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Gitarrenbau ohne Palisander?

Ein Gespenst ging um im letzten Jahr, das Gespenst der CITES-Bestimmungen. Alle Palisanderhölzer stehen inzwischen auf den Listen des Washingtoner Artenschutzabkommens, und viele Gitarristen fragten sich, was mit ihren Instrumenten passieren wird, ob sie gar illegal sind und konfisziert werden. Allen zum Trost sei gesagt: Weder der Besitz noch der Handel mit Palisanderhölzer ist illegal. Die Ausnahme ist, wie die meisten wissen dürften, Riopalisander. Dieses Holz ist seit 1992 im sogenannten Anhang 1 gelistet und genießt damit einen besonders scharfen Schutzzustand. Gitarren, die Teile aus diesem Holz besitzen, aber ohne Papiere unterwegs sind, können auch mal beschlagnahmt werden. Das passiert mit allen anderen Palisandergitarren nicht!

(Bild: © shutterstock / Von: HQuality)
(Bild: © shutterstock / Von: HQuality)

Inhalte

  1. Nur Palisander klingt wie Palisander
  2. Welche Tonhölzer können Palisander ersetzen?
  3. Palisander und seine klanglichen Eigenschaften
  4. Palisander-Alternativen aus einheimischen Hölzern?
  5. Palisandersound aus dem Ofen
  6. Können wir auf Palisander verzichten?


Der Handel mit Palisander und Palisanderprodukten ist also nicht verboten, aber er ist reglementiert. Es muss Buch geführt werden, sodass der Weg des Palisanders von der Herkunft bis zum fertigen Produkt lückenlos nachvollzogen werden kann. Das bedeutet einen Mehraufwand für Hersteller und Handel, und dieser Mehraufwand kostet Geld. Der Preis für Palisandergitarren ist deshalb auch nach oben korrigiert worden.
Was man sonst noch über die Zukunft von Palisander als Tonholz wissen sollte, findet ihr im folgenden Feature.

Palisander – Quick Facts

  • Was ist Palisander?
    Bei Palisander handelt es sich um ein dichtes und relativ hartes Tropenholz aus der Gattung Dalbergia, das im Instrumentenbau eine große Rolle spielt. Bei Gitarren zum Beispiel wird es vorwiegend für Griffbretter und Zargen eingesetzt. Seine Farbe variiert von hellbraun über dunkel-violett bis fast schwarz.
  • Warum steht Palisander unter Schutz?
    Palisander wurde auch als Möbel- und Bauholz verwendet und sein Bestand zudem durch Raubbau und illegalen Handel stark dezimiert. Das Washingtoner Artenschutzabkommen, auch unter dem Kürzel CITES bekannt, führt ihn deshalb als schützenswerte Art. Rio Palisander darf zum Beispiel schon seit1968 nicht mehr aus Brasilien ausgeführt werden und steht seit 1992 in der höchsten Schutzstufe. Seit 2017 stehen alle Dalbergia-Arten unter Schutz und vor allem der Handel mit ihnen ist streng reglementiert.
  • Gibt es Alternativen für Palisander?
    Natürlich hat jedes Tonholz seinen eigenen Charakter, auch Palisander. Aber viele klassische Hölzer, die schon seit Generationen im Gitarrenbau verwendet werden, können seine Stelle einnehmen, wenn auch nicht zu hundert Prozent. Auch experimentieren Gitarrenbauer weltweit und mit sehr guten Resultaten mit heimischen Hölzern, und durch thermische Behandlung lassen sich die Eigenschaften bestimmter Holzarten in Richtung Palisander trimmen.

Nur Palisander klingt wie Palisander

Das kann man hinnehmen, oder man sucht nach Alternativen. Für Akustikgitarren zumindest gilt: Nur Palisander klingt wie Palisander, und wer genau diesen Sound sucht, wird den Mehrpreis zahlen und sich eine Palisandergitarre kaufen. Speziell die großen Hersteller wie Taylor oder Martin sind darauf eingestellt und bieten ihre Traditionsinstrumente an wie eh und je.
Was vielen nicht ganz klar ist: Palisander fand sich bisher auf beinahe jeder Gitarre, auch wenn sie beispielsweise einen Mahagonikorpus besitzt. Sogar E-Gitarren sind flächendeckend mit Palisander ausgestattet, denn sehr häufig wird dieses Holz für das Griffbrett eingesetzt, auch bei billigen Gitarren.
Aber wer sich ein bisschen umschaut, wird bemerkt haben, dass der Anteil an Palisandergriffbretter deutlich zurückgegangen ist. Alternative Hölzer wie beispielsweise wärmebehandeltes (“roasted”) und damit sehr dunkles Ahorn oder künstliche Materialien wie Richlite, Micarta oder Resinator erfüllen den Zweck genauso gut. Sie sind hart, nutzen sich also nicht so schnell ab, und sie sind dunkel, verschmutzen also nicht so schnell. Ob sie einen anderen Klang liefern? Womöglich schon, und feine Ohren werden ihn im A/B-Vergleich auch heraushören können – aber auch nur dann. Aber ein wirklicher, qualitativer Unterschied besteht nicht und ihr könnt getrost und guten Gewissens zu Gitarren greifen, die solche Griffbretter besitzen.

