Blog_Folge
Feature
5
28.11.2016

Die beste kostenlose DJ-Software für PC, Mac und Linux

Freeware DJ-Programme für Controller-, DVS- und Hobby-DJs

Auflegen zum Nulltarif mit Mixvibes Cross, Virtual DJ und Co.

Wer als Einstiger das Auflegen lernen und sich auf den Pfad des digitalen DJs begeben möchte, muss nicht zwangsläufig tief ins Portemonnaie greifen. Für die ersten Gehversuche gibt es einige gute (und natürlich auch weniger gute) Freeware-Programme. Teilweise warten diese sogar mit ziemlich professionellen Ausstattungsmerkmalen auf, beispielsweise mit MIDI-Controller-Unterstützung oder der Möglichkeit, zeitcodierte Steuermedien wie Timecode-Vinyl einzubinden.

Viele Tools setzen hinsichtlich der grafischen Benutzeroberfläche auf ein klares, leicht zugängliches Layout mit zwei Player-Sektionen nebst Mixer, manche Programme bedienen sich sogar aus dem Musikfundus diverser Online-Streaming-Dienste oder laufen Web-basiert. Einige kostenlose DJ-Programme für Einsteiger möchte ich euch in diesem Beitrag vorstellen.

Cross DJ Free

Cross DJ Free für Mac und PC stammt aus der Feder der französischen Softwareschmiede Mixvibes und bietet ein kontraststarkes, stromlinienförmiges und übersichtliches Benutzerinterface. Von der Wellenformanalyse über Downbeat-Indikatoren bis hin zu Sync-, Loop- und Effektwerkzeugen finden sich viele zeitgemäße Features in Cross. Mit dem Browser in der unteren Bildschirmhälfte habt ihr Zugriff auf eure Musik- und iTunes-Kollektion, die mit Cover-Art angezeigt werden. Ebenfalls an Bord sind ein Auto-DJ, Playlisten und eine Vorbereitungsliste.

Besonders hervorheben möchte ich die Integration von Soundcloud, über das ihr Tracks, Favoriten und Playlisten direkt in die Software streamen und damit mixen könnt. Das funktioniert recht gut und die Musikstücke lassen sich sogar automatisch im Takt und Tempo angleichen. Recording sowie MIDI-Controller- oder DVS-Unterstützung bietet Cross DJ Free nicht an. Ferner kann nur ein Ausgabekanal aktiviert werden und das Effekt-Repertoire ist beschnitten. Dafür punktet Cross mit einfacher Bedienbarkeit bei ordentlicher Performance und Stabilität. Die kostenpflichtige Version haben wir hier getestet. Zum Cross-iOS Test, bitte hier entlang.

VirtualDJ Home Free

Das Softwarehaus Atomix bietet mit VirtualDJ, das bereits in der 8. Generation ausgeliefert wird, ein seit rund 15 Jahren am Markt erhältliches, bewährtes und stetig weiter entwickeltes Programm für den digitalen Plattenaufleger an. Virtual DJ ist in unterschiedlichen Preis- und Ausbaustufen erhältlich, darunter auch die kostenlose Home-Edition (Version 7.4.7). Hier findet ihr das nötige Rüstzeug für die Maus- und Tastatur-gesteuerte Mixsession auf bis zu vier Decks mit unterschiedlichen grafische Wellenformanzeigen, Beatmarkern, Video- und Scratch-View.

Eine automatische Titelsynchronisation gehört ebenso zur Ausstattung wie ein Sampler, Effekte, Hotcues und (Auto-) Loops. Umfangreiche Playlist-Funktionen im Dateibrowser, ein Session-Recorder und diverse Einstelloptionen runden das Angebot ab. Die kommerzielle Nutzung ist nicht gestattet, doch solange ihr die Applikation nicht gewerblich einsetzen oder mit Controller, Timecode und Co. arbeiten wollt, ist das kostenlosen VirtualDJ Home Free mitunter eine Option, erstmal loszulegen, zu üben und euch selbst und den Freundeskreis von euren DJ-Fähigkeiten zu überzeugen, bevor ihr „aufrüstet“. Hier geht es zum Test der Vollversion VDJ8.

