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03.12.2018

Kaufberatung Gitarren-Verstärker

Wie finde ich den besten Gitarrenverstärker für mich?

Hintergrundwissen und Tipps zum Gitarrenverstärker-Kauf

Wer sich in den letzten fünfzehn Jahren mit Gitarrenverstärkern beschäftigte, der kann über eine aufregende Zeit berichten, in der sich zum Teil Revolutionäres getan hat. Und als Ergebnis hält der Markt heute vom kleinen, digitalen Alleskönner bis zum edlen Vollröhren-Boliden alles bereit, was Gitarristenherzen höher schlagen lässt. Doch was braucht man eigentlich wirklich zum Glück?

Im Folgenden werden wir euch mit allen Informationen versorgen, die ihr für den erfolgreichen Kauf eures Verstärkers braucht. Dessen Wurzeln liegen übrigens in einer Ära, in der Gitarristen schon froh waren, wenn wenigstens ihre Mitmusiker hörten, was sie auf ihren Instrumenten zum Besten gaben. Hier kommen die Details:

Was macht ein Gitarrenverstärker?

Ein Gitarrenverstärker dient dazu, das Signal der E-Gitarre hörbar zu machen. Im Verstärker wird der Klang bearbeitet und geformt, wobei jeder Gitarren-Amp seinen eigenen Klangcharakter hat.

Historisches

Die Entwicklung adäquater Gitarrenverstärker und Tonabnehmersysteme ging Hand in Hand mit den in den 30er Jahren mehr und mehr in Mode kommenden Jazz-Bigbands. Dort hatten Gitarristen mit ihren akustischen Instrumenten keine Chance mehr, gegen die geballte Lautstärke von Schlagzeug, Saxophon, Trompete und Co. anzuspielen. Zunächst setzte die Industrie auf Bewährtes, um dem entgegenzuwirken. Gibson beispielsweise entschied sich im Jahr 1934 dazu, das Korpusvolumen der beliebten L-5 weiter zu vergrößern und sie so ganz einfach lauter zu machen. Parallel dazu präsentierte man mit der Super400 ein neues Design - eine Mega-Archtop mit der satten Power eines auf eine Breite von 18 Zoll "aufgeblasenen" Korpus. Obwohl die Super400 den Höhepunkt des Archtop-Designs darstellte, markierte sie gleichzeitig auch einen Wendepunkt. Denn es war klar, dass man den Korpus einer Gitarre im Kampf um mehr Lautstärke unmöglich noch größer machen konnte. Mit jedem Zoll mehr wäre das Instrument schlichtweg kaum noch spielbar gewesen.

Also mussten auf der Suche nach noch mehr Dezibel neue Wege eingeschlagen werden und Gibson präsentierte bereits ein Jahr später, 1935, die EH-150, eine elektrische Hawaii-Gitarre. Der Korrektheit halber muss man allerdings anmerken, dass die Gitarre zunächst nur eine Art Versuchsballon war, der aus dem wachsenden Druck des Marktes und des Erfolges der ersten "echten" E-Gitarre aus der Rickenbacker-Produktion resultierte (Model B, 1931). Die eher konservativ agierende Gibson-Führung hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt lediglich darauf beschränkt, die Entwicklung von Tonabnehmer-Systemen aus der Ferne zu beobachten. Und jetzt wurde es Zeit! Maßgeblich verantwortlich für die Elektrifizierung des Gibson-Fuhrparks war ein Mann namens Walter Fuller, der im Jahre 1933 mit der Aufgabe betraut wurde, einen praktikablen Tonabnehmer zu entwickeln. Mit diesem wollte man, sollte das Projekt EH-150 Erfolg haben, gegebenenfalls auch andere Instrumente bestücken. Und da die EH-150 sehr gut angenommen wurde, legte man bereits ein Jahr später nach und präsentierte mit der ES-150 endlich auch eine vollwertige Gitarre im bewährten Archtop-Design, die mit einem Tonabnehmer in der Halsposition ausgestattet war. Das Kürzel "ES" steht übrigens für Electric Spanish! Dank seiner Praxistauglichkeit und der bewährten Gibson-Qualität veränderte dieses Instrument endgültig die Rolle der Gitarre und machte die praktische Six-String zu einem kraftvollen Lead-Instrument. Einer der Vorreiter des elektroakustischen Weges jener Zeit war der aus Oklahoma stammende Gitarrenvirtuose Charlie Christian, der im berühmten Benny Goodman Orchester arbeitete und mit seinem faszinierenden Spiel ganze Musikergenerationen beeinflusste. Grund genug, dem von Walter Fuller entwickelten Pickup seinen Namen zu geben. Der "Charlie Christian PU" in der ES-150 bestand aus einem quer unter den Saiten verlaufenden, drahtumwickelten Eisenkern. Die beiden Magnete waren unterhalb dieser Spule angebracht. Diese Konstruktionsweise erlaubte den Einsatz relativ großer Magnete und sorgte so für eine laute, volle Performance. Nicht umsonst gilt der "CC" bis heute als einer der besten Jazz-Tonabnehmer aller Zeiten. Andere Klassiker aus den 40er und 50er Jahren sind Gibsons legendärer P-90, der PAF-Humbucker und die Singlecoil-Pickups des Solidbody-Vorreiters Leo Fender.

Amp-Talk

Und Leo Fender war es auch, der mit seinen Aktivitäten im Bereich des Röhrenverstärker-Designs neue Maßstäbe setzte und so - neben Gibson und seinen legendären Goldtone-Verstärkern - den Sound der 50er entscheidend mitprägte. In den 60ern gesellten sich dann zwei britische Hersteller dazu: Die Amps der Firmen Vox und Marshall buhlten mit stetig wachsendem Erfolg um die Gunst der Rock-Szene. Namentlich die Beatles waren es, die dem unwiderstehlich klaren Sound der Vox-Amps zu einem weltweiten Siegeszug verhalfen. Womit wir beim Thema wären: Bis dato ging es den Herstellern nämlich ausschließlich darum, klare Sounds in ansprechenden Lautstärken zu produzieren. In Ermangelung entsprechender PA-Systeme mussten Gitarristen damals ihre Röhrenamps auf der Bühne allerdings häufig so weit aufdrehen, dass ihre Endstufen in die Sättigung gerieten und in der Folge anfingen, zu übersteuern. Das Ergebnis waren ungewollte Verzerrungen. Doch ungewollt sollten diese nicht lange bleiben. Musiker wie Ritchie Blackmore oder Eric Clapton (um nur die bekanntesten zu nennen) entdeckten diese "Nebenwirkung" für sich, rissen ihre Marshalls bis zum Anschlag auf und nutzten die Verzerrung aktiv für ihre Zwecke. Und noch ein weiteres "Enfant Terrible" der Szene sprang auf den Marshall-Zug auf: Jimi Hendrix. Der amerikanische Ausnahmegitarrist besuchte England zum ersten Mal im Herbst 1966. Auf einer Session mit Eric Clapton nutze er die Chance und testete dessen Marshall Super 100 Stack an - und war total aus dem Häuschen! Über den Drummer seiner neu zusammengestellten Band, den Londoner Mitch Mitchell, der zufälligerweise ab und zu in Jim Marshalls Laden in Hanwell jobbte, nahm er Kontakt mit dem Amp-Guru auf. An einem Samstag im Herbst 1966 betrat der große, schlacksige Mann schließlich endlich das legendäre Ladenlokal und verließ es nach einigen Stunden als stolzer Besitzer mehrerer Marshall-Stacks. In der Folge wurde er zum wichtigsten Botschafter des "Marshall-Evangeliums". Zum Ende des Jahrzehnts war der Wunsch nach mehr Verzerrung stetig gewachsen und so lernten die Musiker nicht nur die Vorteile der leistungsstarken Humbucker zu schätzen (die Les Paul erlebte ihren zweiten Frühling). Mit Fuzz-Pedalen rückten die Gitarristen ihren Amps mehr und mehr auf die Pelle und kitzelten sie so zu immer mehr Zerre.

Info:

Da die Verzerrung von Röhrenamps bei höheren Lautstärken von vielen Herstellern zunächst nur als ungewollter Nebeneffekt angesehen wurde, begann man in den 60ern mit der in dieser Hinsicht wesentlich unempfindlicheren Transistortechnik zu experimentieren. Die Entwicklung in der Musikszene machte diesen Unternehmungen allerdings zunächst einen Strich durch die Rechnung und so wurden Transistoramps im Gitarrenbereich in erster Linie dort eingesetzt, wo sehr klare Sounds bei hohen Lautstärken angesagt waren: Im Jazz- und der Soul/Funkmusik. Rocker setzten weiterhin auf Röhrenamps. Eine Spaltung war vollzogen, die lange Zeit Gültigkeit haben sollte. Und das, obwohl man den auch in Sachen Overdrive-Sounds immer besser klingenden Transistor-Gitarrenamps damit eigentlich ziemlich unrecht tat.

