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30.04.2015

B.log - Mit Fitness die Stimme ruinieren?

Welchen Einfluss Sport auf Gesang hat

Ich habe immer gewusst, dass Ausdauertraining und sportliche Fitness für eine energetische Bühnenperformance sehr zuträglich sind. Deswegen bin ich in meinem Leben bereits Laufen gegangen, habe mich mal beim Sportstudio um die Ecke angemeldet und bin final beim Schlingentraining gelandet. 

Dabei hängt man Arme oder Beine in Schlingen, die von der Decke baumeln, und macht heftige Übungen auf Zeit. Der Clou bei dieser Trainingsmethode ist, dass ich Ausdauer und Kraft gleichzeitig trainieren kann. Und dabei immer meinen ganzen Körper beanspruche. Das Schlingentraining stärkt meine Tiefenmuskulatur, wodurch sich mein Gesamt-Kompakt-Körpergefühl stetig verbessert. 

Ein paar Mal bin ich allerdings schon an den Punkt gekommen, dass mein Bauch nicht mehr gut entspannen konnte. Ich brauchte zwei Tage, ihn wirklich wieder locker lassen zu können. Das brachte mich auf das Thema: wie geht Sport mit Gesang zusammen? Wie doll darf bzw. kann ich meine Bauchmuskeln trainieren, ohne anschließend Stimmprobleme zu bekommen? Wie macht Elli Goulding das, die mit einem Sixpack auf die Bühne geht?

Wir erinnern uns: Fürs Singen müssen die Bauchmuskeln ganz entspannt sein, damit das innen liegende Zwerchfell nach unten kann, was wiederum die Gedärme und Organe sanft nach außen drängt. Ist der Bauch zu fest, kann nichts nach außen verdrängt werden, was wiederum das Zwerchfell daran hindert, nach unten zu gehen. Dadurch atmen wir höher und unsere Stimme kann nicht tief gestützt werden.

Während es beim Gesang heißt „Bauch fallen lassen“, wird beim Sport und beim Tanz genau umgekehrt gearbeitet. Der Bauchnabel wird nach innen gezogen und die Bauchmuskeln angespannt, um eine starke Mitte zu bekommen.

Das krasseste Beispiel, was ich bisher kennengelernt habe, war eine Gesangsschülerin die jeden Tag zweihundert Situps gemacht hat. Ihr nackter Bauch hätte jeder Profi-Werbung standgehalten. Aber sie hatte Stimmprobleme und ihre Logopädin hat ihr ein Bauchmuskeltrainingsverbot auferlegt. In einer ständigen Zwickmühle sind auch Tänzer und Tänzerinnen die singen.

Wie lässt sich Gesang und Fitnesstraining trotzdem vereinen?

Mit Tänzern arbeite ich in zwei Richtungen. Sie müssen lernen, auf Knopfdruck zwischen dem Singmodus (Bauch fallen lassen) und dem Tanzmodus (Bauch anspannen) umzuschalten. Wenn ihr Tanz/Gesangsperformances genau zuseht, werdet ihr merken, dass bei gesanglich schweren Passagen die Sänger und Sängerinnen oft nur die Arme bewegen und in der Körpermitte ruhig sind. So können sie den Bauch entspannen. Meistens lenken andere Tänzer und Tänzerinnen parallel dazu mit wilden Moves ab. Wird der Gesang wieder einfacher, steigt der Tanzfaktor bei den Singe-Tänzern wieder. 

Ich habe mit meiner Trainerin über diese spezielle Gesangsproblematik gesprochen. Wir sind uns beide einig, dass gar kein Sport, oder das Auslassen der Bauchmuskeln beim Training, keine Lösung sein kann. Sie hat mir einen neuen Krafttrainingsplan erstellt, der die Bauchmuskeln etwas indirekter über die Stärkung des gesamten Rumpfes trainiert, und mir eine ganze Reihe guter Dehnübungen für die Bauchmuskeln gezeigt. Vielleicht ist es nämlich auch das: Schlecht gedehnte Muskeln sind verkürzt und hart. Gut gedehnte weich und lang.

Ich forsche weiter und werde euch berichten. Schreibt mir bis dahin doch mal, welche Erfahrungen ihr mit Sport, Singen und Bauchmuskeltraining gemacht habt?

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