Workshop_Folge
Workshop
4
11.07.2013

Drum Play-Alike - John JR Robinson Workshop

Die Grooves des Superhit-Drummers zum Nachspielen

Drum Workshop mit Audio- und Notenbeispielen

John JR Robinson, der Trommler, um den es in diesem Play-Alike geht, hat in den frühen achtziger Jahren ein paar der berühmtesten Beats seiner Dekade entworfen und eingetrommelt. Beispielsweise zeichnet er verantwortlich für den "Ain't Nobody"-Groove von Chaka Khan, für den ihn aufgrund der Unspielbarkeit ganze Generationen von Cover-Drummern hassen. Dann wären da noch solche wie diejenigen in den Songs "Don't Stop Til You Get Enough" und "Rock With You" von Michael Jackson, "I'm So Excited" von den Pointer Sisters, "All Night Long" von Lionel Richie, "Crazy" von Seal oder Madonnas "Express Youself". Abgesehen von seinem Chaka-Groove sind also auch etliche seiner anderen Rhythmuskreationen in einem Standard-Coverband-Konzert zu hören. Nicht selten hört man vor einem dieser Songs den Drummer stöhnen, denn fast alle diese Beats sind schwer zu spielen, sogar "I'm So Excited" ist aufgrund der hohen Geschwindigkeit nicht gerade ein Selbstgänger.

Natürlich müssen für eine einigermaßen umfassende Aufzählung der von John eingetrommelten Welthits auch Titel wie "We Are The World", "Higher Love" von Steve Winwood, Eric Claptons "Change The World", George Bensons "Give Me The Night", "The Greatest Love Of All" von Whitney Houston oder "Rhythm Of My Heart" von Rod Stewart aufgeführt werden. In diesem Workshop beschränke ich mich aber auf die hervorstechendsten Beats des mittlerweile beinahe 60 Jahre alten Trommlers aus Iowa.

Stilanalyse

Grundsätzlich ist John eher der Fraktion der Frickler zuzuordnen. Das wird vor allem dann deutlich, wenn man ihn auf Musikmessen trommeln hört. Aber auch bei neueren Studiosessions verziert er gerne mal absolut geradlinige Songs reichlich mit hübschen Fills und Hihat-Einlagen à la Dave Weckl oder Dennis Chambers, niemals jedoch ohne den Grundgroove weiterlaufen zu lassen. Was diesen Punkt betrifft, lässt sich eine Parallele zu Schlagzeugern wie Steve Gadd oder Jim Keltner ziehen, die zwar sehr organisch und abwechslungsreich durch Songs führen, das Pattern aber nicht für hübsche Variationen oder Fills unterbrechen - alles wird einfach in das Groove-Feel hinein gewoben. Ein zweites zentrales Laster von John ist sein beidhändig gespieltes 16tel-Hihat-Pattern. Viele Trommler verzichten nur unter Androhung starker Schmerzen auf ihre geliebten Ghost-Notes auf der Snare, John kommt dann erst so richtig in Wallung. Ganz besonders eindrucksvoll sind in diesem Zusammenhang sein Feingefühl beim Hihat-Spiel und die absolute Präzision bei der Umsetzung komplexer Pattern.

Laut eigener Aussage spielt John "immer genau auf den Klick", nicht davor und nicht dahinter. Er verschleppt also weder die Bassdrum, um den Beat vermeintlich 'fetter' klingen zu lassen, noch jagt er seine Sessionkumpanen mit einer eiligen Hihat durch das Arrangement, um womöglich druckvoll zu klingen. Das berühmte Thema "nach vorne oder nach hinten spielen" ist sowieso eher dem Bereich des zur Fachsimpelei aufgestiegenen Mysteriums zuzuordnen. Wenn im Song das Drumset das Metrum darstellt, es also als musikalisches Metronom für die restlichen Musiker fungiert, zu was im Verhältnis kann der Drummer denn nach hinten oder nach vorne spielen? Sogar Dennis Chambers kündigt in seinem Workshop bedeutungsschwanger an, dass er jetzt mal "behind the beat" spielen werde. Sorry, das ist natürlich totaler Quatsch und entsprechend gequält folgt der getrommelte Beweis, der scheinbar sogar den Protagonisten ratlos zum nächsten Thema springen lässt. Nun denn, John Jr Robinson macht es absolut richtig, er spielt "genau drauf"...was sonst soll er auch machen?

