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Test
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24.12.2019

Behringer Odyssey Test

Analoger duophoner Synthesizer

Krieg der Klone

Mit dem Behringer Odyssey kommt nach fast vierzig Jahren Pause jetzt schon der zweite analoge Nachbau eines der meistbegehrten Synthesizer der 1970er Jahre heraus: Des Arp Odyssey. Der kleine, dreioktavige Synthesizer war ein Abkömmling der großen Arp 2600 und Arp 2500 Maschinen und wurde wie der Moog Minimoog ein Hit. Dabei ist er ein völlig anderes Instrument und es ist natürlich spannend zu sehen, wie vier Jahre nach Korg jetzt Behringer den Odyssey neuinterpretiert hat. Wir haben uns den Behringer Odyssey einmal genauer angesehen.

Details

Geschichtlicher Hintergrund

Der originale Arp Odyssey hat eine lange und belebte Geschichte und wurde von 1972 bis zum Untergang von Arp 1981 durchgängig hergestellt. In diesen wenigen Jahren gab es schon viele Veränderungen: Vier verschiedene Farbschemen, je nach Zählung zwischen drei und fünf verschiedenen Filterdesigns, verschiedene Oszillatoren, verschiedene Methoden des Pitchbend, unterschiedliche Anschlüsse, unterschiedliche Stromversorgung, unterschiedliche Sample & Hold Schaltungen und mehr. Genau genommen ist es also ziemlich unmöglich zu definieren, wer oder was jetzt eigentlich ein Arp Odyssey ist, insgesamt gab es immerhin mindestens acht verschiedene Modelle und Arp lieferte damals auch Kits zum Umbau aus. Ja, das waren noch Zeiten als das Update zum Löten mit der Post kam.

Gemeinhin hat man sich aber darauf geeinigt von drei Modellen mit drei Filtern zu sprechen: Der Mk1 in Weiß mit einem rauschigen 12db Filter (4023), der Mk2 in Schwarz/Gold mit einer Kopie des Moog’schen Ladder Filters (4035) und der Mk3 in Schwarz/Orange mit einem eigenen Design eines 24 db Filters (4075). Weiterhin hat man sich darauf geeinigt, dass die Oszillatoren des Mk1 instabiler sind als deren spätere Kollegen und dass mit dem Mk2 der Pitchregler durch die eher wenig geliebten weißen Drucktaster ersetzt wurden. Dass sich alle diese Dinge tatsächlich alle überschnitten haben, lassen wir an dieser Stelle dahingestellt, irgendwie muss man das ja alles sortieren. Über den Arp Odyssey wurde schon so viel und so oft geschrieben, dass wir an dieser Stelle technisch nicht in alle Einzelheiten gehen werden. Dazu kann man sich die vielen Berichte über die originalen Arps, oder eben die Reinkarnation des Odyssey durch Korg durchlesen, da gibt es viel Lektüre. Deshalb hier eher ein Schnelldurchlauf bevor ich in einen Lobpreis des Arp Odyssey verfallen werde.

Aufbau des Originals

Der Arp Odyssey ist ein subtraktiver Synthesizer mit zwei Oszillatoren mit Sync, einem Rauschoszillator, einem LFO, einem Tiefpass- und einem Hochpassfilter, einer ADSR- und einer AR Hüllkurve, einem Sample & Hold Modul, einem Audio Mixer, einem CV Mixer für den Filter und einen weiteren zuweisbaren CV Mixer. Ergänzt wird das durch die dreioktavige Tastatur, Oktavlagenschalter, Drucktaster anstelle des Pitch Wheel und für Vibrato, Portamento, einem CV Pedaleingang und eine Autoanschlagsfunktion, bei welcher der LFO die Hüllkurven startet. Wer dagegen lieber Drones spielt wird beim VCA Gain Slider fündig, hier wird das Signal an den Hüllkurven vorbei geleitet. Wer durch die vielen CVs verwirrt wird: Hier es geht einfach um die Modulationen, im CV Mixer für den Filter werden zum Beispiel einfach die Modulationsquellen für den Filter eingestellt.

Schon die Aufzählung der verschiedenen Module machen deutlich, wie sehr sich der Arp Odyssey von seinem großen Gegenspieler, dem Moog Minimoog unterscheidet: Wo der Minimoog mit seinen drei Oszillatoren mit verschiedenen Wellenformen, seinem Haifischsägezahn, seiner brachialen Klanggewalt und seinem Filter überzeugt sind es beim Arp Odyssey die vielen Möglichkeiten, welche das Gerät zu einem Solisten werden lassen. Beim Odyssey wollte man modulare Verschaltbarkeit ohne die lästigen Patchkabel in einem kleinen transportablen Gerät unterbringen, und das hat zweifellos geklappt. Und gerade Sounds wie Filter FM, Oszillator FM, Sync und Ring Modulation sind digital immer noch schwer nachzubauen.

