Die besten Audio-Interfaces für Schlagzeuger

Audio-Interface für Schlagzeuger: Ob es nun um Drum-Tracks für eine umfangreiche Album-Produktion oder um einfaches Drum-Cover für YouTube geht – ein akustisches Schlagzeug aufzunehmen, gehört fraglos zu den größten Herausforderungen, denen man sich im Bereich des Recordings stellen kann.

(Bild: Shutterstock / Syda Productions)
(Bild: Shutterstock / Syda Productions)

Oftmals werden bei der Mikrofonierung Parallelen zum gewaltigen Klangkörper eines Orchesters gezogen. Wenn man die vielfältigen Klangeigenschaften von Kick, Snare, Toms und Becken betrachtet und miteinbezieht, dass hier das gesamte hörbare Spektrum abgedeckt wird, dann ist dieser Vergleich nicht unangemessen.
Die Voraussetzungen für einen guten Drumsound sind vielfältig und beginnen bei einem gut klingenden Drumset und einem Musiker, der selbiges entsprechend gut bedienen kann. Gerade bei Drums ist der Klang des Aufnahmeraums äußerst prägend, und natürlich spielt auch die Auswahl und Platzierung der verwendeten Mikrofone eine große Rolle. Ein Audio-Interface sollte bei alledem zunächst die technischen Anforderungen erfüllen. Wenn die oben genannten Faktoren harmonieren, kann es dem Gesamtklang mit hochwertigen Vorverstärkern und Wandlern aber durchaus ein Krönchen aufsetzen. Im Folgenden wollen wir einige Empfehlungen aussprechen, die für anhaltendes Schlagzeugerglück sorgen sollten.

Interfaces für Drummer: Generelle Überlegungen

Wesentlichstes Kriterium: Anzahl der Mikrofoneingänge

Fakt ist, dass man nicht zwangsweise viele Kanäle benötigt, um einen guten Drumsound einzufangen. Wie man in unserer Video-Workshop-Serie zum Thema Drum-Recording sieht, kann man bereits mit drei oder vier Mikrofonen überzeugende Ergebnisse erreichen. Sich als Drummer auf solche minimalistischen Aufnahmetechniken zu beschränken und sich den Raum für Experimente mit umfangreicheren Setups zu nehmen, wäre aber wenig sinnvoll. Dementsprechend empfiehlt es sich, ein Audio-Interface mit mindestens acht Mikrofonvorverstärkern zu wählen und dabei auf zusätzliche Erweiterbarkeit zu achten. Wer nach Inspiration zur Auswahl von Mikrofonen sucht, der sollte einen Blick auf unseren Artikel zu den Studiostandards bei Drum-Mikrofonen und auf unseren Testmarathon Drum-Mikrofonkoffer werfen.

Auch wenn man zunächst nur minimalistische Aufnahmeverfahren à la Recorderman oder Glyn-Johns-Technik plant, macht es Sinn, sich für ein Audio-Interface mit einem Minimum von acht Mikrofoneingängen zu entscheiden. Das hier abgebildete Tascam US-18×08 ist eine ausgesprochen günstige Lösung.

Audio-Interface für Schlagzeuger: Möglichkeiten zur Erweiterung

Ein gängiger Weg, ein Audio-Interface zu erweitern, ist die Verwendung der digitalen ADAT-Schnittstelle. Diese ermöglicht es, externe Preamp-Module mit bis zu acht Kanälen ganz unkompliziert über ein optisches Kabel anzubinden. Kombiniert man ein Interface mit acht Vorverstärkern mit einem solchen Achtfach-Preamp, dann lassen sich auch größere Drumkits umfangreich mikrofonieren. Zu beachten ist hierbei, dass die ADAT-Schnittstelle bei Sample-Rates oberhalb von 48 kHz nur noch vier, bzw. oberhalb von 96 kHz nur noch zwei Kanäle streamen kann. Abhilfe schafft bei manchen Interfaces ein doppelter ADAT-Port (Dual S/MUX), wodurch auch bei 96 kHz noch die vollen acht Kanäle möglich sind.

In Zeiten von hohen Sample-Rates ist es sehr zu begrüßen, wenn ein Audio-Interface Dual S/MUX unterstützt und damit auch bei 96 kHz noch das Streaming von acht Kanälen über ADAT ermöglicht. In diesem Fall handelt es sich um das Focusrite Scarlett 18i20 aus der dritten Generation.

Alternativ zur Erweiterung über ADAT bieten manche Hersteller wie RME und Universal Audio die Möglichkeit, ihre Audio-Interfaces zu kaskadieren – also mehrere Interfaces gleichzeitig zu nutzen. Dieser Weg ist meist verhältnismäßig teuer, sorgt aber für Flexibilität beim Zusammenstellen einer modularen Studio-Ausstattung. Nicht zu vergessen ist bei alledem, dass auch die analogen Line-Eingänge eines Audio-Interfaces verwendet werden können, um externe Preamps anzuschließen.

