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23.10.2018

Bericht von der 3. CrashIt! Vintage & Custom Drum Messe

In Mannheim am 20.10.2018

Aller guten Dinge sind drei

Am 20.10.2018 öffnete die CrashIt! Vintage & Custom Drum Messe bereits zum dritten Mal ihre Pforten, und viele Freunde alter Trommeln und Becken aus dem In- und Ausland kamen angereist, um ihre Schätzchen anzubieten, sich die aktuellen Kreationen der Custom-Hersteller anzuschauen oder einfach das besondere Flair von Vintage Drums und Cymbals zu genießen. Dazu hatte Veranstalter Daniel Schwarz, wie auch in den letzten zwei Jahren, ins Mannheimer Jugendkulturzentrum Forum unweit des Neckars geladen und mehr als 20 Ausstellern die Möglichkeit gegeben, sich der interessierten Drummer-Gemeinde zu präsentieren. Wir waren mit einem vierköpfigen Team vor Ort und haben uns für euch umgeschaut.

Volles Haus und bekannte Gesichter

Auf meinem Weg zur CrashIt!, der mich auf den letzten Metern durch eine Hochhaussiedlung am Neckarufer-Nord führt, konnte ich schon von weitem die vertrauten Klänge hören, so dass die Location schnell gefunden war. Nachdem ich schon vor dem Eingang von einem beeindruckenden Arsenal an gebrauchten Becken, allesamt anspielbereit auf Stativen montiert, begrüßt wurde, warteten im Foyer bereits die ersten gewerblichen und privaten Aussteller auf Kundschaft bzw. fachkundiges Publikum. Im großen Saal schließlich reihten sich die Stände dicht an dicht, und es wurde eifrig angetestet und gefachsimpelt. Zur kulinarischen Verpflegung durch die Kombüse Mannheim oder für entspannte Gespräche in ruhiger Umgebung gab es im oberen Stockwerk das Drummers Café. Es fiel auf, dass viele Aussteller zu sehen waren, die man bereits vom letzten Mal kannte, was einerseits erfreulich ist, weil es zeigt, dass es bei den Firmen vorangeht und fleißig weiterentwickelt wird, aber vor dem Hintergrund, dass der Veranstalter vielen weiteren interessierten Ausstellern aufgrund der erschöpften Kapazität der Räume eine Absage erteilen musste, sollte zukünftig vielleicht über größere Räumlichkeiten oder zumindest eine Art Rotationsprinzip nachgedacht werden. Trotz alledem war die Atmosphäre im Forum äußerst angenehm und inspirierend. 

Boris Ritschler von MIDMILL DRUMS hat sich ganz dem Upcycling verschrieben und hatte wieder einige seiner Stave Shell Snares dabei, die er in traditioneller Fassbauweise aus alten Möbeln, Weinfässern, Paletten und sonstigen Holzgegenständen fabriziert. Weiterhin hatte Boris seine Custom Rods im Gepäck, deren untere Hälfte in einer gummiummantelten Aluminiumhülse steckt. Dadurch sind, im Gegensatz zu herkömmlichen Rods, Rimshots und Rimclicks möglich. Wie im letzten Jahr kam auch diesmal Felix Leyde von TEMPEST DRUMS aus dem hohen Norden angereist. Blickfang an seinem Stand waren seine mittlerweile höchst begehrten Glockenbronze-Snares, die er, in diversen Kesseltiefen und mit unterschiedlicher Hardware-Ausstattung, dabei hatte. Auch ein 15“x6,5“ Modell war zu bestaunen. 

ACD UNLIMITED hatte in diesem Jahr, neben den im letzten Jahr vorgestellten Darwin Bassdrum-Pedalen, eine neue Hi-Hat-Maschine mit versenkbaren Beinen dabei. In einem Vortrag im kleinen Saal demonstrierte Firmeninhaber Dennis Namesnik eindrucksvoll die Funktionsweisen und Konstruktionsprinzipien seiner ausgefuchsten Kreationen. Der Holländer Sjoerd van den Beuken von ZEBRA DRUMS hatte ein wunderschönes Set mit vier Toms dabei, das das Free Floating Prinzip mit der Fassbauweise verbindet und dementsprechend fett und rund klang.