Weil das alles rein analog hergestellt wird, fangen die Seitenbänder nur so an zu quietschen und zu kreischen, als würde die Elektronik gequält. Das gilt zumal auch für den frequenzmodulierten Filter, der über das Pedal in Bereiche gefahren werden kann, die sich über den Schieberegler gar nicht erreichen lassen. So viel Kreuz- und Quermodulation ist verschaltungstechnisch die Stärke modularer Synthesizer und Arp hat es beim Odyssey geschafft, dass hier alles durch einfache Schalter und Fader geregelt wird. Und klanglich sind so viele Modulationen im hörbaren Bereich die Stärke analoger Synthesizer und wer einmal FM bei einem Arp gehört hat weiß: So muss das. Wild, ungezähmt, brachial. Kein Wunder, dass der Odyssey so ein großer Erfolg wurde: Den fetteren Sound hatte zwar der Moog, aber der Odyssey konnte sich hochfrequent, energisch und drahtig auch im dicksten Mix durchsetzen.

Eine große Anzahl von Funktionen auf kleinem Raum ist aber auch immer eine heikle Sache, denn fast zwangsläufig leidet die Übersichtlichkeit. Beim Arp Odyssey hat man sich mit einer Farbkodierung beholfen, bei der man sich aber öfter fragt, wieso ein Fader jetzt ausgerechnet diese Farbe und nicht eine andere hat, als dass man anfängt intuitiv zu patchen. Und die Lernkurve dieses außergewöhnlichen Instruments ist auch nicht ganz so flach wie bei anderen Synthesizern, der Odyssey verlangt schon Beschäftigung, möchte man alles heraus kitzeln. Aber man bekommt auch ohne CV Mixer, Oszillator 1 in LFO Stellung oder der Autoanschlagsfunktion brauchbare bis klasse Sounds, der Arp Odyssey ist einfach ein sehr guter Synthesizer und mit recht ein Klassiker.

Erstes Remake in 2015: Arp Odyssey von Korg

2015 brachte Korg in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Chefentwickler von Arp, David Friend, den Odyssey neu heraus, mit dem originalen Herstellernamen 'Arp', denn Korg ist Eigner der Namensrechte. Zuerst in einer Slim Key Version in einem eigenen schicken Koffer, der aber aufgrund ihrer Tastatur einen Sturm der Entrüstung entfachte: Da bringt Korg doch tatsächlich ein Remake einer Ikone heraus und dann mit so einer Tastatur. Sakrileg! Inzwischen gibt es den Arp Odyssey von Korg in unterschiedlichen farblichen Varianten und Größen zu erwerben und lustigerweise geht das Spiel mit den verschiedenen Versionen auch gleich weiter, denn die neuesten Versionen sind gegenüber den ersten inzwischen auch schon wieder leicht verändert. Klanglich weiß der Korg Arp Odyssey aber auf jeden Fall zu überzeugen, und auch wenn die Schaltkreise nicht ganz die originalen waren: Er klingt wie der originale Arp Odyssey.

Aber wieso waren die Schaltkreise nicht ganz die gleichen? Nun, wenn es so viele verschiedene Varianten vom Original gibt, dann muss man ausmisten und auswählen, und ein bisschen an- und umgebaut wurde auch noch. Wer sich für die tatsächlichen Schaltkreise interessiert kann einmal hier nachsehen, und wer einmal bei einem DIY Nachbauprojekt beteiligt war, weiß, wie viel Arbeit das ist. Es ist erstaunlich wie viele Entscheidungen da getroffen werden müssen und nicht alle Entscheidungen von Korg sind auf Gegenliebe gestoßen. Hier eine Liste der Dinge, die man als Außenstehender sehen kann, bei den Schaltkreisen selber ging es sicher noch mehr ans Eingemachte:

  • Die stabileren Oszillatoren ab Mk2
  • Die PPC Drucktaster
  • Der 4023 Filter rauscht nicht mehr
  • Einbau aller drei relevanten Filter mit Auswahlschalter
  • Eine LED am LFO
  • Tastatur in das Gehäuse versetzt
  • Tastatur ohne Velocity und Aftertouch
  • Keine Speichermöglichkeit
  • Zusätzlicher Overdrive
  • Zusätzlicher Portamento-Verhaltensauswahlschalter (der kleine blaue Druckschalter zwischen Portamento und Oktavwahlschalter)
  • Sehr rudimentäre Midifizierung über USB und 5-Pol
  • Kopfhörerausgang
  • An-/Ausschalter auf der Rückseite
  • Externes Netzteil