Die 70er Jahre erlebten schließlich einen weiteren Quantensprung in der Entwicklung der Röhren-Verstärkertechnik: Das Master-Volumen. Vorreiter auf diesem Gebiet war in England die Firma Marshall und in den USA Mesa Engineering. Da bei Amps mit Mastervolume-Regler die Verzerrung in der Vorstufe generiert wird, konnte die durch die Endstufe erzeugte Lautstärke mithilfe des Mastervolumen-Reglers auf ein gesundes Maß reduziert werden. Auf diese Weise war es möglich, satt verzerrte Sounds auf Zimmerlautstärke zu genießen. Aber ganz ehrlich: Obwohl Mastervolumen-Amps auch auf niedrigen Lautstärke-Leveln absolut amtlich klingen, laufen auch sie erst dann zur Höchstform auf, wenn man der Endstufe ein wenig einheizt. Dennoch: Das Aufkommen von Mastervolumen-Amps sorgte für mehr Gain und eine extrem gesteigerte stilistische Flexibilität.

British Sound vs American Sound

Durch Variationen der jeweiligen Schaltungskonzepte und den Einsatz unterschiedlicher Röhrentypen klangen britische Amps (z.B. Marshall) etwas direkter und rauer als amerikanische Verstärker (z.B. Fender, Mesa). Dies führte zu einer Kategorisierung, die bis heute Gültigkeit hat. Man kann das Ganze zum besseren Verständnis an bekannten Gitarristen festmachen: Carlos Santana ist beispielsweise Mesa-Spieler, Angus Young ein Marshall-Mann.

Parallel zur permanenten Verfeinerung auf dem Gebiet der Verstärkertechnik versorgten findige Designer die Szene mit immer neuen Effekten. In den 70er Jahren hauptsächlich mit Bodentretern in Form von Phaser, Flanger und Chorus, in den 80ern dann mehr und mehr mit hochwertigen Geräten im 19" Rack-Format. Und genau diese hochwertigen Sound-Veredler führten zu einem neuen Trend: Die Zeit der kühlschrankgroßen Rack-Systeme brach an. Vorreiter dieser Welle waren Top-Studiogitarristen wie Steve Lukather, Michael Landau oder Steve Stevens (um nur einige zu nennen). Ohne ein einigermaßen gut bestücktes Rack gingen ambitionierte Gitarristen zu jener Zeit erst gar nicht aus dem Haus. Das Ganze war allerdings eine recht komplexe und auch verdammt teure Angelegenheit. Außerdem musste man die verwendete Equipment-Armada ja auch noch so untereinander verknüpfen, dass sie sich mit nur einem "Fußtritt" kontrollieren ließ. Als Ergebnis dieses Wunsches nach einem perfekten Handling versorgten diverse Hersteller den Markt mit per Floorboard steuerbaren Patch-Bays, Loopern und MIDI-Mappern. Einer der Gurus der Switching-Systeme war seinerzeit Bob Bradshaw, der diesen "Rack-Verrückten" adäquate Controller lieferte. Der große Kehraus kam schließlich mit der Grunge-Bewegung der frühen 90er Jahre. Bands wie Nirvana oder Pearl Jam führten die Gitarristenfamilie wieder zurück zu den Wurzeln. Eine Gitarre, ein guter Amp und einige Bodeneffekte - das war's! Und diese Herangehensweise ist im Großen und Ganzen so geblieben. Heutzutage finden große Racks mit separaten 19"-Einzeleffekten hauptsächlich im Studio, in PA-Systemen und dem professionellen Bühnenbetrieb statt. Das Gros der Gitarristen setzt auf Gitarrenamps in Kombination mit Multieffektgeräten, und einfachen Bodeneffekten.

