Bass Hersteller_Blackstar
Test
7
09.11.2020

Praxis

Eines kann ich direkt vorweg verraten: In Sachen Soundvielfalt hat das kleine Bass-Stack aus der neuen Unity Elite Serie in der Tat erstaunlich viel bieten! Dafür beginnt die "Qual der Wahl"bereits in der Eingangssektion mit den drei EQ-Presets: In der Flat-Einstellung klingt die U700H/U210C-Kombination absolut ausgewogen und aufgeräumt - hier besitzt der transparente Sound keine signifikante Klangfärbung.

Legt man den Wahlschalter auf die Position "Classic", so wird der Sound deutlich schlanker und gleichzeitig sehr viel präsenter in den Mitten. Dieses Preset liefert zweifellos den durchsetzungsstärksten Sound.

Bei der dritten Einstellung mit der Bezeichnung "Modern" wird der untere Frequenzbereich ziemlich großzügig geboostet, die Höhen erscheinen eher dezent. Für meinen Geschmack ist die Abstimmung einen Spur zu extrem geraten. Das ist allerdings kein großes Ding, denn zur Anpassung der Presets an den eigenen Geschmack leistet der effektive Dreiband-Equalizer des U700H sehr gute Dienste.

Je nach Preset verschieben sich die Einsatzfrequenzen des EQs leicht, sodass das Ergebnis zum Preset-Sound passt und bei sinnvollen Einstellungen immer sehr gut klingt - die Abstimmung der Filter ist Blackstar ohne Frage gelungen!

Sehr positiv hat mich zudem das sogenannte Response-Feature überrascht, das zwei Endstufenröhren-Emulationen bereithält. Legt man den Wahlschalter auf die Position "6L6", so wird der Sound deutlich wuchtiger und seidiger in den Höhen - hier kommt wirklich schlagartig authentisches Vintage-Röhrenfeeling auf! Und auch die Einstellung "6556" ist gelungen und liefert den druckvollen und transparenten Sound einer modernen Röhrenendstufe in überzeugender Qualität.

Auch interessant:

Was du über Bass-Tonabnehmer wissen musst!

Passend zu den Röhrensimulationen bietet der Amp die drei Verzerrer-"Geschmacksrichtungen" Overdrive, Distortion und Fuzz, die den Sound auf verschiedene Art mit Obertönen anreichern und besonders bei ausgeschaltetem Tweeter der U210C sehr organisch und echt klingen. Schade finde ich nur, dass man die Lautstärke der Drive-Sounds nicht an den Pegel der cleanen Sounds anpassen kann. Für Bassisten, die beim Gig oft per Fußschalter zwischen Clean- und Drivesounds wechseln möchten, wäre ein solches Feature schon wichtig!

Die verzerrten Audiobeispiele am Ende des Praxisteils habe ich übrigens mit der Cabsim aufgenommen, welche auf dem symmetrischen Ausgang des Amps liegt. Sie klingt in meinen Ohren auch absolut ok - mit der tollen 2x10er von Blackstar kommen die bösen Sounds allerdings abermals deutlich überzeugender rüber.

Damit wären wir auch schon bei den Effekten, die der ultraflexible Head an Bord hat. Hier sehe ich Licht und Schatten: Am wenigsten zu meckern gibt es beim Kompressor, denn dieser erledigt seinen Job unauffällig und erzeugt keinerlei Nebengeräusche.

Bei den anderen beiden Effekten - Chorus und Octaver - finde ich die Level-Anpassung mit den zwei super kleinen Regler auf der Rückseite des Amps etwas schwierig. Hier sollte Blackstar vielleicht mittelfristig lieber eine andere Lösung finden.

Klanglich sind beide Effekte durchaus brauchbar, der Octaver erzeugt auf den tieferen Saiten allerdings des Öfteren Artefakte und trackt nicht wirklich zuverlässig. Als Gratis-Dreingabe sind die Effekte willkommen - für den professionellen Einsatz würde ich persönlich aber doch eher zu guten Pedalen raten.

Richtig begeistert war ich allerdings von der äußerst unkomplizierten und richtig reibungslosen Anwendung des U700H-Tops als Audio-Interface! Die Recording-Software (Logic Pro X) auf meinem Mac hat den Amp im Handumdrehen erkannt und alle vier Kanäle für die Aufnahme freigegeben.

Der Basssound kann dann, je nach Kanal, wahlweise in Stereo mit allen Effekten und Klanganpassungen (Kanal 1+2), nur mit dem Equalizer (Kanal 3), oder eben komplett clean (Kanal 4) aufgenommen werden. Darüber hinaus empfängt der U700H über USB auch Audiosignale, die zum Monitoring über die Line-Outs (Kanal 1 links, Kanal 2) oder für das Reamping (Kanal 3) zur Verfügung stehen.

Der Reamping-Modus ist automatisch aktiv, sobald der Amp via USB am Rechner hängt und kein Bass mit der Input-Klinke verbunden ist. All das hat mit meinem Setup auf Anhieb fehlerfrei funktioniert und die Qualität der aufgenommenen Sounds ist wirklich mehr als brauchbar!

Auch interessant:

Sind alte Instrumente besser als neue?

Zum Abschluss dieses Tests noch ein Wort zur Leistung und der erreichbaren Lautstärke meines kleinen Test-Stacks: Mir stand ja leider nur eine achtohmige U210H zur Verfügung, an welche der Amp naturgemäß lediglich 250 Watt abgibt. Dieses kompakte Setup hat allerdings schon ausreichend Reserven für kleinere Gigs und liefert wirklich voluminöse und tragfähige Sounds.

Um beurteilen zu können, wie der Head mit seiner vollen Leistung 700 Watt performed, habe ich das Mini-Setup mit zwei meiner 8-Ohm-Boxen erweitert. Ganz ehrlich - mehr Lautstärke braucht wirklich kein Mensch! Der U700H ist in der Leistung vergleichbar mit anderen zeitgemäßen Class-D-Tops und verfügt ohne Frage über locker ausreichende PS für große Gigs.

Hier zum Abschluss wie immer einige Audio-Beispiele:

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare