Workshop_Folge
Workshop
4
25.06.2015

Drum Play-Alike - Brad Wilk Workshop

Die Grooves des Rage Against The Machine Drummers zum Nachspielen

Drum Workshop mit Audio- und Notenbeispielen

Die Grooves von Rage against the Machine und Audioslave könnt ihr in diesem Workshop lernen. Für das Getrommel zeichnet sich Brad Wilk verantwortlich, einer der eher unscheinbaren Vertreter des Rock Drummings - jedenfalls sind uns keinerlei Skandale bekannt. Doch sicherlich haben die meisten von Euch schon einmal zu seinen bombastischen Grooves von „Killing In The Name“ oder „Bullet In The Head“ getanzt, gegrölt oder zumindest rhythmisch mit dem Kopf genickt. Die Rede ist von Rage Against The Machine, der Band, mit der Brad Anfang der Neunziger Jahre begann, eine hochexplosive Mischung aus Rock, Funk und Rap aufs Parkett zu schmettern.

Zur Enttäuschung der über die Jahre weltweit gewachsenen Fangemeinde löste sich das Vierergespann nach neun Jahren und vier Studioalben im Jahr 2000 auf. Die Instrumental-Fraktion von RATM sollte allerdings schon sehr bald unter anderem Namen die Bühnen der Welt erneut erobern. Mit Chris Cornell, dem ehemaligen Sänger der Band Soundgarden, fand man  gleich einen neuen Frontmann, und die Erfolgsgeschichte des Herrn Wilk ging in die zweite Runde: Audioslave. Nachdem auch diese Band nach sieben Jahren und einigen Hitsingles ihren Split bekannt gab, geschah das scheinbar Unmögliche: das Mutterschiff Rage Against The Machine startete noch einmal mit Vollgas, wobei man sich lediglich auf den Live-Betrieb beschränkte und ein neues Album ausblieb. Mittlerweile ist es auch um RATM sehr ruhig geworden, doch Brad Wilk weiß weiterhin für Schlagzeilen zu sorgen. Zum Beispiel ist für ihn im Jahr 2013 ein echter Jugendtraum in Erfüllung gegangen, als er bei der Produktion der Reunion-Platte „13“ der Rock-Urgesteine Black Sabbath hinter den Trommeln sitzen durfte. Dass Brad aber grundsätzlich nie abgeneigt war, seine Fühler auch mal außerhalb seiner eigenen Bands auszustrecken, machten bereits gemeinsame Aufnahmen mit Künstlern wie Cypress Hill, Snoop Dogg oder etwa Josh Homme von Queens Of The Stone Age deutlich. Was all diese großen Nummern des Musikbusiness an dem 1968 in Portland geborenen Trommler so begeistert, sollt ihr in diesem Drum Play-alike erfahren. Viel Spaß!

Einflüsse und Stil

Bonham, Elvin, Moon & Garibaldi

“When I was about 13 years old, in Chicago, a friend of mine who lived a couple of doors down had a Ludwig Silver Sparkle drum kit with a big Kiss logo on the front head.” (DRUM! Magazine, Januar 2000) ...

… das war der Moment, in dem Brad klar wurde, dass er Schlagzeuger werden wollte. Ob er daraufhin regelmäßigen Unterricht bekam, bleibt ungeklärt, sicher ist jedoch, dass er als Neunzehnjähriger für einige Wochen in einer Drum Workshop-Klasse von Funk-Legende David Garibaldi saß, der einen großen Einfluss auf Brads Stil haben sollte: “[Garibaldi] really taught me to focus on what’s going on between the beats.” (DRUM! Magazine, Januar 2000). Ein Talent für die gewisse Magie „zwischen den Noten“ wird auch John Bonham attestiert, den Brad wohl nicht umsonst neben Keith Moon und Elvin Jones zu seinen großen Idolen zählt. Schaut man sich heute Brads Grooves genauer an, so fallen einem neben dem Faible für spezielle Phrasierungen auch weitere Anleihen aus dem Funk-Stil auf. Charakteristisch ist vor allem, dass Brad häufig ein-, zwei, oder auch viertaktige Phrasen kreiert, wie man sie aus dem Funk und Rap kennt. Da er dabei jedoch weniger die Finesse eines Garibaldi, sondern vielmehr die Power einer Dampfwalze an den Tag legt, entsteht eine ganz eigene Mixtur aus Rock und Funk: „One of my biggest assets is [being able to put] together completely different grooves and making them sound good and interesting together – straight grooves with funky grooves or whatever. With our band, it’s rare that there’s a song that has just one feel.” (DRUM! Magazine, Januar 2000). Im Internet erfährt man übrigens, dass Brad eine besondere Affinität zur Zahl „3“ hat. Vielleicht ist das der Grund, weshalb so viele Dreiersynkopen seine Grooves prägen?!

