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13.07.2018

Kann man als Erwachsener Klavier spielen lernen?

Als Erwachsener mit dem Klavier spielen anfangen – Tipps und Hilfe

Wie lerne ich als Erwachsener das Klavier spielen?

Kann man noch im Erwachsenenalter Klavier oder ein anderes Instrument spielen lernen? Oder ist man auf ewig zum Zuschauen verdammt, wenn man nicht schon als Kind in die Tasten gehauen hat? Diese Frage treibt viele um, die in ihrer Jugend kein Instrument gelernt haben. Zum Glück ist die Antwort klar und deutlich: Natürlich geht das, und es kann sogar richtig viel Spaß machen und neue Horizonte eröffnen. Hier habe ich einige Tipps zusammengestellt.

Oft schleicht sich das Gefühl hinterlistig an, wenn man zum Beispiel die eigenen Kinder beobachtet, in der Lebensmitte auf der Suche nach dem Sinn ist oder sich einfach nur an einen Wunsch erinnert, den man vielleicht schon als Kind hatte und damals nicht verwirklichen konnte: Wäre es nicht schön, Klavier spielen zu können? Aber geht das überhaupt als Erwachsener? Saßen nicht alle erfolgreichen Pianisten schon mit fünf Jahren am Flügel? Und sagt man nicht, dass die Lernfähigkeit des Gehirns mit dem Alter abnimmt? Da kann man doch als „Senior“ niemals mithalten! Diese Gedanken schrecken viele ab, es als Erwachsener mit dem Klavier lernen zu versuchen. Doch das muss nicht sein! Selbstverständlich kann man auch als Erwachsener Klavier spielen lernen! Es wird etwas anders ablaufen als bei einem Sechsjährigen, aber das kann auch sehr positive Aspekte haben.

Die Wahl des richtigen Lehrers

Wie lerne ich als Erwachsener das Klavier spielen am besten?

Was in der Schule gilt, trifft auch auf den Klavierunterricht zu: Ein/e gute/r Lehrer/in ist ebenso wichtig für den Erfolg wie das Klavier üben. Das Schlüsselwort ist hier nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern vor allem auch Motivation: Ein/e gute/r Lehrer/in versteht es, die richtigen Impulse zu setzen und Begeisterung zu wecken, damit man mit dem nötigen Eifer bei der Sache ist. Dazu gehört die Wahl der richtigen Stücke genauso wie das neugierig machen auf bisher Unbekanntes. Und hier haben Erwachsene andere Ansprüche als Kinder. Viele Klavierlehrer – insbesondere solche an Musikschulen – sind darauf spezialisiert, Kindern mit einem spielerischen Ansatz und kindgerechten Repertoire die ersten Schritte zu vermitteln – eine Methode, bei der sich viele Erwachsene veralbert vorkämen. Achte also darauf, dass der/die Lehrer/in Erfahrung mit Klavierunterricht für Erwachsene hat und auf die besonderen Ansprüche eingestellt ist. Für Erwachsene eignet sich der Unterricht in einem entspannten, privaten Rahmen – entweder bei dir zu Hause oder bei dem/der Lehrer/in – zumeist besser als die Umgebung einer Musikschule, die auf Jugendliche eingestellt ist.

Welche Unterstützung erhalte ich als Erwachsener, um das Klavier spielen zu lernen?

