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07.12.2019

Busorganisation beim Mixdown

Stem-Mixing mit Subgruppen: Herangehensweisen

Pegelkontrolle, EQing und Sidechaining-Netzwerk

Die meisten Mischpulte und alle Software-Mixer von DAWs, die etwas auf sich halten, verfügen über die Möglichkeit, Signale auf Bussen zu Subgruppen zusammenzufassen. Bei den meisten Mischpulten ist dieser Vorgang ziemlich einfach, unter Subgruppen verstehen ist die Technik verständlich erklärt. Aber welche Signale soll man zu Bussen zusammenfassen? Und wo liegen Vor- und Nachteile?

Voraussetzungen für die Nutzung von Bussen

Die meisten größeren Recording-Analogpulte, so gut wie alle Digitalpulte und Software-Mixer in DAWs sind in der Lage, den Ausgang eines Kanalzugs nicht direkt auf die Stereosumme zu routen, sondern erlauben es, diese vorher auf einer Busschiene zu sammeln. Als User „sieht“ man nur die Bestandteile des meist deutlich abgespeckten Bus-Channels, vor allem Fader, aber auch Mute und Solo.

Was manche Systeme leider nicht können, ist, einen Bus erneut auf einen weiteren Bus zu schicken – obwohl das durchaus praktisch ist. Manche hier vorgeschlagenen Busorganisationen funktionieren also nur mit der entsprechenden Busarchitektur. Wenn euer System nicht Bus auf Bus routen kann, ist das aber kein Grund, die Segel zu streichen, denn viele hervorragende Mischungen wurden mit nur einer Busebene erstellt. Aber: Alle größeren DAWs können Bus auf Bus routen, also Logic, Cubase, Ableton, Studio One etc.

Busabgriffe verfügen fast immer über Insertpunkte, um beispielsweise Buskompression durchzuführen. Will man aber beispielsweise parallel komprimieren, bleibt in Ermangelung von Aux-Abgriffen in den Subs fast aller Pulte nur die Hoffnung, dass das ausgesuchte Gerät einen Dry/Wet-Regler besitzt. In aktuellen Software-Mixern ist das meist kein Problem, da diese häufig für alle Arten von Plug-ins das Mischungsverhältnis steuern können.

Auxes bräuchte man auch, um den kompletten Bus zu einem Zumischeffekt zu schicken, etwa einem Reverb. Auch hier muss Dry/Wet im Gerät bemüht werden, aber auch der Abgriff aus den einzelnen Signalen in deren Channels ist nicht verkehrt: Komprimiert man im Bus, ist der Reverbabgriff davor. Das Nachhallsignal bekommt noch eine höhere Eingangsdynamik und wirkt damit gerne etwas lebendiger.

Was ist Stem-Mixing/Stem-Mastering?

  • Stems sind gruppierte Signale, also beispielsweise alle Gitarren, alle Rhythmusinstrumente, alle Gesänge, die in einzelnen Bussen liegen.
  • Stem-Mixing arbeitet ausschließlich mit Instrumentengruppen nicht mehr mit separaten Signalen der Tracks/Channels.

Typische Busorganisation

Hier gibt es einige Anhaltspunkte und Beispiele, wie beim Songmixing mit Bussen gearbeitet werden kann. Das Grundprinzip wird an einer Rock-/Pop-Mischung erklärt, lässt sich aber auch auf andere anwenden. Unter den Beispielen zur möglichen Busstruktur beim Mixing findet ihr auch einen imaginären Elektrosong.  

