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05.12.2018

Vier Möglichkeiten, ein E-Drum aufzunehmen

E-Drum Recording: ein elektronisches Schlagzeug aufnehmen

Neben spieltechnischen und musikalischen Anliegen gibt es diese eine Frage, die mir von meinen Schülern und Studenten immer wieder gestellt wird. Sie lautet: „Wie kann ich mein Schlagzeug aufnehmen?“ Wenn es sich um ein akustisches Drumset handelt und der Anspruch gehoben ist, hole ich tief Luft und zähle auf, was dafür vonnöten ist: Einige Mikrofone, Kabel, Stative, ein Rechner, ein Interface, ein Aufnahmeprogramm sowie grundlegende Kenntnisse der Nachbearbeitung. Die Lernkurve ist zunächst steil, während die klanglichen Erfolge in aller Regel erst einmal auf sich warten lassen. Das ist kein Wunder, gilt die klassische Drumset-Abnahme doch immer noch als Königsdisziplin unter Tonleuten. Für ein E-Set braucht es deutlich weniger. Um genau zu sein: fast nichts. 

Das liegt daran, dass die Klangerzeugung und Klangverarbeitung zu großen Teilen bereits innerhalb des Gerätes geschieht, Mikrofone sind ebenso wenig erforderlich wie ein passabel klingender Raum oder erweitertes tontechnisches Wissen. Wie dagegen das Aufnehmen eines E-Drumsets vonstatten geht und welche weiteren Möglichkeiten es gibt, erfahrt ihr, wenn ihr weiter lest. Bitte bedenkt aber, dass dieser Workshop nicht die Bedienungsanleitungen aller verschiedenen Drum-Module, Aufnahmeprogramme oder Aufnahme-Hardware ersetzen kann. 

Variante 1: Aufnahme per iRig: die einfachste und günstigste Möglichkeit für Videos mit dem Smartphone

Ihr benötigt:

Euer Smartphone mit Miniklinken-Kopfhöreranschluss (oder – bei neuen iPhones – mit entsprechendem Adapter), das iRig, ein Gitarrenkabel (6,3 Millimeter Monoklinke)

Vorteile: 

unschlagbar schnelles, günstiges und einfaches Aufnehmen möglich

keine Vorkenntnisse im Audio-Bereich nötig

keine zusätzlichen Programme erforderlich

Video/Audio-Sychronisation geschieht automatisch

Nachteile: 

Spuren können nicht einzeln bearbeitet werden

Audio-Qualität eingeschränkt

nur Mono-Aufnahme möglich

Einfacher, schneller und preiswerter geht es momentan nicht. Von der Firma IK Multimedia ursprünglich ersonnen, um Gitarristen eine schnelle Aufnahmemöglichkeit mithilfe des Smartphones oder Tablets zu bieten, hat sich die Existenz des iRig mittlerweile auch bis zu den E-Drummern herum gesprochen. Es funktioniert denkbar einfach und mit allen E-Drum-Modulen. Das Gerät selbst besteht aus einem kleinen schwarzen Gehäuse mit wenigen Klinkenstecker-Anschlüssen. Seine Funktion ist schnell erklärt: Es nutzt den Kopfhörerausgang eures Smartphones als Audioeingang für alles, was von einer externen Quelle – in diesem Fall vom Drum-Modul – kommt. Um aufzunehmen, verkabelt ihr den Mono-Klinkenausgang des Drum-Moduls mit dem iRig. Damit wird alles, was das Drum-Modul an Sound ausgibt, jetzt an das iRig geschickt. Solltet ihr also am Drum-Modul noch einen externen Zuspieler wie euren Laptop oder mp3-Player angeschlossen haben, um zu Play-Alongs zu spielen, wird auch dieser Sound im iRig verarbeitet. Von dort geht es dann per dreipoligem Miniklinken-Kabel zum Smartphone. Hier aktiviert ihr einfach die Kamera-App, schaltet auf den Videomodus, drückt „Record“, und schon geht es los. Dass Video und Audio schon synchronisiert sind, ist eine weitere enorme Erleichterung der Arbeit. Achtet darauf, dass alle aufzunehmenden Quellen von der Lautstärke her zueinander passen. 

Übrigens: Grundsätzlich lässt sich das iRig nicht nur an Smartphones oder Tablets, sondern auch an Laptops oder ausgewachsenen Rechnern mit einer entsprechenden Buchse für ein Headset verwenden. Für den nicht seltenen Fall, dass es an einem Rechner eine separate Buchse für den Mikrofon/Line-Eingang gibt, ist das iRig nicht einmal nötig. Hier geht's zum Test des iRig.

