Hersteller_Korg
Test
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10.06.2011

PRAXIS

Klavier

Bei Klaviersounds gehen ja die Meinungen bekanntlich weit auseinander und jeder hat einen anderen Geschmack. Aber in unserem Fall würde ich sagen: Die Sounds, die wir hier finden, sind top, und der Laptop mit der Klaviersoftware kann definitiv zu Hause bleiben. Außerdem kann sich jeder seinen Sound so schrauben, wie er ihm gefällt. Die Editiermöglichkeiten sind zahlreich und die Signaturesounds verschiedener prominenter Keyboarder zeigen, wie unterschiedlich man die Kronos Pianos klingen lassen kann.

Details wie Saitenresonanzen und Hammergeräusche sind in ihrer Lautstärke regelbar.

E Pianos

Bei den E-Pianos muss man konstatieren, dass es die Besten sind, die es in Hardware je gegeben hat. Sie gefallen mir besser als die von Clavia und die vom SV1 aus gleichem Hause. Und besser als alles, was bisher in Workstations verbaut wurde, sind sie sowieso. Bestechend das Herbie Hancock Preset „Butterfly“

Nun möchte ich das Rhodes einmal ganz ohne Effekte mit seinen Konkurrenten vergleichen, und zwar mit einem stehenden Akkord, der schön die Unterschiede in der Sustainphase zeigt. Zunächst ist der beliebte Nord Electro an der Reihe, dann das Sample von Christian Frentzen, das meiner Meinung nach die beste rechnergestützte Rhodes-Lösung ist, und dann der Kronos.

Während das Nord hier geradezu dröge klingt, kommt das Kronos-Rhodes nahezu an das aufwändige Gigabyte-Sample heran. Und jetzt der Wurlitzer Vergleich.

Auch hier finde ich, dass der Kronos dem Frentzen-Sample fast ebenbürtig ist, auch wenn es eine kleine Nuance künstlicher klingt, was wohl mit dem Modelling-Anteil zu tun hat. Modelling hat den Vorteil, dass man in den Sound eingreifen kann, was bei reinen Samples nicht möglich ist. Außerdem werden beim Kronos durch diese Technologie die Sprünge zwischen den Velocitylayern verwischt. Der Nachteil ist, dass es eine leicht künstliche Note in den Sound bringt. Aber ich gebe zu, dass das jetzt Erbsenzählerei eines Wurlitzerfreaks ist, denn auf welchem Niveau wir uns hier bewegen, zeigt das Nord Wurlitzer, das im Vergleich zum Kronos schon fast billig klingt. Wer mit den (erwiesenermaßen) guten E-Pianos immer noch nicht zufrieden ist, könnte sich ja seine Lieblingssamples in den Samplespeicher laden. Allerdings gibt es leider (noch) keine Software, die diese Kontakt-Patches ins Korg-Format konvertiert. Hier müsste man dann über 1000 Samples von Hand mappen. Und an dieser Stelle vermisse ich, wie schon in der Preview erwähnt und genau wie bei Yamaha, Roland und Kurzweil, die Funktion Multisample-Automap. Diese würde einen Haufen WAV-Samples, die man auf einmal per USB-Stick einlädt, automatisch per Tonhöhenerkennung auf der Tastatur verteilen und einem so eine Menge Arbeit ersparen. Der Kronos hat in der Grundaustattung 2 GB RAM-Speicher, der aber auch das Betriebssystem und die Werkssamples enthält. Der freie Samplespeicher beträgt daher bei meinem Testgerät nur 151 MB. Eine Speichererweiterung sollte man sich also gönnen, wenn man größere Sampling-Projekte plant. Der HD1 (der Sampleplayer des Kronos) hat übrigens zwei Parts, die jeweils acht per Velocityswitches (inkl.Crossfades) selektierbare Samples enthalten können. Ein 16-fach Velocityswitch-E Piano zu bauen wäre also von der Oszillatorseite her im Program-Mode kein Problem, anders als z.B. beim Yamaha Motif XF, der nur acht Layer zulässt und man demnach hier den Multi-Mode bemühen müsste. Orgel Auch die Orgel stellt alles, was bisher in Workstations zu hören war, in den Schatten - sowohl soundmäßig als auch in Sachen individueller Bedienbarkeit. Im Orgelmodus steuern die Controller des Kronos alle orgeltypischen Funktionen. Die neun Fader dienen üblicherweise als Zugriegel für das Upper Manual. Die Drehknöpfe steuern Overdrive, Key Click Level, Leakage usw, man kann sie aber z.B. auch zur Einstellung der Drawbars für das Lower Manual nutzen. Es kann jeder selbst entscheiden, was ihm am wichtigsten ist und alles selbst nach Belieben umkonfigurieren. Soundmäßig gibt es absolut nichts zu meckern, wir haben es hier mit einem vollwertigen Hammond-Clone zu tun.

Ihre einzige Schwäche teilt die Kronos Orgel mit ihren Konkurrenten Clavia Nord C2, Roland VK8 und Native Instruments B4, denn bei all diesen Orgeln klingt der Overdrive nicht wirklich fett und nach Röhre. Die Verzerrung der Kronos Orgel ist dünn und kratzig. Es gibt zwar bessere Röhrensimulationen in der Effektsektion, diese ließen sich aber nur hinter dem Leslie in den Signalweg einbauen, was keinen Sinn macht. Also, ich würde das tun, was ich bei den obengenannten Kollegen auch tun würde: Ein externes Leslie mit einer ordentlichen Röhrenverzerrung anschließen. Dies ist dank der Einzelausgänge auch kein Problem, hier könnte man alle Orgelsounds getrennt rausschicken und über die Line Ins wieder zurückholen. Hier der Vergleich zum Neo Instruments Ventilator.

Analogsounds

Sowohl AL1 als auch Polysix und MS20 sind über alle Zweifel erhaben. Auch hier gibt es rein gar nichts zu mäkeln. Aliasing ist kein Thema, alles klingt fett und analog. In Verbindung mit den eingangs erwähnten Controllerkonfigurationen hat man hier unterm Strich wirklich einen vollwertigen VA-Synth zur Hand, der auch in Sachen Haptik und Flexibilität mit einem Radias, einem Nordlead oder einem Virus mithalten kann. Vielleicht wären drei statt zwei Oszillatoren pro Stimme ganz nett gewesen. Aber wem die zwei Oszillatoren nicht reichen, der kann (im Program-Mode!) zwei AL1-Engines gleichzeitig betreiben. Dann hätte man vier Oszillatoren plus zwei Mal Sub Osc, und das, ohne den Combination-Mode bemühen zu müssen. Auch das in der Preview erwähnte Grand Piano mit der Polysix-Fläche als Layer ist im Program-Mode möglich. Für einen weiteren Layer müsste man dann in den Combination-Mode wechseln.

Weitere Features

Ich möchte nun noch ein paar Funktionen erwähnen, die ich für besonders praxisnah und sinnvoll halte.

SETLIST MODE

Im Setlist-Mode lassen sich 16 Patches (Programme oder Kombinationen) auf eine Displayseite packen, die mit Namen (z.B. des jeweiligen Songs) versehen und per Displaytouch sofort abgerufen werden können. Dabei werden klingende Noten des vorherigen Programms nicht abgeschnitten (Smooth Transition). Allerdings geht das immer nur einmal. Hält man z.B. einen Strington und schaltet auf Orgel um, klingen die Strings weiter und die Orgel kommt dazu. Schaltet man nun wieder um, reißt der Strington ab und nur die Orgel bleibt stehen. Acht dieser 16er Seiten ergeben eine Setliste, sodass man hier 128 Sounds verwalten kann. Und von diesen Setlisten lassen sich bis zu 128 Stück abspeichern. Das sollte wohl ausreichen! KARMA KARMA ist eine Art Luxus-Arpeggiator, der mit einem gedrückten Akkord eine ganze Menge anstellen kann. Die einfachste Variante wäre ein einfaches Arpeggio.  

Etwas komplexer wird es hier:

Auch Gitarrenstrumming kann Karma simulieren.

Letztendlich kann KARMA wie eine komplexe und indivuell programmierbare Begleitautomatik fungieren, und dies macht es möglich, Kronos auch als eine Art Arranger-Keyboard einzusetzen und sich von der Maschine in unterschiedlichster Art und Weise begleiten zu lassen. Da hier auch in die laufenden Pattern in Realtime per Fader und Buttons eingegriffen werden kann, gibt es für die Liveperformance Möglichkeiten ohne Ende. Für ambitionierte Alleinunterhalter ein echter Abenteuerspielplatz!

SEQUENZER

Der Kronos Sequenzer kann MIDI und Audio abspielen. Popkeyboarder, die auf der Bühne mit Playbacks arbeiten, können Audiotracks laufen lassen, den Click für den Drummer auf einen Einzelausgang legen, das Playback auf einen weiteren (es gibt insgesamt 4 indiv. Outputs) und gleichzeitig dazu Keyboard spielen. Deshalb können auch in einer solchen Bühnensituation Laptop oder Harddiskrecorder zu Hause bleiben.

Zusammenfassend muss ich sagen: Ich persönlich könnte mir sehr gut vorstellen, eine komplette Pop-Tour nur allein mit dem Kronos (und dem externen Lesliesimulator) zu bestreiten. Alles in EINEM Keyboard. Das war für mich bis dato undenkbar.

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