwas skeptisch eingestellt. Eine erste Inaugenscheinnahme zeigt allerdings bereits, wie liebevoll Korg seinen Klassiker modelliert hat. Bedienpanel, Schrauben, Form der Potis, Seitenteile, Mod-Wheel, sogar die Bedienungsanleitung: Alles beim Alten, nur eben kleiner. In einem Interview sagen die Entwickler, dass sie quasi aus Respekt einen letzten Unterschied zum Original bewahren wollten. Daher die Schrumpfkur auf 86% der Originalgröße. Neu sind die Miniklinken-Anschlüsse des Patchfelds und die Mini-Tastatur. Letztere ist natürlich ungewöhnlich. Wer allerdings die recht klapprige Original-Tastatur kennt, wird diese nicht unbedingt vermissen. Und da sich der MS-20 ohnehin eher für effektvolle Sounds und kurze Melodielinien als für virtuose Synth-Soli anbietet, beeinträchtigt die Größe der Tasten in keinem Fall die Spielfreude. Das gilt auch für die 35 Drehpotis, über deren Verarbeitung man nicht meckern kann. Würde der MS-20 mini ein Vielfaches kosten, könnte man bemängeln, dass sie nicht ganz so bombenfest sitzen wie beim Original. Doch zu diesem günstigen Preis geht die Qualität vollkommen in Ordnung.

Bedienfeld und Struktur

Das Bedienfeld gleicht dem des Originals bis ins Detail. Die Signalkette beginnt auf der linken Seite mit zwei Oszillatoren. Oszillator 1 bietet via gerastertem Drehpoti Dreieck-, Sägezahn- und Rechteckschwingungen (jeweils von 32' bis 4') sowie White-Noise. Die Breite der Rechteckschwingung lässt sich per Poti stufenlos regeln. Oszillator 2 hat Sägezahn-, Rechteck- und Pulsschwingung sowie einen Ringmodulator im Angebot. Die Oktav-Range reicht hier von 16' bis 2'. Außerdem wartet er mit einem extra Pitch-Poti auf. Das globale Master-Tuning und eine Portamento-Funktion machen die Oszillatorsektion komplett. Durch den VCO Mixer geht’s ab in Richtung Filter.

Der MS-20 mini besitzt die charakteristische Filterabteilung des Originals mit einem 6dB-Highpass- und einem 12dB-Lowpass-Filter, die in Reihe geschaltet sind. Beide Filter bieten Regler für die Cutoff-Frequenz und die Resonanz. Mit einem LFO, der hier Modulation-Generator heißt, lassen sich die Filter und die Oszillatoren-Frequenz modulieren. Form und Geschwindigkeit der Modulation sind über zwei Potis regelbar. Außerdem gibt es zwei Hüllkurven-Generatoren mit unterschiedlichen Features: Envelope 1 bietet Attack, Release und Delay Time, während Envelope 2 über Attack, Decay, Sustain, Release und Hold verfügt. 

Auch der External Signal Processor (kurz: ESP) des Originals ist selbstverständlich vorhanden. Er erlaubt es, externe Signale beispielsweise zur Steuerung der Tonhöhe zu verwenden – mehr dazu im Praxisteil. Über den halbmodularen Aufbau mit Patchfeld ist es möglich, zusätzliche Modulationen zu definieren. Hier können zum Beispiel das Mod-Wheel und der Momentary Switch zugewiesen, rosa und weißes Rauschen hinzugemischt oder die Hüllkurven 1 und 2 mit einem Modulationsziel verknüpft werden – um nur die gängigsten Patches zu nennen. Auch abgefahrene Modulationen sind problemlos machbar.

Als Ausgänge bietet der MS-20 mini einen Kopfhörer- und einen Mono-Klinkenausgang, die beide ebenfalls im Miniklinkenformat realisiert wurden und auf dem Patchfeld zu finden sind. An der Rückseite befinden sich schließlich die beiden einzigen Neuerungen des mini: Ein USB- und ein MIDI-In- Anschluss. Sie ermöglichen es, den MS-20 mini in moderne Setups zu integrieren.

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