Feature
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01.04.2015

Feature: The Australian Pink Floyd Show

Keyboarder Jason Sawford im Interview

Welcome to the Machine

The Australian Pink Floyd Show ist eine der erfolgreichsten Tribute-Bands auf diesem Planeten. Welche andere Coverband kann schon von sich behaupten, regelmäßig rund um den Globus die größten Hallen zu füllen... Auch in diesem Jahr sind "Aussie Floyd" mit ihrer Show "Wish You Were Here" wieder in Deutschland zu Gast. Doch welches Equipment und welche Instrumente benutzen The Australian Pink Floyd Show, um den originalen Sound auf die Bühne zu bringen? Vor einiger Zeit hatten wir die Gelegenheit, uns von Keyboarder Jason Sawford in der Kölner Lanxess Arena sein Setup zeigen zu lassen. Welche Keyboards und Synthesizer kommen bei The Australian Pink Floyd Show zum Einsatz? Im Interview gewährt Jason Sawford einen Einblick.

Seit über 20 Jahren sind die Australier unterwegs und bewahren das musikalische Erbe ihrer großen Vorbilder. Das tun sie so authentisch, dass sie den offiziellen Segen bekamen und den Namen “Pink Floyd” führen dürfen – die Band klingt tatsächlich ziemlich exakt wie die legendären Alben der Briten. Vor meinem inneren Auge sehe ich eine Keyboardburg mit all den Orgeln und analogen Synthesizern, die auf den Aufnahmen von Pink Floyd zum Einsatz kamen. Kaum vorstellbar, dass jemand mit einer solchen Vintage-Sammlung jedes Jahr auf Welttournee geht. Wie also setzt der Mann aus Adelaide die Keyboard-Sounds von Pink Floyd live um?

Ein Jahr zuvor hatten wir übrigens bereits die beiden Gitarristen mit Fragen zu ihrem Equipment gelöchert (hier geht's zum Interview mit den Gitarristen der Australian Pink Floyd Show)

Jason Sawfords Live-Setup

Noch bevor wir Jason treffen, entführt uns der Tour-Manager auf die Bühne, wo eine Reihe von Technikern gerade mit den Vorbereitungen für den Soundcheck beschäftigt ist. Inmitten des Gewusels können wir einen ersten kurzen Blick auf Jasons Arbeitsplatz werfen. Ich erblicke ein Nord Stage und ein Roland V-Combo und bin schonmal überrascht von der Kompaktheit des Setups, das auf der riesigen Bühne fast etwas verloren wirkt. Umso spannender wird die Frage, was Jason sonst noch dabei hat. Doch für einen genaueren Blick ist jetzt erstmal keine Zeit, denn wir sind ja zum Interview verabredet. Und außerdem sollen die Jungs auf der Bühne ja auch ihre Arbeit machen können...

In einem kahlen Raum irgendwo in den Katakomben der Arena begrüßt uns der Keyboarder Jason Sawford herzlich. Der Mann strahlt eine Gelassenheit aus, die nur durch jahrzehntelanges Touren um die ganze Welt entstehen kann. Abends ein Auftritt vor vielen Tausend Leuten? Jason wirkt nicht so, als ob ihn das noch irgendwie aus der Ruhe bringen könnte.

Welche Keyboards benutzt Jason Sawford?

Auf sein Bühnensetup angesprochen, erzählt Jason uns, dass sich sein Tour-Equipment ständig verändert. “Ich habe im Laufe der Jahre viele Keyboards verwendet. Vielleicht habe ich nächstes Jahr schon wieder andere Sachen dabei... Ich habe noch ein paar andere Instrumente, die ich integrieren möchte, um noch näher heranzukommen. Als wir angefangen haben, hatte ich eine echte Hammond mit Leslie und einige alte Keyboards, Wavestation, Ensoniq, Roland Jupiter-4... Aber einige der alten Sachen neigen dazu, auf Tournee etwas unzuverlässig zu sein. Wenn man 100 Shows im Jahr spielt, braucht man Instrumente, die etwas mehr up to date sind.”