DigiJay

DigiJay ist eine kostenlose DJ-Software aus Österreich, die mit zahlreichen Tools aufwarten kann, die man als DJ schätzen gelernt hat. Zu den Ausstattungsmerkmalen zählen unter anderem zwei Decks, ein Sampler und ein Datei-Browser mit Playlisten, Subgruppen, Wishlists und inkrementeller Suchfunktion, die sich zudem auf diverse Filter wie Interpret und Titel, aber auch BPM, Rating und dergleichen anwenden lässt. Es gibt einen Tag-Editor und der Import von M3U- und BPM-Studio Listen ist gestattet.

Für die klangliche Bearbeitung der Musikstücke in den Decks ist ein Dreiband-EQ vorgesehen, dazu gesellt sich ein 3-Stufen-Kompressor. DigiJay spielt unter anderem MP3-, WMA-, OGG-, AIFF- und Wave-Dateien ab. Das Programm unterstützt bis zu 3 Soundkarten (!), erlaubt eine flexible Zuweisung der beiden Player, des Monitorkanals und Samplers.

Die Decks verfügen über eine grafische Wellenformdarstellung und Cover-Art-Anzeige. Im Zentrum ist zudem eine vergrößerte Ausschnittsbetrachtung der Waveform (halbiert/voll) auszumachen, die Peaks, Beats, Loop- und Cue-Punkte anzeigt. Ihr könnt bis zu drei Loops und vier Cue-Punkte speichern. Um die Musikstücke in Takt und Tempo anzugleichen, finden sich neben dem obligatorischen Pitchfader für Tempo und/oder (!) Tonhöhe und den zugehörigen Pitch-Bend-Buttons auch eine Autosync-Funktion ein. Für das Überblenden der Titel ist ein Crossfader mit Automix-Funktion nebst einstellbarer Blendcharakteristik und Übergangszeit zuständig. Über die Settings erhält man Zugriff auf verschiedene Audio-, Programm- und Controller-Settings.

Besonders interessant für Anwender, die mit einem MIDI-Controller arbeiten wollen: DigiJay mappt im Handumdrehen durch die Funktionsauswahl und Betätigung der Learn-Taste die gewünschte Befehle auf einen MIDI-Controller der Wahl. Mappings lassen sich im- und exportieren. Verfügbar ist das Programm für Windows.

Mixxx 2.0

Mixxx entstand 2002 im Rahmen einer Doktorarbeit von Tue Haste Andersen und läuft unter Windows, Mac OS ab 10.5+ und Linux/Ubuntu. Die Software erlaubt, mit bis zu vier Decks aufzulegen. Ein virtuelles Mischpult mit EQs, Cross- und Channelfadern, vier Mikrofonwege inklusive Übersprechfunktion für Ansagen und eine Mastersektion widmen sich dem Mix. Kreative Naturen greifen auf einen Sample-Player, Loops und Hotcues zu. Außerdem gehören Beat Rolls und Censor, Ramping Pitchbending und eine gut funktionierende Autosync-Funktion inklusive Master-Deck zum Repertoire.

Das Library-Management ist eines der ausgereiftesten am Markt und bietet neben einer iTunes- und Traktor-Integration auch virtuelle Plattenkisten und Wiedergabelisten, einen Auto-DJ sowie eine Verlaufsansicht mit Datumsangabe. Fehlende Tags lassen sich via MusicBrainz einlesen.

Neben dem Eingabemedium „Maus“ dürft ihr auch DJ/MIDI-Controller nutzen und konfigurieren. Laut Website kommt das Programm auf nunmehr 85 (!) unterstützte Devices. Man kann sogar Timecode-Vinyl wie Serato CV02, Traktor Scratch MK1 und MixVibes DVS V2 zur Steuerung der Decks verwenden, ohne für diese Funktion – mal abgesehen vom Erwerb der Trägermedien selbst – extra ins Portemonnaie greifen zu müssen. Das ist bei Serato und Pioneer anders, kostet „DVS“ doch gut 100 Euro zusätzlich.

Besonderes Bonbon: die integrierte Shoutcast/Icecast kompatible Live-Übertragungsfunktion. Mixxx ist nach gut 14 Jahren Marktpräsenz sicher eine der ausgereiftesten DJ-Freeware und wird von der Community stetig weiter unterstützt, was die Integration aktueller DJ-Controller und DVS-Funktionen angeht. Mit dem Download der aktuellen Version Mixxx 2.0 erhaltet ihr zudem drei Designer-Skins mit konfigurierbarem Layout.