Welche Tonhölzer können Palisander ersetzen?

Für billige Akustikgitarren mit einem Korpus aus gesperrtem Holz gilt genau das gleiche: Klanglich macht es kaum einen Unterschied, welches Holz man als Sichtfurnier benutzt. Der Unterschied zwischen Palisander und allen anderen Hölzern ist vor allem optischer Natur. Als Ersatz kommen also speziell dunkle, intensiv gemasterte Hölzer in Frage. Hier bietet sich beispielsweise Nussbaum, Zirikote, Blackwood oder Koa an.
Das bisher überzeugendste Imitat von Palisander habe ich bei Sigma gesehen. Deren Ersatzmaterial Tilia sieht tatsächlich exakt aus wie Palisander. Einen anderen Weg geht Martin: Für die Gitarren der X Series kommt HPL (High Pressure Laminate) mit entsprechender Holzoptik zum Einsatz.
Aber auch helle Hölzer wie Ahorn oder Esche stellen eine attraktive Alternative dar, wenn man sie dunkel beizt. Der Gitarrist an sich ist eben ein Gewohnheitstier; er ist dunkle Korpushölzer gewohnt und will sie nicht missen. Na gut – dann machen wir sie eben braun, wie schon Bob Taylor bei der Vorstellung seiner runderneuerten Series 600 mit dunkel gebeiztem Ahornkorpus sagte. Damit ist er in bester Gesellschaft von mehreren Jahrhunderten europäischer Streichinstrumententradition: Geigen besitzen seit jeher einen Korpus und einen Hals aus Ahorn.

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Palisander und seine klanglichen Eigenschaften

Damit kommen wir zu dem akustischen Aspekt, denn indischer Palisander hat sich als Quasi-Standard für Boden und Zargen praktisch aller akustischer Gitarren auf breiter Front durchgesetzt. Und das hat nicht nur optische Gründe, denn an den brillanten, lebendigen Sound von Palisandergitarren hat man sich zu Recht gewöhnt. Andere Hölzer klingen zwangsläufig anders. Allerdings hat der Gitarrenbauer einen ziemlich großen Einfluss auf den endgültigen Klang, sodass er auch beispielsweise Ahorn einen brillanten, satten Ton entlocken kann, wenn er weiß, wie es geht. Anders als Palisander wird es dennoch klingen.

Palisander-Alternativen aus einheimischen Hölzern?

Als Faustregel kann man sich merken, dass man für einen palisandrigen Sound auch ein entsprechend hartes Holz benötigt. Holzsorten wie Zirikote oder Macassar Ebony, die dem Palisandersound noch am nächsten kommen, stammen leider auch aus den Tropen und sind damit ebenfalls in Gefahr, irgendwann auf der CITES-Liste zu landen. Findige Gitarrenbauer wie beispielsweise Lakewood haben daher schon früh damit begonnen, mit einheimischen Hölzern zu experimentieren. Dort gibt es beispielsweise Gitarren mit Eichenkorpus und Griffbrett und Steg aus Pflaumenholz. Letzteres sieht ausgesprochen schick aus.

Fotostrecke: 5 Bilder Vogelaugenahorn (Rissmann)
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Palisandersound aus dem Ofen

Allen einheimischen Hölzern ist jedoch gemeinsam, dass sie eben nicht nach Palisander klingen, sondern deutlich weicher speziell im Attack und in den Höhen tönen. Für umweltbewusste Musiker, die dennoch diesen ganz bestimmten Ton suchen, ist das ein echtes Problem – dem sich die Wissenschaft und Forschung jedoch bereits angenommen hat. An den Universitäten Eberswalde und Dresden wird an der Veränderung von Hölzern mittels Wärme geforscht. Dieses Verfahren kennen wir bereits, um neuen Fichten- und Zederndecken einen eingespielten Ton zu verleihen.
Aber das Verfahren kann wohl noch mehr. Laubhölzer wie Erle oder Ahorn können dadurch in ihren Werkstoffeigenschaften so modifiziert werden, dass sie den typischen Sound harter Tropenhölzer liefern sollen, wenn man sie für Boden und Zargen einer Gitarre verwendet. Die Forschungen selbst sind noch in vollem Gange, jedoch sind bereits die ersten Gitarren mit diesen Thermohölzern auf dem Markt.

Können wir auf Palisander verzichten?

Eigentlich schon, denn genau genommen gibt es genügend Alternativen zu diesem raren Tropenholz. Aber trotz allem ist Palisander nicht aus der Welt; es ist nur etwas teurer geworden, eine Gitarre aus diesem Holz zu besitzen. Wer jedoch den ökologischen Gedanken ernst nimmt, wird leichten Herzens und mit gutem Gewissen zu einer Gitarre aus alternativen Hölzern greifen – und muss dabei nicht einmal Einbußen bei der Klangqualität an sich hinnehmen. Eine gute Gitarre ist eine gute Gitarre, egal, woraus sie gefertigt ist.

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von Jürgen Richter

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