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Mixing #4 – EQ-Nutzung

So, ihr seid nach den ersten Teilen des Online-Workshops in den Startlöchern…!? Jetzt wird gedreht und geregelt! Vielleicht zunächst folgende Überlegung: Wenn man sich einem analogen Mischpult von der Ferne aus nähert, fällt vor allem auf, dass die Fader, die quasi das Level jedes Kanals regeln, sehr viel Platz einnehmen.

The Levellers

Tatsächlich ist das simple Laut- und Leisemachen eine der wichtigsten Aufgaben. Nun gut, für diese Weisheit braucht ihr sicher kein Tutorial. Aber wenn ihr schon einmal versucht habt, nur über die Lautstärke eine packende Mischung zu erzeugen, werdet ihr in den meisten Fällen keine wirklich zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt haben. Aber dennoch: Richtet euch zum Start so ein, dass schon mit den reinen Pegeln ein möglichst ausgeglichenes Klangbild entsteht. Versucht herauszufinden, ob ein Signal zu laut ist und verringert es ein wenig im Level. Das ist meist besser als die Spirale, immer alles lauter machen zu wollen. Wenn ihr dennoch erhöht, achtet auf “Headroom”, also genügend Platz nach oben: Es sollte die Möglichkeit geben, den Pegel insgesamt noch zu erhöhen, ohne in den Bereich von Verzerrungen zu kommen. Haltet also die Pegelanzeige der Summe im Auge. Bei Pegelanzeigen seit ihr meist auf der sicheren Seite, wenn die oberen LEDs nicht leuchten, besonders die roten (“Over”) sollten in keinem Fall aufblinken. Zu gering sollte der entstehende Pegel auch nicht sein, dadurch würdet ihr qualitativ viel verschenken. 

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Fotostrecke: 3 Bilder Das einfachste und wichtigste Werkzeug: Fader, um das Level einzustellen.
Fotostrecke

Equalizer: wie ein erweiterter Lautstärkeregler

Versucht folgende Vorgehensweise: Hört bei der Mischung nicht nur darauf, welches Signal zu laut oder zu leise erscheint, sondern konzentriert euch auch darauf, welcher Frequenzbereich in einem Signal störend sein könnte oder zu schwach ist. Was stört? Welcher Bestandteil des Signals ist verzichtbar? Ist die Snare zu scharf? Fehlt es dem Bass an Durchsetzungskraft bzw. Attack, der Bassdrum an Fundament? Wollt ihr aus klangästhetischen Gründen dem Gesang ein wenig Biss nehmen, bei den Toms einen etwas knalligeren Anschlag herausarbeiten? Mit einem parametrischen Equalizer, der über die Regler Gain, Frequenz und Bandbreite verfügt, ist man den meisten Aufgaben gewachsen. Die Bedienung eines EQs mit diesen drei Parametern ist recht einfach. Mit Frequenz setzt man den Punkt der größten Absenkung oder Anhebung des symmetrischen Filters, also die Mittenfrequenz. Wenn ihr euch im Frequenzband noch nicht so richtig zurechtfindet, dann vergesst die Zahlen zunächst und sucht einfach nach Gehör. Mit ein wenig Übung kommt der Rest von selbst. Gain bestimmt, wie stark angehoben oder abgesenkt wird. Q-Faktor oder Bandbreite ist ebenfalls nicht kompliziert: Hier wird bestimmt, wie breit um die Mittenfrequenz herum das einzelne EQ-Band arbeitet. Als Faustregel gilt, dass man beim Anheben meist eher breitbandig, beim Absenken eher schmalbandig vorgeht. Aber Achtung: Gerade bei hohen Gain- und Q-Einstellungen (also schmalbandigem Eingriff) können EQs schnell merkwürdig phasig und unnatürlich klingen! Egal ob ihr anheben oder absenken wollt, versucht zunächst, euch mit einem schmalen EQ-Band (also mit sehrhohem Q-Faktor) und hohem Gain mit “Frequenz” durch das Material zu sweepen. Hier erkennt ihr schnell, was es zu tun gibt! 
Achtet im folgenden Beispiel mal darauf, wie sich die Wirkung ändert. Dass die Snare durch den recht breiten 6dB-Boost bei 1,2 kHz (also “mitten in den Mitten”) ein Stück nach vorne rückt, ist offensichtlich, doch beachtet auch den Anschlagsound der Bassdrum, Hi-Hats und Toms:

