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Das war die erste Crash It! 2016 – Custom- und Vintage Drums Messe in Mannheim

Mannheim ist Unesco City of Music, da wird es höchste Zeit, die Schlagzeuger in den Fokus zu rücken, dachte sich Drummer, Trommelbauer und Vintage-Nerd Daniel Schwarz und rief als Initiator kurzerhand das erste Vintage- und Custom Drums Meeting „Crash It!“ in Mannheim aus. Am 08.10.2016 war es soweit, und viele kamen, teilweise mit einer Anreise von mehreren hundert Kilometern. Wir waren ebenfalls für euch vor Ort.

Im Kulturzentrum Forum in Mannheim stand am 08.10.2016 alles im Zeichen der Trommeln. Alle Bilder © Christoph Behm für bonedo
Im Kulturzentrum Forum in Mannheim stand am 08.10.2016 alles im Zeichen der Trommeln. Alle Bilder © Christoph Behm für bonedo


Mannheim ist in Sachen Schlagzeug wahrlich kein unbeschriebenes Blatt, haben doch einige bekannte und angesagte Trommler wie Moritz Müller, Mario Garruccio, Anika Nilles oder Ralf Gustke hier ihre Wurzeln. Ebenso gibt es mit der Popakademie und der staatlichen Hochschule gleich zwei Musikhochschulen, an denen sich Drummer ausbilden lassen können. Meine Reise vom Bahnhof zum Jugendkulturzentrum Forum führt die Tram erst einmal durch die Einkaufszone. Statt Drummern, die mit Trommeln, Sticks und Becken bewaffnet sind, sehe ich vor allem Jogginghosen und Primark-Tüten.

Am Veranstaltungsort selbst steht dann aber natürlich alles im Zeichen der Drumsticks, und nicht nur optisch, sondern auch akustisch merke ich sofort: Hier bin ich goldrichtig. Insgesamt gibt es eine bunte Mischung aus Vintage-Flohmarkt und erlesenen kleinen Schlagzeugfirmen. Neben den obligatorischen alten K und 602 Becken sind auch zahlreiche kultige Gretsch, Sonor, Ludwig und Rogers Drums zu bestaunen und anzuspielen, und auch Trixon-Experte Ingo Winterberg ist mit einem Kit des deutschen Traditionsherstellers angereist. Für Schnäppchenjäger sind haufenweise Ersatzteile und etliche wirklich günstige alte Trommeln und Becken zu erstehen, und auch der Profi-Szene ist dieses Event nicht entgangen. So erfahre ich, dass sich der Drummer von Chart-Stürmer „Joris“ am Vormittag direkt ein Vintage-Kit für die kommende Tour gekauft hat.

Fotostrecke: 5 Bilder Ein alter Japaner zum günstigen Kurs.
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Neben den Liebhabern der alten Instrumente sind viele Hersteller moderner Trommeln anwesend. Denn nicht selten – das weiß ich aus eigener Erfahrung – führt der Weg zu einer neuen Trommel über die Restauration einer alten Trommel beim Trommelbauer der Wahl. So kommen Vintage- und Custom Drums dann schneller als gedacht auf einen Nenner.
Als langjährige Vertreter der Custom-Szene sind St Drums und Willy Wahan anwesend, hier hätten sich in meinen Augen ruhig noch ein paar mehr „alte Hasen“ auf den Weg machen können. Aber was nicht ist, kann ja bei zukünftigen Events noch werden. Allerdings waren die Ausstellerplätze restlos und nach kurzer Zeit vergeben. Wahan Drums stellte ein Update der Vario Lifter Abhebung vor und hatte neben einem sehr gut klingenden Buchenset auch neue Snares aus Edelstahl und Aluminium am Start. Neben einem eigenen Drumset hatte St Drums, der größte Lieferant für Trommelteile im deutschsprachigen Raum, auch eine Auswahl an Folien- und Finish-Ideen für DIY-Trommelbauer parat. In einer Standkooperation mitOpus IV war ein Set mit Shellac-lackierten Mahagoni-Kesseln zu sehen und anzuspielen.

