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25.03.2020

Eigenen Podcast erstellen – Einsteiger-Tutorial

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Von Hardware bis zur Veröffentlichung

Workshop: Podcasting von zuhause

Einen Audio-Podcast zuhause selber erstellen – das ist keine unlösbare Aufgabe, sondern eigentlich recht einfach. Dieses Tutorial zeigt, wie man dabei vorgehen kann und worauf man achten muss. Der Podcasting-Workshop ist aber offen für verschiedene Herangehensweisen und nicht an eine Art von Equipment oder bestimmte Programme gekoppelt. 

Vorgehensweise, um eigenen Podcast zu erstellen

Möglichkeit 1: klassisches Podcasting-Setup

Aufgenommen werden kann mit einem passenden Mikrofon, das über ein Audio-Interface an einen Computer, ein Tablet oder Smartphone angeschlossen wird. Dort wird mit einer Audio-Software ("DAW") aufgenommen.

Möglichkeit 2: Podcasting mit USB-Mikrofon

Statt eines klassischen Mikrofons und eines Audio-Interfaces kann auch ein USB-Mikrofon oder ein iOS-Mikrofon zum Einsatz kommen, welches direkt an den Computer oder ein Mobilgerät angeschlossen wird.

Möglichkeit 3: Podcasting per externem Digitalrecorder

Auch mit einem mobilen Digitalrekorder kann aufgenommen werden. Dieser nimmt auf eine Speicherkarte auf. Zur Bearbeitung der Audiodaten und zum Veröffentlichen benötigt man dann aber wieder einen Computer oder ein Mobilgerät.

Zum Hören, was man aufnimmt oder aufgenommen hat, sind Kopfhörer und/oder Lautsprecher vonnöten. Mikrofone, die keine eigenen Stative besitzen, benötigen ein Tischstativ o.ä.

Auch eine Audio-Software ist unabdingbar zum Erstellen eines Podcasts. Hier gibt es Share- und Freeware. 

Wir haben verschiedene Artikel zu den jeweiligen Themen. Besonders der Kaufberater Podcasting ist hier zu nennen, der in erster Linie komplette Podcasting-Sets behandelt:

Anschluss, Setup und Einrichtung Podcast-Equipment

Der klassische Weg mit Audio-Interface und Mikrofon wird in diesen beiden Artikeln sehr ausführlich in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung erklärt.

Dort wird auch dargestellt, wie man ein Audio-Interface anschliessen kann und wie ein Mikrofon angeschlossen und „eingepegelt“ wird. Dazu gibt es aber auch separate Artikel.

Wer wissen will, wie man den Klang der Stimme optimiert, etwa im Home-Office, liest unsere Tipps zur Sprachaufnahme.

Ganz kurz: Mit 20 Zentimetern Abstand und ganz leicht geneigtem Mikrofon macht man für den Start meistens schon eine Menge richtig. 

Das Thema „Stimme aufnehmen“ geht natürlich noch viel weiter. Wer sich „professionalisieren“ will, dem ist angeraten, sich mit Sprachverständlichkeit auseinanderzusetzen und sich um Poppschutz und Reflexionsschirme wie einen Aston Halo zu kümmern.

Podcast selber aufnehmen – auf die Stimme kommt es an

Aufnahme starten und spontan loslegen: Das kann man so machen. Allerdings steht und fällt der Erfolg eines Podcasts nicht nur mit dem, was man inhaltlich zu sagen hat, sondern auch, wie es gesagt wird. Und Spontaneität liegt nicht jedem. Ein Podcast ist keine Unterhaltung von Mensch zu Mensch, sondern ausschließlich auf die auditive Wahrnehmung beim Zuhörer beschränkt. Das kann positive und negativ Effekte haben. Wenn man ein paar Dinge beherzigt, kann ein Podcast erfolgreich werden.

