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Test
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10.08.2012

ION Audio Piano Apprentice Test

Keyboard und iOS-App

Klavierstunden mit dem "Piano Guy"

Als ich klein war und die ersten Klavierstunden nahm, war der Fall klar: Ich ging wöchentlich zum Unterricht und übte zwischendurch mehr oder weniger fleißig am heimischen Klavier. Dass ich kaum an die Pedale herankam, tat der Faszination keinen Abbruch. Heutzutage ist es häufig ein Keyboard, auf dem Anfänger die ersten Schritte machen, was auch gar nicht unbedingt ein Problem sein muss, wenn man nicht gerade Konzertpianist werden möchte. Doch kann ein elektronisches System, wie das der Firma ION Audio, neben dem Klavier auch gleich den Lehrer ersetzen?

Mit dem „Piano Apprentice“ bietet IO Audio ein System an, das ein iPad oder ein anderes iOS-Gerät zum Klavierlehrer machen soll. Es besteht aus einem kleinen Keyboard mit 25 Leuchttasten, mit dem die gleichnamige App gesteuert wird. Das kostenlos im App-Store erhältliche Programm beinhaltet Videolektionen zum Erlernen verschiedener Songs. Der Straßenpreis von gerade einmal knapp 60 Euro würde mit viel Glück für zwei Klavierstunden bei einem leibhaftigen Lehrer reichen, wobei man natürlich fairerweise auch den Anschaffungspreis des iPads in die Gleichung einkalkulieren müsste. Revolutioniert ION damit die Art und Weise, wie künftige Generationen das Tastenspiel erlernen, oder braucht die Klavierlehrerzunft sich auch in Zukunft nicht um ihre Pfründe zu sorgen? 

DETAILS

Dem kleinen Keyboard im kompakten Plastikgehäuse sieht man sofort an, dass es zur Verwendung mit einem iPad gedacht ist. Die Ablage für das Tablet lässt sich nach oben aus dem Gehäuse herausklappen, wo sie beidseitig einrastet und den Bildschirm in einer gut ablesbaren Position hält. Sie verfügt über zwei Gumminoppen, die ein Verrutschen des iPads verhindern sollen. Zum Spieler hin liegt das Tablet unter einer ebenfalls mit Gummi-Einsätzen ausgestatteten Kante auf. Auch mit einem iPhone ab der Version 3GS und mit dem iPod Touch (jeweils mit dem neuesten OS) ist das System kompatibel, wobei diese Geräte nicht gut auf die Ablage passen. Der Fokus liegt ganz klar auf dem iPad.

Das Keyboard selbst wirkt einigermaßen stabil, aber nicht besonders hochwertig. Das schwarze Plastik ist nicht von der edelsten Sorte und fühlt sich recht spielzeughaft an. Trotzdem würde das Gerät auch den rauen Kinderzimmeralltag eine Weile überstehen, denke ich. Die Tastatur besteht aus 25 anschlagdynamischen und mit roten LEDs beleuchteten Mini-Tasten. Hier regen sich erste Zweifel, wie ernst man die Klavierlehrer-Ambitionen des Piano Apprentice nehmen sollte. Zwei Oktaven sind auf keinen Fall genug, um auch nur in die Nähe wirklichen Klavierspiels zu kommen. Und wer die ersten Schritte auf einer Mini-Tastatur macht, wird später Schwierigkeiten haben, das Erlernte auf normal großen Tasten umzusetzen. Auch das Spielgefühl der Tastatur lässt zu wünschen übrig und bleibt auch hinter dem vieler günstiger USB-Controllerkeyboards in einer ähnlichen Preisklasse zurück. Die Tasten fühlen sich in etwa an, als drückte man auf Wäscheklammern. Der Punkt, an dem die Note ausgelöst wird, liegt irgendwo in der Mitte des Tastenwegs und ist schwer zu kontrollieren. Von einem so günstigen Keyboard kann man natürlich keine Wunder erwarten, aber ein Gerät, das explizit zum Lernen gedacht ist, sollte doch eine etwas bessere Tastatur bieten. Wer als Anfänger mit dieser Klaviatur beginnt, wird weder wirklich Spaß an der Sache haben noch ein Gefühl für das Instrument entwickeln. Die enttäuschende Tastatur rückt das Piano Apprentice weit in die Spielzeugecke. Auf dem Weg zu wirklichem Klavierspiel kommt man damit nicht weit.

