Workshop_Folge
Workshop
4
13.11.2015

Drum Play-Alike - Beyoncé "Run The World" Workshop

Die Grooves des Songs "Run The World" (Girls) zum Nachspielen

Drum Workshop mit Audio- und Notenbeispielen

Viele Drummer fragen sich, wozu man von seinem Schlagzeuglehrer eigentlich so oft Rudiments um die Ohren geschlagen bekommt, wenn man diese in der zeitgemäßen Popmusik aber kaum zu hören bekommt. Klar, die meisten Grooves, die heutzutage im Radio laufen, kommen zum einen oft ohne echten Drummer aus und sind zum anderen oft technisch nicht besonders anspruchvoll.

Aber das zählt alles nichts mehr, wenn man die aktuelle Single von Beyoncé Knowles hört. Dieser Beat wurde zwar schon 2009 für den Song „Pon De Floor“ von den Produzenten Diplo und Swift für das Projekt „Major Laser“ gebaut aber für den großen Charterfolg wird wohl eher Frau Knowles gesorgt haben. Auch wenn man bei diesem Beat davon ausgehen kann, dass hier ein virtueller Trommler den Zuschlag bekommen hat, ist es wirklich sehr interessant, das hier produzierte Trommelfeuerwerk zu analysieren, welches aus scheinbar nicht zu vereinbarenden Musikrichtungen zusammengeworfen wurde: So sind hier allein für die rhythmische Sektion – die völlig unmöglich von einer Person eins zu eins nachgespielt werden kann – Elemente aus jamaikanischem Dancehall und traditioneller Marschmusik zu hören, die gemeinsam einen wirklich Aufsehen erregenden Beat bilden. Es gibt die Bassdrums, die mal nach Dancehall und mal Marchingband klingen, die Snaredrum, die eindeutig im Militarystyle tönt und diverse Percussions.

Run the World - der Workshop

Den Ablauf habe ich in einem Lead Sheet (hier klicken) veranschaulicht, das zweistimmig geschrieben ist: Im oberen, kleineren System die Percussions, unten im etwas größeren Bassdrum, Snare und Tom-Tom. Wenn es auf der Snaredrum richtig zur Sache geht, wird es unmöglich sein, die Percussionfigur plus Tom-Tom auch noch zu spielen, da ein Mensch dafür einfach zu wenig Arme hat. Allerdings könnt Ihr mal versuchen, in den Passagen, in denen die Snaredrum für nicht so viel Beschäftigung sorgt, das eine oder andere Element aus der Percussionstimme mit ins Spiel aufzunehmen. Das ist definitiv eine spaßige Herausforderung!

Für die Notenbeispiele gilt folgende Legende:

Die Percussion-Figur

Die angesprochene Percussionstimme liefert in einem zweitaktigen Schema mit den verwendeten Sounds zusätzliches Dancehall-Feeling. Im ersten Takt ensteht durch die Kombination der verschiedenen Schlagwerke eine Art Son-Clave. Diese Figur begeleitet den gesamten Song das Drumset mit gelegentlichen Unterbrechungen:

Die Bassdrum-Figur Takte 1-2

Der Anfang des Songs besteht aus dieser Figur in Kombination mit einer ebenfalls zweitaktigen Bassdrum-Figur, die wie folgt aussieht:

Percussion + Bass Drum Takte 1-2

Diese Kombination ist definitiv noch allein spielbar – wenn auch etwas Übung dafür nötig sein dürfte:

Die Snaredrum-Figur Takte 4-5

Bevor wir dann etwas später zu den richtig ausgefuchsten Schlagabfolgen kommen, werde ich erstmal die etwas simpleren erläutern: Eine Snaredrum-Figur, die immer wieder auftaucht – mal mit Begleitung anderer Trommeln oder Solo – ist folgende:

Wie hier ist sie auch im Leadsheet in vereinfachter Schreibweise zu sehen. Der Bindebogen mit der „7“ zeigt einen Seven-Stroke-Roll an. Das ist ein typisches Rudiment – also eine Schlagabfolge, die aufgrund ihrer häufigen Anwendung zum Standartrepertoire eines guten Schlagzeugers gehören sollte. Ich habe es hier zum besseren Verständnis nochmal als Übung isoliert aufgeschrieben.

