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Test
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09.10.2014

Best Service Chris Hein Winds Complete Test

Kontakt-Library für Holzbläser

Chris Hein goes Orchestergraben!

Die Chris Hein Winds Complete im bonedo-Test: Chris Hein hat in seinem bisherigen Schaffen als Entwickler von Sample-Libraries vorwiegend die Sparte der tanzbaren Unterhaltungsmusik bedient. Das Arsenal der virtuellen Instrumente aus der Software-Werkstatt des Kölner Sample-Feinmechanikers umfasst Holz- und Blechbläser mit einer ausgeprägten Neigung zu Funk und Soul, E-Gitarren, Bässe und eine chromatische Mundharmonika, wie sie unter anderem von einem Mr. Stevie Wonder gerne bedient wird. Mit den Chris Hein Winds bläst nun im wahrsten Sinne des Wortes ein frischer Wind in die Segel der Chris-Hein-Reihe, denn diese rein auf Woodwinds (Holzbläser) spezialisierte Library ist klanglich eindeutig in den Bereich der orchestralen Musik einzuordnen.

Handelt es sich dabei möglicherweise um den Auftakt zu einer kompletten Saga zusammengehöriger Orchester-Instrumente, wie es beispielsweise schon von EastWest/Quantum Leap mit den einzelnen Teilen des Hollywood Orchesters vorgemacht wurde? Chris Hein selbst hält sich dazu vorerst bedeckt, deutet aber unverbindlich an, dass eine Orchestral Brass Library aus seinem Hause durchaus denkbar wäre. Unabhängig davon, was die Zukunft in dieser Hinsicht wohl bringt, sehen wir uns die Chris Hein Winds auf den nächsten Seiten genauer an.

Details

Ein Haufen Holz!

Die Chris Hein Winds Complete enthalten etwa 130.000 Einzelsamples von Holzblasinstrumenten und umfassen ein Datenvolumen von etwa 50 GB – das ist natürlich ein Haufen Holz! Organisiert und abgespielt werden die vielen Audio-Schnipsel über die Engine von Native Instruments Kontakt 5 bzw. den kostenlos im Lieferumfang enthaltenen Kontakt Player 5. Im Gegensatz zur zuletzt erschienenen Chromatic Harmonica, die im Open-Kontakt-Format veröffentlicht wurde und sich nicht ganz so nahtlos wie gewohnt in den Sampler einbinden ließ, handelt es sich diesmal wieder um eine voll in Kontakt integrierte Library. Alles andere wäre einer Library dieser Größenordnung wohl auch nicht angemessen.

Geliefert wird all das entweder als Boxed-Version in einer Pappschachtel, die einen USB-Stick mit den Daten und ein gedrucktes Benutzerhandbuch enthält, oder als direkter Download von der Hersteller-Seite, wobei in diesem Fall auch einzelne Instrumente aus dem hier getesteten Komplett-Paket erstanden werden können. Die Installation läuft wie für Kontakt-Libraries gewohnt unkompliziert, die Autorisierung der Software nimmt man online über ein Challenge-Response-Verfahren mit dem NI Service-Center vor.

Content und Konzept 

Die meisten aktuellen Orchester-Libraries bieten für ihre enthaltenen Instrumente jeweils Samples, die aus mehreren Mikrofonpositionen heraus aufgezeichnet wurden und somit einen realistischen und flexiblen Raumklang möglich machen. Die Chris Hein Winds entscheiden sich bewusst dagegen, diesem Trend zu folgen, bieten grundsätzlich sehr trockene Samples und setzen in Hinsicht auf den Raumklang ausschließlich auf den integrierten Faltungshall. Der Grund dafür ist einfach: Um die Voraussetzungen für musikalisch möglichst gut harmonierende Artikulationen der einzelnen Instrumente untereinander zu schaffen, wurden die Aufnahmen zu großen Teilen gemeinsam eingespielt. Bei den Chris Hein Horns war beispielsweise an vielen Stellen noch ein wenig Nachbearbeitung nötig, um Swells oder Runs im Bläsersatz aneinander anzupassen und ein möglichst stimmiges Ergebnis hervorzubringen. Dies sollte mit den Chris Hein Winds also kein Thema mehr sein. Wenn gemeinsam eingespielt wird, ist ein separierter Raumklang für die Instrumente aber natürlich nicht möglich, da in diesem Fall Übersprecher in den einzelnen Kanälen vorhanden wären. Folglich wurden die Aufnahmen zwar gleichzeitig aber in separaten Studio-Kabinen gemacht – natürlich mit entsprechendem Monitoring, bei dem die Musiker sich gegenseitig hören konnten.

Die Library gliedert sich ähnlich wie die Complete-Version der Chris Hein Horns in vier Teile, die ähnlich wie bei der Aufstellung im Orchestergraben voneinander abgegrenzt sind. Teil eins enthält zwei unterschiedliche C-Flöten, und alleine dieser Punkt ist schon einmal sehr zu begrüßen, da leicht abweichende Klangfarben des gleichen Instruments in programmierten Arrangements natürlich sehr hilfreich sein können. Weiterhin sind eine Piccolo- und eine Alt-Flöte im Sortiment. Teil zwei bietet jeweils eine in B und Es klingende Klarinette mit zusätzlicher Bassklarinette. Eine Oboe, eine lieblichere Oboe d'amore und ein English Horn finden sich in Teil drei, worauf Teil vier mit einem Fagott, einem etwas rauer klingenden Barockfagott und einem Kontrafagott die tieferen Register abdeckt. 

In Hinblick auf den Detailgrad der Samples werden die gewohnt hohen Erwartungen an die Chris-Hein-Instrumente erfüllt. Jedes Instrument bietet zwischen 15 und 17 unterschiedliche Artikulationen, die größtenteils über die gesamte Library hinweg aufeinander abgestimmt sind. Zusätzlich finden sich einige speziellere und für Flöten, Klarinetten, Oboen und Fagotte exklusive Spieltechniken. Die Anzahl der Velocity-Switches ist für eine orchestrale Library mit sechs bis acht Layern für die Haupt-Spielweisen und drei bis vier Layern für die Specials ebenso auf der Höhe der Zeit. Im Praxis-Teil werden wir sehen, ob die guten technischen Daten auch wirklich für einen exquisiten Holzbläserklang sorgen!

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