Ich denke mir insgeheim, dass man ja auch erstmal Roadies finden müsste, die bereit wären, die Hammond zu 100 Gigs im Jahr zu schleppen... Welche Orgel verwendet Jason also stattdessen? “Heute benutze ich für die Hammond-Sounds meistens eine Roland-Orgel, eine V-Combo. Daran schätze ich besonders die Kontrolle über die Leslie-Einstellungen.” Er verwendet also die interne Leslie-Simulation der V-Combo? “Ja. Ich habe zu Hause ein echtes Leslie-Kabinett, das ich in Zukunft auch live verwenden möchte, aber bisher bin ich noch nicht dazu gekommen. Mit der V-Combo kann ich den Effekt für jeden Song individuell programmieren. Charakter, Geschwindigkeit, Mikrofon-Platzierung, Distortion – alle diese Feinheiten kann ich für jeden Song abspeichern. Hätte ich nur ein Leslie, wäre ich sehr viel eingeschränkter. In Zukunft werde ich aber wohl mit einer Kombination aus der internen Simulation und dem Leslie-Kabinett experimentieren.”

Wenn die V-Combo für die Orgelsounds zuständig ist, welche Rolle spielt dann das Nord Stage in Jasons Setup? “Das Nord Stage ist ein fantastisches Keyboard. Ich benutze vor allem die Rhodes- und Wurlitzer-Sounds und einige Effekte wie etwa das Wah Wah – zum Beispiel in 'Money' und 'What Do You Want From Me'. Dann hat es diese Farfisa-Simulation, die ich zum Beispiel bei 'Careful With That Axe, Eugene' verwende. Die Synth-Sektion benutze ich nur selten. Das Nord Stage ist bei mir hauptsächlich für die Piano, E-Piano und Farfisa-Sounds zuständig.”

Synthesizer bei The Australian Pink Floyd Show

Apropos Synth-Sounds: Die spielen bei Pink Floyd ja auch keine ganz unwichtige Rolle. Aus dem Augenwinkel hatte ich in Jasons Rack auf der Bühne zwei AKAI Sampler gesehen und mir daraufhin vorgestellt, dass er die Sounds vielleicht zu Hause auf Vintage-Synths programmiert und dann sampelt. Wie sieht es mit der Synth-Abteilung aus? “Klar, man könnte mit Samples arbeiten. Aber dann ist es schwierig, die Sounds zu kontrollieren. Samples sind statisch und lassen sich nicht so lebendig spielen. Zum Glück gibt es sehr gute Emulationen, die nahe an die Originalsounds herankommen. Es ist natürlich praktisch unmöglich, das Original exakt zu reproduzieren, aber man kommt so dicht dran, dass es den meisten Leuten gar nicht auffällt.”

Was für einen Synth benutzt Jason dann, um seine Analog-Sounds zu erzeugen? “Ich habe einen Novation KS4, den ich mal günstig erstanden habe, nachdem ein anderes Keyboard den Geist aufgegeben hatte. Den mag ich sehr. Er eignet sich sehr gut für diese analogen, resonanten Sweep-Soli wie zum Beispiel bei 'Welcome To The Machine'. Man hat viel Kontrolle über die Filtersweeps. Der Lead-Sound für 'Shine On You Crazy Diamond' kommt aus dem Nord Stage. Außerdem habe ich noch die beiden Alesis QSR-Synths, die ich schon ewig habe und immer noch mitnehme, weil sie für einige Sounds einfach gut sind. Das sind sehr vielseitige Synths, die ich immer gemocht habe, und deshalb behalte ich sie in meinem Setup.”

Das überrascht mich jetzt schon ein bisschen: Ein Novation KS4, der ja auch eher zufällig den Weg in Jasons Setup gefunden zu haben scheint, ist nicht unbedingt das Instrument, das ich an dieser Stelle erwartet hätte. Er kommt bei Jason für die meisten “analogen” Lead-Sounds zum Einsatz. Später demonstriert Jason noch seinen Lead-Sound vom KS4 für eben diesen Song - “Welcome To The Machine”:

“Dann habe ich noch den Korg Triton LE dabei. Zu Hause steht die große Version, aber die ist mir zu schwer für die Tour. Live kommt der Triton hauptsächlich zum Triggern der Soundeffekte vom Sampler zum Einsatz.” Aha – nur zur Zierde scheinen die AKAI-Dinosaurier also doch nicht zu sein! “Ja, ich benutze sie nicht besonders viel, aber ich habe ein paar Sounds darin wie zum Beispiel den berühmten Schrei für 'Careful With That Axe, Eugene'. Versuch mal, das bei 100 Shows im Jahr jeden Abend live mit der Stimme zu machen. Unmöglich. Steve hat das im Studio aufgenommen und es durch ein altes Vintage-Delay geschickt. Oder der Wind in 'One Of These Days', der kommt auch aus dem Sampler.”