Hochwertige Audio-Interfaces und zugehörige Preamp-Module bieten mit ihren Preamps in der Regel einen weitgehend neutralen Klang. Nicht nur beim Drum-Recording kann es jedoch sehr reizvoll sein, offensichtlich färbende Vorverstärker einzusetzen, die den einzelnen Kanälen einen eindeutigen klanglichen Stempel aufdrücken. Für Drums sind Modelle von API oder Neve sehr beliebt (natürlich auch Clones), und auch verschiedene Röhrenvorstufen können mit ihrem tendenziell weicheren Grundklang für hervorragende Ergebnisse sorgen. Solche spezialisierten Preamps verfügen eher selten über interne Wandlung und werden meist über die analogen Line-Eingänge eines Audio-Interfaces angebunden. 

Für weitere digitale Audio-Schnittstellen wie S/PDIF oder AES/EBU findet sich in der Praxis eher selten eine Verwendung. Ein integriertes MIDI-Interface kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn man elektronische Elemente mit einer entsprechenden Schnittstelle in sein Set integrieren möchte, um im Sinne von Hybrid-Drumming Sounds aus dem Rechner anzusteuern. Wer Trigger-Module wie das Roland TM-1 verwendet, der kann diese natürlich auch ganz direkt über Audio-Verbindungen aufnehmen und sollte bei der Planung entsprechend viele Line-Eingänge dafür reservieren. Natürlich ist Drum-Replacement bzw. Drum-Enhancement aber auch im Nachhinein über spezialisierte Plug-ins möglich.

Wer zusätzlich Drum-Pads oder Trigger aufnehmen will, der kann sich bei der Verwendung eines entsprechendes Moduls für MIDI-Daten oder Audio (oder oft auch beides gleichzeitig) entscheiden. Das hier abgebildete Roland TM-1 bietet neben zwei Line-Outs die Möglichkeit, MIDI über USB an den Rechner zu schicken.

Ein bei aktuellen Interfaces oft anzutreffendes Feature ist ein interner DSP zur faktisch latenzfreien Berechnung von Effekten. Ein solcher kann hilfreich sein, wenn man bei der Aufnahme beispielsweise über ein In-Ear-System abhört, das den Direktschall der Drums weitgehend eliminiert – in diesem Fall können ein wenig EQ und Kompression auf einzelnen Kanälen durchaus einen Unterschied machen. Bei der Verwendung von Kopfhörern sind die Drums meist aber noch so klar hörbar, dass dem Monitoring während der Aufnahme eher eine unterstützende Rolle zukommt.

Latenz beim Drum-Recording

Jedes Audio-Interface benötigt einige Millisekunden, um zwischen der Welt der analogen und digitalen Signale zu übersetzen – und diese kurze Verzögerung bezeichnet man bekanntlich als Latenz. Allgemein sind gute Latenzwerte (also eine schnelle AD/DA-Wandlung und somit geringe Verzögerung) eine höchst wünschenswerte Eigenschaft von Audio-Interfaces. Sie äußern sich aber natürlich erst dann, wenn ein Signal auch wirklich gewandelt werden muss – beispielsweise um eine Effektbearbeitung über Plug-ins (z.B. mit einem virtuellen Gitarren-Amp) durchzuführen.

Der virtuelle Mixer des Focusrite Scarlett 18i20. Da es beim Drum-Recording in der Regel vollkommen ausreicht, die analogen Signale ohne weitere Effektbearbeitung aus dem Rechner mitzuhören, spielt Latenz keine übergeordnete Rolle.

Beim direkten Mithören der analogen Signale aus den Mikrofonen, wie es für das Drum-Recording in der Regel vollkommen ausreicht, spielt die Latenz also keine so wesentliche Rolle wie bei anderen Anwendungen. Trotzdem ist es natürlich kein Fehler, sich für ein Interface zu entscheiden, das in dieser Disziplin gut aufgestellt ist.

INTERFACES FÜR DRUMMER: UNSERE EMPFEHLUNGEN

Hochwertig und nicht zu teuer: Focusrite Scarlett 18i20

Das Focusrite Scarlett 18i20 aus der dritten Generation ist ein ausgesprochen vielseitiges USB 2.0 Audio-Interface aus dem mittleren Preisbereich, das acht interne Vorverstärker (bis zu 56 dB Gain) und Erweiterbarkeit um acht Kanäle über ADAT (inklusive Dual S/MUX) bietet. Wer das Interface mit einem externen Achtfach-Preamp wie beispielsweise dem Focusrite OctoPre erweitert, der kommt also auf stolze 16 Kanäle bei bis zu 96 kHz. Eine spezielle Eigenschaft ist die analoge Air-Schaltung der internen Preamps, die beim Drum-Recording zum Experimentieren mit unterschiedlichen Kanälen einlädt.

Focusrite Scarlett 18i20 3rd Gen. Test Artikelbild
Focusrite Scarlett 18i20 3rd Gen. Test

Die beliebte Interface-Serie geht in die dritte Generation. Das 18i20 ist das größte Gerät – und leistet viel für kleines Geld!