Inhalte auswählen und aufbereiten

Umfang im Blick haben: Fast jedes Thema kann man breittreten und so weit in der Tiefe versinken, dass die Hörer aussteigen. Deswegen sollten ein paar Kernaussagen und Hauptthemen herausgestellt werden, Vertiefungen sporadisch und nicht zu ausufernd erfolgen. Gut ist, wenn der Hörer immer weiß, wo er sich im Podcast gerade befindet. Dabei hilft wie bei einem Text eine Inhaltsangabe zu beginn, die die Struktur vorstellt. Das soll nicht bedeuten, dass nicht auch mit Überraschungen gearbeitet werden kann. Aber einen 40-Minütigen Podcast mit „Ich rede jetzt mal über Musik.“ zu beginnen und ins Blaue hineinzusprechen, wird selten jemanden begeistern. Eine Überlegung wert sind auch kurze Zusammenfassungen des zuletzt Gesagten.

Nicht jeder Inhalt eignet sich, um ausschließlich per Stimme erklärt zu werden. Alleine deswegen, weil Mimik und Gestik durch die Art des Mediums ausfallen. Da der Mensch durchaus ein „visuelles Tierchen“ ist, sind manche Zusammenhänge dann besser dargestellt, wenn sie mit Video, Foto, Grafik oder Animationen angereichert werden. Was hilft, ist vermehrt mit starken sprachlichen Bildern zu arbeiten. Beispiel: „Livestreams von Konzerten und DJ-Gigs erreichen nicht nur das frühere Publikum aus der gleichen Stadt: Das Nightlife einer Person in einer Ecke der Weltkarte zieht sich in Zeiten der Corona-Krise wie ein rotes Band um den Globus.“ Es ist gut, sich solche Bilder bereitzulegen, aber nicht zu kitschig zu werden.

Nicht ausformulieren!

In der Vorbereitung sollte verhindert werden, dass schon Sätze oder Formulierungen vorbereitet werden. Der Grund ist ganz einfach: Ein Zuhörer erkennt sehr schnell, ob spontan gesprochen oder abgelesen wird. Professionelle Sprecher und Schauspieler können das, Otto-Normalpodcaster meistens nicht.

Checkliste Vorbereitung
  • Umfang und Tiefe nicht zu groß
  • Struktur erkennbar machen mit Inhaltsangaben/Zielen, Kurzwiederholungen und Zusammenfassungen
  • sprachliche Bilder verwenden
Stimme anpassen

Es muss sich niemand verstellen beim Sprechen, denn das klingt meist sehr unbeholfen und fällt negativ auf. Allerdings ist es sinnvoll, ein paar Dinge zu bedenken und beim Kontrollhören genau zu überprüfen. Hier ist auch eine zweite Person sinnvoll, denn die eigene Stimme lässt sich oft nicht neutral genau einschätzen.

Folgende Tipps können bei der Aufnahme eines eigenen Podcasts hilfreich sein:
  • langsam, deutlich und dialekt-/akzentarm sprechen
  • keine zu langen Sätze bilden, nicht zu viele Nebensätze, wenig schachteln
  • ausreichend Pausen machen
  • beim Sprechen nicht über Versprecher, Füllwörter („äh“) oder Holperer aufregen, diese gehören zur Sprache
  • dennoch wirklich auffällige Eigenheiten vermeiden, darunter Floskeln (zum Beispiel „sag ich jetzt mal so“)

Bei Versprechern, wenn der Faden verloren wurde oder sonst ein Ereignis dafür sorgt, dass man neu beginnen muss, sind diese Dinge zu beherzigen:

  • im Zweifel noch einmal sprechen oder eine weitere Version erstellen
  • unmittelbar noch einmal sprechen
  • bei neuem Ansatz mit kleiner Pause: deutlich vor der „Problemstelle“ neu ansetzen
  • eventuell vor dem neuen Ansetzen die Stelle davor erneut hören (Satzmelodien, Tonalgen müssen aneinander passen)

Stimme bearbeiten

Zu schneiden und andere Editierungen vorzunehmen, mit Effekten zu arbeiten und ein finales Audiofile zu erzeugen, gehört zu den unvermeidbaren Aufgaben beim Erstellen eines Podcasts. Das Überprüfen von aufgenommenen Takes ist bei Musik und Sprache eigentlich gleich. Es geht dabei um technische und inhatliche Aspekte, wie der Artikel So beurteilst Du eine aufgenommene Spur zeigt.

Die kurze Checkliste für Podcasts:
  • Gibt es Störgeräusche oder technische Unzulänglichkeiten?
  • Ist der Sprechfluss natürlich?
  • Ist immer alles verständlich?
  • Variiert der Stimmenklang zu stark?