Drumbus

Alle Schlagzeugsignale zusammen sind das klassische Beispiel für einen Stereobus. Es lässt sich dadurch natürlich das gesamte Instrument, welches nicht selten mit einer zweistelligen Spurenzahl in den Mix geht, gemütlich als Ganzes regeln. Frequenzbearbeitung findet meist in den Einzelspuren statt, aber um beispielsweise die Höhen des kompletten Instruments etwas zu zügeln oder Gitarren und Stimmen doch etwas mehr Raum zuzugestehen, hilft ein Griff zu einem EQ im Bus. Klassisch ist die Dynamikbearbeitung des Drumbus'. Es gibt sogar einen Kompressor, der in erster Linie mit der Drumbus-Compression in Verbindung gebracht wird, den API 2500. Ein Drumbus-Kompressor übernimmt neben der eigentlichen Dynamikverringerung auch einen wichtigen klangästhetischen Aspekt: Das komplette Drumkit wird bei gemeinsamer Bearbeitung eher als eine Einheit wahrgenommen. Es ist sinnvoll, wenn sich der Frequenzgehalt im Sidechain-Weg regeln lässt, damit sich die „Macht“ der Bassdrum eindämmen lässt. Oft wird der Drumbus parallel komprimiert, um die Lebendigkeit des Signals nicht zu beeinträchtigen.

In manchen Mixes werden die Drumroom-Signale und der eventuell vorhandene künstliche Nachhall bewusst nicht mit in die Gruppe aufgenommen, sondern in die „Effektgruppe“. Auch weitere Signale werden manchmal separiert, allen voran Bassdrum und Snare. Hier ist die Vorgehensweise teilweise etwas komplizierter – aber das kann sich lohnen:

Bassdrum- und Snare-Signale können jeweils zu einem eigenen Bus zusammengeführt werden. Nicht selten wird die Snare mit einem Top- und einem Bottom-Mikrofon aufgenommen, machmal gibt es noch ein zusätzliches Kesselmikro und einen eigenen Snare-Room (nein, das muss nicht zwingend ein Gated Reverb sein…). Die Bassdrum wird mit zwei oder mehr Mikrofonen aufgenommen, hier ist die Bandbreite an verschiedenen Multimikrofon-Szenarien extrem hoch.

Einige technologisch fortgeschrittenere Hardware- und Software-Mixer erlauben es, Bus auf Bus zu routen. Ein Snarebus und ein Bassdrumbus werden dann zusammen mit den anderen Signalen des Schlagzeugs zu einem Drumbus zusammengefasst.

Ob Percussion mit in die Gruppe aufgenommen wird oder nicht, richtet sich meist nach Umfang und Aufgabe im Song. Ist es nur Schellenkranz, Shaker oder Kuhglocke, läuft das Signal meist im Drumbus mit. Opulentere Percussionsets, etwa mit Congas, Bongos und dergleichen, bilden als Gesamtinstrument eher eine eigene Gruppe.

Vorsicht bei busbasierter Parallelkompression: Hier verliert man schnell den Überblick, schickt nur die komprimierten Anteile zum Stem-Mastering und dergleichen. Auch auf minimale Delays und somit Phasenlagen sollte geachtet werden, um Kammfiltereffekte zu vermeiden.  

Bus für Gitarren-/Bass

Alle Gitarren und der Bass können ebenfalls gemeinsam eine Gruppe bilden. Natürlich ist das nicht in Stein gemeißelt: Viele Engineers routen den Bass separat zur Stereosumme, manche setzen ihn sogar mit in die Schlagzeuggruppe. Im Regelfall wird auch für die Saiteninstrumente eine Stereogruppe angelegt, da die klassische Panoramaverteilung Gitarren zumindest ein Stückchen zu den Seiten schiebt, um die Stereomitte für Vocals, Bass, Bass- und Snaredrum freizulassen. Eine der wichtigsten Anwendungen ist, neben der komfortablen Pegelregelung mit dem Busfader und der Gruppen-EQ-Möglichkeit, die Nutzung eines oder mehrerer Kompressoren zum Sidechaining. Wenn sowohl der Drumbus als auch die Vocals (hier häufig nur die Main Vocals) alle Gitarren mit einem Hub von einem Dezibel herunterziehen, hilft das, die Mischung kompakter zu machen und wie eine Einheit wirken zu lassen. Damit ist das Stereosignal zudem für die spätere Summenbearbeitung besser aufgestellt.

