Hersteller_Clavia
Test
3
28.08.2018

Clavia Nord Piano 4 Test

Stagepiano

Das Nord Piano geht in die 4. Generation

Jedes Jahr stellt die schwedische Keyboardmanufaktur Clavia ein bis zwei neue Keyboardmodelle vor, und so ist es auch dieses Jahr: Neben dem von uns bereits getesteten Nord Electro 6D ist seit diesem Sommer auch ein Nachfolger der Nord Piano-Familie erhältlich. Im neuen Nord Piano 4 verbergen sich einige neue Features, darunter ein größerer Speicher für die Sample-Sektion, Seamless Transition, Crossfade-Splitpoints sowie eine weitaus höhere Polyphonie als beim Nord Piano 3. Optisch gesehen hat sich im Gegensatz zum Vorgänger jedoch nicht viel verändert: Das Design sowie die unverkennbar rote Farbgebung sind fast gleichgeblieben. Grund genug, um einige Fragen zu klären: Wieviel hat sich denn im Vergleich zum Vorgänger überhaupt geändert? Gibt es Features, die das Nord Piano 3 vorher noch nicht besaß? Diesen Fragen gehen wir in diesem Testbericht nach.

Mit jeder neuen Modellgeneration hat Clavia die Features der roten Nord-Keyboards deutlich erweitert. So ist es ganz besonders beim Nord Electro gewesen, denn hier konnte man bei jedem Modellwechsel immer mehr Ähnlichkeiten zum Nord Stage feststellen. Stetig wurde der interne Speicher sowie auch die Polyphonie und die Multitimbralität erweitert. Ähnlich ist es auch beim Nord Piano 4, welches sich als reinrassiges Stagepiano zwar vornehmlich an Pianisten richtet, sich aber durchaus an einigen Features der Stage- und Electro-Serie orientiert.

Eines muss man den roten Keyboards jedenfalls lassen: Sie überzeugen durch ein intuitives Bedienkonzept, eine robuste Bauweise und eignen sich dadurch hervorragend für den Bühnenalltag. Ähnlich wie beim Nord Electro 6D verfügt nun auch das Nord Piano 4 über eine 512 MB große Sample-Sektion, welche sich z. B. zum Layern von Piano- und Synth-Sounds eignet. Auch bietet das Nord Piano 4 jetzt nahtlose Übergänge beim Umschalten der Sounds: Ein schönes Feature, das übrigens auch der Korg Kronos bietet. Insgesamt wurden viele Ausstattungsmerkmale des Vorgängermodells erweitert, bei manch anderen Features hingegen bleibt es aber beim Alten.

Details

Erster Eindruck

Schon beim Auspacken des Lieferkartons spüre ich, was mich hier erwartet. Das Nord Piano 4 ist entsprechend seiner Ausführung mit einem Gewicht von 18,5 kg recht schwer - jedenfalls deutlich schwerer als mein Nord Electro 6D. Immerhin verfügt das Nord Piano 4 über eine hochwertige Tastatur mit Hammermechanik inkl. Dreifachsensor. Und überhaupt, die rote Oberfläche, die Seitenteile aus Holz und das ansonsten aus Metall gefertigte Gehäuse, zeugen von einer hohen Fertigungsqualität und liefern einen schicken Eindruck. Nichts wackelt, alles sitzt bombenfest. An dieser Stelle spreche ich aus Erfahrung, wenn ich sage: Die Instrumente sind unkaputtbar. Das klassische Design sowie die hochwertige Verarbeitung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Produktpalette des Herstellers.

Bedienfeld

Dank der überschaubaren Funktionalität fällt das Bedienfeld des Nord Piano 4 recht kompakt aus. Eine größere Abteilung auf der linken Seite, die mit einen praktischen OLED-Display ausgestattet ist, dient zur Auswahl der Soundbänke und der wichtigsten Systemeinstellungen. Dank der Doppelfunktionen per Shift-Taste, dienen die darunterliegenden Taster nicht nur zur zum Aufrufen von jeweils vier Sounds, sondern auch zum Auswählen der Menü-Einträge System, Sound, MIDI, Organize und Panic. Zum schnelleren Durchsteppen der insg. 400 Soundbänke dient ein praktischer Drehencoder. 