Online-Klavierunterricht ist heute eine immer populärere Alternative bzw. Ergänzung. Apps und Online-Klavierschulen wie Flowkeymusic2meSkoove oder Jojas Piano-Akademie bieten inzwischen didaktisch hochwertige Kurse an, die mit immer raffinierterem technischen Aufwand umgesetzt sind. Gerade für Einsteiger, die das Klavier spielen vielleicht erst einmal allein nach ihrem eigenen Zeitplan ausprobieren möchten, sind diese Angebote attraktiv. Wer am Ball bleibt, kann mit vielen der heutigen Online-Musikschulen beachtliche Erfolge erzielen, und das oftmals zu einem viel günstigeren Preis als bei einem privaten Lehrer. Zwar kann ein Lehrer gezielter auf die persönlichen Vorlieben und Ansprüche einzelner Schüler eingehen und individuelleres Feedback geben, weshalb der Klavierunterricht von Angesicht zu Angesicht sicher noch lange nicht ausgedient hat. Für die Online-Schulen spricht neben dem Preisvorteil vor allem, dass man damit üben kann, wann und wo immer man möchte, und nicht an feste Termine gebunden ist. Wer einen stressigen Alltag hat oder das Klavier spielen zunächst einmal in Ruhe selbst ausprobieren möchte, bevor er viel Geld in privaten Unterricht investiert, könnte daher an einem Online-Angebot Gefallen finden. Übrigens lassen sich diese selbstverständlich auch in Kombination mit herkömmlichem Unterricht nutzen, etwa um in andere Themenbereiche hineinzuschnuppern oder sich Ideen und Übungsvorschläge zu holen.

Bewusst und regelmäßig Zeit nehmen

Habe ich die Zeit, um als Erwachsener das Klavier spielen zu lernen?

Das Gefühl, immer zu wenig Zeit für alles zu haben, kennen wohl alle. Und hier liegt der entscheidende Unterschied zu einem Kind. Natürlich haben auch viele Kinder einen durchgeplanten Alltag – neben der Schule und dem Klavierunterricht gilt es vielleicht noch den Fußballverein, die Ballettstunde, das Treffen mit Freunden und diverse andere Hobbys unter einen Hut zu bringen. Dennoch zeigen die meisten Kinder auch bei einem vollen Terminplan nicht die gleichen Stresssymptome wie Erwachsene. Denn: Sofern ein Kind nicht zu diesen Dingen gezwungen wird (von der Schule mal abgesehen), wirken sie im besten Fall wie Sachen, die man eben macht, weil sie einem Spaß machen – die Struktur wird von außen vorgegeben. Und wenn man das Klavier üben mal vernachlässigt, ist schließlich immer jemand da, der einen behutsam oder energisch daran erinnert.

Wie muss ich vorgehen, um als Erwachsener das Klavier spielen zu lernen?

Wenn man sich hingegen als Erwachsener entschließt, mit dem Klavier spielen zu beginnen, muss man sich diese Struktur selbst schaffen, Zeit dafür freischaufeln und die nötige Disziplin selbst aufbringen. Viel zu einfach ist es sonst, das Klavier spielen über all den anderen Aufgaben und Zwängen des Alltags zu vergessen. Am besten ist es, eine feste Tageszeit für das Klavier üben zu reservieren – notfalls mit einer Erinnerung im Smartphone. Tägliches, stundenlanges Üben muss gar nicht sein, denn wer als Erwachsener mit dem Klavier spielen beginnt, dem geht es nicht darum, zum gefeierten Konzertpianisten zu werden. Mit einer halben Stunde pro Tag kann man schon richtig viel erreichen. Aber es sollte regelmäßig sein, und man sollte sich in dieser Zeit von nichts anderem ablenken lassen. Im besten Fall wird die halbe Stunde am Klavier so zu einer willkommenen Erholungspause vom Alltag.

Such dir Stücke aus, die du magst

Mit welchen Stücken lerne ich das Klavierspielen als Erwachsener am besten?

Der Klavierunterricht für Kinder beginnt seit Generationen zumeist nach dem gleichen Schema: Auf einige Fingerübungen und Kinder- bzw. Volkslieder folgen nach und nach einfache und dann immer anspruchsvollere Stücke aus dem klassischen Repertoire. Generationen von Kindern haben ihre Fingerfertigkeit an Bachs Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach und Schumanns Album für die Jugend geschult. Das liegt natürlich zum Einen daran, dass diese Stücke sich als für Anfänger geeignet erwiesen haben und von den Komponisten zu genau diesem Zweck erschaffen wurden. Der zweite, trivialere Grund für dieses Vorgehen ist aber, dass ein Kind zumeist noch keinen gefestigten Musikgeschmack und keine genaue Vorstellung davon hat, was es spielen möchte. Also setzt der/die Lehrer/in auf das bewährte Repertoire, bis ab einem gewissen Zeitpunkt der Wunsch nach einer Vertiefung in eine bestimmte Richtung aufkommt.

