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03.07.2020

Kann man als Erwachsener Klavier noch spielen lernen?

Als Erwachsener mit dem Klavier spielen anfangen – Tipps und Hilfe

Wie lerne ich als Erwachsener das Klavier spielen?

Kann man als Erwachsener noch Klavier oder ein anderes Instrument spielen lernen? Irgendwann stellen sich ältere Semester diese Frage, denn der Wunsch, alleine, oder mit anderen zusammen Musik zu machen wird groß. Gerade dann besonders, wenn andere davon schwärmen, wie angenehm und entspannend das eigene Spielen sein kann. Ob man in der Jugend keine Gelegenheit dazu hatte, die Chance nie geboten wurde, oder die Lust am Klavierunterricht zugunsten anderer Dinge verloren ging; das sind viele Gründe, warum man das Ziel selbst Klavier zu spielen nicht weiterverfolgt hat. All diese Gründe sind aber kein Hindernis, wenn man wirklich Interesse hat das Klavier spielen zu erlernen.  Die eigene Motivation ist hier die stärkste Triebfeder.

Und die Frage ‚Kann man als Erwachsener Klavier spielen lernen?‘ lässt sich schnell und sicher mit ‚Ja‘ beantworten. Ein neues Ziel öffnet immer neue Horizonte.

Wer wirklich vor hat als Erwachsener ein Instrument zu lernen, macht sich natürlich seine Gedanken. Schon dann, wenn die eigenen Kinder vorleben, wie es in der eigenen Jugend hätte sein können. Warum hat man den Klavierunterricht geschmissen? Warum haben die eigenen Eltern das Talent ihres Kindes nicht gefördert? Sicherlich gibt es noch viele weitere Gründe, und gerade die Gründe, die das Klavier lernen verhinderten, weil die finanziellen Mittel nicht da waren, sind die Traurigsten. Aber jetzt, wo der Wunsch so groß ist doch zu beginnen oder wieder einzusteigen, welche Hindernisse könnten da noch im Weg stehen? Keine, denn das, worüber man sich noch so viele Gedanken macht, sind Steine, die man sich selbst in den Weg legt:

  • Bin ich nicht doch zu alt für dieses Vorhaben?
  • Haben nicht alle Pianisten bereits mit fünf Jahren Klavier spielen gelernt?
  • Nimmt die Lernfähigkeit nicht mit dem Alter ab?
  • Werde ich die Ausdauer mitbringen?
  • Wo lerne ich das Klavier spielen?

Solche Gedanken schrecken viele ab, es als Erwachsener mit dem Klavier lernen zu versuchen. Doch das muss nicht sein! Selbstverständlich kann man auch als Erwachsener Klavier spielen lernen! Es wird etwas anders ablaufen als bei einem Sechsjährigen, was aber auch sehr positive Aspekte haben kann.

Damit das Thema ein schönes Thema bleibt, haben wir ein paar Tipps zusammengestellt, die dich bei vielen Fragen helfend unterstützen sollen.

Die Wahl des richtigen Lehrers

Wie und wo lerne ich als Erwachsener das Klavier spielen am besten?

Was in der Schule gilt, trifft auch auf den Klavierunterricht zu: Ein/e gute/r Lehrer/in ist ebenso wichtig für den Erfolg, wie der eigene motivierte Einsatz. Und dazu gehört auch das Klavier üben. Die fachliche Kompetenz des Lehrers ist genauso wichtig, wie das vermitteln der richtigen Impulse, um bei dem Schüler Begeisterung zu wecken, damit man mit dem nötigen Eifer bei der Sache ist. Motivation sollte also auch von dem Lehrer ausgehen. Da inbegriffen ist auch die Wahl der richtigen Noten und Stücke, genauso wie das neugierig machen auf bisher Unbekanntes. Und in diesem Feld haben Erwachsene andere Ansprüche als Kinder. Viele Klavierlehrer – insbesondere solche an Musikschulen – sind darauf spezialisiert, Kindern mit einem spielerischen Ansatz und kindgerechten Repertoire die ersten Schritte zu vermitteln – eine Methode, die bei einem Erwachsenen nicht der geeignete Ansatz ist. Hier sollte man als älterer Schüler darauf, dass der/die Lehrer/in Erfahrung mit Klavierunterricht für Erwachsene hat und somit auf die besonderen Ansprüche eingestellt ist. Für Erwachsene eignet sich der Unterricht in einem entspannten, privaten Rahmen – entweder bei dir zu Hause oder bei dem/der Lehrer/in – was zumeist besser ist als die Umgebung einer Musikschule, die eher auf Jugendliche eingestellt ist.

Welche Unterstützung erhalte ich als Erwachsener, um das Klavier spielen zu lernen?