Weiter geht es daneben mit der Piano-Sektion. Neu sind hier die drei wählbaren EQ-Einstellungen Bright, Mid und Soft für die Pianos, mit denen sich der Charakter des Pianos stark variieren lässt. Auch die einstellbaren Saitenresonanzen und Pedalgeräusche können hier ganz einfach aktiviert werden. Je nach Vorliebe kann man über den Taster „KBD Touch“ drei unterschiedliche Velocity-Kurven auswählen, was sowohl für’s Üben oder dem Live-Betrieb hilfreich sein kann. 

Etwas schade finde ich allerdings, dass die Auswahl der Piano-Sounds jetzt nur noch über den Drehencoder vorgenommen wird und die frühere LED-Anzeige mit den verschiedenen Gruppen à la Grand, Upright, EP1, Clavi etc. jetzt wegrationalisiert wurde. Dieses Feature hat mir persönlich gut gefallen, weil es ganz einfach Aufschluss über die unterschiedlichen Arten der Piano-Sounds gegeben hat.

In der benachbarten Sample-Synth-Sektion ist alles gleich geblieben - die Sample-Auswahl, die simple Hüllkurvensteuerung mit nur zwei Reglern für Attack bzw. Decay/Release-Kombination und den Tastern für Dynamik- und Filter-Steuerung. Insgesamt bleibt die Bedienung des Nord Piano 4 zumindest in diesen Punkten im Vergleich zum Vorgängermodell nahezu identisch. Natürlich lassen sich die beiden Sound-Sektionen auch im Layer- oder Splitmodus betreiben: Über die Volume-Potis innerhalb der Sektionen lassen sich die Verhältnisse genau abstimmen.

Gleiches gilt auch für die nachfolgende, gesamte Effektsektion: Deren Anordnung und Parameter gleichen dem Vorgängermodell. Hier finden wir die beiden Effekt-Slots für Effekt 1, Effekt 2, sowie die separaten Abteilungen für Delay, EQ, Amp/Comp und Reverb. Das Reverb lässt sich dabei global für beide Sound-Abteilungen einsetzen, die anderen Effekte verfügen jeweils über eine Auswahl und lassen sich nur für einen der beiden Parts verwenden.

Tastatur

Im Nord Piano 4 ist die Tastatur des Nord Piano 3 verbaut, welche über eine ausgewogene Hammermechanik inkl. Dreipunktsensor verfügt. Hier darf man also vermuten, dass die Klaviatur des Vorgängermodells keine Wünsche offenließ und deshalb kurzum auch in das neue Modell integriert wurde. Tatsächlich - so steht es auf der Herstellerseite - verwendet Clavia hier eine Tastatur von Fatar, die sorgfältig auf die Nord Pianos abgestimmt wurde. Nicht nur, dass diese von guter Qualität ist, auch softwareseitig hat man großen Wert auf die Abstimmung gelegt. Clavia spricht hier von der eigens entwickelten „Virtual Hammer Action Technology“, die es erst seit dem Nord Piano 3 gibt und welche die Hammerbewegungen präzise simuliert. Auch in puncto Repetitionen und Triggern der Noten spielt diese Technologie eine große Rolle - mehr darüber im Praxisteil!

Anschlüsse

Auf der Rückseite unseres Testkandidaten finden wir alle Anschlüsse, die man von einem Stagepiano erwartet. Da wären zum einen die Audioanschlüsse, zu denen u. a. der Kopfhörerausgang und die beiden Line L/R-Ausgänge im 6,3 mm-Klinkenformat gehören. Ebenso verfügt das Nord Piano 4 über einen Monitor-In mit einer Miniklinken-Buchse, über die man externe Audioquellen in das Gerät einspeisen kann. Mit etwas Versatz geht es dann etwa mittig auf der Rückseite weiter: Geboten werden die klassischen MIDI In/Out-Buchsen, ein USB-Anschluss sowie zwei Buchsen zum Anschließen eines Volume- und Haltepedals. Etwas weiter außen befindet sich - direkt neben dem On/Off-Schalter - die Buchse zum Anschluss des Netzkabels.

Lieferumfang

Neben dem Stagepiano selbst befinden sich im Lieferumfang das Netzkabel, ein Benutzerhandbuch, eine DVD-ROM mit der neuesten Nord Piano Library sowie eine Dreifachpedaleinheit. Besonders Letztere erfreut mich sehr, denn so mancher Digitalpiano-Hersteller verzichtet hier gerne auf hochwertige Pedale und Controller. Glücklicherweise ist das hier nicht so, denn ohne das Dreifachpedal wäre das Nord Piano 4 natürlich nicht sofort im vollen Umfang nutzbar!

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare