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02.04.2018

Gear-Chat Octave One

Die elektronische Detroit Techno und House-Band über Musikgeschichte, Hardware und Live-Setups

Die elektronische Band Octave One (gegründet 1989) besteht es fünf Brüdern. Aufgewachsen in Detroit, wurden sie von dem dort entstehenden Detroit House und Funk Musik geprägt, die sie bis heute verfolgt. Auf der Bühne sehen wir meist nur zwei Brüder der Familie, nämlich Lenny und Lawrence, die wir heute zu ihrem kommenden Album „Endustry“ ihres zweiten „härteren“ Musikprojekts „Random Noise Generation“ befragen.

Sie sind vor allem, neben ihren sehr erfolgreichen und groovigen Musikveröffentlichungen, für ihre großartigen und spektakulären Live-Musikperformances bekannt, mit Unmengen an technischen Geräten und Kabeln auf der Bühne vor ausflippendem Publikum.

Hallo Lenny & Lawrence! Wir freuen uns, euch hier im Gear-Chat zu haben. Ihr startete eure musikalische Reise Anfang der neunziger Jahre mit Detroit Techno, Funk und House Music.

Was hat euch an dem neuen Musikstil fasziniert, der die Endachtziger musikalisch definierte?

Ohne Zweifel war das für uns die Energie und die Passion für Musik, die wir erforschten! Wenn man elektronische Musikinstrumente, die eigentlich von den meisten Musikern eher kühl und steril eingesetzt werden, dazu bringt, warm und funky zu klingen – das sind wir.

Welche Hardware habt ihr bei eurem ersten Live Gig auf der Bühne eingesetzt?

Hattet ihr von Anfang an eure eigenen Geräte im Heimstudio? Und welche Tools nutzt ihr jetzt live vor eurem Publikum?   Zu Beginn unserer Karriere spielten wir live als Random Noise Generation. Hier nutzten wir eigentlich viele Sampler und Rompler wie Akai MPC2000, Ensoniq ASRX, EMU Planet Phatt, Roland JP-8000 Synth und EMU E6400.

Zur Einrichtung unseres ersten Heimstudios kauften oder mieteten wir uns Hardware. Somit konnten wir zumindest komponieren. Unserer erste Platte wurde im Juan Atkins Metroplex Studio aufgenommen und finalisiert.

Unser aktuelles Live Setup sieht folgendermaßen aus: Akai MPC1000, Moog Minitaur, Dave Smith Instruments Mopho, Dave Smith Instruments Tetra, Ketron SD-4, Roland TB-03, Korg EMX-1 SD (zweimal), Korg KP3+, Roland VP-9000, Mutable Instruments Shruthi-1, MeeBlip, Clavia Nord Micro Modular (zweimal), Eventide H9 (zweimal) und verschiedene andere angefertigte Geräte und Effekte.

Ihr seid jetzt über 30 Jahre im Musik- und Nightlife-Business, wurdet oft mit den Worten „mehr als eine elektronische Musikband“ betitelt und eure Songs wurden von den international größten DJs gespielt. Seid ihr immer noch nervös, bevor ihr die Bühne betretet?

Wir sind immer wieder totale Nervenbündel, sobald wir die Bühne betreten (lacht)! Man will doch immer die bestmögliche Show abliefern, die man für sich und natürlich für die Fans spielen möchte. Genau das bringt einen in den Wahnsinn. Aber sobald die ersten Töne einsetzen, die Lautsprecher ertönen und die Kick auf den Dancefloor geschmettert wird, fällt man wieder in den alten Trott zurück und alles geht seinen normalen Lauf. Und das bedeutet, dass wir einfach nur mit Spaß jammen können!

Wie hat sich aus eurer Sicht die Club- und Musikszene über die letzten Dekaden verändert?

Da mir kein besseres Wort über den Zustand der Musikszene einfällt, kann sie verschieden interpretiert werden. Die Kultur besitzt musikalisch eine eigene Ausdauer und Eigenständigkeit, aber wir denken, um es mal so zu sagen, es unterscheidet sich nicht von aktuellen Lage der internationalen Szene. Es sind meist richtig gute Songs, die veröffentlicht werden, die niemand so richtig wahrnimmt und genießen kann, da die Zeit zu schnelllebig geworden ist … Das ist wirklich traurig, aber die Wahrheit.

Ihr habt euer lang erwartetes zweites Album „Endustry“ als Random Noise Generator (euer zweites Alias) angekündigt. Was hat euch inspiriert, ein weiteres Album als RNG zu veröffentlichen? Lohnt es sich überhaupt noch, in der heutigen Musikszene ein Artist Album zu releasen?