Ist Klassik der einzige Weg, um als Erwachsener das Klavier spielen zu lernen?

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Klassik der einzige Weg zum Klavier spielen ist! Wer als Erwachsener beginnt, hat zumeist gefestigte musikalische Vorlieben und tut gut daran, beim Klavier lernen genau darauf zu setzen. Sich mit ungeliebten Stücken herumzuplagen, die für Kinder geschrieben wurden, kann ein echter Motivationskiller sein. Wer gerne Jazz hört, sollte sich einfache Arrangements von Jazz-Klassikern suchen und am besten auch gleich das freie Spiel und die Improvisation in den Unterricht einbauen. Gleiches gilt für Liebhaber von Pop, Rock und Filmmusik. Für fast jedes populäre Stück hat irgendwo jemand ein einfaches, für Anfänger geeignetes Klavierarrangement verfasst, und es gibt keinen Grund dafür, dass man damit schlechter Klavier spielen lernen können sollte als mit den ewigen Klassikern. Im Gegenteil – wer Stücke spielt, die ihn wirklich interessieren, ist mit mehr Freude bei der Sache und kommt schneller zu Erfolgserlebnissen.

Vergleiche dich nicht mit Kindern

Sind Kinder die besseren Klavierschüler?

Es kann schon frustrierend sein: Da fängst du im fortgeschrittenen Alter aus eigenem Antrieb mit etwas an, was dir richtig Spaß macht und bist mit viel Eifer bei der Sache. Nach ein, zwei Jahren hast du vielleicht das Gefühl, dass es schon ganz gut läuft, und bist stolz darauf, dass die ersten Stücke sitzen. Und dann setzt sich ein Zwölfjähriger an den Flügel und rattert im Affenzahn eine Sonate herunter – und du hast das Gefühl, dass du niemals so gut werden kannst wie er und dass es alles keinen Sinn macht. In dieser Situation tut es gut, sich darauf zu besinnen, warum man als Erwachsener mit dem Klavier spielen angefangen hat. Nämlich um sein Leben um eine schöne Beschäftigung zu bereichern, und nicht um unbedingt besser zu sein als andere. Nicht nur hat, wer mit zwölf Jahren schon so spielen kann, wahrscheinlich mit fünf oder sechs Jahren begonnen und hat deshalb schon dreimal so viele „Klavier-Jahre“ auf dem Buckel wie du. Er sollte dir auch den Spaß nicht nehmen, den du beim Klavier spielen empfindest – auch wenn es vielleicht manchmal etwas langsamer voranzugehen scheint als bei einem Kind.

Ziel: Ich mache das für mich

Schaffe ich als Erwachsener, das Klavier spielen noch zu lernen?

Insgesamt lässt sich vielleicht sagen: Der Schlüssel dazu, als erwachsener Anfänger Spaß am Klavier spielen zu haben, liegt für die meisten in einer entspannten Herangehensweise. Natürlich ist ein gewisser Ehrgeiz unerlässlich, wenn man schnell vorankommen und Erfolg haben möchte. Wer jedoch allzu verbissen herangeht und sich zuviel abverlangt, läuft Gefahr, den Spaß an der Sache zu verlieren. Wenn das passiert, dann hilft es, sich zu sagen: „Ich mache das für mich, auf meine Weise und in meinem Tempo!“. Mit dieser Einstellung und einem Lehrer, der sie mitträgt und unterstützt, kommt man als erwachsener Einsteiger am weitesten.

Viel Spaß!

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