Schriebe man im Kontext des Songs jede einzelne Note der Figur auf, sähe das so aus:

Eine sehr anschauliche und übersichtliche Art und Weise, den Seven-Stroke-Roll in dieser Figur darzustellen, ist diese:

Hier kann man sehr gut den Handsatz nachvollziehen: Die Hände machen eigentlich nur die Bewegung eines Four-Stroke-Rolls – durch die Verdopplung der richtigen Schläge (die mit dem extra Fähnchen in der Mitte des Halses) entsteht aber ein Seven-Stroke-Roll. Der eben genannte Four-Stroke-Roll ist eine Figur, die auch noch im Groove auftauchen wird – zum besseren Verständnis erkläre ich sie schon mal an dieser Stelle:

Wenn man z.B. einen Vierviertel-Takt in Achtel unterteilt sieht das aus wie im folgenden Beispiel:

Wenn man jetzt jedes zwei Achtel in drei Sechzehnteltriolen aufteilt, erhält man folgendes Pattern:

Der Four-Stroke-Roll ergibt sich aus den drei Sechzehnteltriolen und dem Abschlag auf der nachfolgenden Achtel. Doch zurück zum Seven-Stroke-Roll. Wenn man nun jede einzelne Sechzehnteltriole des Four-Stroke-Rolls verdoppelt – sie also zu Zweiunddreissigsteltriolen macht - entsteht eine Figur aus sieben Schlägen: der Seven-Stroke-Roll. Diese Verdopplung entsteht nicht durch eine effektive Ausholbewegung, die für jeden einzelnen Schlag absolviert wird, sondern durch kontrolliertes, zweimaliges Springenlassen des jeweiligen Stockes. Das Beherrschen eines Double-Stroke-Rolls ist somit eine gewisse Grundvorraussetzung:

Snare + Bass Drum Takte 5-6

Aber das nur nebenbei. Die Figur, um die es hier ja eigentlich geht, taucht nämlich recht häufig auf. Wenn ihr diese Figur also spielen könnt, könnt Ihr euch an die verschiedenen Erweiterungen wagen. Die erste Erweiterung, die im Song auftaucht, kombiniert die Snaredrum mit der Bassdrum-Figur aus den ersten Takten des Songs:

Snare + Bass Drum Takte 9-10

In einer weiteren Alternative dieses Grooves ist die Bassdrum etwas ausgedünnt und liegt teilweise auf einer anderen Zählzeit:

Snare + Bass Drum + Tom Takte 17-20

Den Takten 17-19 liegt erneut die Snare-Figur zugrunde. Die Bassdrum spielt bis auf einen zusätzlichen Schlag und den Roll unisono mit. Ein Tom-Tom gesellt sich auch noch dazu – und da zeigt sich ein kleines menschliches Problem:

Im programmierten Groove spielt das Tom-Tom jeden Snareschlag bis auf den Roll mit. Allerdings ist es nahezu unmöglich, das selbst auch so nachzuspielen. Das liegt daran, dass auf jeder Zählzeit Eins der betroffenen Takte Tom-Tom und Snaredrum zusammen gespielt werden. Nach dem Seven-Stroke-Roll der in diesem Fall immer auf der Eins seinen Abschlag hat, müsste sich die linke Hand ungefähr mit Lichtgeschwindigkeit bewegen, um präzise nach dem letzten Doppelschlag gemeinsam mit der Rechten auf der Eins zu landen. Aus diesem Grund habe ich das Tom-Tom auf den betroffenen Einsen nach dem Seven-Stroke-Roll nicht mitnotiert, obwohl es im Song eigentlich vorhanden ist...

