Software
Feature
10
18.01.2021

Die besten EQ-Plugins 2021

Analoger Sound, zusätzliche Features und besserer Workflow

… sogar Freeware-Equalizer sind dabei!

Mehr Bänder! Besserer Sound! KI-gesteuert! Es gibt so einige EQ-Plugins, die mehr können als die vorinstallierten in unseren DAWs. Welche sich wirklich lohnen, was ihr getrost mit den Hausmitteln bearbeiten könnt und wozu Emulationen analoger EQs überhaupt dienen, haben wir für euch in diesem Feature gesammelt.  

Mehr als bei Kompressoren muss man sich bei EQs die Frage stellen: wozu Drittanbieter? Der Großteil der Arbeit von Equalizern ist das einfache Dämpfen von Frequenzen in Einzelspuren. Will man aber mehr Features, wärmeren Sound, analogeres Verhalten, dann gibt es eine Vielzahl an Plugins, die das bieten. Bevor man sich aber unzählige Demos lädt und sein Jahresbudget verprasst, sollte man wissen, man tut. Zum Beispiel, wie man Spuren mit Gitarren oder Vocals mit EQ-Bearbeitung besser zur Geltung bringt oder wie ein EQ im Mixing zielführend und richtig eingesetzt wird und welche Fehler man vermeiden sollte. Das übt man am besten im mitgelieferten EQ der eigenen DAW.

Der EQ in der DAW

Für die EQs in Ableton Live, Logic Pro-X, ProTools und Co. wollen wir gleich zu Beginn eine Lanze brechen. Wenn es um das reine Dämpfen oder Filtern von Frequenzen geht, sind alle heutigen DAWs mit EQs ausgestattet, die hier mehr als ausreichen.

Bässe filtern, einzelne, sich überlagernde Frequenzbereiche dämpfen oder kleine Automationen einstellen, die eine Spur beim einsetzenden Chrous dumpfer oder heller klingen lassen – alles möglich. Nur weil Tutorial XYZ, eurer Producer-Vorbild oder Testberichte behaupten, dass dieses oder jenes EQ das beste und am besten klingende, „game-changing“ Plugin ist, muss man ihm noch nicht unbedingt folgen.

Mehr Features – Fabfilter Pro-Q3

Wenn man sich doch für einen externen EQ entscheidet, weil Features fehlen oder einem der Workflow des eigenen EQs nicht zusagt, dann führt kein Weg am Pro-Q 3 von Fabfilter vorbei. Was die Liste an Möglichkeiten, die Bedienoberfläche und die Klangqualität betrifft, hat der EQ Maßstäbe gesetzt.

Bis zu 24 Bänder in einer Instanz, Brickwall-Filter für sehr steile (> 96 db pro Oktave) Filterkurven, Mid/Side-Bearbeitung pro Band und viele weitere Features machen den Pro-Q3 zu einem der besten EQs auf dem Markt. In Version 3 wurde außerdem aus Pro-Q ein waschechter Dynamik-EQ. Jedes Band kann in jeder Bandart (Pass, Shelve, Bell) dynamisch, also auf dem Pegel des Eingangssignals basierend, arbeiten. 

Alternativen: DMG Equilibrium, TDR Nova (GE), Voxengo PrimeEQ.

Mehr Features – iZotope Ozone 9 EQ / Neutron 3 EQ

Die EQs des Channel Strips Neutron 3 und der Masteringsuite Ozone 9 empfehlen wir beide, sind sie doch durch die Inter-Plugin-Kommunikation sowieso eng miteinander verbunden.

Beide sind Teil der üppigen Music Production Suite 4 und neben Features wie dynamischen Bändern, verschiedenen Filtertypen und KI-gestützten Mixing-Assistenten ist vor allem die De-Masking-Funktion von Neutron 3 im EQ-Produktionsalltag erwähnenswert. Die verschiedenen Plugin-Instanzen von Neutron erkennen einander in einem DAW-Projekt und ermöglichen es, sich Anzeigen zu lassen wie Frequenzen zweier Spuren sich überlagern. Ferner kann man diese natürlich auch gleich direkt aus den unterschiedlichen Instanz heraus abdämpfen und anheben!

Schlaue EQs I – Oeksound Soothe 2

Mühsam durch das Frequenzspektrum fahren, um Resonanzen zu finden, Master- oder Buss-EQ-Frequenzen sanft anheben oder dämpfen – eine wachsende Zahl an Plugins verspricht hier automatische Hilfe. Und zwar anders als die Mix-Assistenten von iZotopes Plugins. Soothe 2 von Oeksound kann so gezielt und so chirurgisch in die Raumresonanzen und Obertöne eines Signals eingreifen, wie es mit einem klassischen EQ nicht möglich ist. Version 2 brachte eine komplett überarbeitete Engine und zusätzliche Einstellungen. Wer einmal eine muffelige Gesangsaufnahme oder arg resonante Gitarrenspuren mit Soothe 2 gezähmt hat, wird das Plugin nicht mehr missen wollen.

