Gitarre
Test
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13.06.2012

Bad Cat Cougar 5 Test

Vollröhren-Combo

Gut gebrüllt, Puma

Seit 2000 kommt aus dem Süden des US-amerikanischen Bundesstaates Kalifornien edles Equipment für Gitarristen, das inzwischen dafür gesorgt hat, dass man zumindest in der Heimat einen durchaus respektablen Ruf genießt. In Europa allerdings gilt für die Amp-Schmiede Bad Cat mit ihren handverdrahteten klassischen Röhrenverstärkern momentan noch der Geheimtipp-Status, was sich aber relativ schnell ändern könnte. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass man mit einer Produktion in China auch die Klientel erreichen möchte, die nicht unbedingt über einen Boutique-kompatiblen Geldbeutel verfügt.

Und genau aus dieser Ecke der Welt stammt auch unser Testobjekt, der Bad Cat Cougar 5. Bei ihm handelt es sich um einen kleinen Röhrencombo, der sich mit einer Leistung von ganzen fünf Watt in den Trend der aktuellen Mini-Vollröhrenamps einreiht. Ob die fernöstliche Produktion westlichen Rock ’n’ Roll-Ansprüchen genügt?

DETAILS

Der kompakte Röhrencombo, der nur das Nötigste mitbringt und auf jeglichen Schnickschnack verzichtet, wird von einer Single-Ended Class A Design-Endstufe mit einer EL84 Leistungsröhre angetrieben, zwei 12AX7 Vorstufenröhren arbeiten ihr zu. Als Schallwandler dient ein 12 Zoll Celestion Vintage 30 Speaker, der mit seiner Leistungsgrenze bei 60 Watt an 16 Ohm für eine 5 Watt Endstufe eigentlich völlig überdimensioniert scheint, aber in dieser Kombination sehr gut funktioniert. Der Speaker sitzt in einem 16-mm Birkensperrholz-Combogehäuse und bildet zusammen mit der Ampsektion ein perfekt aufeinander abgestimmtes Paar. Der mit schwarzem Vinyl überzogene Verstärker erinnert mich an die Amps von Hiwatt. Der Bespannstoff hat etwas von diesen 3D-Bildern, die man eine gewisse Zeit anstarren muss, bevor man etwas Sinnvolles erkennen kann. Ich habe zwar alles versucht, konnte aber keine versteckte Message finden, schade. Der Combo wiegt knapp 15 kg und eignet sich dank des großen Kunstledergriffs und seiner geringen Abmessungen bei Bedarf auch für die kleine Gewichthebe-Trainingseinheit.

Auf dem Bedienpaneel befinden sich neben der Inputbuchse und dem On/Off-Schalter lediglich drei Regler, die mit cremefarbenen Chickenhead-Potiknöpfen bestückt sind. Äußerlich sehr spartanisch, aber wohldurchdacht greift die Klangregelung massiv in die Gestaltung der Sounds ein – und die besteht hier lediglich aus einem einzelnen Tonregler, der Bass, Mitten und Höhen gleichzeitig verändert. Je weiter man ihn aufdreht, umso obertonreicher wird der Sound, umgekehrt wird es eher dumpfer und fetter. Im Bereich von 10 bis 15 Uhr macht er den besten Job und liefert eine große Palette wirklich brauchbarer Klänge. Tatsächlich habe ich keinen weiteren Regler vermisst, denn der eine greift sehr geschmackvoll in den kompletten Frequenzhaushalt des Amps ein. Bei den ersten Gehversuchen stand der Klangregler auf 12 Uhr, was sich als sehr gute Ausgangsposition erwies. Natürlich muss man je nach Zerrgrad feine Korrekturen vornehmen, aber beim Cougar 5 handelt es sich insgesamt um einen äußerst eleganten Rockamp, der im Prinzip nicht viel mehr machen soll, als einen soliden Grundsound zu erzeugen. Aber nicht nur die Klangregelung zeigt sich bezüglich der Soundgestaltung hilfreich, mit Vorstufen- oder  Endstufenzerre hat man die Möglichkeit, sehr viele Nuancen abzudecken, von absolut cleanen Sounds bis hin zu kantigen Rockbrettern. Beide Verzerrungsmöglichkeiten lassen sich auch mischen, was aber definitiv Alarm in der Nachbarschaft auslöst, denn der Amp ist für seine fünf Watt ganz schön laut.

Rückseitig findet man in direkter Nachbarschaft zur Euro-Netzbuchse zwei Klinkenausgänge, an die der eingebaute Lautsprecher und eine externe Box gleichzeitig angeschlossen werden können. Der Impedanzwahlschalter passt den Amp an die aktuellen Widerstände an. Auch ein serieller Einschleifweg steht zur Verfügung, wobei seriell bedeutet, dass hier bei Verwendung die Verbindung zwischen Vor- und Endstufe gekappt wird und das Signal komplett durch das angeschlossene Effektgerät läuft. Hier bitte keine Bodentreter oder vorsintflutliche Bandechos anschließen, sonst besteht die Gefahr, dass vom tollen Ampsound des Cougar 5 nicht viel übrig bleibt.

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