Modeling-Amps

Nachdem in der Zwischenzeit bis auf kleine, aber feine Innovationen und Verbesserungen an den vorhandenen Röhren- und Transistoramp-Konzepten nichts wirklich neues passiert war, sahen die Endneunziger einen neuen Trend: Amp-Modeling - das digitale Nachbilden vorhandener Klassiker der Röhrenverstärker-History. Vorreiter auf diesem Gebiet war die amerikanische Firma Line6. Sie brachte einen Ball ins Spiel, den viele andere Hersteller gerne aufnahmen und den Markt ebenfalls mit Modeling-Amps erweiterten. Das technische Grundprinzip ist aber bei allen angebotenen Geräten ähnlich: Sie nutzen digitale Klangumformungsverfahren dazu, das komplexe Verhalten von akustischen und elektrischen Instrumenten (bzw. Verstärkern) detailgetreu nachzubilden. Um eine möglichst authentische Simulation der unterschiedlichen Amp-Typen zu gewährleisten, verfrachteten Hersteller die wichtigsten und erfolgreichsten Verstärker der Amp-History in ihre Research- and Development "Labors" und analysierten und digitalisierten hier ihre Sounds. Aber das ist nicht alles, was Digital-Modeling kann: Um das Angebot abzurunden, bieten Modeling-Amps in der Regel auch eine Sammlung der wichtigsten Effekte - von Standards der Raumsimulation wie Reverb und Delay, bis hin zu Effekten wie Chorus, Flanger und Phaser ist gemeinhin alles an Bord. Aber auch Kultiges wie Wah-Wah und Tremolo haben die meisten Modeling-Amps am Start.

Röhre, Transistor, Modeling - was brauche ich?

Woran erkennt man einen guten Gitarren-Verstärker?

Ganz klar: Die Röhre und ihre Eigenschaften hat in der Gitarrenszene eine wahre Mystifizierung erlebt. Und das mit Recht, denn ein mit natürlichen Mitteln (Gitarre und ordentlich Dampf) übersteuerter Vollröhrenamp gehört zum Besten, was man sich als Gitarrist wünschen kann. Aber: Nicht jeder Vollröhrer ist auch gleich ein Sahne-Amp! Man würde den zahlreichen sehr gut klingenden Transistorverstärkern am Markt Unrecht tun, wenn man so pauschal zu Werke ginge! Denn tatsächlich ist es mittlerweile vielen Herstellern gelungen, ihren Transistor-Produkten durch immer neue Konzepte und technische Tricks die typische "Transistorsäge" abzugewöhnen und sie durch oberamtliche Overdrive-Sounds zu ersetzen. Vorteil: Transistoramps sind im Normalfall wesentlich günstiger und auch unempfindlicher als ihre Röhrenbrüder. Transistoren verrichten ihren Job klaglos und beharrlich. Röhren müssen bei intensivem Einsatz schon mal getauscht werden. Und dann wären da ja auch noch die Modeling-Amps: Sie punkten durch ihre umfangreichen Möglichkeiten. Und auch hier muss man eine Lanze brechen: Im Laufe der Jahre ist nicht nur das eigentliche Modeling verfeinert worden. Auch Performance und Durchsetzungsvermögen haben sich bei den meisten Produkten erheblich verbessert.

Worauf sollte man beim Kauf eines Gitarren-Verstärkers achten?

So weit, so gut! Aber was braucht man denn nun wirklich?

Das mit dem Pauschalisieren ist immer so eine Sache. Aber versuchen wir es einmal. Am Anfang eines Verstärkerkaufs sollte immer die Frage stehen: Was will ich eigentlich? Möchte ich nur zu Hause spielen oder auch im Proberaum mit anderen Musikern zusammen? Oder ist gar die Bühne mit all ihren Herausforderungen mein Ziel? Suche ich einen Amp, der quasi von Natur aus superflexibel ist (und so aber oft einen Kompromiss aus Sound und Ausstattung darstellt) oder möchte ich einen hochwertigen Röhrenamp als Basis für alles Weitere? Fragen über Fragen, deren Beantwortung leider nicht nur mit den jeweiligen Ansprüchen, sondern im Allgemeinen auch mit dem Zustand der Geldbörse zu tun hat.

Aber fangen wir mit der Leistung an. Reine Übungsamps siedeln sich in einer Leistungskategorie zwischen 15 und 30 Watt an und bieten im Normalfall zwei Kanäle, die am Amp selbst umgeschaltet werden können (eine Fußschalter-Option wird hier in der Regel nicht angeboten). Zusatzfeatures wie ein Kopfhörerausgang zum Üben zu jeder Tages- und Nachtzeit und die Möglichkeit, externe Audioquellen (CD- oder MP3-Player) anzuschließen, runden das Setup ab und machen die Amps zu praktischen Sparringspartnern - zu Hause und zum Warm-Up in der Garderobe. Das Gros der "kleinen" Amps basiert auf analoger Transistortechnik, mittlerweile bieten diverse Hersteller in dieser Kategorie aber auch digitale Modeling-Amps mit gut ausgestatteten Effektsektionen an. Mit ein wenig Geduld und einer guten Beratung kann man schon für knapp 150 Euro einen Übungsverstärker erwerben, der so gut klingt, dass man ihn auch mit wachsender Erfahrung noch gerne in Betrieb nimmt.

Und das ergibt auch Sinn, denn im Allgemeinen sieht der Weg eines Jung-Gitarristen doch so aus:

  1. Kaufen einer preiswerten E-Gitarre und eines kleinen Übungsamps zum Antesten, "ob das mit dem Musikmachen" überhaupt etwas für mich ist.
  2. Erste Kontakte mit anderen Musikern. Der Wunsch, eine Band zu gründen, wächst.
  3. Feststellen, dass 15 Watt/30 Watt nicht ausreichen, um bei Kampflautstärke im Proberaum mit Schlagzeug und Co. mithalten zu können. (Anders sieht es bei 30 Röhrenwatt aus. Die können nämlich, in Kombination mit den richtigen Lautsprechern, deutlich durchsetzungsstärker sein.)
  4. Zeit, mit dem Kauf eines leistungsstärkeren, besser ausgestatteten Amps die nächste Runde einzuläuten
  5. Den alten Amp behalten, weil man sowieso nichts mehr dafür bekommen würde. So kann man trotzdem weiterhin zu Hause üben oder Songs schreiben und den großen Amp direkt im Proberaum stehen lassen

Und genau deshalb sollte man schon beim Kauf eines Einsteigeramps nicht auf den Euro schauen. Schon eine Mehrausgabe von 50 Euro kann sich durchaus lohnen!

Die nächste Amp-Kategorie siedelt sich im Bereich um 50 Watt an. Amps mit diesem Leistungsniveau sind in ihrem Einsatznutzen schon wesentlich flexibler und machen sowohl im Proberaum als auch auf der Bühne einen guten Job. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel: Sollte man nämlich in einer knüppelharten Rock-Band spielen, in der sowohl der Bassist als auch der Schlagzeuger hemmungslos den Hammer schwingen, geht man auch mit einem 50 Watt Amp gelegentlich baden. Eine Ausnahme bilden auch hier die Röhrenamps. Ein amtliches 50 Watt Topteil mit einer 4 x 12" Box zeigt in der Regel auch einem ambitionierten Rock-Drummer Grenzen auf.

Aber ganz gleich, ob Combo oder Topteil und Box, Röhre- oder Transistor: Die Amps der 50-Watt-Kategorie kommen in der Regel mit den zwei Kanälen (wenige mit drei) Clean und Overdrive, sodass sich mit ein wenig Geschick alle wichtigen Sounds des Rock/Pop erzeugen lassen. Hilfreich ist dabei, wenn beide Kanäle über eine separate Klang- und Lautstärkeregelung verfügen. So bekommt man die Chance, die Sounds ohne Kompromisse auf das jeweilige Einsatzgebiet abzustimmen. Schön ist, dass die Amps dieser Kategorie eigentlich durch die Bank die Möglichkeit der Kanalumschaltung per Fußschalter bieten, sodass man die Sounds im Live-Betrieb mit nur einem Fußkick umschalten kann.

Info:

Unter dem Begriff Combo firmieren alle Verstärker, die mit einem (oder mehreren) integrierten Lautsprecher(n) ausgestattet sind. Bei einem Topteil handelt es sich um den reinen Verstärker (Vor- und Endstufe) ohne Lautsprecher. Man braucht also eine separate Box, um Topteile (auch Heads genannt) betreiben zu können. Für welches Konzept man sich entscheidet, ist reine Geschmackssache. Mit einem Comboamp hat man immer alles dabei, was man braucht. Eine Topteil/Boxen-Kombination (auch Stack genannt) sieht cool aus. Aber das ist natürlich nicht alles. Wegen des großen Gehäusevolumens und der vier Lautsprecher kann man mit einem 100 Watt Amp und einem 4x12" Cabinet (mit vier 12-Zoll-Lautsprechern ausgestattet) richtig Druck machen - ideal für schiebende Rock-Sounds. Sollte der Combo-Amp allerdings über einen entsprechenden externen Lautsprecher-Anschluss verfügen, lässt natürlich auch er sich mit einer externen 4x12" Box betreiben.