Zweites Remake in 2019: Der Behringer Odyssey

Der Korg Arp Odyssey ist also keine Wiederauflage eines der alten Modelle, sondern eine Neuinterpretation. Jetzt fragt sich vielleicht manch einer, wieso hier über den Korg Arp Odyssey referiert wird, wo es doch eigentlich um den Behringer Odyssey geht? Ganz einfach deshalb, weil der Behringer Odyssey sämtliche Designentscheidungen und Erweiterungen von Korg übernommen hat, komplett, 1:1, ohne Änderung. Darunter fallen auch so umstrittene Entscheidungen wie die Drive Schaltung, die AR-Hüllkurve, die sehr knapp gehaltene Midifizierung und die Pitchbend Drucktaster. Da es den Korg Arp Odyssey ja schon gibt, hätte man doch, wie in vielen Testberichten und Foren gewünscht, die AR-Hüllkurve durch eine ADSR-Hüllkurve ersetzen können, die unbeliebten Drucktaster durch Wheels ersetzen, eine Tastatur mit Velocity und Aftertouch einbauen und endlich auch einmal den dringend benötigten Referenzton a=440 Hz wie beim Minimoog/Model D spendieren können.

 Aber es ist sogar noch seltsamer: Der von Korg hinzugefügte und viel kritisierte Overdrive, findet sich auch im Behringer, obwohl es dort doch eine eigene Effektsektion gibt. Der Ausgang ist Mono geblieben, dabei gibt es in der Effektsektion Stereoeffekte und vor allem Hall, weshalb der Ausgang in Stereo ausgelegt werden sollte. Auch nicht im Original Arp enthalten ist der von Korg zusätzlich verbaute und von mir so benannte ‚Portamento-Verhaltensauswahlschalter‘. Das ist bei Korg ein kleiner, blauer, mit einem spitzen Stift zu bedienender Druckknopf. Jetzt darf man dreimal raten wie das beim Behringer ausschaut. Ist es nicht enorm, wie sich der neue Behringer und der Korg gleichen, wie ein Ei dem anderen? Obwohl es so viele unterschiedliche Originalversionen gibt?  Und wie Behringer sogar die von Korg überhaupt erst neu hinzu gefügten Dinge auch in seine eigene Neuschöpfung integriert? Es ist als wollte Behringer einen mit der Nase darauf stoßen. Wir kommen bei den Soundbeispielen noch einmal darauf zu sprechen.

Behringer hat aber nicht nur alle Neuerungen von Korg sogar bis in die Farbgebung hinein übernommen, sie haben auch selber angebaut: Es gibt den Odyssey jetzt mit beleuchteten Fadern, dem hauseigenen vom Behringer MS-01 bekannten Sequenzer und Arpeggiator nebst einer Effektsektion. Das sind im Fall von Sequenzer und Arpeggiator willkommene Ergänzungen und auch die beleuchteten Fader werden bei manchem für leuchtende Augen sorgen. Gut ist hier, dass man über einen rückwärtigen Drehregler die Helligkeit einstellen kann, das sollte in keinem Pflichtenheft für beleuchtete Fader fehlen. So richtig tief sind die beiden Sachen aber nicht in das Gerät integriert: Die Effekte hängen als Zusatz hinter dem Ausgang und der in den MIDI-Schaltkreis integrierte Sequenzer wirkt - abgesehen von den Akzenten - tatsächlich nur auf die Tonhöhen. Die Tastatur bietet zwar Velocity und Aftertouch, aber der Odyssey reagiert weder auf das eine, noch auf das andere. Fast, zumindest, denn eine Neuerung gibt es dann doch noch: Man kann über die Tastatur die gleichen Akzente spielen wie über den Sequenzer.

Von der Größe her liegt der Behringer Odyssey zwischen dem Fullsize Korg und der ersten Korg Inkarnation mit dem Slim Keys. Allen gemeinsam ist der doch recht große Platzverbrauch, was nicht zuletzt auch schon an der bald schon quadratischen Grundfläche liegt. Und wenn wir schon beim vergleichen sind, muss der Elefant im Raum natürlich auch genannt werden: Der Behringer Odyssey ist trotz Effektsektion und Sequenzer/Arpeggiator erheblich preisgünstiger als der Arp Odyssey aus dem Hause Korg.

Bezüglich der Bauweise muss sich der Behringer nicht verstecken: Sowohl das Chassis, als auch das komplette Gehäuse kommen äußert solide daher. Die Beschriftung ist scharf, die Fader gut, die Schalter auch, auf die Tastatur kommen wir noch zu sprechen. Der einzige Kritikpunkt ist hier der USB-Anschluss bei dem man doch bei jedem Mal ein bisschen weiche Knie bekommt, so locker wie der sitzt. Über externe Netzteile wird kein Krieg angefangen, es gibt gute Gründe dafür und dagegen. Schade ist aber in der Tat, dass der Stecker nicht abgeknickt ist, weswegen man noch einmal zusätzlich vier Zentimeter Raum hinter dem ohnehin schon großen Gerät einplanen muss. Das ist, quel surprise, beim Korg Arp Odyssey genau so und deshalb hätte man es besser machen können.

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