Stehen ausreichend Spur- und Kanalressourcen zur Verfügung, bietet es sich an, auch die einzelnen Instrumente zuvor zu „kleinen“ Gruppen auf einen Bus zu führen. Warum? Ganz einfach: Oft werden Gitarrenamps mit zwei Mikrofonen oder mehr aufgenommen, durch Reamping ist gerne noch ein DI-Signal mit von der Partie. Und auch beim E-Bass ist der Standard die Aufnahme sowohl von direktem als auch Mikrofonsignal. Und dass Akustikgitarren häufig mit mehr als nur einem Mikrofon aufgezeichnet werden, ist sicher auch bekannt. Um dann im Mix ein Instrument im Pegel zu verändern oder zu EQen, reicht es, dass ein einziger Fader bewegt wird. Das ist praktischer und erlaubt es, die Pegelverhältnisse des Submixes nicht zu verändern. Das ist bei den logarithmischen Fadern in Hard- wie Software nämlich sonst gar nicht so leicht. Und noch eine Gruppierungsform erscheint sinnvoll: gedoppelte Gitarren auf Bussen zusammenlegen, bevor diese in die Hauptgruppe laufen.

Keys-Bus

Orgeln, E-Pianos, Klavier und weiterer Tastenkram sind in eigenen Gruppen gut aufgehoben. Das ist besonders dann von Vorteil, wenn es viele verschiedene Sounds gibt, die kontrolliert werden wollen. Aber auch hier gilt: Was wo und wie auf einem Bus gruppiert wird, richtet sich nach dem Material. Ist das Klavier in einem Song das Hauptinstrument, welches von Hammond, Mellotron und Clavinet als Begleitinstrumente flankiert wird, erscheint es natürlich zunächst sinnvoller, das Klavier alleine laufen zu lassen und nur die anderen auf einen Bus zu legen.  

Bus für die Vocals

Klar, eine einzelne Stimme über einen separaten Bus zur Stereosumme zu schicken, erscheint wenig sinnvoll. Anders ist es, wenn Doppelungen und Bankings im Mix vorkommen. Hier ist es fast schon ein Muss, diese als Gruppe auf einen Bus zu führen. Vor allem gemeinsame Kompression lässt Chöre stärker zu einer Einheit werden – was genauso für gedoppelte Vocals gilt.

Es ist aus gleichem Grund sehr sinnvoll, ein gemeinsames Reverb für die Chöre zu verwenden, vielleicht auch gemeinsam mit den Main Vocals. Wie eingangs angemerkt ist es meist die bessere Wahl, den Abgriff vor der Kompression stattfinden zu lassen, oft auch vor der Kompression der Einzelsignale in den Channels.

Ein Argument, das dagegen spricht, die Main Vocals in den Vocal-Bus zu integrieren, ist, dass es so leichter ist, einen „Vocals Up“- und einen „Vocals Down“-Mix zu erstellen, über den sich viele Mastering-Engineers sehr freuen.

Effektreturns in einen separaten Bus

Ein bekanntes Problem längerer Mixsessions ist die Gewöhnung. Das betrifft vor allem die Wahrnehmung von Räumen, was gerne einmal dazu führt, dass Mischungen umso „wetter“ werden, je länger sie dauern. Alleine das spricht schon dafür, Rückführungen von Reverbs, Delays und anderen Zumischeffekten gemeinsam in einen Bus zu legen. Falls vorhanden, können Atmos, Geräusche, Samples und weiteres Beiwerk mit in diesen Bus gelegt werden.  

Weitere sinnvolle Signalbusse

Sind Bläser vorhanden, die in erster Linie Hits und weniger eigene Linien spielen, ist es für viele Engineers ein Standardschritt, diese in einen gemeinsamen Bus zu legen. Eine gemeinsame Kompression hilft, sie stärker wie aus einem Guss wirken zu lassen. Ab und an kann man sich viel Editierarbeit dadurch sparen, dass mit einem gemeinsamen Noise Gate im Bus-Insert gearbeitet wird. Gibt es einen besonders timingsicheren Spieler, der eher etwas voreilt, kann dieser das Keysignal für die gesamte Instrumentengruppe generieren – und ermöglicht damit einen punchy Einsatz aller Bläserstimmen.

Und natürlich gibt es weitere denkbare Signalzusammfassungen auf Bussen, die sinnvoll erscheinen. Je nach Stil, je nach Instrumentierung, je nach Mixing-Vorlieben und -Gewohnheiten können das verschiedene sein.

Beispielhafte Busorganisation für eine Rock-/Pop-Mischung

Aufwändige Busstruktur mit Subbussen

Bus (oberste Gruppe) Subbus Channel-Signal
Drums
Bassdrum
Mikro 1
Mikro 2
Mikro 3
Snare
Mikro 1
Mikro 2
Toms
Tom 1
Tom 2
Floortom
Overheads (LR)
FOK/Dirt
Gitarren-/Bass
1. Gitarre
Mikro 1
Mikro 2
2. Gitarre
Mikro 1
Mikro 2
Lead
Mikro 1
Mikro 2
Akustikgitarre
Mikro 1
Mikro 2
Bass
Mikro
DI
Keys
Piano
Orgel
E-Piano
Synth
Vocals
Main Vocals
Spur 1
Spur 2
Backings
Backing 1
Backing 2
Backing 3
Winds
Trompete 1
Trompete 2
Posaune
Tenorsaxophon
Effektreturns
Main Vocals Reverb
Chor- und Gitarren-Reverb
Drum Ambience
Snare-Room

Einfachere Busstruktur

Bus (oberste Gruppe) Channel-Signal
Drums
Bassdrum
Snare
Toms
Overheads
Gitarren-/Bass
1. Gitarre
2. Gitarre
Lead
Bass
Vocals
Main Vocals
Backing

Beispielhafte Busorganisation für eine Elektronik-Mischung

Bus (oberste Gruppe) Channel-Signal
Bass
Bassdrum (Kick)
Bassdrum (Sub)
Synth-Bass
Percussion
Snare 1
Snare 2
Drumsample
Shaker
Hats 1
Hats 2
Hauptsignal
Main Samples
Synth 1
Synth 2
Pads
Pad 1
Pad 2
Vocals
Main
Ad-Libs
Add-Ons
Filmsamples
Geräusche
Returns
Reverb
Delay

Sidechaining-Netzwerk

Busse können, eine entsprechende Busarchitektur vorausgesetzt, zum gegenseitigen Sidechaining verwendet werden. Denkbar sind folgende Szenarien

Keysignal komprimierter Bus
Vocals Gitarren
Drums Gitarren
Vocals Keys
Drums Effektreturns

Das geht natürlich noch komplexer. So ist es beispielsweise möglich, auch den umgekehrten Weg zu regeln (z.B. Gitarren keyen Drums) oder den Stereobus mit in das Netzwerk einzubinden. Allerdings gibt es unterschiedliche Meinungen zu Kompressoren auf der Summe. Nicht außer Acht zu lassen ist auch die hohe Komplexität. Wenn man beim Abhören eine unpassende Bewegung in den Pegeln ausmacht, kann es sehr schwer werden, die Ursache dafür auszumachen.

Fazit

Es erscheint zunächst aufwändig, Signale auf Bussen zusammenzuführen und sich zunächst den Überblick über das Pult oder den Softwaremixer zu erschweren. Die Vorteile liegen jedoch auf der Hand und überwiegen meistens. Wenn häufiger ähnliche Projekte anliegen, kann das Busrouting als Standard aufgenommen werden oder den Weg in ein DAW-Template finden.

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