Variante 2: Stereo-Aufnahme über ein Audio-Interface

Ihr benötigt:

Ein Audio-Interface mit mindestens zwei Line-Eingängen

Vorteile:

nahezu verlustfreie Klangübertragung

Nachteile:

ein Audio-Interface wird benötigt

getrennte Nachbearbeitung der Spuren ist – je nach Modul – nur eingeschränkt möglich

die Synchronisation mit einer potenziellen Videospur muss manuell / in gesondertem Programm erfolgen

Die ganz einfachen Lösungen mittels iRig oder direkter Verbindung haben die Gemeinsamkeit, dass die resultierende Audio-Qualität nicht die beste sein wird. Die Eingänge von Smartphones, Tablets oder Onboard-Soundkarten von Laptops oder PCs sind nun einmal nicht dazu ausgelegt, wirklich gut klingende Aufnahmen zu machen und werden in den meisten Fällen ein gehöriges Rauschen und weitere unerwünschte Artefakte mit ins Spiel bringen – ganz zu schweigen von dem Punkt, dass meist keine Stereo-Aufnahmen möglich sind. Wer Wert auf guten Sound legt, der wird um die Anschaffung eines Audio-Interfaces also nicht herumkommen. Wenn ihr ein solches bereits euer Eigen nennt, dann verbindet ihr ganz einfach dessen Line-Eingänge (Mono) mit den beiden Stereo-Ausgangsbuchsen des Moduls („Output L und R“) und seid bereit zum Aufnehmen. Wenn das Modul an dieser Stelle keinen Dual-Mono-Ausgang mit zwei Buchsen, sondern nur eine einzelne Stereo-Buchse bietet (ähnlich wie ein Kopfhörerausgang), dann ist ein zusätzliches Adapterkabel (Stereo auf Dual-Mono) nötig, um eine fehlerfreie Stereo-Aufnahme zu ermöglichen.

Viele Audio-Interfaces kommen beim Kauf mit einer kleinen Ausbaustufe einer DAW-Software, die in den meisten Fällen für einfache Aufnahmen und grundlegende Nachbearbeitung völlig ausreichend ist. Und auch wenn ihr „nur“ Stereo-Aufnahmen macht, empfiehlt es sich, eine solche Software zu verwenden. Hier findet ihr eine Kaufberatung zum Thema Audio-Interfaces

Variante 3: Wie bei den Profis: Multitrack-Aufnahmen und nachträglicher Mix

Ihr benötigt:

ein Audio-Interface mit ausreichender Anzahl an Line-Eingängen

einen Rechner oder Tablet mit Multitrack-fähiger Audio-Software (DAW)

Vorteile:

nahezu verlustfreie Klangübertragung

getrennte Spuren aller Instrumente möglich

umfangreiche nachträgliche Bearbeitungsmöglichkeiten

Nachteile:

ein Interface wird benötigt

grundlegende DAW- und Mixing-Kenntnisse vonnöten

getrennte Nachbearbeitung der Spuren ist – je nach Modul – nur eingeschränkt möglich

die Synchronisation mit einer potenziellen Videospur muss manuell / in gesondertem Programm erfolgen

Die teuren Flaggschiffmodelle unter den E-Drumsets bieten getrennte Audio-Ausgänge für alle Spuren (Kick, Snare, Toms, etc.), und natürlich lassen sich auch diese mit den Line Inputs eines Audio-Interfaces verbinden. Der große Vorteil dieser Art der Aufnahme besteht nicht nur in der optimalen Klangqualität, sondern auch darin, dass ihr nach der Aufnahme freie Hand habt, wie ihr alle Spuren mixen möchtet. Ihr könnt EQs, Kompressoren und Effekte unabhängig voneinander anwenden, wodurch auch die optimale klangliche Anpassung beispielsweise an ein Play-Along oder beliebige andere vorhandene Spuren möglich ist.

Je mehr Einzelausgänge euer Modul bietet, desto stärker könnt ihr in der nachträglichen Bearbeitung ins klangliche Geschehen eingreifen. Wichtige Info hierzu: Sofern ihr nur euer E-Drum aufnehmen möchtet, seid ihr nicht auf eine große Anzahl von Mikrofonvorverstärkern am Interface angewiesen, Line-Eingänge reichen dafür. Der Rechner muss dabei mit einer DAW-Software ausgestattet sein, die Multitrack-Aufnahmen ermöglicht. Oft ist eine kleine Ausbaustufe einer solchen Anwendung beim Kauf eines Audio-Interfaces enthalten.

