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28.04.2015

Benny Greb DVD „The Art and Science of Groove“ Review

Schlagzeug Lehr-DVD

Zurück in die Zukunft

Die neue Benny Greb DVD, die uns zur bonedo Besprechung vorliegt, trägt den Titel „The Art and Science of Groove“. Trommler aller Genres und Entwicklungsstufen sollen sich von diesem Silberling angesprochen fühlen, geht es doch um den Kern rhythmisch-musikalischen Ausdrucks am Drumset. „Woraus besteht eigentlich Groove, was muss ich tun, damit es sich gut anfühlt?“ fragen sich viele ambitionierte Drummer. Dass ein begnadeter Rhythmiker und Musiker wie Benny Greb solche Fragen öfter hört, dürfte nicht überraschen, ist der Mann doch auch als Workshop- und Masterclass-Dozent in aller Welt unterwegs. Er weiß also, was die Drummer antreibt, zudem hat er Erfahrung im Bereich DVD-Produktion, denn dies ist bereits seine dritte Veröffentlichung dieser Art, nach „Vorschlag“ (2003) und seinem großen Erfolg „The Language of Drumming“ (2009). Was das neue Werk besonders macht und ob es tatsächlich hilft, den eigenen Groove zu verstehen und zu verbessern, lest ihr in den folgenden Zeilen.

„Noch eine?“ waren nicht nur meine ersten Gedanken, als ich von den Plänen Benny Grebs las, eine weitere DVD produzieren zu wollen. Braucht es denn nach dem umfassenden Language of Drumming-Werk noch eine weitere DVD von Benny? Und ist der Markt der Trommel-DVDs nicht sowieso längst gesättigt? Und wer soll das bezahlen? Zumindest die letzte der Fragen kann direkt beantwortet werden: exakt 115 340 Euro konnte Benny von Fans und Unterstützern per Crowdfunding-Kampagne über das Internet einsammeln. Auf einen Verlag und damit verbundene konzeptionelle und finanzielle Vorgaben musste er somit keine Rücksicht nehmen. Was hier im bonedo DVD-Player rotiert, dürfte also ziemlich genau das sein, was Benny sich vorgestellt hat. Und das ist eine Menge. Aber der Reihe nach, für uns Drummer sind ja weder das Finanzielle noch die Details der Produktion interessant, wir wollen vielmehr wissen, ob die DVD uns hilft, bessere Trommler und Musiker zu werden. Wir haben uns das Lehrvideo also genau angesehen.

Details

Konzept und Aufbau

Eins vorab, wer Rudiment-Übungen, Tipps zu Stickhaltung, Fußtechnik und anderen technischen Aspekten des Schlagzeugspiels erwartet, wird in „The Art and Science of Groove“ nicht fündig, denn Herrn Greb geht es um etwas anderes. Sein Ansatz kann eher als Analysesystem bezeichnet werden und stellt Fragen wie: welche Faktoren tragen zu einem soliden Puls, sicherem Spiel und passenden musikalischen Entscheidungen bei? Herausgekommen ist eine fünfteilige Gliederung der DVD in die Bereiche Time, Feel, Sound, Body und Mind. Performances mit dem Bassisten Frank Itt sowie mit seiner Band Moving Parts tragen zur Veranschaulichung der Themen bei und sorgen für Abwechslung. Abgerundet wird das Ganze durch ein „Making of“ sowie ein Bonuskapitel, in welchem Benny auf seine Stimmtechnik eingeht.

Die fünf Teile im Überblick 

Dass eine stabile "Time" essentiell für einen gut klingenden Drummer ist, ist euch natürlich klar, jedoch herrscht darüber, wie man sie erreicht, nicht immer Übereinstimmung. Benny regt an, den Pfad eines als Viertelnoten gehörten Metronoms zu verlassen und es stattdessen als zweite, dritte und vierte Sechzehntel-Unterteilung wahrzunehmen. Klingt kompliziert? Ist es auch zunächst, zumindest für Drummer, die dies noch nie gemacht haben. Die von Benny vorgestellten „Einstiegshilfen“ sind jedoch musikalisch schlüssig, und nach einer gewissen Einarbeitungszeit werden Fortgeschrittene erste Erfolge wahrnehmen können. Auch auf das viel diskutierte Thema „vor, auf, hinter dem Click spielen“ geht Benny ein. Mit dem deutschen Top-Bassisten Frank Itt demonstriert er anschaulich, wie die leichte Verschiebung von Schlägen zu einer grundlegenden Veränderung der Wahrnehmung beim Zuhörer führt und regt an, sich musikalisch-intuitiv leiten zu lassen und nicht zu „wissenschaftlich“ zu verfahren.

