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18.06.2019

Die besten Audio-Interfaces für Bands

Das richtige Equipment für den Band-Proberaum und das Projektstudio

Fit für das Band-Recording!

Wer die eigene Band im Proberaum oder Projektstudio aufnehmen will, der braucht ein Audio-Interface, das mit seiner Ausstattung den technischen Voraussetzungen entspricht. Und diese Voraussetzungen können je nach Besetzung, Musikstil und Vorgehensweise sehr unterschiedlich ausfallen. So lässt sich ein Akustik-Trio mit einer verhältnismäßig schlanken Grundausstattung ganz ohne nachträgliche Overdubs live aufnehmen. Bei Rock-Bands, die ein modernes Klangideal verfolgen, werden dagegen meist schon alleine die Drums mit einer Armada verschiedener Mikrofone abgenommen. Das setzt entsprechend viele Vorverstärker voraus. Zusätzlich ist vor allem bei Live-Aufnahmen das Monitoring für mehrere Musiker ein wichtiges Thema!

In diesem Artikel möchten wir drei aktuelle Modelle für unterschiedliche Szenarien zwischen minimalistischem Recording und kleiner Materialschlacht vorstellen und dabei einige Gedanken zur Recording-Praxis einfließen lassen. Die Auswahl an vergleichbaren Audio-Interfaces ist natürlich allgemein sehr groß, und selbstverständlich gibt es durchaus funktionale Alternativen zu unseren Empfehlungen.

GENERELLE ÜBERLEGUNGEN

Anzahl von Vorverstärkern und Möglichkeiten zur Erweiterung

Wer fit fürs Band-Recording sein will, der benötigt neben einem akustisch möglichst optimierten Aufnahmeraum und einem Sortiment an Studiomikrofonen in der Regel ein Audio-Interface mit mindestens acht Vorverstärkern zum Anschluss von Mikrofonen. Mit dieser – gemessen an der Aufgabe – noch recht geringen Anzahl von Kanälen ist es beispielsweise möglich, ein sparsam mikrofoniertes Schlagzeug aufzunehmen und sich bei nachträglichen Overdubs um den Rest der Band zu kümmern. Auch das Live-Recording einer kleinen Jazz-Combo ist mit acht Kanälen durchaus denkbar. Wer dagegen einen modernen und möglichst druckvollen Drumsound einfangen will, der sollte je nach Umfang des Kits mit mindestens zehn bis zwölf Kanälen für die verschiedenen Close- und Ambience-Mics rechnen. Und wenn man sich dabei einen gewissen Spielraum für eventuelle Experimente bewahren will, dann ist man mit 16 Mikrofoneingängen gut aufgestellt und kann eventuell gleichzeitig noch einen E-Bass mit aufnehmen.

Da es verhältnismäßig wenige Interfaces am Markt gibt, die von vornherein mit mehr als acht Vorverstärkern ausgestattet sind, empfiehlt es sich, weitere Preamps entweder ganz traditionell analog über Line-Eingänge oder aber über eine Digitalschnittstelle wie ADAT anzubinden. Letztere Variante ist vor allem deshalb komfortabel, da sich die Anzahl der nötigen Kabelverbindungen minimiert. Zu beachten ist allerdings, dass das ADAT-Protokoll bei einer Sample-Rate von bis zu 48 kHz zwar acht Kanäle durch ein Lightpipe-Kabel schicken kann, bei höheren Abtastraten aber im "S/MUX"-Modus nur noch vier bzw. oberhalb von 96 kHz nur noch zwei Kanäle übertragen werden können. Aus diesem Grund bieten beispielsweise achtfache Preamp-Module, die mit ihrer internen Wandlung oberhalb von 48 kHz arbeiten, eine zweite ADAT-Schnittstelle (Stichwort: Dual S/MUX). Damit ist es möglich, auch bei 96 kHz noch alle acht Kanäle zu streamen. Bei 48 kHz zu arbeiten, ist aber auch im Jahr 2019 noch vollkommen in Ordnung, und wenn es offensichtliche Probleme bei der Klangqualität einer Aufnahme gibt, dann liegt das in der Regel nicht zuerst an einer vermeintlich „zu niedrigen“ Sample-Rate, sondern hat ganz andere Gründe.

Wer auf derlei Einschränkungen allgemein keine Lust und zudem das nötige Kleingeld hat, der kann natürlich auch zu einem Audio-Interface greifen, dass sich mit mehreren seiner Artgenossen kaskadieren lässt. Als Beispiele wären in dieser Hinsicht einige Modelle von RME sowie die Apollo-Serie von Universal Audio zu nennen. Und auch die Verwendung eines von vornherein mit mehr Kanälen ausgestatteten Mischpults mit integriertem Interface ist eine Möglichkeit. Noch umfangreichere Audio-Netzwerksysteme MADI, Dante, Ravenna oder AVB sind dagegen fast schon eine Nummer zu groß für Proberaum und Projektstudio, im Prinzip aber natürlich ebenfalls denkbar.

Die internen Vorverstärker von Audio-Interfaces und die zugehörigen Preamp-Module zur Erweiterung verfolgen in der Regel ein verhältnismäßig neutrales Klangideal. Auch wenn sie sich untereinander klanglich durchaus voneinander unterscheiden, handelt es sich bei offensichtlich färbenden Preamps (siehe z.B. API oder Neve) um ein anderes Kapitel.

Für Live-Aufnahmen: Wie viele Monitorwege werden benötigt?

Wenn mehrere Musiker gleichzeitig einspielen und über geschlossene Studiokopfhörer oder In-Ears mit ihren eigenen persönlichen Monitor-Mix versorgt werden wollen, dann sollte man die Anzahl der analogen Ausgänge eines Audio-Interfaces beachten. Von einigen Geräten werden von vornherein zwei Kopfhörerausgänge geboten, die separat adressierbar sind und folglich mit unterschiedlichen Mixes beschickt werden können – und natürlich ist es nicht unüblich, dass sich mehrere Musiker einen Monitorweg teilen. Wer sich trotzdem noch mehr Wege wünscht, der braucht entsprechend viele Line-Outs und zudem externe Kopfhörerverstärker. Und natürlich sind ein flexibler Software-Mixer oder sogar ein echtes und anfassbares Mischpult als Alternative zum Audio-Interface in dieser Hinsicht vorteilhaft.

Software-Effekte und Latenz

Ein durchaus gängiger Weg zum Aufnehmen von E-Bass und/oder E-Gitarre ist, die Instrumente direkt mit einem Instrumenteneingang des Audio-Interfaces zu verbinden und den Klang von Verstärkern über Amp-Simulationen zu erzeugen. In dem Moment, in dem man beginnt, solche Effekt-Plug-Ins aus der DAW zum Abhören zu verwenden, wird die Latenz, die durch die nötigen Berechnungen und die AD/DA-Wandlung des Signals entsteht, zu einem wesentlichen Thema. An einem optimal konfigurierten Rechner kann ein USB-2.0-Interface zum Erreichen akzeptabler Werte vollständig ausreichen. Thunderbolt-Interfaces stehen aber grundsätzlich im Ruf, noch eine ganze Ecke schneller, gleichzeitig aber natürlich auch teurer zu sein. Audio-Interfaces mit internem DSP versprechen dagegen faktisch latenzfreie Effekte, deren Einsatz in vielen Fällen aber nur zum Monitoring sinnvoll ist. Gerade wenn es um Amp-Simulation geht, ist man mit spezialisierten Effekten aus dem Rechner in der Regel besser bedient, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen (siehe Universal Audio Apollo).

UNSERE EMPFEHLUNGEN

Erweiterbare Basisausstattung: Focusrite Scarlett 18i20

Gute Ausstattung zu einem ausgesprochen fairen Preis erhält man mit der größten Ausbaustufe aus der Scarlett-Serie des Herstellers Focusrite. Mit seinen acht internen Vorverstärkern (bis 50 dB Gain) kann das 18i20 beispielsweise schon bei der Live-Aufnahme eines sparsam mikrofonierten Jazz-Trios eine gute Figur machen. Die ersten beiden Mikrofoneingänge können auf Knopfdruck zu Instrumenteneingängen umgeschaltet werden, und die Latenz liegt für ein USB-2.0-Interface im absolut akzeptablen Bereich.

Erweiterbare Basisausstattung

Zu beachten ist, dass das 18i20 keine zusätzlichen Line-Ins sondern kombinierte Mic/Line-Eingänge bietet, die je nach Verwendung eines XLR- oder Klinken-Steckers den Preamp ein- oder ausschließen. Beim Direktanschluss von Line-Quellen wie Keyboards, die eigentlich keine Vorverstärkung benötigen, opfert man also wertvolle Mikrofoneingänge. Wer das Interface mit dem dazu passenden Focusrite Scarlett OctoPre über ADAT auf insgesamt 16 Eingänge erweitert, der kann sich damit aber möglicherweise arrangieren. Ausgangsseitig finden sich neben einem Main-Out weitere acht Line-Ausgänge und zwei separat adressierbare Kopfhörerausgänge. Aufgrund der Mehrfachnutzung von Wandlern sind insgesamt bis zu vier Monitorwege möglich. Unter dem Strich handelt es sich hier um ein verhältnismäßig günstiges und funktionales Paket zur Band-Aufnahme, das sich auch in Hinblick auf die enthaltene Software nicht lumpen lässt!

Flexibilität und DSP-Power mit der Universal Audio Apollo-Serie

Sowohl unter Windows als auch unter macOS lassen sich bis zu vier Audio-Interfaces aus der Apollo-Serie von Universal Audio kaskadieren, und dabei können sogar unterschiedliche Modelle miteinander kombiniert werden. So kommt man beispielsweise mit einem Apollo x8 im Verbund mit einem Apollo x8p auf insgesamt 12 Preamps (bis zu 65 dB Gain) und eine üppige Ausstattung an weiteren sowohl analogen als auch digitalen Ein- und Ausgängen – und all das bei Abtastraten bis zu 192 kHz und Wandlern der Spitzenklasse.

Flexibilität und DSP-Power

Auch das Universal Audio Apollo x8p und x8 sind wie das x16 interessante Produkte, die sich durch Art und Anzahl der Inputs unterscheiden:

Universal Audio Apollo x8p im Thomann-Shop

Universal Audio Apollo x8 im Thomann-Shop

Ein weiterer ganz wesentlicher Punkt bei den Apollo-Interfaces sind natürlich die integrierten DSP-Chips, die es erlauben, die proprietären UAD-Plug-Ins faktisch latenzfrei bei der Aufnahme zu einzusetzen. Im Falle einiger Preamp- und Amp-Simulationen sorgt die Unison-Technologie dafür, dass die Impedanz der Preamps angepasst wird, um ein möglichst effektives Zusammenarbeiten von Hardware und Software zu erreichen. Und auch wenn einmal native Plug-Ins aus dem Rechner verwendet werden, erreichen die Apollos mit ihrer Thunderbolt-Schnittstelle in Sachen Latenz absolute Spitzenwerte. Es handelt sich hier um hoch professionelles Equipment, das man allerdings auch bezahlen können muss – und dies gilt sowohl für die Hardware als auch die zusätzliche Software. In jedem Fall sollte man vor dem Kauf überprüfen, ob der eigene Rechner Thunderbolt 3 unterstützt!

Günstiges Digitalpult mit Audio-Interface: Behringer X32

Mit dem fast schon verboten günstigen Behringer X32 erhält man eine in sich geschlossene Komplettlösung für die Aufnahme einer Band über bis zu 32 Mic/Line-Eingänge – und natürlich lässt sich ein solches Digitalpult mit integriertem Audio-Interface (USB 2.0) auch in vielen anderen Situationen verwenden. Wer keinen gesteigerten Wert auf Mobilität legt und im Gegenzug die Vorzüge von vielen anfassbaren Bedienelementen zu schätzen weiß, der bekommt hier ein durch und durch rundes Produkt, das trotz seines geringen Preises mit Qualität zu überzeugen weiß. Die Einschränkung, dass es neben einem AES/EBU-Port keine weiteren digitalen Schnittstellen zur Erweiterung gibt, dürfte im Proberaum und Projektstudio akzeptabel sein.

Günstiges Digitalpult mit Audio-Interface

Da das Pult durchaus vielschichtig strukturiert ist, sollten nicht nur Recording-Einsteiger eine gewisse Einarbeitungszeit mit einberechnen, um bei Aufnahmen ein nahtloses Zusammenspiel mit der DAW und flüssiges erstellen von Monitor-Mixes zu erreichen. Wenn man sich hinter den Fadern des X32 einmal zuhause fühlt, dann ist es aber gerade für Bands, die Live einspielen wollen, eine sehr gute Wahl.

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