Gitarre Workshop_Folge
Workshop
1
05.06.2017

Crashkurs Blues Improvisation #1 – Rhythmik und Phrasenplatzierung

Mit einfachen Mitteln zum perfekten Blues-Solo

In der ersten Folge soll es um ein Element gehen, das im Prinzip einen der wichtigsten Bausteine der Musik überhaupt darstellt - den Rhythmus. Außerdem werden wir uns mit dem Thema Phrasierung auseinandersetzen, das ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Improvisation spielt.

Ein Lied, dessen Melodie keinen Rhythmus hat, wäre unvorstellbar, wohingegen ein Rhythmus ohne harmonische oder melodische Information bestens alleine auskommt. Im Blues werden die Achtelnoten triolisch (ternär) aufgefasst, auch wenn die Notation in geraden Achteln stattfindet.

Meist reichen im Blues einige wenige einfache Rhythmen in den Phrasen aus, um einen sehr coolen Blues-Chorus zu gestalten. Das beste Beispiel liefert uns der "C Jam Blues" von Duke Ellington, der nur aus einem Rhythmus und zwei Noten besteht:

Analog zu diesem Beispiel möchte ich euch gerne ein paar Rhythmen vorstellen, die ihr dann auf die komplette Bluesform anwenden könnt. Was das Tonmaterial anbetrifft, lasse ich euch vollkommen freie Hand - das können Töne aus der Am-Pentatonik sein oder auch nur eine Einzelnote. Wichtig ist vor allem die Konzentration auf wenige Mittel und ein starkes rhythmisches Pattern. Das Ganze kann man gerne mit diversen Phrasierungsmöglichkeiten paaren: experimentiert mit Akzenten, Ghost Notes, Slides, Bendings und Vibrato.

Denkt daran, dass es die Hauptaufgabe sein sollte, mit ganz wenigen Tönen ein "Statement" abzugeben.

Hier ein paar rhythmische Pattern, aus denen ihr auswählen könnt:

Und klingen kann das dann so:

Hier ist euer Playback, versucht auch gerne, eigene rhythmische Pattern und Variationen zu entwickeln:

3 mal 4 sind 12, und fertig ist der Blues. Nicht nur für den zweiten Teil unseres Crashkurses Blues Improvisation sind diese 12 Takte eine sichere und solide Basis - sie bilden die klassische Bluesform schlechthin.

Phrasierung/Phrasenplatzierung

Kommen wir jetzt zum Thema "Phrasenplatzierung", was nichts anderes meint als die harmonische Abfolge, die einen Blues in der Regel auszeichnet. Dieses Schema spiegelt sich auch im Bluestext wieder, und wenn wir uns einen solchen vor Augen führen, erkennen wir deutlich, wie er die typische 12-taktige Bluesform in drei Sinneinheiten zu je vier Takten teilt.

Harmonisch gesprochen nennt man die erste Zeile auch die "Tonikazeile", weil sie mit der Tonika beginnt, die zweite Zeile ist die "Subdominantzeile" und Zeile Nummer drei die "Dominantzeile". Der folgende Text verdeutlicht, wie eng sich im Blues der Gesang an diesem Muster orientiert:

"I went to the crossroads, fell down on my knees

I went to the crossroads, fell down on my knees

Asked the Lord above, have mercy now, save poor Bob if you please"

Prinzipiell besteht der Textinhalt aus einer Aussage in Zeile 1. Die nächste Zeile wiederholt diese Aussage - allerdings kann man hören, dass die Sänger an dieser Stelle die Rhythmik und die Phrasierung etwas variieren und die gesamte Phrase etwas ausdrucksstärker wiedergeben. In der Textzeile 3 erhalten wir - je nach Inhalt - das Resümee, die Antwort, oder die Konsequenz des Eingangsstatements.

Diese Abfolge und dieses "Dreiergestirn" können wir uns natürlich auch in der Improvisation zu Nutze machen.

Im folgenden Audio spiele ich in der ersten Zeile, also in Takt 1 bis 4, eine Phrase, wiederhole diese mit einer leichten Variation und etwas mehr Ausdruck in Zeile 2 (Takt 5-8) und löse sie in der letzten Zeile (Takt 9-12) auf, indem ich ein neues Thema etabliere.

Das kann dann so aussehen und klingen:

Im Notenbild lässt sich sehr gut diese Einteilung erkennen - mein "Eingangs-Statement" findet sich in den ersten vier Takten:

Um euch einen kleinen Einstieg zu geben, hier ein paar "Eingangsstatements":

Eure Aufgaben ist es nun, eine Variation dazu in Zeile 2 und ein Resümee in Zeile 3 zu kreieren. Hier ist euer Playback:

Nun versucht selbst euer Glück und denkt daran, dass es noch nicht darum geht, etwas besonders Virtuoses zu spielen. Ihr sollt vielmehr lernen, mit kleinen Motiven umzugehen. Deshalb nehmt euch einen ganz kleinen Baustein zur Hand und bringt ihn durch die 12 Takte. Dabei werdet ihr merken, wie euer Spiel mehr und mehr an Musikalität gewinnt!

Viel Erfolg !

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