Wer noch nie mit einem Audioprogramm gearbeitet hat, findet bei uns viele Einsteigerartikel für die gängigen Programme. 

Unter DAW Basics sind die wichtigsten Funktionen generell erklärt. Und von diesem Artikel sind auch programmspezifische Basic-Workshops erreichbar.

Es zeigt sich, dass bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn man den Sprechfluss gegenüber anderen Dingen priorisiert, denn diesbezüglich ist jeder Zuhörer sehr empfindlich. Also lieber ein „Äh“ zu viel erlauben und die Echtheit erhalten, statt offensichtlich geschnipseltes Irgendwas zu präsentieren.

Typischerweise folgt auf das Editing die Bearbeitung mit tontechnischen Mitteln. Wichtig dabei: Nicht zu laut abhören, sondern in ganz normaler Hörlautstärke arbeiten! Lautsprecher eignen sich für die nun folgende Arbeit besser, es ist auch gut, sich immer wieder Referenz-Podcasts anzuhören. Nicht unbedingt, um sie genau klanglich nachzumachen, aber um ein wenig „genordet“ zu sein.

Mit einem Equalizer lassen sich beispielsweise Tiefen beschränken, Resonanzen herausfiltern und die Präsenz von Stimmen regeln. Bei der Wahl der richtigen Frequenzen hilft unser EQ-Workshop, der die wichtigen Frequenzbestandteile der menschlichen Stimme nennt.

Oft ist eine Verringerung von scharfen S-Lauten nötig. Das erledigt der De-Esser auch in der Nachbearbeitung.

Die klassische professionelle Sprecherstimme entsteht durch den Einsatz eines Kompressors. Auch für diesen Zweck haben wir einen Workshop zum Thema Dynamikbearbeitung. Wer schnell Ergebnisse benötigt, der nutzt ein Preset in einem Plug-In oder nimmt einen einfachen Kompressor, stellt ihn auf „RMS“ statt „Peak“, setzt die Ratio auf 2:1, die Attack und Release auf mittlere Werte (oder Release auf „Auto“) und dreht den Threshold so weit herunter, dass der Kompressor bei Worten „arbeitet“ (Nadel/Anzeige bewegt sich ein wenig). Mit „Make Up“ muss man den verringerten Pegel wieder etwas erhöhen.

Wer mag, kann sich natürlich noch Gedanken um etwaige Soundeffekte und kleine Musik-Jingles machen. Auf das Copyright muss man dabei allerdings achten – selbst etwas aufzunehmen macht sich oft bezahlt. 

Als letzten Bearbeitungsschritt sollte man einen Limiter einsetzen. Dieser kann auch ganz sanft eingestellt werden. Es geht bei Podcasts nicht so sehr darum, wessen Stimme die lauteste ist.

Aus dem Audioprgogramm muss eine finale Datei gerendert werden (auch: „Bounce“ oder „Export“ genannt). Es gibt überall eine Tickbox „Normalisieren“, die man guten Gewissens aktivieren kann. Welches Format die finale Podcast-Datei haben soll, hängt von dem gewählten Podcasting-Host ab. Es ist sinnvoll, sich eine Benennungsstrategie zurchtzulegen, um auch bei vielen Episoden und eventuellen Versionen den Überblick nicht zu verlieren. Üblicherweise muss es nicht unbedingt ein .wav- oder .aif-File sein, bei reinen Sprachproduktionen reicht es auch, wenn es sich um eine Mono-Datei handelt. Die finale Datei sollte übrigens immer noch einmal überprüft werden!

Und auch über ein ansprechendes Bild/Artwork sollte man sich spätestens jetzt Gedanken machen.

Fertigen Podcast hochladen / Überblick über Hoster

Der erstellte Podcast muss für Hörer verfügbar sein. Hier ist einen Überblick über die gängigen Hoster – und natürlich Empfehlungen.