Alternativen: Sonible Smart:EQ2, Melda MSpectralDynamics

Schlaue EQs II – Soundtheory Gullfoss

Was, wenn man ein Werkzeug hätte, das von selbst erkennt, wo sich Frequenzen überlagern? Und in einem Mix dann dämpft, was zu dominant ist und hervorhebt, was verloren geht – von ganz allein?! Gullfoss von Soundtheory tut genau das. Mit nur drei Parametern kann man einstellen, wie Gullfoss arbeitet: Hervorheben, was überlagert wird (Recover), dämpfen, was zu laut ist (Tame), ob mehr gedämpft oder hervorgehoben werden soll (Bias). Welche Frequenzen bearbeitet werden, „entscheidet“ das Plugin selbst.  

Alternativen: Voxengo TEOTE, iZotope Ozone 9 Spectral Shaper

Unsere Empfehlungen

Empfehlung "Preis/Leistung"

Analog EQs I – Pultec, API, Neve und Co.

Emulationen von EQs aus analogem Studioequipment gibt es fast so viele wie von Kompressoren. In der digitalen Welt sollte man sich aber genauer klarmachen, wozu man nun diese oder jene Neve- oder API-Emulation statt des internen EQs benutzt. Fast alle Emulationen bringen verschieden ausgeprägte "analoge Artefakte" in Form von Sättigungswärme, Rauschanteil oder sanfte Verzerrungen mit, die allein schon für eine Veränderung des Sounds sorgen. Dazu sind sie meistens reine Abbildungen des Studioequipments, anders als die DAW-EQs wird eine Anhebung oder eine Filterposition nicht nochmal in einem Analyzer angezeigt. Der wichtigste Faktor aber ist die Art und Weise, wie Frequenzen angehoben werden, welche Besonderheiten jedes verfügbare "Vintage-Band" also hat.

Analog EQs II – Pultec EQP-1A: Ignite Amps Pteq-X

Was der 1176er bei den Kompressoren ist, ist der Pultec EQP-1A bei den Studioequalizern. Für keinen anderen Equalizer gibt es so viele Emulationen. Hier ist vor allem der „Pultec Trick“, bei dem um eine Bassfequenz gleichzeitig gesenkt und angehoben wird, ein bei einem Standard-EQ nicht immer ganz so einfacher Effekt. Hier empfehlen wir den „Ignite Amps Pteq-X“, der neben dem EQP-1A noch zwei weitere Pultec-EQs in einem Plugin vereinigt – und das kostenlos! Ob ihr die Bassfrequenzen besonders weich dämpfen, die hohen Frequenzen eurer Perkussionsgruppe anheben oder die Mitten eines hohlen Gitarrensignals bearbeiten wollt – mit dieser Pultec-Emulation klingt es wie bei den Profis!  

Alternativen: UAD Pultec Passive EQ Collection, Waves Puigtec EQs, Softube Tube-Tech Equalizer Edition

Analog EQs III – Neve 1073: Sonimus Burnley 73

Der Preamp 1073 und sein Nachfolger 1084 von Neve lassen die Herzen aller Studiomenschen höherschlagen. Meistens reicht es, ein Signal einfach durch den Vorverstärker durchzuschicken, schon klingt es voller, wärmer und präsenter. Dazu bringen die PreAmps und ihre Emulationen aber immer einen Drei-Band-EQ mit: Ein High-Shelf-, ein Bell und ein Low-Shelf-Band. Allein, welchen Druck die Bassfrequenzen eines Signals schon bei leichter Anhebung im 1073 entwickeln können, ohne zu verzerren oder mumpfig zu klingen, macht den EQ und Preamp zu einem mächtigen Mixwerkzeug. Und die gerade erst vor zwölf Monaten erschienene Emulation „Burnley 73“ von Sonimus im kommt diesem Analogsound besonders nah. 

Alternativen: Arturia 1973-Pre, Slate Virtual FG-N im Virtual Mix Rack, Waves Scheps 73, UAD Neve 1073 Preamp & EQ Collection

Analog EQs IV – Siemens W295b: Soundtoys Sie-Q

Neben den großen Klassikern, zu denen neben den genannten auch mindestens noch die Channel Strips von SSL und die diversen Emulationen gehören, hat sich der „Sie-Q“ der Effektspezialisten Soundtoys zu einem echten Liebling gemausert. Soundtoys sind vor allem für ihr „Effect Rack“ und ihr Bundle „Soundtoys 5“ mit Klassikern wie dem Delay „Echoboy“ oder dem Sättiger „Decapitator“ bekannt. Basierend auf dem Siemens w295b ist der „Sie-Q“ mit seinen drei Bändern als Veredelter von Mixbussen genauso hervorragend geeignet wie für das zarte Verstärken vom Hihat-Zischen oder das Anwärmen von kalten Synthsounds.  

Alternativen: TDR VOS Slick-EQ

Verwandte Artikel

User Kommentare