Setup und Sound

Brad spielt vorzugsweise übersichtliche Sets. Erste Videos aus der Anfangszeit von Rage Against The Machine zeigen ihn sogar lediglich mit einer 22“ Bass Drum, einer 14“ Snare, einem 16“ Floor Tom sowie einer überschaubaren Anzahl an Becken. Bald darauf nahm er jedoch ein 12“ Rack Tom und Jahre später, mit dem Beginn von Audioslave, noch ein 18“ Floor Tom mit in sein Setup auf. Bei Rage Against The Machine spielte Brad Trommeln von Premier und Becken von Zildjian, mit dem Beginn von Audioslave wechselte er zu Gretsch USA Custom Drums und Paiste Cymbals. Was seine Snare Drum betrifft, so blieb er über die Jahre überwiegend einem 14“x6,5“ Tama Bell Brass Modell treu. Eine relativ schwere Trommel also, die bei entsprechender Bearbeitung einen sehr druckvollen und obertonreichen Klang erzeugt, der Brads Drumsound wiederum grundlegend auszeichnet. In einem Interview mit dem DRUM! Magazine erzählte Brad zudem von einer unfassbar schweren Snare namens „The Terminator“, die er sich von seinem Drumtec Ross Garfield unter anderem für die Aufnahmen zum 1999er Album „The Battle Of Los Angeles“ ausgeborgt hat: “The cool thing about the drum is, depending on how you hit it, it just sounds different. A lot of people have recorded with that drum, but it really just kind of takes on the character of how you play it. It has some really cool overtones.” Im Studio ist es für Brad allerdings wichtiger, den richtigen Vibe einzufangen, als einen perfekten Drumsound zu erreichen: „[For us] it was really just about setting up the kit and making sure the drums sound decent ... [We'd spend about] an hour on it or whatever, and [then just] go.” (DRUM! Magazine, Januar 2000).

 

Hier könnt ihr euch die vollständigen Noten zum Workshop als PDF herunterladen.

Brad Wilk Grooves mit RATM

Killing In The Name Of... die Rage Against The Machine Ära

Wir starten den praktischen Teil dieses Workshops mit drei Grooves aus dem wohl bekanntesten Song von RATM “Killing In The Name”, der auf dem 1992 veröffentlichten Debüt-Album zu hören ist. Nach vier deftigen Abschlägen startet das markante Intro-Pattern von Basskollege Tim Commerford, das sich aus zwei punktierten Sechzehntelnoten und einer Achtelnote zusammensetzt. Interessant ist, dass Brad diese Rhythmik nur bedingt mit der Bass Drum übernimmt und die Zählzeit „3“ freilässt. 

„And now you do what they told ya” – der Breakdown-Part von “Killing In The Name” bleibt schon nach dem erstem Hören sofort im Ohr. Grund dafür sind sicherlich auch die drei unisono gespielten Akzente auf den Zählzeiten „1“, „1e“ und „2“. Brad entwickelt hier einen sehr interessanten Groove, der sich aus dem besagten Akzent-Pattern, Backbeat-Akzenten und Ghostnotes zusammensetzt. Hier seht ihr ein viertaktiges Beispiel mit den knalligen Sechstolen im letzten Takt, die in den nächsten Teil überleiten.

Darauf folgt ein funky Gitarrenriff von Tom Morello, das Brad mit einer ebenso funky gespielten Viertakt-Phrase unterstützt, wobei er drei Takte identisch spielt und den jeweils vierten Takt zum Ende hin leicht variiert. 

Rage Against The Machine – Bullet In The Head

Dass Brad sehr detailverliebt bei der Gestaltung seiner Grooves vorgeht, wird anhand von „Bullet In The Head“ deutlich. Der Vers-Groove sitzt nämlich besonders durch Brads starke Offbeat-Betonung der Achtel-HiHat so richtig bequem im Sattel. Ein schöner Effekt entsteht zudem durch die Ghostnotes, die direkt nach den Snare-Akzenten auf den Zählzeiten „2“ und „4“ im Abstand von  einer Sechzehntelnote folgen und wie ein dezentes Slapback-Echo klingen. Bei den folgenden Beispielen ist übrigens ein starkes Shuffle-Feel der Sechzehntel-Offbeats gefragt:

Nach dem ersten Chorus von „Bullet In The Head“ macht Brad klar, dass auch Fill-Ins grooven wollen (und sollen). Das folgende Fill zeigt, dass die Beibehaltung des Backbeat-Gefühls, also ein Integrieren von Snare-Akzenten auf den Zählzeiten „2“ und „4“, der Schlüssel dafür ist, um auch in einem längeren Fill-In das Gefühl für den Groove nicht zu verlieren.

Rage Against The Machine – Township Rebellion

Und hier folgt das dritte und letzte Beispiel von RATMs Debüt-Album. Brads Vers-Groove von “Township Rebellion” zeichnet sich in erster Linie durch ein Cowbell-Pattern aus, das isoliert betrachtet nicht allzu kompliziert scheint. Die Kombination mit dem synkopischen Bass Drum-Pattern  jedoch bedarf sicherlich einiger Anläufe, bis dieser Groove sicher gespielt werden kann. 

Hier ist es ratsam, sich zunächst nur auf die Achtelebene zu konzentrieren, sowie die Cowbell-Stimme und das Bassdrum-Snare-Pattern jeweils einzeln zu üben. Dazu braucht man natürlich nicht zwangsläufig zwei Cowbells – ein Ride Becken tut es notfalls auch!

Rage Against The Machine – Guerilla Radio

Weiter geht’s mit der Single „Guerilla Radio“ von RATMs 1999er Album „The Battle Of Los Angeles“, die beispielhaft zeigt, wie charmant Brad Rock, Funk und Rap miteinander zu verbinden weiß. Das Hauptriff des Songs unterstützt er zunächst mit einem kräftigen Groove auf dem Crash Becken, wobei er jeden Takt mit einem funky HiHat-Lift auf der letzten Sechzehntel der zweiten Zählzeit verziert, den er wohlgemerkt mit der linken Hand spielt. Diese rollende Groove-Walze wird jeweils im letzten Takt dieses Songparts mit einer neuen Figur zwischen Bass Drum und Snare abgerundet, die an einen Paradiddle (RLRRLRLL) erinnert. Der Einfachheit halber seht ihr diesen Part hier als viertaktige Phrase notiert:

Der Vers-Teil von „Guerilla Radio“ steht daraufhin ganz im Zeichen des Rap-Gesangs von Frontmann Zack de la Rocha, während Brad Wilk und Tim Commerford einen loopartigen Zweitakter zelebrieren. Und der hat es wirklich in sich!

Das quirlige Bassdrum-Snare-Pattern mag im Originaltempo von etwa 103 bpm schon schwierig genug sein. Die vielen HiHat-Lifts sind es aber, die es schier unmöglich machen, diesen Groove aus dem Stegreif nachspielen zu können. Auch hier empfiehlt es sich daher, das Tempo drastisch herunterzufahren und sich zunächst nur die Achtelebene des Grooves vorzunehmen. Dadurch bekommt man ein gutes Gefühl für die Platzierung der HiHat-Lifts und kann daraufhin nach und nach die restlichen Noten integrieren.