Im großen Saal stieß man gleich am Eingang auf den SONOR-Stand, an dem es, neben einem aktuellen Set der Vintage Series, auch ein 1920er Jahre Kit aus der Sammlung von Klaus Ruple zu bewundern gab. Ruple hatte zudem ein paar Exemplare seines wunderbaren Buches „Sonor in Weissenfels“ dabei, zu dem er im kleinen Saal um die Mittagszeit auch einen 30-minütigen Vortrag hielt. Gleich gegenüber hatte Marius Buck von BUCKBLECH einige seiner Beckenkreationen dabei. Dabei handelt es sich entweder um eigens aus B6-Bronze hergestellte Cymbals oder um Becken, die von Marius modifiziert und teilweise drastisch umgearbeitet werden. 

Erstmals in Mannheim anwesend war der österreichische Hersteller SCHAGERL Drums, vertreten durch Markus Lechner und Christoph Keppel. Die konvex geformten Snaredrums der Firma sind bereits jetzt legendär, zudem waren auch zwei Brass Series Drumkits mit 0,7 Millimeter dünnen Messingkesseln am Stand zu sehen. Selbstverständlich war die KLANGMACHEREI, vertreten durch Mic Scharf, auch wieder vor Ort. Mic hatte, neben einem Rock Set mit zwei Floortoms, zahlreiche Holz- und Aluminium-Snares sowie eine große Auswahl an Add-ons, wie zum Beispiel Leder- und Gel-Dämpfer, Klett-Klipps und Cymbal Sizzlers dabei.

Willy Wahan gehört mit seiner Firma WAHAN Drum Technology schon zu den Stammgästen der Messe und war in diesem Jahr nicht nur Aussteller, sondern auch Leiter eines Workshops zum Thema Drum Tuning, der in einem separaten Raum während der Messe stattfand. In der Mitte des Saals präsentierte der Drumstick-Hersteller ROHEMA einen Teil seines umfangreichen Angebots, gleich daneben gastierte mit Alex Zachow von TROYAN ein Trommelbauer, der bereits in den 1980er Jahren mit seinen in Deutschland hergestellten Stave Shell Snares und Drumkits für Aufsehen sorgte. Er hatte auch einige außergewöhnliche Snares mit Carbon-, Hanf- und Glas(!)-Kesseln am Start. 

Den Platz auf dem Podest im großen Saal teilten sich zwei Schweizer und ein Deutscher: Stefan Wicki präsentierte seine W.J.E. Steambent Solid Shell Snaredrums mit Folien- und Naturholz-Finishes sowie unterschiedlichen Böckchen-Optionen, während sein Landsmann Christoph Anlauf, der mit seinen SOLID DRUMS kurioserweise nicht auf Solid Shells, sondern auf die Fassbauweise setzt, neben diversen Snaredrums aus einheimischen Hölzern auch ein antestbereites Komplett-Set am Stand hatte. Interessant war auch sein Böckchen-Design, das an die Ludwig Imperial Lugs erinnert, aber dennoch eine eigenständige Note aufweist. 

Holger Reith von HANDMADE DRUMS gilt seit langem als fester Bestandteil der Custom Drum Szene. An seinem Stand konnte man zahlreiche Snaredrums aus unterschiedlichen Hölzern, allesamt in Fassbauweise hergestellt, bewundern, sowie einige Drumsets, von denen das rötliche Amaranth-Kit mit 20“ Bassdrum die größte Aufmerksamkeit auf sich zog.

