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09.04.2019

Der Aufbau der Gitarre und ihre Teile

Teile der Gitarre richtig benennen

Wissen rund um E-Gitarre, Konzertgitarre und Westerngitarre

Heute soll es um ein paar ganz elementare Vokabeln der Gitarre gehen, denn wir befassen uns mit dem Aufbau dieses beliebten Instruments. Wer beim Kauf auf bestimmte Details Wert legt, wer Ersatzteile braucht oder Parts austauschen möchte, der sollte die richtigen Bezeichnungen kennen.

Für alle, die sich näher mit ihrem Instrument beschäftigen und ihm auf den Grund gehen möchten, haben wir im Folgenden den wichtigsten Teilen von Akustik- und E-Gitarren ihren Namen gegeben und erklären ihre Funktion.

Prinzipiell kann man die Gitarre in drei übergeordnete Parts einteilen, die sich an die Bezeichnung des menschlichen Körpers anlehnen:

Oben befindet sich der Kopf, darunter der Hals und der größte Teil wird vom Körper bzw. Korpus eingenommen. Als vierten übergeordneten Teil kann man bei E-Gitarren noch die Elektrik hinzuzählen.

1. Akustische Gitarren

Bei akustischen Gitarren existieren verschiedene Bauformen, wovon die Konzert- bzw. Nylongitarre und die Western- bzw. Stahlsaiten oder Steelstring-Gitarre sicherlich die populärsten sind. Doch auch andere, wie z.B. sogenannte Gypsy-Gitarren, 12-saitige Ausführungen, sogenannte Resonatorgitarren und viele weitere erfreuen sich großer Beliebtheit und sind in diversen Stilrichtungen anzutreffen.

a) Der Kopf

Die Kopfplatte oder englisch "Headstock" zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass hier die Stimmmechaniken bzw. die Wirbel angebracht sind. Die können entweder vertikal, also nach hinten wie bei Nylonmodellen, oder bei Westernmodellen horizontal, also zur Seite ausgerichtet sein.

Beim Übergang zwischen Kopf und Hals liegt der Sattel, über den die Saiten laufen. Dieser wird traditionell aus Knochen hergestellt, allerdings findet man inzwischen auch sehr häufig Varianten aus Kunststoff oder solche auf Graphitbasis.

In selteneren Fällen liegt bei Akustikgitarren hinter dem Sattel der Zugang zum Einstellstab, mit dessen Hilfe die Krümmung des Halses justiert wird. Weitaus häufiger allerdings liegt die Öffnung am anderen Ende und eingestellt wird über das Schallloch. Konzertgitarren kommen übrigens in der Regel ohne einen solchen Einstellstab aus, weil die Zugstärke von Nylonsaiten weitaus geringer ist als die von Stahlsaiten.

b) Der Hals

Der Gitarrenhals besteht aus drei Komponenten: Dem eigentlichen Halsmaterial, dem Griffbrett, das üblicherweise aufgeleimt ist, und den Bünden mitsamt Bundstäbchen.

Der Hals selbst wird häufig aus Mahagoni oder Ahorn gefertigt, wohingegen für das Griffbrett gerne Ebenholz oder Palisander zum Einsatz kommen, in neuerer Zeit auch moderne Verbundwerkstoffe auf Holzbasis.

Bei Nylongitarren ist das Griffbrett normalerweise flach, wohingegen fast alle Westerngitarren eine leichte Außenwölbung besitzen, den sogenannten Griffbrettradius. Die Bundstäbchen grenzen die einzelnen Bünde ab und bestehen aus Metall, meistens aus Neusilber, Stahl oder Edelstahl. Die meisten Westerngitarren verfügen über 20 oder mehr Bünde und der Übergang vom Hals zum Korpus liegt traditionell am 14. Bund, Konzertgitarren besitzen meist 18 oder 19 Bünde mit Korpusbeginn am 12. Bund.

c) Der Korpus

Der Korpus selbst ist wiederum in verschiedene Elemente unterteilt: Obenauf die Decke samt Schallloch und Rosette, seitlich die Zargen, unten der Boden und zur Saitenarretierung der Steg.