Die Songs

Pointer Sisters - "I'm So Excited"

Dieser Titel der Pointer Sisters stellt den vermeintlich einfachsten Einstieg in die Materie dar: "I'm So Excited". Das Notenbild des Grooves sieht relativ simpel aus, die Schwierigkeit besteht darin, ihn auch bei höherer Geschwindigkeit locker zu spielen.

Und hier ist das dazugehörige Notenbild:

Durch die stolzen 182 Schläge pro Minute ist es bei diesem Groove besonders wichtig, dass alle Schläge absolut exakt sitzen. Auch die Bassdrum darf nicht 'wischiwaschi' gespielt sein. Außerdem sollte beim Spielen keine Hektik herrschen, das hohe Tempo muss souverän und entspannt umgesetzt werden, es lohnt sich also, auch hier mit einem Wohlfühltempo zu starten und sich langsam an das finale Tempo heran zu üben.

Michael Jackson - "Don't Stop `Til You Get Enough"

Dieser Titel beginnt, ähnlich wie "Rock With You", "Ain't Nobody" oder noch eher "I'm So Excited" mit einem kurzen, aber prägnanten Fill: "Bapdap tschhhh". Was dann kommt, wird nicht durch richtiges Spielen entschieden, sondern durch Style. Die Hihat kommt sehr leise, der Sound ist kurz und trocken, und alle Schläge sitzen unaufgeregt, aber energetisch an der richtigen Stelle. Die Power wird hier definitiv nicht mit lautem Gehämmer, sondern mit ebenjener richtigen Platzierung erzeugt. 

Zuerst widmen wir uns dem Basisgroove, der in der Strophe und im Refrain vorkommt. Dieser klingt so:

...und sieht im Notenbild folgendermaßen aus:

Achtung: Dieser Beat wird höchstens marginal angeshuffled. Eigentlich ist alles absolut binär, also überhaupt nicht triolisch aufzufassen. 

Weiter geht es mit dem berühmten Zwischenteil des Songs, der die einzige wirkliche Variation des Titels darstellt und nur einmal vorkommt.

Geschrieben sieht das so aus:

Der Part wird durch einen einfachen Flam eingeleitet und endet mit einer Dreiergruppe auf der Hihat. Danach geht es locker flockig zurück in den Basisgroove. 

Als kleine Spielerei gegen Ende des Titels hat sich John mal wieder eine kleine Stolperfalle überlegt: Der Groove läuft weiter und wird lediglich um ein paar Tomschläge ergänzt. Ich empfehle, für die leichtere Spielbarkeit alle Toms mit der rechten Hand zu spielen. Viel Glück!

Michael Jackson - "Rock With You"

Der zweite Track auf dem legendären "Off The Wall"-Album von Michael Jackson heißt "Rock With You", und John zwingt mit seinem dezenten Disco-Rhythmus jeden dazu, die Hüften kreisen zu lassen. Los geht das Ding mal wieder mit einem getrommelten Zungenbrecher. Dieser beginnt mit einem Bassdrum-Schlag, gefolgt von einer RRLL-Doublestroke-Kombi, Bassdrum, Flam, LRLR, Fuß. Das hören wir uns mal kurz gesondert an:

...und so sieht das dann aus:

Ohne einleitendes Crash geht es im nächsten Takt direkt in den Intro-Groove, welcher als komplettes Arrangement im Refrain wieder auftaucht. Das bedeutet, dass jede geöffnete Hihat oder durch eine Bassdrum gedoppelte Snare sehr bewusst platziert wurden. Hört euch diesen Part einfach mal an und lest parallel dazu die Noten.

