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02.02.2021

Berliner Clubcommission: Normaler Clubbetrieb erst 2022

Die Vorsitzende der Clubcommission erwartet ein zähes Comeback

"Wir sind die Ersten, die geschlossen wurden, und die Letzten, die wieder öffnen dürfen". So etwas hörte man zuletzt häufiger aus der Veranstaltungsszene. Mehrere Berliner Clubs äußerten sich zuletzt zur aktuellen Situation und gaben auch eigene Prognosen für den Restart der Clubszene ab.

Wenn die Vorsitzende des Veranstalter-Dachverbands Clubcommision e.V. Pamela Schobeß ihre Meinung zum Berliner Nachtleben abgibt, sollte man schon genauer hinhören. Der dpa sagte sie, dass sie erst Ende 2022 mit einer Clubszene rechnet, die an die Zeit vor Corona anschließen kann: "Es geht ja auch um Ekstase". Zwar werden Veranstaltungen auch früher möglich sein, aber das Clubleben lebt von körperlicher Nähe ohne Einschränkungen. Das kann man nicht mit bestuhlten Konzerten mit Sitzplänen und Maskenpflicht vergleichen. Daher rechnet Schobeß mit einem langsamen Weg zurück zur Normalität: "Es kann nicht von Null auf Hundert gehen". Ein weiterer Grund liegt auch an der touristischen Situation. Berlin wird von vielen Gästen nunmal zum Feiern besucht. Bis der Tourismus allerdings wieder auf dem Stand vor Corona angekommen ist, könnte es noch eine Zeit dauern. Eine Erhöhung der Eintrittsgelder oder ein kommerzialisierteres Nachtleben könnte die kurzfristige Folge sein. 

Tresor sieht Licht

Die Club-Legende Dimitri Hegemann vom "Tresor" sieht die Situation schon optimistischer: "Wir wirtschaften genau und kalkulieren sehr hart. Wir gehen von weiteren Hilfsprogrammen aus und hoffen, dass im Juli die Sonne wieder scheint". Hegemann sagte weiter, dass die Sehnsucht nach "zwanglosen Partys" bestehen bleiben wird, weshalb hier weiter für die Berliner Clubszene gekämpft werden wird. Ein Sprecher des "://about blank" rechnet hingegen auch 2021 nicht mit einer großen Erholung. Demnach müsse man "geduldig bleiben", allerdings sehe es nicht danach aus, dass dieses Jahr "vielversprechender als 2020" werden wird. Keine Prognose gab Konstantin Krex vom "Kater Blau" ab. Krex möchte die aktuelle Situation erst noch weiter abwarten: "Die Situation ist bitter, weil man nicht machen kann, was man liebt. Und weil es keine verlässliche Perspektive gibt. Man guckt von der Seitenlinie zu, wie sich die Schulden anhäufen."

Ohne Hilfspakete sähe es dunkel aus

Bis Juni können sich die über 100 Berliner Clubs weiter auf Hilfsgelder von Bund und Land verlassen. Diese reichen aber nicht einmal aus, um sämtliche Fixkosten zu decken. Viele Clubs mussten daher schon Kredite aufnehmen, die aufgrund der aktuellen Niedrigzinspolitik attraktiv sind. Große Kritik gab es allerdings vom "Watergate" und ":// about blank" bezüglich der Hilfsgelder. Die beiden Ostberliner Clubs bekamen weniger Soforthilfe, da sie durch Spendeneinnahmen und Kredite Geld aufgenommen hatten. So bekamen manche Clubs wie "The Pearl" eine gute sechsstellige Summe, während das "Watergate" im Herbst mit 25.000 Euro abgespeist wurde.

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