Für die Decke sind bei Nylongitarren die gebräuchlichsten Holzarten das helle und etwas höhenreicher klingende Fichtenholz oder das etwas wärmere und dunklere Zedernholz. Diese Arten werden auch bei Westerngitarren verbaut, allerdings gesellen sich auch noch gerne das etwas mittiger klingende Mahagoni oder speziellere Arten wie Lorbeer hinzu. Zargen sowie Boden sind meist aus Palisander, Mahagoni, Kirsche oder Ahorn gefertigt.

Weil Holzarten wie zum Beispiel Palisander unter strengem Artenschutz stehen, greifen Gitarrenbauer aktuell unter anderem auch auf heimische Holzarten zurück, und das mit sehr guten klanglichen und optischen Resultaten.

Zum Befestigen der Saiten befindet sich auf dem Korpus der sogenannte Steg. Dort werden bei Nylongitarren die Saiten mithilfe eines Knotens befestigt, bevor sie über die Stegeinlage in Richtung Kopfplatte gespannt werden.

Stegeinlage und Sattel markieren übrigens die Endpunkte der sogenannten Mensur, also die Länge der schwingenden Saite, die je nach Gitarrentyp unterschiedlich sein kann.

Bei Westerngitarren kommen meist Saiten mit sogenanntem Ballend zum Einsatz, einer Kugel, die am Ende der Saite befestigt ist. Diese wird in eine Lochbohrung gesteckt und mit einem Stift aus Holz, Kunststoff oder Knochen festgeklemmt, auch Pin oder Stöckerl genannt:

Die dritte Möglichkeit, die bei bestimmten Gitarren zur Anwendung kommt, sind Saiten mit einer Schlaufe am Ende, das sogenannte Loop-End, das in einen Saitenhalter eingehakt wird:

2. Die E-Gitarre

E-Gitarren unterscheiden sich nicht grundlegend in ihrem Aufbau von akustischen Instrumenten, allerdings gesellen sich einige Besonderheiten hinzu, was beispielsweise die Brücke und natürlich die Elektrik betrifft.

a) Der Kopf

Die Kopfplatte beheimatet auch hier in der Regel die Stimmmechaniken, die jedoch bei E-Gitarren häufig asymmetrisch anzutreffen sind, das heißt, alle sechs Wirbel befinden sich auf einer Seite des Headstocks. In aller Regel zeigen die Mechanikknöpfe nach oben, bei sogenannten "Reverse Headstocks" aber auch nach unten, was vor allem bei bestimmten Rock-Gitarren sehr beliebt ist.

Beim Sattel kommt auch hier Knochen, Kunststoff oder Graphit-Verbundstoff zum Einsatz. Gelegentlich haben wir es hier auch mit Klemmsätteln zu tun, z.B. in Verbindung mit "Floyd Rose" Tremolos, auf die wir weiter unten noch eingehen werden. Dabei werden die Saiten nicht nur am Steg, sondern auch am Sattel festgeklemmt, sodass sie sich auch bei extremen Spielweisen kaum verstimmen können.

Bei E-Gitarren liegt der Zugang zum Hals-Einstellstab in aller Regel direkt hinter dem Sattel, allerdings gibt es auch hier die Variante mit der korpusseitigen Service-Öffnung.

b) Der Hals

Auf den E-Gitarrenhals treffen die meisten Angaben zu, die auch für die Akustikgitarre gelten. Als Griffbrettmaterial dienen vor allem Palisander (englisch Rosewood) und Ahorn, wobei Palisander für einen runderen, etwas bassigeren Sound steht und Ahorn dort eingesetzt wird, wo es brillant und präsent klingen soll.

Die Anzahl der Bünde ist üblicherweise höher und liegt meist zwischen 22 und 24. Ihre Zahl hat auch einen indirekten Einfluss auf den Sound, da sie bestimmt, an welche Stelle die Pickups platziert werden.