Wer Wert auf den Einsatz externer Effekte legt, sollte darauf achten, dass der Amp der Wahl mit einem Effektweg ausgestattet ist, in den sich externe Effektgeräte (auch Bodeneffekte) einschleifen lassen. Das ist zum einen sehr praktisch, zum anderen schont es (bei einem parallel angelegten Effektweg) auch die Qualität des Original-Verstärkersignals, da der jeweilige Effekt ja nur zugemischt wird.

Es gibt natürlich auch Verstärker, die mit einem internen Effektgerät ausgestattet sind. Wer seine Sounds ohne zusätzliches Equipment aufmöbeln will, der sollte sich solche Amps ruhig einmal näher ansehen. Die Soundqualität geht in den meisten Fällen absolut in Ordnung - obwohl ein Firstclass-Röhrenamp in Kombination mit einem HighTech-Multieffektgerät natürlich klanglich immer die Nase vorn haben wird. Aber wie gesagt: Es ist alles eine Kostenfrage! Und gerade, wenn man als Hobby-Musiker tätig ist oder die ersten Gehversuche in einer Band wagen will, können die günstigeren "Rundum-Sorglos-Pakete" durchaus die richtige Wahl sein.

Kommen wir zur nächsten Kategorie: Amps mit 100 Watt und mehr. Hier ist (lautstärketechnisch) quasi alles möglich, und selbst wenn es einmal ganz hart zur Sache gehen sollte, kann man sich beruhigt zurücklehnen. Auch in Sachen Ausstattung stellt der Markt in dieser Leistungsgruppe eine extrem breite Auswahl zur Schau: 2-Kanaler, 3-Kanaler, 4-Kanaler, Röhre oder Transistor, mit und ohne interne Effekte - für jeden etwas. Wer also genau weiß, dass er seine Freizeit im Proberaum oder auf der Bühne verbringen will, der sollte sich unbedingt in diesem Bereich umschauen.

Was sonst noch wichtig ist.

Okay, über die Wattzahl (Leistung) und ihre Auswirkung auf den jeweiligen Einsatznutzen eines Verstärkers haben wir jetzt schon einiges erfahren. Ein weiteres wichtiges Kriterium beim Kauf eines Verstärkers ist der Musikstil, in dem man bevorzugt tätig werden möchte. So braucht ein Top40-Gitarrist, der in seinem Job alle erdenklichen Gitarrensounds abdecken muss, einen anderen Amp als beispielsweise ein New-Rocker oder ein Blueser.

Doch wie erkennt man, welche Basis-Sounds ein Amp bietet? Ganz einfach, hier die nötigen Infos:

Gitarrenverstärker unterteilen sich in drei Kategorien: Clean, Crunch und Lead. Unter dem Begriff "Clean" ordnen sich alle Sounds ein, die ohne Verzerrung auskommen, also "klar" klingen. Clean-Sounds sind sehr wichtig und werden (in unterschiedlichen Anteilen) in nahezu allen Stilistiken eingesetzt: Blues, Pop, Jazz, Country, Rock, New Rock/Metal, etc.

"Crunch" (häufig auch "Rhythm" genannt) steht für alle Sounds, die mit einer gemäßigten Verzerrung arbeiten. Sie bilden das zweite wichtige Standbein in vielen Musikstilen. Ein typisches Beispiel für reinrassige Crunchsounds liefert AC/DC Rhythmus-Ass Malcom Young in Songs wie "Highway to Hell". Subtiler, aber nicht weniger crunchy geht beispielsweise U2-Gitarrist The Edge zu Werke. Aber auch im Solospiel sind angezerrte Sounds äußerst beliebt: Man denke nur an die zahllosen Bluesgitarristen, die ihre Soli mit sahnig zerrenden Vintage-Röhrenamps an die Luft setzen.

In der Sparte "Lead" (oder "Solo") findet man alle Sounds, die eine sattere Verzerrung benötigen und sich so für stramme Riffs in den Sparten Hard 'n' Heavy genauso gut eignen wie für sahnige Soli.

