Gitarre Bass Hersteller_Boss
Test
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23.11.2020

Praxis - Bass

BOSS stattet den neuen OC-5 mit einem sogenannten Vintage-Modus aus und verspricht damit eine präzise Nachbildung des legendären OC-2 aus dem Jahre 1982. Der Schritt ist nachvollziehbar, gilt doch für viele Tieftöner der analoge OC-2 immer noch als Maßstab, wenn es um synthmäßige Octaver-Sounds geht. Der digitale OC-5 wird sich aus klanglicher Sicht also in erster Linie mit dem legendären Octaver aus den 80er-Jahren messen lassen müssen.

Aber fangen wir von vorne an, denn schließlich beginnt die Performance eines Octaver-Pedals nicht beim Sound, sondern bei der Tonhöhenerkennung bzw. dem "Tracking", wie der Angelsachse zu sagen pflegt. Erfreulicherweise leistet sich das jüngste Octaver-Modell von Boss in dieser Disziplin absolut keine Schwächen: Im Vintage- und im Poly-Mode erkennt das Pedal die Tonhöhen bis zur tiefen E-Saite sehr zuverlässig und hält den Octaver-Sound auch während der Ausklangphase lange stabil. Artefakte höre ich wirklich nur sehr vereinzelt, selbst kleinere Unsauberkeiten beim Greifen der Töne verzeiht der Octaver zumeist sehr gutmütig.

Bemerkenswert ist darüber hinaus die sensible Ansprache: Das Pedal reagiert sehr schnell und erkennt auch leise gespielte Töne noch zuverlässig - beide Faktoren sorgen gleichermaßen für ein direktes und sehr angenehmes Spielgefühl! Beim Tracking kann der OC-5 also schon einmal ganz entspannt punkten und muss sich keinesfalls hinter den populärsten Modellen der Konkurrenz verstecken.

Ob der OC-5 soundmäßig genauso überzeugend abliefert, wollen wir anhand der nachfolgenden Audiobeispiele herausfinden, die ich ohne zusätzliche Equipment mit Logic Pro X aufgenommen habe.

Eine der beliebtesten Einstellungen von vielen BOSS OC-2-Fans ist gleichzeitig auch die simpelste: Der "-1 Octav"-Regler steht einfach auf Rechtsanschlag, alle anderen Regler bleiben auf Null - fertig! Das Ergebnis ist ein breiter, synthmäßiger Basssound, auf den auch heutzutage noch einige Promi-Tieftöner schwören.

Diese Einstellung funktioniert natürlich auch beim neuen OC-5 und ich bin in der Tat erstaunt, wie nahe der "Vintage-Sound" am Original liegt. Durch das bessere Tracking fühlt sich der Synth-Sound beim OC-5 vielleicht eine Spur direkter an und ich höre eine minimale Mittenbetonung im Vergleich zum Original. Insgesamt würde ich den Sound im Vintage-Modus aber als sehr authentisch bezeichnen - BOSS hat in der Werbung also keinesfalls zu viel versprochen.

Aber weiter im Text: Wir sind immer noch im Vintage-Mode und mischen zur "-1 Octave" das direkte Basssignal etwa zur Hälfte bei - der Direct-Level-Regler steht also auf 12 Uhr. Der Sound wirkt jetzt erwartungsgemäß deutlich massiver und verfügt durch das direkte Signal über mehr Durchsetzungskraft. Das ist der klassische BOSS-Octaver-Sound in bester Qualität, würde ich sagen.

Jetzt drehen wir die Lautstärkenverhältnisse um und geben beim Direktsignal Vollgas, während wir den Pegel der "-1 Octave" halbieren. Eine hervorragende Einstellung, wenn man den natürlichen Basssound mehr oder weniger dezent anfetten will. Für die Aufnahme habe ich den Stegtonabnehmer meines Basses verwendet.

Wer mehr Tiefbass braucht, kann jetzt noch die "-2 Octave" dazu regeln, sollte dabei allerdings die flatternden Hosenbeine beobachten. Für den maximalen Effekt ist allerdings ein amtliches Bass-Stack vonnöten, die Aufnahme kann wirklich nur einen ungefähren Eindruck vermitteln:

Einige der derzeitigen Octaver-Pedale am Markt können neben den unteren Oktaven auch die Oktave über dem gespielten Ton generieren. BOSS zieht mit dem OC-5 jetzt nach und integriert dieses Feature ebenfalls. Der Bass wird so zum Melodieinstrument - vor allem Bassisten mit einem Faible für ausgedehnte Soli werden sich über die hohe Oktave freuen. Für den Solosound im nachfolgenden Clip habe ich den "+1 Octave"-Regler voll aufgedreht und eine Spur des direkten Signals dazu geregelt:

Der sogenannte Poly-Mode für die mehrstimmige Tonerkennung war schon beim OC-3 an Bord und steht auch beim brandneuen OC-5 abermals zur Verfügung. Meine Begeisterung für diese Feature hält sich aber ehrlich gesagt in Grenzen: Simple, dreistimmige Akkorde mit großen Intervallen, wie ich sie im Audiobeispiele spiele, werden zwar noch einigermaßen korrekt wiedergegeben. Spätestens ab dem vierten Ton ist allerdings Schluss! Das Pedal generiert dann häufig falsche Töne oder ziemlich merkwürdige Artefakte. Und auch ungewöhnliche oder engere Intervalle funktionieren nicht sehr gut. Ich nehme mal stark an, dass der Poly-Mode in erster Linie für die Gitarre entwickelt wurde und dementsprechend hier auch bessere Ergebnisse liefert.

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