Bass Hersteller_GallienKrueger
Test
7
19.06.2017

Praxis

Lässt man einmal sämtliche Zusatzfeatures außer Acht, so haben wir es mit dem GK PLEX mit einer klassischen Preamp-/DI-Box zu tun, allerdings zum ersten Mal in der Form eines Bodentreters, in dem die Klangbearbeitung auf digitaler Ebene stattfindet. Hier höre ich schon lautes Raunen im Publikum. Es ist ein ambivalentes Feld, aber ich muss zugeben, dass man während des Spielens nicht hört oder spürt, dass der Sound durch verschiedene Wandlungsprozesse geführt wird. Letztendlich klingt er doch gewohnt analog.

Insbesondere die Art und Weise, wie der EQ eingreift, wirkt sehr vertraut. Mir gefällt die Auswahl der Frequenzbänder sehr gut, auch wenn leider nirgendwo in den Spezifikationen erwähnt wird, um welche genauen Frequenzbänder es sich hierbei handelt. Doch hört selbst - im folgenden Video kann man nachvollziehen, wie die einzelnen Bänder in den Sound eingreifen:

Wer GK Amps kennt, der wird wahrscheinlich auch die Charakteristik des PLEX-EQs als vertrauten Sound wiedererkennen. Dies finde ich in Form eines Bodentreters schon einmal sehr gut gelungen. Die Basis der Klangzentrale stimmt schon mal, was eine wichtige Grundvoraussetzung darstellt, für alles, was danach noch folgt.

Bevor ich weiter am Sound teste, sei noch ein Wort zum integrierten Stimmgerät gestattet. Die Tonerkennung funktioniert ganz passabel, jedoch nicht so schnell und komfortabel, wie man es allgemein von Digitaltunern gewohnt ist. Vor allem die Dauer der Tonanzeige erscheint mir speziell bei den hohen Saiten etwas unregelmäßig und bisweilen kurz, so dass man den Ton häufiger anschlagen muss, um den Stimmvorgang durchzuführen. Hier hat GK mit Firmware Update in der Zukunft Verbesserung gelobt!

Es gibt einige Punkte, die man diesbezüglich verbessern will. So soll es auch in naher Zukunft möglich werden, mit lediglich einem Fußschalter-Klick den Tuner-Modus zu beenden, als bislang mit Doppelklick. Ich hatte bei dem Doppelklick hin und wieder das Problem, nicht mehr aus dem stummgeschalteten Tuner-Modus herauszukommen, weil die zwei Klicks ziemlich genau innerhalb eines relativ eng gesteckten Zeitfensters ausgeführt werden mussten. Im Fall eines hektischen Livegigs kann das zum Supergau führen. So etwas möchte man niemals erleben - zuerst stimmen und dann wild zappelnd versuchen, aus dem Tunermodus zurück in die Welt des Hörbaren zurückzukehren - und womöglich die ersten Takte eines Songs deswegen zu verpassen!

In der digitalen Welt gibt es einerseits den Vorteil, dass niemals etwas fertig und für ewig in Stein gemeißelt ist, denn man kann es stets wieder verändern. Das ist toll und bringt viel Flexibilität und Entwicklungspotential mit sich, aber es verführt auch zur Mentalität eines "fix it later". Das heißt, Hersteller sind versucht, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das eigentlich noch nicht 100% marktreif ist, um dann Schritt für Schritt via Firmware Updates dem eigentlichen Ziel näher zu kommen. Der Leidtragende ist der Verbraucher, der die Rolle des Beta-Testers übernimmt, letztlich aber doch ein funktionierendes und zuverlässiges Endgerät kaufen möchte, ohne hinterher wochen- oder monatelang auf notwendige Verbesserungen warten zu müssen.

Dies ist vielleicht der entscheidende Knackpunkt in der Philosophie zwischen analoger und digitaler Welt. Wenn man es mit der Fotografie vergleicht, so würde man sagen: Bei analoger Fotografie muss man sich alle entscheidenden Gedanken machen, bevor man auf den Auslöser drückt: Motiv, Location, Objekt, Belichtung, Linse, Blende, Filmempfindlichkeit, etc. - kaum etwas darf unberücksichtigt bleiben, um ein gutes Endresultat zu erhalten. In der digitalen Fotografie wird schon eher mal einfach nur draufgehalten und geklickt und der Rest dann auf die Postproduktion geschoben. Auch hierbei können tolle Resultate herauskommen, aber der Denkprozess ist grundlegend verschieden.