Online-Klavierunterricht ist heute eine immer populärere Alternative bzw. Ergänzung. Apps und Online-Klavierschulen wie Flowkeymusic2meSkoove oder Jojas Piano-Akademie bieten inzwischen didaktisch hochwertige Kurse an, die mit immer raffinierterem technischen Aufwand umgesetzt sind. Gerade für Einsteiger, die das Klavier spielen vielleicht erst einmal allein nach ihrem eigenen Zeitplan ausprobieren möchten, sind diese Angebote attraktiv. Wer am Ball bleibt, kann mit vielen der heutigen Online-Musikschulen beachtliche Erfolge erzielen, und das oftmals zu einem viel günstigeren Preis als bei einem privaten Lehrer. Zwar kann ein Lehrer gezielter auf die persönlichen Vorlieben und Ansprüche einzelner Schüler eingehen und individuelleres Feedback geben, weshalb der Klavierunterricht von Angesicht zu Angesicht sicher noch lange nicht ausgedient hat.

Für die Online-Schulen spricht neben dem Preisvorteil vor allem, dass man damit üben kann, wann und wo immer man möchte, und nicht an feste Termine gebunden ist. Wer einen stressigen Alltag hat oder das Klavier spielen zunächst einmal in Ruhe selbst ausprobieren möchte, bevor er viel Geld in privaten Unterricht investiert, könnte daher an einem Online-Angebot Gefallen finden. Übrigens lassen sich diese selbstverständlich auch in Kombination mit herkömmlichem Unterricht nutzen, etwa um in andere Themenbereiche hineinzuschnuppern oder sich Ideen und Übungsvorschläge zu holen.

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Was gibt es noch?

Als Alternative zu den zahlreichen Apps und Online-Klavierschulen, findet sich auch auf YouTube ein großes Angebot an Lehrvideos, angefangen bei klassischem Klavierspiel über Technikübungen bis hin zu Jazz-Tutorials; diese Plattform bietet eine riesige Anzahl an Videos zum Thema Klavier spielen lernen – und das obendrein kostenlos. Hier holt man sich Inspiration, lässt sich leiten und weiderholt bestimmte Übungen wann immer es sein soll. 

Bewusst und regelmäßig Zeit einplanen

Habe ich die Zeit, um als Erwachsener das Klavier spielen zu lernen?

Für alles, was sich als neue Größe in das eigene Leben einreiht muss man Zeit investieren, Zeit, die als feste Größe neu in das eigene Zeitmanagement mit einfließt. Das Gefühl, immer zu wenig Zeit für alles zu haben, kennen wohl alle. Und hier liegt der entscheidende Unterschied zu einem Kind. Natürlich haben auch viele Kinder einen durchgeplanten Alltag – neben der Schule und dem Klavierunterricht gilt es vielleicht noch den Fußballverein, die Ballettstunde, das Treffen mit Freunden und diverse andere Hobbys unter einen Hut zu bringen. Dennoch zeigen die meisten Kinder auch bei einem vollen Terminplan nicht die gleichen Stresssymptome wie Erwachsene. Denn: Sofern ein Kind nicht zu diesen Dingen gezwungen wird, wirken sie im besten Fall wie Sachen, die man eben macht, weil sie einem Spaß machen – die Struktur wird von außen vorgegeben. Und wenn man das Klavier üben mal vernachlässigt, ist schließlich immer jemand da, der einen behutsam, manchmal auch energisch daran erinnert. Als Erwachsener ist man sein eigener Chef und für die Gestaltung der eigenen Zeit-und Terminplanung selbst verantwortlich. 

Wieviel Zeit muss ich investieren, um als Erwachsener Klavier spielen zu lernen?

Wer sich als Erwachsener entschließt mit dem Klavier spielen zu beginnen, muss Zeit für einen regelmäßigen Klavierunterricht und das wichtige Üben als fixe Größe mit in die Gestaltung des Tages integrieren. Es muss eine eigene Struktur geschaffen werden und die nötige Disziplin selbst aufgebracht werden. Viel zu einfach ist es sonst, das Klavier spielen über all den anderen Aufgaben und Zwängen des Alltags zu vergessen. Am besten, man reserviert eine feste Tageszeit für das Klavier üben – notfalls mit einer Erinnerung im Kalender oder dem Smartphone. Ein stundenlanges Üben pro Tag ist gar nicht nötig, denn wer als Erwachsener mit dem Klavier spielen beginnt, dem geht es nicht darum, zum gefeierten Konzertpianisten zu werden. Mit einer halben Stunde Zeit pro Tag und zusätzlich immer dann, wenn man gerade Lust dazu hat, kann man schon sehr viel erreichen. Die Regelmäßigkeit aber bringt den Erfolg und in der Zeit des Übens ist es wichtig, sich nicht von anderen Dingen ablenken zu lassen. Im besten Fall wird die halbe Stunde am Klavier so zu einer willkommenen Erholungspause vom Alltag auf die man sich freut. Und, wer begeistert ist eine neue Sache durchzuziehen, der findet die nötige Zeit, um sich seines neuen Projekts voll zu widmen.