17.09.2019
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Focusrite Scarlett 18i20 3rd Gen
Focusrite Scarlett 18i20 3rd Gen
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Das Scarlett 18i20 bietet zudem einige interessante Extras, zu denen vor allem eine umfangreiche Monitor-Controller-Sektion inklusive Speaker-Toggling zwischen zwei Abhören und internem Talkback-Mikrofon gehört. Das Software-Paket enthält einige sehr hochwertige Plug-ins, die auch für das Mixing von Drums hilfreich sind. Zu beachten ist, dass das Interface ausschließlich auf Mic/Line-Kombieingänge setzt. Wer einen Line-In (z.B. für ein Trigger-Modul oder einen externen Preamp) verwendet, der opfert also gleichzeitig einen Mikrofoneingang.

Alternative aus der Mittelklasse: Audient EVO 16

Eine zweite Option aus der Mittelklasse ist das EVO 16 vom britischen Hersteller Audient. Es handelt sich dabei um ein USB-2.0-Audio-Interface, das ganz ähnlich konfiguriert ist wie das Pendant aus dem Hause Focusrite. Es arbeitet ebenfalls bei 24 Bit/96 kHz, bietet aber in der Tat einen deutlichen Vorteil. Bei 48 kHz lassen sich die beiden ADAT-Ports nämlich nicht nur für acht, sondern für bis zu 16 zusätzliche Kanäle nutzen.

EVO 16 Test Artikelbild
EVO 16 Test

Das größte unter den EVO-Interfaces ist eine preiswerte Alternative zu anderen “großen”. Gibt es einen Haken?

04.11.2022
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EVO 16
EVO 16
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Mit seinen zusätzlichen Monitoring-Funktionen ähnelt das EVO16 ebenfalls dem Scarlett 18i20. Allerdings gibt es hier nur einen Funktionsbutton, dem man z.B. das Talkback oder das Speaker-Toggeling zuweist. Eine Besonderheit ist das Smartgain-Feature zum automatischen Einstellen des Eingangspegels. Gerade als Drummer, der sich selbst aufnimmt, eine feine Sache. Im Gegenzug verzichtet das EVO 16 auf dedizierte Gain-Potis pro Kanal.

Funktionale Low-Budget-Lösung: Tascam US-16×08

Mit dem US-16×08 bietet der Hersteller Tascam ein USB 2.0 Audio-Interface mit acht Preamps (bis zu 56 dB Gain) zu einem ausgesprochen günstigen Preis. Auf digitale Erweiterbarkeit muss man hier verzichten, die acht zusätzlichen Line-Eingänge können aber natürlich genutzt werden, um externe Preamps (z.B. den ebenfalls sehr günstigen Behringer ADA8200 Ultragain

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Tascam US-16×08 Test

Das 96kHz-USB-Interface mit den 16 Inputs ist vor allem eines: presiwert! Aber ist das “günstig” oder “billig”? Wie sieht es mit Latenzen und dem Sound aus?

29.04.2015
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Tascam US-16x08
Tascam US-16×08
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(347)

Auch wenn man sicherlich nicht absoluten Top-Sound erwarten sollte, klingen die Vorverstärker und Wandler des Tascam US-16×08 gemessen am günstigen Preis durchaus sehr gut. Wenn in Hinblick auf das aufzunehmende Instrument, den Raumklang oder die verwendeten Mikrofone ohnehin Kompromisse gemacht werden müssen, dann werden hochwertigere Preamps aller Voraussicht nach nur für marginale Verbesserungen sorgen.

12 hochwertige Preamps: Antelope Orion Studio Synergy Core

Das Antelope Orion Studio Synergy Core ist ein echtes Powerhouse-Interface aus der Oberklasse. Es lässt sich sowohl über Thunderbolt 3 als auch über USB 2.0 anbinden und bietet zwölf hochwertige Preamps mit bis zu 75 dB Gain. Zusammen mit dem zweifachen ADAT-Interface kommt man bei 48 kHz auf bis zu 28 Mikrofoneingänge. Allerdings sollte man beachten, dass es beim USB-Betrieb ein Limit von insgesamt 24 Kanälen gibt. Die internen Wandler gehören zur Referenzklasse und arbeiten bei Auflösungen bis 24 Bit/192kHz. Auch klanglich Spielt das Interface in einer anderen Liga als die bisher genannten Kandidaten.

Antelope Orion Studio Synergy Core Test Artikelbild
Antelope Orion Studio Synergy Core Test

Mit dem Orion Studio Synergy Core erhält das beliebte Thunderbolt/USB-Audio-Interface von Antelope ein drittes Update. Wir haben uns angeschaut, was Antelope dem Orion Studio III alles an Neuerungen unter die Haube gepackt hat.

17.11.2020
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Antelope Orion Studio Synergy Core
Antelope Orion Studio Synergy Core
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(42)

Das Orion bietet reichlich DSP-Reserven und kommt mit einer umfangreichen Plugin-Suite. Grundsätzlich muss man sich bei der Arbeit mit dem Interface auf ein sehr komplexes System einstellen, das nicht immer ganz intuitiv zu bedienen ist.

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