Mit einer guten Time als Fundament wendet sich Benny im nächsten Kapitel dem „Feel“ zu. Hier geht es ihm darum, ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, wie die Art, etwas zu spielen, das Gefühl des Grooves beziehungsweise des Songs beeinflusst. Anhand verschiedener Beispiele erläutert er, wie Menschen Rhythmus empfinden und wie man dieses Bewusstsein nutzen kann, um das eigene Spiel interessanter zu gestalten. Hier fehlt mir ein bisschen der greifbare Bezug, vielleicht hätte man den Abschnitt mit den anderen verbinden können, um die Anschaulichkeit zu erhöhen.

Viele praktische Ansätze stellt Benny im Abschnitt „Sound“ vor, sicherlich eines der Highlights der DVD. Hier geht es ihm grundsätzlich um zwei Dinge: einerseits das Bewusstsein für Klänge und Klanglängen der einzelnen Instrumente des Drumsets, andererseits um ihre tonale Rolle im Verhältnis zueinander. Anhand von Begriffen wie dem „Captain“ oder dem „Mischpult“ erläutert Benny die Wichtigkeit des Lautstärkeverhältnisse, bezogen auf unterschiedliche Musikstile.  

Schlagzeug spielen ist eine sehr bewegungsintensive Angelegenheit, dem Körper kommt also eine wichtige Funktion beim Umsetzen musikalischer Ideen zu. „Body“ heißt denn auch der folgende Bereich der DVD, in welchem Benny auf Themen wie eine gleich bleibende Körperspannung als Voraussetzung für stabile Groove- und Bandarbeit eingeht. Auch hier sorgt die Performance mit Frank Itt dafür, Bennys Ausführungen sehr anschaulich werden zu lassen.

Im letzten Teil der DVD geht es um den Kopf – den „Mind“ – des Trommlers. Übungen zum bewussten Spielen und die damit verbundene Fähigkeit, musikalische Entscheidungen zu treffen, stellt Benny Greb in diesem Kapitel in den Vordergrund. Und obwohl man Ansätze wie den Mute (Stummschalt)- und Soloknopf schon aus anderen Konzepten kennt, bleiben sie doch effektive Werkzeuge zum bewussten Spielen und werden schlüssig dargestellt.

Gleichzeitig unterhaltsame und gründliche Darstellung 

Insgesamt gefällt mir sowohl die Gliederung als auch die inhaltliche Darstellung sehr gut. Benny ist nah dran am Zuschauer, und selbst erfahrenen Trommlern dürfte in vielen Passagen ein Licht aufgehen, und sei es nur, weil bestimmte Dinge einfach wieder ins Bewusstsein gerufen werden. Ganz ohne inhaltliche Überschneidungen mit anderen Werken kommt „The Art and Science of Groove“ nicht aus, was angesichts der Fülle an insgesamt verfügbarem Lehrmaterial auch nicht verwunderlich ist. Der Qualität der DVD tut dies keinen Abbruch, im Gegenteil. 

Bild und Ton

Dass die technische Umsetzung von der DVD von Leuten gemacht wurde, die ihr Handwerk verstehen, ist offensichtlich. Ein gestochen scharfes Bild, kombiniert mit einer unaufgeregt-effektiven Kameraführung, die immer das ins Bild rückt, was man als Zuschauer sehen möchte, sorgt dafür, dass man lange und ermüdungsfrei zuhören und zugucken kann. Effekte beschränken sich auf wenige Situationen, in welchen sie passend sind und fungieren nicht als Ablenkungsmanöver für dürftigen Inhalt. „Professionell!“ entfuhr es dann auch dem ein oder anderen Kollegen und Schüler, „das sieht ja aus wie ein richtiger Film.“ Zu dem Eindruck trägt auch der sehr gute Ton bei, Benny's Drumset klingt klar und druckvoll, schon ein Blick auf Mikrofone und Location verrät, dass hier viel für den Sound getan wurde. Benny spricht englisch, wählt man die deutsche Sprache aus, liegt seine Stimme über dem (noch hörbaren) Originalton. Auch hier wurde sehr sorgfältig gearbeitet, und es verfestigt sich der Eindruck, dass hier wirklich das gute Ergebnis im Vordergrund stand und nicht eine Budget-Grenze.

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