Audio Samples
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Drums unbearbeitet Drums mit EQ

Shelf- und Cut-Filter

Es gibt weitere Frequenzbearbeitungen als den parametrischen Equalizer. Ein Shelf (auch „Shelving-EQ“ oder „Kuhschwanzfilter“) beispielsweise hebt ab („High Shelf“) einer oder bis („Low Shelf“) zu einer bestimmten Frequenz an. Oft bietet er die Frequenz zur Auswahl und das Gain. Im Gegensatz zum High- Oder Low-Shelf-EQ schneidet ein High- oder Lowpass-Filter wirklich ganze Frequenzbereiche heraus. Benötigt wird das vor allem im Bassbereich (also „Low Cut“, auch „High Pass“ genannt), da viele Signale auch ohne Tiefbassanteile im Mix sehr gut funktionieren. Gebt entweder dem Bass oder der Bassdrum den tiefsten Bereich, darüber dann das jeweils andere Instrument. Probiert mal aus, wie gut es einem Mix tut, wenn Gitarren etwas Fundament genommen wird, aber auch Keyboards, Stimmen und vielen anderen Instrumenten. Die Mischung klingt dann schnell transparenter, aufgeräumter und druckvoller. Versucht zunächst, mit flachen Filtern auszukommen (6 oder 12 dB/oct, auch 1- oder 2-pol genannt) und vermeidet steilere Filterkurven von über 18 dB/oct.

It’s all about context

Das Signal alleine klingt gut? Es klingt schlecht? Das ist alles ziemlich unerheblich, denn es muss schließlich im Mix funktionieren. Und deswegen solltet ihr oft einfach mal den Solo-Button ausgeschaltet lassen und im Kontext hören. Es ist erstaunlich, wie gut auch sehr schmalbandige Signale in der Mischung klingen können. Ein stark höhenarmer Gesang, ein sehr mumpfiger Bass oder eine topfige Snare mögen euch solo gehört die Nackenhaare kräuseln lassen, im Mix jedoch absolut ideal sein. Eine extrem mittige, schmalbandige Rhythmusgitarre ergänzt sich oft gut mit einer “Mid Scoop”-Gitarre, die fast nur noch aus Bässen und Höhen besteht. Wichtig auch: Meistens ist es nachteilig, wenn einzelne Signale zwar schön dick und fett sind, dann aber wegfallen, nach einem Solo beispielsweise. Wenn sie dann eine Lücke hinterlassen, ist niemandem geholfen.

Typischer Papaspruch: Übung macht den Meister

Sorry, aber es stimmt: Je häufiger ihr mit EQs arbeitet, desto besser lernt ihr sie kennen – vor allem auch die Signale. Üben kann man nicht genug! Bearbeitet Signale auch öfters einmal zum Kennenlernen, und nicht, um eine Mischung zu erstellen. Arbeitet mit Frequenz, Gain und Q-Faktor, stellt ein, verändert und hört, wo im Frequenzspektrum welche Bestandteile üblicherweise zu finden sind und welche Auswirkungen schon geringe Änderungen haben. Und noch etwas: Wenn ihr wirklich extrem eingreifen müsst, um das Signal mixfähig zu machen, habt ihr beim Aufnehmen etwas falsch gemacht. Bei der Arbeit mit Libraries ist es oftmals sinnvoller, nach neuen Sounds zu suchen, als mit harten Bandagen zu equalizen. 
Die nächste Folge behandelt den Kompressor! 

Hier geht es zur Serien-Startseite

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von Nick Mavridis

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Profilbild von friedrich

friedrich sagt:

#1 - 22.07.2015 um 17:37 Uhr

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hi nick, sehr cool erklärt und die drums klingen auch schön fett. wo hast du das schlagzeug aufgenommen?

    Profilbild von Nick (Redaktion Recording)

    Nick (Redaktion Recording) sagt:

    #1.1 - 22.07.2015 um 17:45 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hallo Friedrich,dankeschön. Das ist im Studio "Fette Eins" in Köln – Drummer ist unser Drums-Redakteur Chris Behm (der auch sehr ordentlich stimmen kann…).Beste Grüße,
    Nick

    Antwort auf #1 von friedrich

    Antworten Melden Empfehlen
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