Gitarre Workshop_Folge
Workshop
1
04.12.2013

Country Gitarren-Workshop #1

Country Gitarrenspiel online lernen

Tricks zur Begleitung, Licks für das Solo

Im ersten Teil meines Workshops möchte ich euch eine typische Akkordfolge vorstellen, wie sie vielen Countrysongs zugrunde liegt. Dabei werde ich euch zeigen, wie ihr mit eurer Akkordarbeit optimal in das Zusammenspiel mit "normalen" Lagerfeuerakkorden findet. Parallel dazuwerden wir aber auch solomäßig erste Schritte im Country-Style wagen. Da wir uns dabei zunächst auf die Pentatonik-Scale beschränken, möchte ich euch in diesem Zusammenhang die sehr ausführliche Pentatonik-Workshopreihe meines Kollegen Haiko Heinz ans Herz legen. Dort findet ihr, neben den Fingersätzen, zahlreiche Übungen und Anwendungsbeispiele rund um die legendäre 5-Ton-Skala.

Jetzt aber los: Das erste Beispiel zeigt eine ganz einfache Akustikgitarrenbegleitung mit den altbekannten "Lagerfeuerakkorden". In vielen Bands kann auch der Sänger/ die Sängerin diesen Part übernehmen, sofern er/sie über ein paar grundlegende Gitarrenkenntnisse verfügt.

Die Noten warten als PDF zum ausdrucken unter dem Audio-Player.

Oft ist man als Gitarrist in der Situation, eine derartige Akustikgitarren-Begleitung mit der E-Gitarre sinnvoll ergänzen zu müssen. Eine wenig elegante Idee wäre es meines Erachtens, den vorhandenen Part einfach zu doppeln. Die vollen Akkorde in dem sehr dichten Anschlagsrhythmus funktionieren zwar auf der Akustikgitarre, auf der E-Gitarre hingegen klänge das einfach zu überladen und damit amateurhaft.

Wir sollten uns also etwas anderes ausdenken.

Eine sehr einfache Idee ist die Begleitung nur mit Grundtönen und Quinten, also quasi Powerchords! Nur spielen wir diese nicht rocktypisch durchgehend in Achteln mit Abschlägen, sondern immer nur einzelne Töne, auf folgende Art und Weise:

Und die Noten als PDF:

Dieses sehr einfache Konzept lässt sich im Grunde ohne große Vorbereitung auf jeden Song anwenden, da es nur zwei Varianten gibt:

Powerchord mit Grundton auf der E-Saite:

Grundton (6. Saite), Quinte (5. Saite), Oktave (4. Saite)

Powerchord mit Grundton auf der A-Saite:

Grundton (5. Saite), Quinte (4.Saite), Quintbass (6.Saite)

 

Jeder Akkord kann prinzipiell mit beiden Griffen dargestellt werden, jedoch würde ich aus klanglichen Gründen in der Regel versuchen, in den tieferen Lagen zu bleiben und möglichst zwischen den einzelnen Akkorden keine Lagensprünge zu machen.

Diese Art Wechselbassbegleitung ergänzt sich gut mit der akustischen Gitarre. Hierbei ist auch völlig egal, ob wir es mit Dur-oder Mollakkorden zu tun haben, da die E-Gitarre den entscheidenden Ton, die Terz, weglässt.

Spielt man in einer Band, ist es sinnvoll, sich mit dem Bassisten abzustimmen, sodass dieser im Idealfall auf die Zählzeiten 1 und 3 dieselben Basstöne spielt.

Eine Variation dieser Begleitung ist im nächsten Beispiel dargestellt:

Die Noten als PDF-Download:

Hier ersetzen wir beim Akkordtyp mit Grundton auf der 5. Saite die Quinte durch die Terz des Akkords, die Quinte im Bass behalten wir bei. Der Akkordtyp mit Grundton auf der 6. Saite bleibt hingegen unverändert. Diese Begleitung klingt schon etwas abwechslungsreicher, erfordert aber, dass wir im Auge behalten, ob ein Akkord Dur oder Moll ist:

Durakkord: Grundton - große Terz - Quinte

Mollakkord: Grundton - kleine Terz - Quinte

Probieren wir das Ganze doch gleich einmal anhand einer anderen Akkordfolge mit Dur-und Mollakkorden aus:

Die Noten im PDF-Format:

Bei Akkorden mit Grundton auf der 5. Saite (hier C-Dur und D-Moll) macht es also einen Unterschied, ob der zugrundeliegende Akkord Dur oder Moll ist. Bei Dur spielen wir die große, bei Moll die kleine Terz.

Bei Akkorden mit Grundton auf der 6. Saite müssen wir hier, wie schon gesagt, nichts weiter beachten, da wir nur Grundton und Quinte spielen.

So viel für heute zum Thema Akkordarbeit.

Widmen wir uns nun dem Thema Country-Solospiel

Im Country gibt es eine Vielzahl von Spezialtechniken zu lernen. Den Einstieg wollen wir heute aber (zumindest spieltechnisch) etwas einfacher gestalten.

Die Pentatonik im Country

Jeder Gitarrist, der sich dazu entschließt, sich mit dem Thema Improvisation zu beschäftigen, bekommt es über kurz oder lang mit der Pentatonik zu tun und der daraus abgeleiteten Fünftonleiter. Als Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Arbeit solltet ihr die fünf Positionen der Dur/Moll-Pentatonik relativ gut beherrschen. Sollte das noch nicht der Fall sein, könnt ihr natürlich weiterlesen, da ich euch die einzelnen Griffbilder im Laufe dieses Workshops noch vorstellen werde. Aber auch hier möchte ich euch wärmstens empfehlen, dass ihr euch die nötigen Grundlagen in dem bereits erwähnten Workshop meines Kollegen Haiko Heinz abholt, der eigens auf den Einsatz der Pentatonik abgestimmt ist. Haiko präsentiert dort nicht nur die Fingersätze, sondern zeigt in neun Folgen nahezu alle Aspekte der Verwendung dieser nicht nur für Rock-, Pop- und Jazzmusiker, sondern auch für uns Countryspezialistenextrem wichtigen Skala.

Aber zurück zum Thema: Die meisten von euch werden wissen, dass wir beispielsweise über einen Blues in E komplett die E-Moll-Pentatonik spielen können, über einen Blues in A die A-Moll-Pentatonik usw.

Für das stilechte Countrysolo ist die Pentatonik ebenfalls eine wichtige Grundlage, aber wir setzen sie etwas anders ein. Auf jeden Fall sollten wir sie in allen fünf Positionen sicher in den Fingern haben. Hier noch einmal eine Übersicht der Fingersätze der F#-Moll/A-Dur-Pentatonik (als Bild und als PDF zum Downloaden)

Im Gegensatz zum Bluessolo geben wir uns dabei nicht mit einer einzigen Pentatonik für alle Akkorde zufrieden, sondern spielen über jedem Akkord die dazugehörende Skala. Das bedeutet, dass beispielsweise über einem G-Durakkord die G-Dur-Pentatonik zum Einsatz kommt und über einem A-Mollakkord die A-Moll-Pentatonik. Klar, dass diese Vorgehensweise das Ganze nicht unbedingt einfacher macht. Und da wir nicht bei jedem Akkordwechsel in eine andere Griffbrettposition springen wollen, ist es wichtig, die fünf Positionen (und die jeweilige Lage ihrer Grundtöne) zu beherrschen. Nur so können wir es schaffen, trotz aller Akkordwechsel immer in einer Lage zu bleiben.

Schauen wir uns doch einmal Akkordfolge 1 unter diesem Aspekt an, wo drei verschiedene Akkorde drei verschiedene Pentatoniken erfordern.

G-Dur-Pentatonik

C-Dur-Pentatonik

D-Dur-Pentatonik

 

Natürlich lässt sich jede dieser drei Tonleitern mithilfe der fünf Positionen an jeder Stelle auf dem Griffbrett spielen.

Suchen wir uns jetzt einmal jeweils die erste Möglichkeit für jede Pentatonik, angefangen beim ersten Bund. Es ergibt sich folgende Konstellation:

G-Dur: Position 2

C-Dur: Position 5

D-Dur: Position 4

 

Hier ein PDF mit den Griffbildern der drei Skalen:

Für ein möglichst musikalisch klingendes Resultat sollte man beim Improvisieren vermeiden, jeden Takt mit dem Grundton zu beginnen. Stattdessen klingt es eleganter, wenn man beim Akkordwechsel einen benachbarten Ton der nächsten Pentatonik ansteuert. Das ist natürlich nicht ganz einfach und erfordert intensive Kenntnisse der einzelnen Penatonik-Lagen und ihrer jeweiligen Grundtöne - hier zahlt sich das Üben absolut aus.

In der Praxis könnte das z. B. so aussehen:

Die Noten als PDF: 

Ich spiele alle Solobeispiele mit Wechselschlag, den man auch im schnelleren Tempo konsequent durchziehen sollte.

Auch unserer zweiten Akkordfolge wollen wir uns solistisch nähern. Dass wir es dabei mit Dur-und Mollakkorden zu tun haben, macht die Sache auf den ersten Blick etwas undurchsichtig. Bedeutend übersichtlicher wird es allerdings, wenn wir bedenken, dass jede Dur-Pentatonik mit einer bestimmten Moll-Pentatonik identisch ist! Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Dur-Moll-Parallelen. Indem wir einen anderen der fünf Töne als Grundton ansehen, ändert sich nur die Bezeichnung der Pentatonik. Von den Tönen her sind die Dur-Moll-Parallelen identisch.

Die Grundtöne der Dur-Moll-Parallelen haben immer einen Abstand von drei Halbtönen.

Beim Erlernen der Pentatoniken zu Akkordfolge zwei sollten wir uns also Folgendes klarmachen:

C-Dur-Pentatonik = A-Moll-Pentatonik

F-Dur-Pentatonik = D-Moll-Pentatonik

 

Wir spielen also dieselbe Pentatonik über C-Dur und A-Moll sowie über F-Dur und D-Moll. Im folgenden PDF seht ihr das Ganze beispielhaft anhand der F-Dur/D-Moll Pentatonik:

Hier nun also ein Beispielsolo über Akkordfolge 2:

Und die passenden Noten als PDF:

Und zum Schluss noch eine Anregung für die Experten, denen die Pentatonik in einer Lage zu langweilig ist: "Sliding Pentatonic Scales"!

Das heißt, wir verbinden mehrere Positionen einer Pentatonik mit Hilfe von Slides und können so das ganze Griffbrett nutzen. Das folgende Griffbild zeigt hierzu Vorschläge für unsere bisher verwendeten Akkorde.

Zum Ausdrucken hier die Griffbilder nochmal als PDF:

Zum Abschluss der heutigen ersten Folge gibt es jetzt noch ein Beispielsolo, bei dem ich verschiedenen Pentatonikpositionen mit Slides verbinde und somit das komplette Griffbrett nutze. Viel Spaß damit!

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