Etwas weiter als die zwei Oktaven Umfang jedoch schon, denn am linken Rand befinden sich zwei Taster, mit denen sich die Oktavlage umschalten lässt. So kann man immerhin auch tiefere und höhere Töne erreichen. An dem insgesamt zu geringen Tastaturumfang ändert das natürlich nichts. Gegenüber auf der rechten Seite haben der Netzschalter und ein Lautstärkeregler Platz gefunden. Dieser steuert die Lautstärke der eingebauten Lautsprecher, die links und rechts der iPad-Ablage sitzen und die vom iPad kommenden Tonsignale wiedergeben. Die beiden Speaker sind mit etwa 4,5 cm Durchmesser ziemlich klein geraten. Die ganze Bandbreite eines Klavierklangs vermögen sie nicht überzeugend wiederzugeben. Der Klang ist recht blechern und vor allem im Bassbereich etwas dünn. Ab einer Lautstärkeeinstellung von etwa drei Viertel verzerren die Speaker merklich, und bei maximalem Volumen klingt es bisweilen mehr nach Rockgitarre als nach Klavier. Auf IONs Website heißt es: „Das integrierte Stereo-Lautsprechersystem sorgt für realistischen Pianosound“ – angesichts der Performance dieser Lautsprecher ziemlich optimistisch! Nicht umsonst sind hochwertige Digitalpianos mit aufwändigen, leistungsstarken Verstärkersystemen ausgestattet, um dem Klangvolumen eines Konzertflügels gerecht zu werden und „realistischen Pianosound“ zu bieten. 

An der Rückseite des Geräts finden wir lediglich zwei Anschlüsse. Das Dock-Kabel für die Verbindung zum iPad hängt lose heraus und lässt sich bei Bedarf in einer Aussparung verstauen. Es ist mit etwa 30 cm lang genug, um ein auf dem Keyboard liegendes iPad anzuschließen. Außerdem gibt es eine Buchse für ein externes Netzteil, das allerdings nicht mitgeliefert wird. Stattdessen befinden sich vier AA-Batterien im Lieferumfang, die im Batteriefach auf der Unterseite des Keyboards Platz finden. So lässt sich das Piano Apprentice auch unterwegs gut einsetzen. Trotzdem hätte ich ein Netzteil im Lieferumfang begrüßt, schon alleine, um den Batterieverbrauch zu reduzieren. Über die Betriebszeit im Batteriebetrieb macht der Hersteller keine Angaben. Im Verlauf des Tests zeigte die erste Ladung Batterien jedoch keine Schwäche. Weder beim Netzteil- noch beim Batteriebetrieb ist es übrigens möglich, das iPad vom Piano Apprentice aus zu laden. Auch die umgekehrte Stromversorgung des Keyboards vom iPad aus ist nicht möglich. So ist man stets sowohl von der Akkulaufzeit des iPads als auch vom Zustand der Batterien des Piano Apprentice abhängig. Schade!

Weitere Anschlüsse fehlen. Da es sich hierbei erklärtermaßen um ein Lernkeyboard handelt, finde ich vor allem die Abwesenheit einer Sustainpedal-Buchse bedenklich, ist dieses Pedal doch eine wesentliche Komponente des Klavierspiels. Und weil auch MIDI-Buchsen bzw. ein MIDI-over-USB-Anschluss fehlen, ist das Piano Apprentice ausschließlich mit iOS-Geräten zu gebrauchen. Als Eingabekeyboard am Computer lässt es sich nicht benutzen. Auch schade! Immerhin ist die Nutzung aber nicht auf die dazugehörige App beschränkt; auch andere Musik-Apps wie etwa GarageBand können mit dem Piano Apprentice gespielt werden. Eine Kopfhörerbuchse gibt es nicht, was aber nicht schlimm ist, denn das iPad besitzt ja eine. Wird diese verwendet, sind die Lautsprecher des Keyboards stumm geschaltet.

Genug der Vorbereitungen. Laden wir uns also die kostenlose App aus dem Store herunter und probieren aus, was das System in der Praxis taugt!

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