Übrigens: Manche Sound-Module (wie zum Beispiel Rolands TD-50, TD-17 und das neue Gewa G9) bieten eine Nebenfunktion als Audio-Interface und können somit alle Einzelspuren ganz easy über eine einfache USB-Verbindung an einen angeschlossen Rechner leiten. In diesem Fall geht es also auch ohne zusätzliches Audio-Interface

Variante 4: Aufnehmen von MIDI-Noten

Ihr benötigt:

ein Drum-Modul mit MIDI-Schnittstelle (USB oder 5-polige MIDI-Stecker) 

ein Audio- bzw. MIDI-Interface, sofern euer Modul keine MIDI-Übertragung per USB bietet

einen Rechner oder Tablet mit Multitrack-fähiger Audio-Software (DAW)

Vorteile:

klangliche Unabhängigkeit vom Drum-Modul

unendliche Sound-und Bearbeitungsmöglichkeiten

Nachteile:

fortgeschrittene DAW- und Mixing-Kenntnisse vonnöten

Sound-Libraries müssen gegebenenfalls gesondert erworben werden

die Synchronisation mit einer potenziellen Videospur muss manuell / in gesondertem Programm erfolgen

Praktisch alle E-Drum-Module besitzen eine MIDI-Schnittstelle. Dieses Übertragungsprotokoll ist nicht nur schon ziemlich alt (es wurde 1981 erstmals vorgestellt), es ist auch nach wie vor die meistverwendete Schnittstelle, wenn es um die Kommunikation elektronischer Musikinstrumente untereinander geht. MIDI überträgt keine Audio-Daten, vielmehr arbeitet es mit der Information darüber, welche Note in welcher Anschlagstärke zu welcher Zeit gespielt wurde. Für E-Drummer wird MIDI spätestens dann interessant, wenn die Pads zwar zum Einspielen verwendet werden sollen, die Modul-internen Sounds aber nicht. MIDI wird an modernen Modulen meistens per USB übertragen, oft findet man aber auch die runden, 5-poligen MIDI-Buchsen auf den Geräterückseiten. Der klare Nachteil dieser Buchsen liegt im Umstand, dass ein Rechner nicht über derartige Buchsen verfügt, ihr also ein entsprechendes Interface benötigt. 

MIDI erweitert die klanglichen Möglichkeiten enorm

Viele fortgeschrittene E-Drummer stören sich früher oder später an den Modul-internen Sounds. Das kann mit der generellen Qualität der Klänge zu tun haben oder damit, dass man auch bei umfangreich ausgestatteten Modulen immer irgendwie klingt wie jemand, der dieses Modul auch besitzt. MIDI umgeht die Klänge des Moduls, nutzt aber dessen Übertragungsfähigkeiten. Aber woher kommen dann die neuen Sounds? Ganz einfach, sie kommen vom Rechner. Viele Firmen bieten Sound-Pakete an, oft proppevoll mit Sounds sämtlicher Genres. Sehr populär in diesem Bereich sind beispielsweise der Toontrack EZdrummer 2, der komplexere Toontrack Superior Drummer 3, die XLN Audio Addictive Drums 2 oder FXpansion BFD3. Diese – Libraries genannten – Pakete installiert ihr in eure Rechner-DAW, die mitgelieferten Programme ordnen eure MIDI-Kanäle vom Modul meistens automatisch zu, Mapping nennt sich das.

Weitere Möglichkeiten (Geräte-abhängig)

Einige aktuelle Drum-Module setzen verstärkt auf drahtlose Möglichkeiten des Recordings. So bietet die Firma Roland eine Smartphone-App, welche mit einer Art Router am Modul kommuniziert. Das Spiel zu Play-Alongs, gleichzeitiges Filmen sowie das anschließende Hochladen in die sozialen Medien soll damit deutlich erleichtert werden. Ähnlich funktioniert Yamaha's Rec 'n' Share App, welche ihre Stärken in Kombination mit dem EAD-10 (Link) ausspielt. Es ist abzusehen, dass diese integrierten, App-gekoppelten Aufnahmemöglichkeiten in der Zukunft die größte Rolle spielen werden, da sie nicht nur das Interface, sondern auch einen Rechner überflüssig machen. 

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