So schön es ist, ein digitales Gerät im Nachhinein via Software-Updates verändern zu können, so charmant ist eben auch ein analoges Gerät, bei dem man sich sicher sein kann, dass das, was man kauft, auch schließlich drin ist und auch unveränderlich so bleibt. Letztlich will ich nur sagen, dass ich mir wünschte, nicht über "mögliche" Verbesserungen in Updates schreiben zu müssen, sondern eher über vollendete Tatsachen, denn mit "hätte" und "wäre" ist dem Konsumenten auch nicht geholfen. (Von möglichen Kompatibilitätsproblemen mit Computern und Gerätetreibern während Updateübertragungen einmal abgesehen!)

Doch widmen wir uns wieder denjenigen Features, die bereits implementiert wurden und die auch hervorragend funktionieren. Sämtliche Preset-Filter sind nämlich äußerst gut gelungen und ergeben musikalisch Sinn. Im folgenden Videobeispiel zeige ich, wie man sich nach und nach einem Slapsound durch Anheben und Absenken bestimmter Frequenzbereiche annähert, vornehmlich durch Anwendung der Preset-Filter:

Ein weiteres Beispiel zur Illustration der klanglichen Bandbreite des GK PLEX hört ihr im folgenden Audiobeispiel, in dem ein Plektrum-Riff nacheinander durch die unterschiedlichsten Preset-Einstellungen gespielt wird:

Hier ein Beispiel mit einem sehr mittenbetonten Fingersound auf einem Jazz Bass, später mit einem zweiten Bass und künstlichen Flageoletts - ohne Filter, nur mit dem Vierband-EQ bearbeitet:

Hier ein Slap-Beispiel, eingespielt mit Compressor und dem Modeling des GK MB800. Der Stereochorus wurde erst später im Mix dazu addiert:

Während des parallelen Aufnehmens der Signale sowohl über die symmetrische XLR-Verbindung, als auch über den symmetrischen TRS 6,3mm-Klinkenausgang bei identischem Ausgangspegel, fiel mir auf, dass der Klinkenausgang etwas kräftiger klingt. Offensichtlich sorgt die Ausgangsstufe hinter dem Mastervolume, die erst hinter dem XLR-Out abgreift, noch einmal für ein wenig mehr Bumms im Sound, vor allem in den Tiefbässen. Hier beide Signale zum Vergleich:

Symmetrischer XLR-Ausgang:

Symmetrischer Klinken-Ausgang:

Insgesamt ist der GK PLEX ein tolles DI-Box/Preamp Tool, speziell (aber nicht nur) für Bassisten, die auf den Gallien-Krueger-Sound stehen. Man muss ein wenig Geduld mitbringen, um die Möglichkeiten der mitgelieferten und teilweise versteckten Features kennenzulernen und zu verstehen. Dabei bleibt die Frage offen, wie die Anwendung in der Praxis wirklich gelingt. Im Studio sehe ich da keine Probleme. Das Pedal kann auf einem Tisch liegend bedient werden, und bei Bedarf kann man sich durch die Filteroptionen klicken, bis man seinen Sound gefunden hat. In der Livesituation dürfte kaum jemand auf dem Boden herumkrabbeln wollen, um "mal eben schnell" einen funky Sound einzustellen. Hier wird man sich wohl eher für einen Grundsound entscheiden und primär Overdrive, Tuner und Compressor verwenden, die allesamt per Fußschalter abrufbar sind. Verwunderlich ist jedoch, wenn man sich schon herstellerseits entschieden hat, die digitale Ebene zu betreten, dass man nicht von vornherein Abspeichermöglichkeiten eigener Settings mit eingeplant hat. Das soll zwar in Zukunft (via Firmware Update) möglich sein, aber sie wird auch dann zwangsläufig auf die vorhandene Bedienebene begrenzt bleiben und einem der vorhandenen Potis zugeordnet werden, statt komfortabel mit separaten Tastern.

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