So klingt das fertige Vers-Chorus-Arrangement. Als Überleitung dienen vier knallende Sechzehntelnoten auf die Snare:

Rage Against The Machine – Microphone Fiend

Dieser Groove von RATMs viertem und letzten Album „Renegades“ von 2000 ist ein Paradebeispiel dafür, wie Brad seine Rolle als Trommler sieht. Während viele Artgenossen vielleicht intuitiv dem hypnotisierenden Achtel-Pattern der Gitarre durch einen straighten Groove brav Folge leisten würden, trägt Herr Wilk massiv zum Charakter des Songs bei, indem er einen wirklich schrägen Eintakter zum Besten gibt. Was das Bass Drum-Snare-Pattern betrifft, so ist das folgende Beispiel sicherlich eher gewöhnlich. Besonders wird dieser Groove durch das spezielle Pattern auf der – wer hätt's gedacht?! – HiHat, jeweils angeführt von einem saftigen Crash-Akzent auf der Zählzeit „1“.

Wie viel hinter diesem Groove steckt, wird schnell deutlich, sobald man ihn jeglicher Rock 'n' Roll-Attitüde entzieht und ein wenig mit der Dynamik und Instrumentierung experimentiert. Ersetzt man das Crash Becken auf der Zählzeit „1“ durch einen HiHat-Lift und den lauten Backbeat auf den Zählzeiten „2“ und „4“ durch Rim Clicks, so wird man in Nullkommanix mit einem amtlichen HipHop-Beat belohnt.

Rage Against The Machine – I'm Housin'

Den Vers-Teil von „I'm Housin'“ ziert Brad mit einer druckvollen Viertakt-Phrase, bei der er im Verlauf des Songs vor allem das Bassdrum-Pattern von Mal zu Mal variiert. Durch die vorgezogenen Offbeat-Akzente auf dem Crash Becken im zweiten und vierten Takt wird dieser Groove zur echten Feeling-Farce, da man immer wieder aufs Neue aus dem Fluss der Sechszehntel-HiHat gerissen wird. Langsames Üben ist hier natürlich Pflicht! Hier seht ihr exemplarisch die ersten vier Takte nach Einsatz des Schlagzeugs:

Brad Wilk mit Audioslave

Audioslave – Like A Stone

Mit einem geschmeidigen Basic-Groove treibt Brad diese Hitsingle von Audioslave voran, doch trotz aller Enthaltsamkeit lässt sich auch an diesem Beispiel die Wilk'sche Handschrift deutlich erkennen. Die Achtel-HiHat spielt Brad zum Ende eines jeden Taktes mit einem Akzent auf die Zählzeit „4+“, woraus der Eindruck eines Loops resultiert. Entscheidend für den Charakter des Grooves sind auch die leicht geshuffelten Ghostnotes, die ihm eine gewisse Lockerheit verleihen. Im Folgenden seht und hört ihr den Groove einmal in der originalen Version und einmal ohne Hi-Hat-Akzent und Ghostnotes. Sicherlich merkt ihr den deutlichen Unterschied!

Audioslave – Cochise

Zum Ende dieses Play-alike Workshops schauen wir uns den Audioslave Song „Cochise“ an, der vor allem von seiner Power, aber auch von einer gewissen Übersichtlichkeit lebt, mit der Brad das windige Achtelriff der Saitenfraktion im Vers-Teil unterstützt. Im Chorus sorgen zwei fette Crash-Akzente zu Beginn eines jeden Taktes auf den Zählzeiten  „1“ und „1+“ für viel Alarm. Die Snare-Akzente auf den Zählzeiten „2“, „3“ und „4“ bringen zusätzlich eine deutliche Schwere ins Spiel, was den Chorus unmittelbar fetter wirken lässt. 

Es ist sinnvoll, sich vor dem Üben der besprochenen Beispiele die entsprechenden originalen Aufnahmen anzuhören. Dadurch gewinnt ihr nicht nur einen Eindruck von den Arrangements der Songs, sondern auch von Brads außergewöhnlicher Phrasierung. Hoffentlich konntet ihr auch neue Ideen gewinnen, wie ihr eure eigenen Lieblingsgrooves durch kleine Details verändern könnt!

Viel Spaß!

 

Tipp: Hier geht es zurück zur Übersicht mit allen Play-Alike Folgen.

 

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