Wir haben allerdings auch drei klare Empfehlungen zu Podcast Hosts:

 

Tipp kostenlos – Anchor.fm

Ohne einen müden Cent zu bezahlen, bietet Anchor Podcast-Betreibern ein tolles Gesamtpaket. Anders als bei anderen Anbietern sind bei Anchor schon im kostenlosen Angebot unbegrenzter Speicher und eine unbegrenzte Bandbreite enthalten. Auch ein Download-Limit gibt es nicht. Deshalb lassen sich Podcasts hier ganz ohne Budget anbieten, … ganz gleich, wie umfangreich und groß die Episoden sind, unabhängig davon wie oft neue Folgen erscheinen und egal wie erfolgreich der Podcast wird. Auch einfache Statistiken sind mit an Bord. Zwar muss man beim kostenlosen Angebot von Anchor.fm auf Team-Kollaborationen, einen einbettbaren Player und eine eigene Webseite für den Podcast verzichten. Doch das dürfte vielen Podcast-Einsteigern egal sein. Zumal Anchor ein wirklich umfangreiches App-Paket bereithält. Denn per Anchor-App lassen sich Aufnahme, Editing und sogar Fern-Interviews umsetzen. Hier ist nicht nur das Importieren und Schneiden von Aufnahmen und Voice-Messenges möglich, sondern auch das Hinzufügen von Sound-Effekten, Übergängen und Hintergrundmusik. Des Weiteren versteckt sich hinter dem Dashboard des Anbieters ein "Episode Creator" mit dem sich mehrere Audiofiles zu einer Podcast-Folge zusammenstellen lassen. Und sogar automatische Transkriptionen und Monetarisierung des eigenen Podcasts werden geboten. Das Paket von Anchor ist unter den kostenlosen Podcast-Hostern beispiellos umfangreich und macht es Einsteigern ganz einfach, sofort unkompliziert loszulegen.

Tipp Preis/Leistung – Audioboom.com

Wer als Einsteiger Features für Fortgeschrittene sucht und dennoch nicht viel ausgeben möchte, sollte einen Blick auf Audioboom werfen. Für knapp unter 10 Dollar ist hier neben Statistiken, eigener Webseite, einbettbarem Podcast-Player und der Möglichkeit zur Monetarisierung durch dynamische Werbeeinblendungen (ab 10.000 Wiedergaben) auch noch das Arbeiten per Team-Collaboration möglich. Der einzige Wermutstropfen, den unser Preis-Leistungs-Sieger mit sich bringt ist sein Limit von 10.000 Downloads pro Episode. Doch wer als Einsteiger seinen Podcast erstmal bekannt machen muss, wird ohnehin erst hart arbeiten und einiges an Zeit und Promotion investieren müssen, bevor der eigene Podcast diese Schwelle bei der Zuhörerzahl überschreitet.

Geheimtipp – whooshkaa.com

Als Drittes haben wir mit whooshkaa noch einen Geheim-Tipp am Start. Genau wie Anchor ist auch whooshkaa kostenlos und bietet Statistiken und Monetarisierungs-Möglichkeiten, jedoch keine eigene Webseite und auch keinen einbettbaren Player. Dafür sind aber automatische Transkriptionen im Angebot enthalten. Der "Free Account" muss übrigens beim Anbieter persönlich angefragt werden(!).Außerdem gibt es bei whooshkaa ein Limit von gerade einmal 1.000 Downloads pro Monat. Damit eignet sich der Hoster wohl nur für engagierte Beginner. Warum whooshkaa dennoch hier als Geheim-Tipp auftaucht? Einmal eingearbeitet lässt sich später super-individuell auf die kostenpflichtigen Angebote des Hosters aufstocken. Denn der Kunden-Service von whooshkaa ermöglicht das maßgeschneiderte Anpassen der benötigten Funktionen. Somit bezahlt der Kunde (je nach Verhandlungsgeschick) nur für das, was er tatsächlich benötigt. Diese Individualisierung ist unter den Podcast-Hostern konkurrenzlos. Daher: Geheim-Tipp!

Hoster Limit Player Website Statistik Team Monetar. Extra
Anchor nein nein nein ja nein ja App, autom. Transkription
audioBoom 10.000 Plays/Mt. ja ja ja ja ja -
whooshka 1.000 Plays/Mt. nein nein ja nein ja autom. Transkription

Fazit

Einen eigenen Podcast herzustellen und zu veröffentlichen, ist also im Prinzip recht einfach. Natürlich kann man sich immer weiter professionalisieren, das gilt sowohl inhaltlich als auch technisch. 

Das bonedo-Team wünscht in jedem Fall viel Spaß und Erfolg!

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