Keine Vintage Keyboards – Zuverlässigkeit ist alles!

Meine Phantasien über ein elaboriertes Vintage-Setup stellen sich also als Illusion heraus. Bei der Wahl seiner Instrumente ist Jason Pragmatiker. Nord Stage, V-Combo, Triton, KS4 – alles Keyboards, die nicht allzu alt und jederzeit leicht zu ersetzen sind. “Ich habe für alles ein Ersatzgerät dabei. Im Rack habe ich zwei QSR und zwei Sampler, einfach um im Falle des Falles nicht im Regen zu stehen. Es gibt ein extra Road-Case voll mit Ersatz-Keyboards. Den Novation habe ich nur einmal, aber für den Notfall habe ich im Nord Stage Sounds programmiert, die ihn ersetzen können. Vor ein paar Wochen in Liverpool ist es passiert: Ein Keyboard ging während des Konzerts kaputt und ich musste meinen Techniker bitten es auszutauschen. Es kommt vor. Hätte ich kein zweites Exemplar dabei gehabt, hätten wir die Show abbrechen müssen, und das in einer Arena mit Tausenden von Leuten. Das geht natürlich nicht!”

Arbeiten The Australian Pink Floyd Show mit Playbacks?

Ist alles live gespielt, oder arbeitet die Band auch mit vorab aufgenommenen Sequenzen und Playbacks? “Naja, ich spiele schon die ganze Zeit. Aber es gibt auch ein paar Einspieler. Einige Orchester-Parts, zum Beispiel bei 'Comfortably Numb' – das ist einfach zuviel für einen Keyboarder. Und wenn wir einen zweiten einstellen würden, könnten wir uns die Lasershow wohl nicht mehr leisten... (lacht) Normalerweise bereiten wir die Playbacks in Cubase oder Pro Tools vor, und live spielen wir zum Klick und sie kommen von einer Fostex-Maschine. Aber ich habe trotzdem immer genug zu tun!”

The Australian Pink Floyd Show haben mehrfach gemeinsam mit den verbliebenen Mitgliedern der Original-Band auf der Bühne gestanden. Hat Jason sich bei den “echten” Pink Floyd über die seinerzeit verwendeten Instrumente und Techniken informiert? “Nein, leider ist Rick [Richard Wright] ja nicht mehr unter uns, und ich kann ihn nicht direkt fragen und muss gelegentlich im Internet recherchieren, was er benutzt hat. Manchmal muss ich raten und versuche mir dann vorzustellen, was er wahrscheinlich verwendet hat. Manche Sounds sind sehr schwierig zu reproduzieren. In 'Sheep' gibt es einen Sound, den ich besonders tückisch finde und noch nicht gut hinbekommen habe. Da würde ich Rick wirklich gern fragen...”

Mixer und Effekte

Im Anschluss an unser Gespräch ist Jason sich nicht zu schade, uns ein zweites Mal auf die Bühne zu begleiten, um uns sein Setup im Detail zu zeigen. Sämtliche Signale aus Nord Stage, Roland V-Combo, Novation KS4, Triton, QSR und Sampler laufen in einem Yamaha-Digitalpult zusammen. Hier hat Jason das Mischungsverhältnis und auch die Effekte für jeden Song individuell gespeichert. Tatsächlich bekommt der FOH-Mischer nur die Orgel einzeln. Alle anderen Keyboards werden bereits auf der Bühne zu einer Stereosumme zusammengefasst. Auch um die Effekte kümmert sich Jason zum großen Teil selbst. Er verwendet sowohl die internen Effekte seiner Synths als auch die Prozessoren des Yamaha-Pultes. Ein Preset-Wechsel am Nord Stage stellt alle anderen Instrumente und auch das Mischpult automatisch auf den nächsten Song um.  

Zum Schluss überreden wir Jason, noch einige charakteristische Passagen anzuspielen. Er startet – wie sollte es anders sein – mit “Shine On, You Crazy Diamond”...

The Australian Pink Floyd Show live

Wer The Australian Pink Floyd Show live erleben und Jason Sawford auf die Finger schauen möchte, hat derzeit wieder die Gelegenheit dazu. Die aktuelle Deutschland-Tournee mit dem Programm "Welcome To The Machine 2015" läuft noch bis zum 29. April 2015. Tickets gibt es an allen CTS-Vorverkaufsstellen.

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