In der Strophe folgt ein relativ unspektakulärer Achtel-Groove, darum beschränke ich mich bei der Stilanalyse auf diese beiden Elemente. Hier ist nochmal, leicht variiert, der komplette Beat mit Bridge und Refrain zu hören:

Chaka Khan - "Ain't Nobody"

Auf zum Königsgroove! Wenn ich mal eine Covermucke spielen musste, war dies fast immer der Groove, vor dem ich den ganzen Abend Angst hatte. Bei den ersten Covergigs habe ich noch im Schweiße meines Angesichts versucht, den originalen Beat zu spielen, bis mein werter Keyboarder Xaver Fischer eines Abends in der Pause zwischen zwei Sets zu mir kam und sagte: "Bei Ain't Nobody habe ich mich gefragt, was du da für ein Geklapper spielst, bis mir aufgefallen ist, dass das der Originalgroove ist". Nun denn, wenn alle Instrumente ineinander greifen, dann kommt der Rhythmus immer noch spitzenmäßig gut, ich vermute aber, dass diese undefinierbare Percussion-/Synthesizer-Spur, die direkt am Anfang der Studioaufnahme zu hören ist, das absolut tragende Element des Titels ist. Quasi die Schmiere zwischen allen Instrumenten. Übrigens feuern die Jungs von Chaka Khan dieses Uralt-Studio-Sample noch heute bei ihren Live-Konzerten ab. 

Im wesentlichen geht es um zwei Beats, die in diesem Titel stattfinden, einmal den Strophengroove und dann den Refraingroove. Der Rhythmus der Strophe ist durch einen vorgezogenen Stop in jedem Takt noch etwas komplizierter zu spielen als der des Chorus:

Hier sind die Noten dazu:

Die Hihat auf der Zählzeit 3+ habe ich zwar notiert und auch gespielt, aber aus dem einfachen Grund nur in Klammern gesetzt, da diese auf der Studioaufnahme nicht zu hören ist. Ich habe alle erdenklichen Hilfsmittel ausprobiert, es aber niemals geschafft, den Groove ohne die in Klammern gesetzte Hihat sauber zu spielen. John schlägt, das kann man in diversen Videos gut erkennen, an dieser Stelle drei Schläge in die Luft. 

Ich empfehle, den Beat extrem langsam zu üben und Instrument für Instrument dazu zu nehmen, beginnend mit der Hihat und der Snare:

Jetzt schichten wir den Refraingroove genau so, beginnend mit der Hihat und der Snare. Sobald das sicher sitzt, geht es weiter mit der ersten Bassdrum, dann der zweiten und so weiter. Sobald das Pattern in einem extrem langsamen Tempo sicher sitzt, kann das Metronom Schritt für Schritt nach oben gedreht werden. Ich empfehle jeweils zwei Klicks. Das dauert entsetzlich lange, aber dafür ist der Erfolg umso nachhaltiger. Die großen Trommler üben alle so (sogar Martin Grubinger...der beginnt sogar bei Tempo 30). Also, hier ist die Reihenfolge nochmal in Bild und Ton:

Jetzt mit Bassdrum im langsamen Tempo und im zweiten Soundbeispiel im Originaltempo. Aber erstmal zum Mitlesen:

Da ich aber finde, dass man "Ain't Nobody" auch etwas zeitgemäßer umsetzen kann, habe ich für euch eine Variation des Grooves eingetrommelt. Das soll lediglich ein Denkanstoß sein, überlegt euch selber, wie sich das Monster zähmen lässt:

Fazit

John ist einer der wenigen Drummer, die sich in jedem erdenklichen Moment ohne rot zu werden selber covern - sei es beim Soundcheck oder auf der Musikmesse. Und womit macht er das? Mit Recht. Die Beats zählen zum Feinsten, was es in der mittelfrischen Popmusik bis jetzt gegeben hat und die neue Platte von Daft Punk, auf der John auch zu hören ist, hat mir mal wieder eines bestätigt, was ich schon seit einiger Zeit ahne: Es gibt sehr gute Studiotrommler, die alles richtig spielen und es gibt solche, die sich auf beinahe jeder Aufnahme unsterblich machen. John ist so einer, seine geheime Rezeptur besteht aus Style, Technik und Magie.

 

Tipp: Hier geht es zurück zur Übersicht mit allen Play-Alike Folgen.

 

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