Doch welcher Amp liefert welche Sounds? Das Zauberwort hier heißt Kanäle. Standard sind heute zweikanalige Gitarrenverstärker mit einem Clean- und einem Overdrive-Kanal. Dabei liefert der Clean-Kanal - der Name lässt es schon vermuten - alle klaren Sounds, hat im Normalfall aber in größeren Lautstärken auch "Angecrunchtes" im Angebot. Der Overdrive-Kanal eines typischen 2-Kanalers liefert ein Spektrum, das von knackigen Crunchsounds bis zum drückenden HiGain-Brett reicht. Der Grad der Verzerrung wird über den Gainregler des Kanals bzw. den Volume-Regler der Gitarre eingestellt.

Die Aufteilung dreikanaliger Amps sieht entsprechend aus. Sie sind so ausgelegt, dass sie, neben dem obligatorischen Clean-Kanal, separate Kanäle für Crunch- und Leadsounds bieten. So hat man die Möglichkeit, per Knopfdruck (Fußschalter) zwischen den drei wichtigsten Soundblöcken hin- und herzuschalten und kann auf der Bühne und im Proberaum zu jeder Gelegenheit den richtigen Sound abliefern.

Im Zuge der Entwicklung immer ausgefeilterer Soundmaschinen sind in den letzten Jahren auch vierkanalige Amps keine Seltenheit mir. Sie verwöhnen außer mit Clean- und Crunchstandards, auch mit zwei unterschiedlich ausgelegten Varianten zum Thema Lead. Und dann wären da auch noch unsere Modeling-Amps mit ihren diversen Verstärker-Simulationen. Da die meisten die Option bieten, Sounds und deren Einstellungen zu speichern, lassen sich nicht nur die reinen Verstärkerklänge archivieren. Auch die zugeordneten Effekte und ihre Settings werden mitgespeichert und (per Fußkick) wieder aufgerufen. Mittlerweile gibt es aber auch vollprogrammierbare Transistor- und Röhrenamps, die auf der Basis bewährter Analogtechniken (in Kombination mit digitalen Effekten) Ähnliches können.

Wichtig für die stilistische Flexibilität eines Amps ist aber nicht nur die Soundbasis und die Anzahl der Kanäle. Auch die Klang- und Lautstärkeregelung hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Performance und den Einsatznutzen eines Verstärkers. Im Idealfall verfügt jeder Kanal über eine eigene Klangregelung. So bekommt man die Möglichkeit, die Sounds der einzelnen Kanalzüge ohne Kompromisse "maßzuschneidern". Hat dann auch noch jeder der Kanäle eine eigene Master-Lautstärkeregelung, lassen sich auch die jeweiligen Endlautstärken perfekt aufeinander abstimmen.

Zusatzfeatures: Effekte können die klangliche Flexibilität eines Amps weiter erhöhen. Grundsätzlich hat man zwei Möglichkeiten, an entsprechende Soundveredelungsmaßnahmen zu kommen:

  1. Will man Kabelwirrwarr und Equipmentstress vermeiden und sein Budget schonen, ergeben Amps mit integrierter DSP-Sektion (Digital-Effekte) oder Modeling-Amps durchaus Sinn.
  2. Amps mit Effektweg ermöglichen das Einbinden externer Effekte. Vorteil: Man kann die verwendeten Komponenten selber wählen. Und das gilt sowohl für den Amp als auch für die verwendeten Effekte. Auch die Editiermöglichkeiten externer Multieffektgeräte sind oft detaillierter als bei integrierten Effekten. Nachteil: Eine komplexere Bedienung und (oft) höhere Preise.

Fazit

Fassen wir zusammen: Für welchen Amp man sich im Endeffekt entscheidet, hängt vom jeweiligen Einsatzgebiet, der Stilistik und natürlich vom Budget ab. Durch das riesige Angebot hat man heute die Möglichkeit, schon mit einem moderaten finanziellen Aufwand an amtliches Equipment zu kommen. Dabei sind Röhrenamps nach wie vor "State of the Art". Durch die stetige technische Entwicklung können aber auch Amps, in deren Brust ein Transistor- oder Digital-Herz schlägt, mit Sounds aufwarten, die selbst verwöhnte Profis überzeugen. Am besten, ihr surft auf die Hersteller-Websites und holt euch dort die Infos, die ihr braucht. Oft helfen auch im Netz geparkte Audios bei der Kaufentscheidung. Und habt ihr das Angebot auf diese Weise erst einmal vorsortiert, ist es natürlich ideal, wenn ihr gemeinsam mit einem informierten Verkäufer in einem gut sortierten Fachgeschäft selber testet, was die in die engere Wahl kommenden Amps für euch tun können. Dabei viel Glück und jede Menge Spaß beim Testen!

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