Gernot Wegele von HERZBLUT INSTRUMENTS war zum dritten Mal dabei und präsentierte, neben seinen neu gestalteten Bassdrum-Beatern, auch das gerade noch rechtzeitig zur Messe fertiggestellte „Oxic Inc.“ Signature Set mit Woodhoops. Am Nachmittag teilte Gernot der Zuhörerschaft in einem Vortrag seine Gedanken zum Thema Drum Customizing mit. Dirk Törppe von CUBE PERSONAL DRUMS und SAMSUN CYMBALS kann man getrost als Urgestein der deutschen Custom Drum Szene bezeichnen. Bereits seit 2006 ist er in Sachen Trommelrestauration und Schlagzeugbau tätig, wobei er seine Holzkessel seit eh und je in Schichtbauweise konstruiert und bezüglich Herstellung und Materialauswahl großen Wert auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit legt. 

Schön anzusehen sind immer wieder die innovativen und genial konstruierten OPUS IV Kompakt-Sets von Wilfried Bellinghausen. Zwei unterschiedlich konfigurierte Sets, die mit einem überraschend „erwachsenen“ Klang aufwarten konnten, hatte Bellinghausen dabei. Eine Besonderheit ist das Bassdrum-Pedal, das rechts neben der Trommel steht und über ein Gestänge den Beater ans Fell bewegt, wobei das Spielgefühl sehr direkt ist und keine Eingewöhnung erfordert. Bereits zum dritten Mal war Peter Kraus mit seinen VULKANO DRUMS auf der Messe. Er setzt auf die Fassbauweise und fertigt sowohl Snaredrums als auch komplette Drumsets in seiner Werkstatt in Wassenach / Rheinland-Pfalz. Ein Drumset und diverse Snares hatte er in Mannheim dabei. 

Um die Mikrofonabnahme von Trommeln geht es bei den Produkten der Firma SOUNDHOOPS, die zum ersten Mal unter den Ausstellern war. Dabei handelt es sich um Spannreifen, in welche die Mikrofone durch eine eingearbeitete Öffnung direkt integriert werden können. Es können sowohl die Soundhoops-Mikros als auch Mikrofone von Sennheiser, Shure oder Audix verwendet werden. Der gemütlichste Ort auf der Messe war wieder einmal das „Wohnzimmer“ von Thorsten Reeß alias  MR. MUFF. Neben seinen inzwischen sehr beliebten Produkten Muffkopf und Muffstick – dabei handelt es sich um flauschige, stark dämpfende Überzieher für Bassdrum-Schlägel und Drumsticks – hatte Thorsten auch eine Neuentwicklung dabei. In Zusammenarbeit mit der KLANGMACHEREI, welche die Befestigung beisteuerte, entstand der MiniMuff, ein Außendämpfer für Snare und Toms. 

Unter dem schönen Namen DRUMKENSTEIN LABS baut Martin Baytchev seit Jahren eigenständige Instrumente, die man so kein zweites Mal findet. Ob das nun aus Heizungskesseln zusammengeschweißte Trommeln bzw. Drumsets sind, Pentagramm-förmige Becken oder eine Snare, aus der vier Cowbells herausragen… keine Idee ist zu absurd, um nicht von Drumkenstein in die Tat umgesetzt zu werden. Es gibt aber im Programm durchaus auch klassisch gebaute Snares, bei denen meistens Stainless Steel mit massiven Wandstärken verwendet wird. 

Last but not least präsentierte auch Veranstalter Daniel Schwarz sein ganz persönliches Projekt. Als Fan der alten Ludwig Speed King Fußmaschinen, von vielen auch liebevoll „Quietsch King“ genannt, hat er sich den Kopf darüber zerbrochen, wie man diese nach dem Druckfeder-Prinzip arbeitenden Pedale verbessern kann und präsentierte einige der modifizierten Speed Kings auf der Messe.

Fazit: Eine sympathische und sehr gut organisierte Veranstaltung, die absolut Lust auf weitere Ausgaben macht. Wir sind auch in Zukunft gern wieder dabei!

Nachtrag: Die vierte CrashIt! findet am 19.10.2019 statt. Alle Infos gibt es auf der FB-Seite der CrashIt!

Nachtrag 2: Hier noch der ausführliche Report von Nicolas Unger zur diesjährigen CrashIt! 

Tipp: Noch mehr Events findet ihr auf unserem Event-Kalender Schlagzeuger.

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