Mit unseren RNG-Produktionen neigen wir dazu, mit vielen Samples zu arbeiten und lassen die Aufnahme eher roh und „edgy“, was uns auf jeden Fall bei „Endustry“ wichtig war. Wir wollten eine aggressive, aber trotzdem funky Platte, die mehr unsere Gefühle zu dieser Zeit widerspiegelt. Die meisten Tracks, die in unserem Live-Set funktionieren, arrangieren wir live während des Sets. Wir haben das Glück, aus viel Material auswählen zu können, somit entsteht durch die Musik eine Geschichte und das unbeabsichtigt. Mit der Addition einiger zusätzlicher Kompositionen können wir unsere Idee vervollständigen.

Wir sind eine Live-Band. Während wir touren, experimentieren wir fortwährend mit neuen Kompositionen und Arrangements. Meistens spielen wir auf der Bühne 75 Prozent an unveröffentlichter Musik. Wenn das passiert, formst du eine komplette Idee mit dem Song in einem organischen Fluss. Wir lassen uns auch nicht beeinflussen, was die Musikszene diktiert. Wenn wir daran glauben, dass wir eine komplette Idee haben, die ein Album sein könnte, dann ist es an der Zeit, dass wir es veröffentlichen.

Arbeitet ihr normalerweise in einem Team aus zwei Personen oder bevorzugt ihr ein Arbeiten alleine im Studio? Was denkt ihr über Kollaborationen mit Sängern und anderen Musikern?

Ja, in der Öffentlichkeit sind es natürlich wir zwei in einem Team. Aber eigentlich sind wir fünf, also auch unsere Brüder. Sie wirken regelmäßig an der musikalischen Arbeit mit, aber stehen während der Tour nicht gerne mit auf der Bühne. Zusammenarbeit ist immer cool, weil man nie genau voraussagen kann, wohin die Reise geht und wie sie endet. Aber mit fünf Personen im Studio kann man schon sagen, dass wir ständig irgendwie zusammenarbeiten, jedoch immer ohne Sänger (lacht).

Erinnert ihr euch an euren ersten Synthesizer oder eure erste Drummachine, die ihr für eure ersten Tracks eingesetzt habt? Welche Hardware und Software ist im Moment für euch die „weapon of choice“?

Unser erster Synthesizer war ein Yamaha DX100 und als Drummachine setzten wir eine Kawai R50 und eine Korg DDD1 ein. Wir müssen hier zwei benennen, da wir die beiden Kisten zur exakt selben Zeit einem anderen Musiker abgekauft hatten.

Welcher Synthesizer, Drum Synth oder Effekt ist die Essenz des typischen Octave One Sounds?  

Zweifellos ist das unsere Roland TR-909. Das ist immer unser Favorit unter den Hardwaregeräten, unsere Basis.

Wie läuft so ein typischer Tag im Studio mit Octave One ab?

Haha (lacht), es gibt eigentlich überhaupt keinen „typischen“ Studiotag mit uns. Aber wir reden über verschiedene Ideen oder spielen dem Anderen musikalisches Material vor, das wir alleine angefangen haben. Oder wir stellen ein neues Spielzeug für das Studio vor und jammen zusammen, bis es in einem Song endet, wer weiß!

Als erfahrenes Produzententeam der elektronischen Dance Musik, was ist eure Meinung zu „analog versus digital“?

Beides wird gebraucht. Beides dient dem Zweck und wird sowohl von ausgebildeten Musikern als auch von Einsteigern geschätzt. Aber wir präferieren für unsere Arbeit Hardware, weil wir uns damit am besten auskennen … und das genießen wir.

Ihr bereitet gerade eine neue Live Tour zu eurem neuen Album Release vor. Was ist der Unterschied zu eurem Octave One Setup? Gibt es ein Signatur-Instrument, das RNG definiert?

 

Der Unterscheid ist im Vergleich ein wesentlich ausgefallener und groberer Sound, den wir gewohnt waren. Ein Signatur-Instrument für RNG? Hmmm … ein Hammer! (lacht)

Was sind eure fünf Lieblingsstücke in eurem Studio und auf der Bühne?

Das variiert immer, aber hier ist unsere Grundausstattung:

Studio:

Roland TR-909 Drummachine

Moog Voyager RME

Roland MKS-80

Dave Smith Mopho Keyboard

Native Instruments Machine  

Live:

Akai MPC1000

Moog Minitaur

Roland VP9000

Dave Smith Mopho/Tetra

Desktop Roland TB-03

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