Such dir Stücke aus, die dir gefallen

Mit welchen Stücken lerne ich das Klavierspielen als Erwachsener am besten?

Der Klavierunterricht für Kinder beginnt seit Generationen zumeist nach dem gleichen Schema: Auf einige Fingerübungen und Kinder- bzw. Volkslieder folgen nach und nach einfache und dann immer anspruchsvollere Stücke aus dem klassischen Repertoire. Generationen von Kindern haben ihre Fingerfertigkeit an Bachs Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach und Schumanns Album für die Jugend geschult. Das liegt natürlich zum einen daran, dass diese Stücke sich als für Anfänger geeignet erwiesen haben und von den Komponisten zu genau diesem Zweck erschaffen wurden. Der zweite, trivialere Grund für dieses Vorgehen ist aber, dass ein Kind zumeist noch keinen gefestigten Musikgeschmack und keine genaue Vorstellung davon hat, was es spielen möchte. Also setzt der/die Lehrer/in auf das bewährte Repertoire, bis ab einem gewissen Zeitpunkt der Wunsch nach einer Vertiefung in eine bestimmte Richtung aufkommt.

Ist Klassik der einzige Weg, um als Erwachsener das Klavier spielen zu lernen?

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Klassik der einzige Weg zum Klavier spielen ist! Wer als Erwachsener beginnt, hat zumeist gefestigte musikalische Vorlieben und tut gut daran, beim Klavier lernen genau darauf zu setzen. Sich mit ungeliebten Stücken herumzuplagen, die für Kinder geschrieben wurden, kann ein echter Motivationskiller sein. Wer gerne Jazz hört, sollte sich einfache Arrangements von Jazz-Klassikern suchen und am besten auch gleich das freie Spiel und die Improvisation in den Unterricht einbauen. Gleiches gilt für Liebhaber von Pop, Rock und Filmmusik. Für fast jedes populäre Stück hat irgendwo jemand ein einfaches, für Anfänger geeignetes Klavierarrangement verfasst, und es gibt keinen Grund dafür, dass man damit schlechter Klavier spielen lernen können sollte als mit den ewigen Klassikern. Im Gegenteil – wer Stücke spielt, die ihn wirklich interessieren, ist mit mehr Freude bei der Sache und kommt schneller zu Erfolgserlebnissen.

Vergleiche dich nicht mit Kindern

Sind Kinder die besseren Klavierschüler?

Es kann schon frustrierend sein: Du beginnst im fortgeschrittenen Alter aus eigenem Antrieb mit etwas, das dir richtig Freude macht du und bist mit viel Eifer bei der Sache. Nach einer gewissen Zeit hast du vielleicht das Gefühl, dass es schon ganz gut läuft, und du bist stolz darauf, dass die ersten Stücke richtig sitzen. Und dann setzt sich ein Zwölfjähriger an den Flügel und rattert im Affenzahn eine Sonate herunter – und du hast das Gefühl, dass du niemals so gut werden kannst wie er und dass es alles keinen Sinn macht. In dieser Situation tut es gut sich darauf zu besinnen, warum man als Erwachsener mit dem Klavier spielen begonnen hat: Nämlich um sein Leben um eine schöne Beschäftigung zu bereichern, und nicht um unbedingt besser zu sein als andere. Nicht nur hat, wer mit zwölf Jahren schon so spielen kann, wahrscheinlich mit fünf oder sechs Jahren begonnen und deshalb schon dreimal so viele „Klavier-Jahre“ auf dem Buckel wie du. Er sollte dir auch den Spaß nicht nehmen, den du beim Klavier spielen empfindest – auch wenn es vielleicht manchmal etwas langsamer voranzugehen scheint als bei einem Kind. Denke auch immer an die, die nicht den Mut haben ein solches Projekt zu beginnen. Denen gegenüber stehst du deutlich im Vorteil! Du möchtest dein Ziel erreichen.

 

Ein Ziel vor Augen haben

Schaffe ich als Erwachsener das Klavier spielen noch zu lernen?

Insgesamt lässt sich vielleicht sagen: Der Schlüssel dazu, als erwachsener Anfänger Spaß am Klavier spielen zu haben, liegt für die meisten in einer entspannten Herangehensweise. Natürlich ist ein gewisser Ehrgeiz unerlässlich, wenn man schnell vorankommen und Erfolg haben möchte. Wer jedoch allzu verbissen herangeht und sich zu viel abverlangt, läuft Gefahr, den Spaß an der Sache zu verlieren. Wenn das passiert, dann hilft es, sich zu sagen: „Ich mache das für mich, auf meine Weise und in meinem Tempo! “. Mit dieser Einstellung und einem Lehrer, der sie mitträgt und unterstützt, kommt man als bereits erwachsener Einsteiger am weitesten.

Viel Spaß!

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