Die Bassdrum-Figur Takte 13-16

Diesen vier Takten geht ein Bassdrum-Pattern voraus, das sich rhythmisch von der Snare-Figur nur im nicht vorhandenen Roll unterscheidet:

Snare + Bass Drum Takte 21-24

So, nun geht es ans Eingemachte, denn jetzt kommen noch mehr Rolls in verschiedenen Kombination auf der Snaredrum hinzu: Die reine Figur ohne Bassdrum, Percussion und dergleichen kommt in den Takten 23 und 24 zum Zuge und ist quasi die Weiterführung der Snare-Figur mit dem Seven-Stroke-Roll, die wir eben so ausführlich behandelt haben. Hier kommen dann auch der Four-Stroke-Roll und ein weiteres dieser Rudiments zum Einsatz – der Five-Stroke-Roll:

Der Five-Stroke-Roll kommt hier im ternären Gewand daher – genau wie die anderen beiden Rudiment-Klassiker. Diese Figur entsteht auch wieder durch eine Verdopplung bestimmter Schläge. Es ist im Grunde ganz einfach: Wenn man jedes Viertel eines Viervierteltakts in drei Achteltriolen aufteilt, passiert folgendes:

Wenn man nun immer die zweite und dritte Triole jeder Einheit wie weiter unten angezeigt verdoppelt, entstehen vier Schläge mit einem zusätzlichen Abschlag. Fünf Schläge also, die dann logischerweise Five-Stroke-Roll heißen.

Snare + Bass Drum Takte 65-68

Wenn man die viertaktige Schlagabfolge mit Four-, Five-, und Seven-Stroke-Roll ausreichend geübt hat, kommt man schon zum nächsten Spaß! Auch hier gibt es verschiedene Variationen, die von der Bassdrum bestimmt werden. Zuerst kombiniert man den Rhythmus mit der Bassdrum der ersten beiden Takte:

Snare + Bass Drum Takte 9-12

Dann ist die Bassdrum wieder etwas reduziert:

Snare + Bass Drum Takte 5-8

Eine letzte Variation gibt es allerdings noch – aber dann ist auch wirklich Schluss: ganz am Anfang in Takt 5 beginnt die Snaredrum in Kombination mit dem Bassdrum-Pattern des Anfangs. Allerdings heben sich hier der dritte und vierte Takt ein wenig von der vertrauten Form ab: Hier wird in Takt 7 einfach auf dem letzten Achtel abgebrochen um einen Übergang vom Intro in den ersten Refrain schaffen. Es klingt dann in Takt 8 so, als würde jemand die Schlallplatte verlangsamen und sie im richtigen Moment zum Refrain wieder anschieben.

Fazit

Es bietet sich an, alle Rudiments zunächst langsam und jedes für sich zu üben, dann erst alles auf Tempo zu bringen und miteinander zu kombinieren. Das mag am Anfang recht mühsam sein, aber wenn man es erstmal schafft, die Snare so richtig schön zum Rauschen zu bringen, bringt die ganze Nummer richtig Spaß.

Man kann sich diese technischen Übungen mit ein paar kleinen Kniffen sehr erleichtern: Eine angemessen ausgerüstete Snaredrum unterstützt den Trommler nämlich sehr.

  • 1. Die Trommel an sich ist fast egal, solange man sie präzise stimmen kann.
  • 2. Je höher das Resonanzfell gestimmt ist, desto feiner spricht der Teppich an.
  • 3. Den Teppich nicht zu fest an das Resonanzfell ziehen.
  • 4. Ein guter Teppich (siehe bonedo-Tests!) kann eine preiswerte Trommel unheimlich aufwerten – natürlich auch teure Trommeln.
  • 5. Ein hochwertiges Schlagfell, das straff gestimmt ist, vereinfacht Rudiments, weil die Sticks hier sehr gut springen.

 

Viel Spaß dabei!

 

Tipp: Hier geht es zurück zur Übersicht mit allen Play-Alike Folgen.

 

Weitere interessante Inhalte:

Drum Recording - Basics und Tipps - Video-Workshop von Nick Mavridis und Christoph Behm

Selfmade Grooves mit Rudiments - So baut ihr Rudiments in Grooves ein

Groupings am Drumset - Superdrummer Moritz Müller erklärt im Video Dreier-, Fünfer- und Sechsergruppen

Drum Cover Workshop - Legendäre Schlagzeug-Beats zum Nachspielen

Verwandte Artikel

User Kommentare