Fotostrecke: 5 Bilder Ein entspannter Willy Wahan zeigte unter anderem …
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Boris Ritscher hat vor kurzem seine Firma Midmill Drums ins Leben gerufen und stellte sich mit seinen Upcycling Stave Drums vor. Im Workshop erklärte er seine Herangehensweise an den Trommelbau. Als bevorzugtes Ausgangsmaterial kommen bei ihm ausgediente und gut abgelagerte Schrankwände, Weinfässer und Holzpaletten zum Einsatz. Ebenfalls für Aufsehen sorgte das Free-Floating Stave Kit von Zebra Drumsaus Holland. Hier konnte man vergleichsweise dünne, miteinander verzahnte Dauben und eigene Free-Floating Hardware bestaunen. Besonders die Toms klangen phänomenal! Hier hat sich jemand richtig Gedanken gemacht, und auch die Preise waren erfreulich moderat angesiedelt. 

Fotostrecke: 5 Bilder Ausgecheckte Technik bei den Free Floating Drums von Zebra aus Holland.
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Herzblut Instruments zeigte selbst gebaute Trommeln und E-Bässe, sowie eigene Bassdrum-Beater. Herzblut legt großen Wert darauf, dass keine tierischen Produkte und Zusätze für den Bau der Instrumente zum Einsatz kommen – die ersten veganen Instrumente am Markt. 
Muffkopf mit Erfinder Thorsten Reeß zeigte neben dem Original Muffkopf eine weitere, flauschige Variante des Bassdrumschlägel-Überzugs. In meinen Augen hätte er auch einen Preis für die beste Stand-Deko verdient – wer sonst bringt Omas Sessel und Wohnzimmertapete mit auf eine Trommelmesse? Richtig freakig ging es am Stand von Drumkenstein Drums zu, wo skurrile Kombinationen aller möglichem metallischen Instrumente mit nahtlosen Metallkesseln, kreiert von Martin Baytchev, zu bestaunen waren. Unter den allerhand sonderbar aussehenden Trommeln konnte man zum Beispiel eine Snare erblicken, aus deren Kessel ringsherum Kuhglocken herausschauen.
Sehr stilvoll und gediegen waren daneben die Trommeln von Mic Scharf /Klangmacherei ausgestellt. Mic hatte unter anderem ein Free Floating Maple Set und ein zweilagiges Mahagoni-Set am seinem Stand ausgestellt. Dieses besteht aus Schichtholzkesseln aus eigener Herstellung. Überall im Saal wurde fleißig gehandelt und Erfahrungen und Kontakte ausgetauscht.

Fotostrecke: 6 Bilder Herzblut Instruments und Klangmacherei waren auf einer Ebene angesiedelt.
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Interview

Hallo Daniel, du hast diese Veranstaltung zum ersten Mal organisiert. Wie ist das zustande gekommen?

Daniel Schwarz:  Ich bin ein großer Fan von Vintage Drums, habe mich in den letzten drei bis vier Jahren in das Thema hinein gearbeitet und begonnen, Vintage Drums zu kaufen und alte Trommeln zu restaurieren. Die Motivation kam durch einen Besuch des Vintage Drum Meetings in Neu-Isenburg. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich gefragt habe, warum man so etwas nicht mal in in Mannheim machen kann. Hier gibt es jede Menge sehr guter Schlagzeuger, von denen ich auch weiß, dass sie auf diesen alten Vintage Kram stehen. 

Aber die Intention scheint ja vor allem darin zu liegen, einen Marktplatz zu bieten. Hier sind ja nicht nur Vintage Drums zu sehen, sondern auch viele kleinere Custom-Hersteller.

Für mich gehen die Bereiche Vintage und Custom Drums oftmals Hand in Hand, denn beides kommt nicht von der Stange. Bei den Custom-Bauern geht es mir auch darum, ihnen eine Plattform für die Ausstellung ihrer Instrumente zu geben, da Musikmessenstände oder Anzeigenwerbung für viele nicht bezahlbar sind.

Wie hast du es eigentlich geschafft, in so kurzer Zeit so viele Aussteller zusammen zu bekommen?

Das war eigentlich ziemlich einfach. Ich habe ein schönes Logo von einem Kumpel gemacht bekommen, die Veranstaltung in der Vintage-Szene bekannt gegeben, und die Trommelbauer kamen dann von alleine auf mich zu. Und das lief eigentlich fast ausschließlich über Facebook. 

Gab es da keine Sorgen bezüglich der Konkurrenz zu anderen Treffen?

Nein, ich habe es denen auch gleich gesagt, dass ich Bock habe, ein Treffen für Vintage- und Custom Drums aufzuziehen. Man sollte das hier nicht als Konkurrenzveranstaltung sehen. Ich will niemandem etwas kaputt machen. Dieses Konkurrenzdenken ist heutzutage eigentlich auch total out, das sollte man in meinen Augen auch tunlichst unterlassen, besonders wenn man eine Firma hat. Ich habe auch den Eindruck, dass es da unten sehr kollegial und freundlich unter den Ausstellern zugeht. Und wenn jemand beneidet wird, dann auf eine sehr positive Art und Weise.

Hast du schon Pläne für zukünftige Events?

(lacht) Also ich habe heut’ nacht de facto kein Auge zu gemacht, weil ich so aufgeregt war, ob das alles aufgeht. So viele Leute, die von so weit her kommen auf diese kleine „Nischenmesse“, weil sie etwas darin sehen und deshalb unbedingt ausstellen wollen. Darum hätte es mir so leid getan, wenn keine Leute gekommen wären, aber das Publikum war da, die Aussteller haben verkauft und waren daher auch sehr zufrieden. Neben Trommlern waren auch Besitzer von Tonstudios da, die sich was bauen lassen wollen….

Also willst du es nächstes Jahr wieder machen? 

Ja, ich gehe fest davon aus. Die Jahreszeit ist auch optimal, weil um diese Zeit nicht so viel los ist. Der Eintritt soll auch weiterhin frei bleiben. Die Aussteller zahlen eine kleine Standgebühr und alles, was erwirtschaftet wird, geht hier ins Kulturzentrum Forum. 

Vielen Dank für’s Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!

Fotostrecke: 5 Bilder So sieht ein zufriedener Veranstalter aus: Daniel Schwarz, hier mit Ingo Winterberg von Trixon Drums (links)
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Fazit

Die erste Crash It! war in meinen Augen eine tolle Veranstaltung, die mit reichlich Enthusiasmus für frischen Wind in der Szene sorgt und im nächsten Jahr hoffentlich noch weiter wächst. Sehr gut war, dass man alle Instrumente anspielen und, sofern genug Bargeld vorhanden war, auch direkt kaufen konnte. Zudem konnte man die verschiedenen Personen hinter den Instrumenten und kleinen Unternehmen persönlich kennenlernen. Wo gibt es sonst so eine Form des Austausches in einem so reichhaltigen Spektrum an Schlaginstrumenten aller Jahrgänge? Nur das Workshop-Programm sollte in Zukunft noch weiter ausgebaut werden, auch interaktive Events wie Trommel-Stimm-Workshops könnte ich mir gut vorstellen. Sehr lecker war übrigens auch das vegane Catering im Obergeschoss!
Weiterführende Links:
Crash It! auf Facebook (eine normale Website ist in Planung)
Der Blog von Drummer Nicolas Unger zur Crash It!

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Herzblut Instruments und Klangmacherei waren auf einer Ebene angesiedelt.

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von Christoph Behm

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