One DJ Free

Audio Arterys One DJ Free ist die kostenlose Version von One DJ, einer Symbiose aus klassischer Mixsoftware und timeline-basiertem Editor, die für Windows und OSX erhältlich ist. Ausgerüstet mit zwei Decks, Transport- und Sync-Werkzeugen, einem Mixer, dem Effektbataillon und diversen Loop-Features bietet One hinlänglich bewährte DJ-Funktionen. Zur Erstellung der Edits und Mashups offeriert die Software diverse Tools wie Copy/Paste, Slicing, Loopen und Timestretching.

Der Free-Version fehlen gegenüber dem großen Geschwisterchen einige Komponenten wie Hotcues und Timeline-Hotcues, Playlisten, MIDI-Support, Recording und – was sicherlich mit am schwersten wiegen dürfte - die Möglichkeit, Arrangements zu speichern und zu exportieren. Das Programm ist aber allemal gut, um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie One funktioniert und ob es zu einem passt. Hier geht es zu unserem Test.

Achtung: Der Hersteller hat mittlerweile den Vertrieb und die Entwicklung eingestellt, allerdings kann One DJ aktuell (Stand: 03.09.2016) noch von der Website geladen werden. Wie lange dies noch möglich sein wird, können wir natürlich nicht abschätzen.

you.dj

you.dj ist ein DJ-Interface, basierend auf der iWebDJ Technologie, das im Web-Browser läuft und das Mixen eines Online-Musikkataloges (mit Genres, Hot Songs) sowie YouTube inklusive Videodarstellung und Soundcloud erlaubt. Dazu stehen euch zwei Decks und ein Zweikanal-Mixer zur Verfügung. Letztgenannter ist mit einem Zweiband-EQ, Filter und Crossfader ausgestattet. Lädt man Titel ins Deck, werden diese automatisch angepasst. Die Player liefern Titel und Laufzeitinformationen zum Musikstück nebst Wellenformanzeige und einfachen Auto-Loops sowie sechs FX via XY-Pad. Dadurch, dass you.dj Web-basiert läuft, ist es allerdings in einigen Funktionen limitiert, beispielsweise was den Festplattenzugriff auf eure Musikbibliothek angeht oder die Option, Mixes zu speichern. Die grafische Benutzeroberfläche bietet einen leichten Zugang zum Programm ohne viel Schnickschnack, genau richtig für eine Browser-App. Wer auf der Website landet, weiß gleich, was er als nächstes zu tun hat – und die Sache macht auch noch Laune, eine gute Internetverbindung vorausgesetzt.

Für 4,90 Euro könnt ihr die App „aufbohren“ und erhaltet 10 weitere Effekte, 60 Samples für den Sample-Player, vier Hotcues, manuelles Beatmatching und BPM-Kontrollen, Keylock etc. Außerdem die Möglichkeit, via Kopfhörer und Y-Splitter vorzuhören, Keyboard-Shortcuts zu nutzen etc. Das wäre dann zwar nicht mehr „kostenlos“, aber es sei der Vollständigkeit halber hier erwähnt.

Eure Meinung

Wie ihr gerade gelesen habt, gibt es also einige interessante kostenlose Alternativen zu den Platzhirschen Serato, Traktor, Virtual DJ und Cross oder den zahlreichen anderen DJ-Softwares abseits des Rampenlichts. Und natürlich sind auch iOS-Apps für das iPad eine Option. Wenn ihr selbst mit einer tollen Software arbeitet, von der ihr glaubt, sie sollte auf bonedo.de vorgestellt werden, dann lasst es uns gern über die Kommentarfunktion wissen.

Euer Peter Westermeier  

Verwandte Artikel

Die besten DJ-Controller für Einsteiger

Als Einsteiger unter der Vielzahl an verfügbaren DJ-Controllern die richtige Kommandozentrale herauszupicken, ist kein leichtes Unterfangen. Wie wäre es mit einem der folgenden Modelle?

Spinfire – Pay2Play Marketing-App für Producer/DJs?

Ein neues Online-Geschäftsmodell namens “Spinfire” will DJs und Produzenten dazu bringen, dass sie für bare Münze Pay2Play-Slots belegen, also dass DJs Tracks von Künstlern auflegen und die Producer wiederum für das prominente Abspielen bezahlen.

User Kommentare