Auch bei E-Gitarren gibt es verschiedene Halsradien, wobei gilt: Je niedriger der Radius, desto gewölbter das Griffbrett. Starke Wölbungen findet man z.B. bei alten Fendermodellen (7,25"), oder schon fast eben, wie bei modernen Ibanez-Gitarren (15,75-17"). Beliebt sind auch sogenannte "Compound"-Radien, bei denen an unterschiedlichen Stellen des Hals andere Maße anzutreffen sind.

c) Der Korpus und Elektrik

Für den E-Gitarrenkorpus kommen diverse Hölzer zur Anwendung. Sehr bekannt ist Mahagoni, z.B. bei traditionellen Gitarren von Gibson, aber auch Esche (Ash) oder Erle (Alder) bei Fender. Auch Linde (Basswood) und diverse andere, teilweise auch exotische Hölzern gehören dazu. Ganz kuriose Auswüchse gibt es natürlich auch, wie z.B. bei Danelectro-Gitarren, deren Korpus aus einem Rahmen und sogenannten Masonit-Faserplatten gefertigt werden.

Für den Korpus kommt entweder eine massive Bauweise (Solidbody) zur Anwendung, die bei bestimmten Modellen Hohlkammern zur Gewichtsreduktion beinhaltet, die von außen nicht sichtbar sind. Neben der Solidbody-Bauweise gibt es auch Semiakustik- oder Vollresonanzgitarren, die vor allem im Jazz und Blues sehr beliebt sind. Dabei handelt es sich um Gitarren, bei denen der Korpus größtenteils hohl ist, ähnlich wie bei Akustikgitarren, aber meist deutlich flacher. Solche Gitarren erkennt man auch an den häufig größeren Korpusradien und den charakteristischen F-Löchern.

Bei E-Gitarren sind die Tonabnehmer entweder direkt im Korpus oder aber im sogenannten Schlagbrett befestigt, einem Schutz meist aus Kunststoff, der die Decke vor Kratzern beim Anschlagen der Saiten schützen soll.

Tonabnehmer gibt es einspulig als sogenannte Singlecoils,

oder zweispulig als Humbucker:

Die Schalt- und Regelmöglichkeiten einer E-Gitarre bestehen grundsätzlich aus einem Wahlschalter, der bestimmt, welcher Tonabnehmer die Schwingungen der Saiten abnimmt und Reglern für Lautstärke (Volume) und Klang (Tone). Normalerweise liegen Potis und Schalter griffgünstig unterhalb der Tonabnehmer, bei manchen Modellen sind sie aber auch auf verschiedene Bereiche der Gitarre aufgeteilt. So findet man den Pickup-Wahlschalter bei einer Gibson Les Paul im vorderen oberen Korpusbereich.

Der Steg oder die Brücke der Gitarre kann als "fixed bridge" in Erscheinung treten, sie ist dann fest mit dem Korpus verschraubt wie bei diesen Modellen:

Alternativ gibt es sogenannte "Tremolosysteme", bei denen Saitenhalter und Steg beweglich ausgeführt sind. Durch Betätigen eines Hebels werden die Saiten gelockert oder gespannt, was die Tonhöhe entsprechend verändert und einen sehr charakteristischen Effekt ergibt, der den typischen Sound der Rock-Gitarre geprägt hat. Allerdings ist der Name Tremolo irreführend, denn eigentlich handelt es sich um ein Vibrato, denn die Tonhöhe und nicht die Lautstärke wird moduliert.

Tremolos gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. So ist das klassische Vintage-Tremolo sehr klangtreu, aber leider nicht ganz verstimmungsfrei:

Auf vielen Rockabilly-Gitarren und Instrumenten der Firma Gretsch trifft man das kultig aussehende Bigsby-Tremolo an:

Die 80er Jahre und Eddie Van Halen brachten mit dem Floyd Rose Tremolo eine innovative und nahezu verstimmungsfreie Variante auf die Gitarre, die im Laufe der Zeit wiederum diverse Nachahmer auf den Plan rief. Nachteile dieses Systems sind die etwas eingeschränkte Schwingungsübertragung und das umständliche und recht mühsame Saitenwechseln:

Zur Weiterleitung des Gitarrensignals braucht es einen Kabelanschluss, der in Form einer Klinkenbuchse vorliegt, die entweder direkt in die Zarge montiert ist, oder, wie bei diversen Gitarren von Fender, in einer Metallplatte in einer Ausfräsung auf dem Korpus.

Der Gitarrengurte wird übrigens an sogenannten Gurtpins an den Zargen befestigt.

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