Hersteller_Arturia KC_Keyboard_Controller KC_Minitasten KC_komplex KC_DAW_Integration
Test
3
10.01.2014

Praxis

Hardware-Konfiguration

Natürlich ist es möglich, das MiniLab Keyboard ohne die mitgelieferte „Analog Lab“ Software als universellen MIDI-Controller zu verwenden. In diesem Fall wird die Programmierung der Bedienelemente über das „MiniLab MIDI Control Center“ vorgenommen, das auf Arturias Website zum Download bereit steht. Das funktioniert denkbar einfach: Um eine Zuweisung zu editieren, klickt man das betreffende Bedienelement im virtuellen Abbild des Keyboards an und kann dann im oberen Bereich die gewünschten Einstellungen treffen. Wenn man fertig ist, kann die Konfiguration auf einen der acht Speicherplätze des Keyboards geschrieben werden und steht dann auch ohne Computer – etwa im Einsatz mit einem iPad – hardwareseitig auf Knopfdruck zur Verfügung. Acht Speicherplätze sind nicht üppig, reichen aber für die allermeisten Anwendungen aus. Weitere Konfigurationen können auf dem Computer archiviert und bei Bedarf geladen werden. Auch für Firmware-Updates ist das MIDI Control Center zuständig – ich konnte im Test ein Firmware-Update problemlos durchführen.

Die verschiedenen Bedienelemente des Keyboards lassen sich äußerst flexibel zuweisen. Für jedes Pad, jeden Encoder und die beiden Touchstrips kann der MIDI-Kanal individuell vergeben werden – sehr schön. Die Drehregler und der Modulations-Strip können jede beliebige MIDI-CC-Nummer und auch NRPN/RPN senden und zwar auf Wunsch auch umgekehrt, also mit dem höchsten Wert am unteren/linken Anschlag (sofern man bei Endlosreglern von „Anschlag“ sprechen kann). Auch die minimalen und maximalen Controllerwerte sind einstellbar. Der Fußtaster-Eingang lässt sich mit einer CC-Nummer (z.B. Sustain) oder mit einer MIDI-Note belegen. Die Pads senden auf Wunsch MIDI-Noten, Program Changes, Continous Controller (Gate oder Toggle) oder MIDI-Machine-Control-Befehle. Für die Tastatur und die Pads stehen jeweils vier verschiedene Velocitykurven zur Verfügung, und die Beschleunigung der Drehregler kann in drei Stufen eingestellt werden. Damit kann das MiniLab alles, was ein Controllerkeyboard gemeinhin so können muss. Einzig eine Splitfunktion fehlt, aber die wäre bei 25 Tasten von eher zweifelhaftem Nutzen. Bei Verwendung der Analog Lab Software kann ein Split softwareseitig realisiert werden.

Tastatur

Um die kleinen Abmessungen zu erreichen, wurde auch die Tastatur geschrumpft: Die 25 Tasten nehmen gerade einmal gut 29 Zentimeter ein. Über die Vor- und Nachteile von Minitasten wurde viel geschrieben, seit der microKORG die Mäuse-Tastatur aus der Leuchttasten-Kinderkeyboard-Schmuddelecke holte und salonfähig machte. Manch einer kommt überhaupt nicht damit zurecht, anderen gefällt es, dass sie nun größere Intervalle greifen können. Ich persönlich habe überhaupt nichts gegen Keyboards mit Minitasten, wenn sie denn halbwegs gut spielbar sind wie zum Beispiel der microKORG. Das Keyboard des MiniLab überzeugt mich leider nicht ganz so sehr. Die Tasten sind mir etwas zu schwergängig und man spürt deutlich die starre Feder, in die man hineindrückt. Zusammen mit dem kurzen Tastenweg ergibt das ein etwas merkwürdiges Spielgefühl. Wenn man Akkorde greift und die Tasten etwas weiter innen anschlägt, tun die steife Feder und der kürzere Hebel ihr Übriges und die Anschlagstärke wird schwer kontrollierbar. Auch kontrollierte Staccato-Noten sind auf dieser Klaviatur nicht ganz einfach. Zum Spielen von einfachen Synth-Lines, zum mobilen Festhalten von Ideen und für Jamsessions im ICE reicht es aber aus, und für mehr ist ein Controllerkeyboard mit 25 Minitasten natürlich auch nicht gemacht.

Controller

Besser gefallen mir die Pads, die sich gut spielen lassen. Die beiden Touchstrips für Pitchbend und Modulation sind eine Platz sparende und wohl auch haltbare Lösung, aber manchmal etwas zickig. Wenn man nicht stark genug drückt, kann das zu unschönen Sprüngen und Werte-Kauderwelsch führen. Aber mit etwas Gewöhnung kommt man gut damit klar. Auch die Drehregler fühlen sich gut an und machen einen guten Job, jedenfalls beim universellen Einsatz des MiniLab als MIDI-Controller.

Analog Lab

Kommen wir nun zur Softwarekomponente. Analog Lab ließ sich problemlos installieren und lief im Test sowohl stand-alone als auch unter Logic stabil. Die Oberfläche ist dreigeteilt. In der Leiste ganz oben findet man die Schaltflächen für die drei Betriebsarten „Sound“, „Multi“ und „Live“, daneben Buttons zum Speichern und Laden, zur Auswahl des verwendeten Arturia Keyboards (oder eines generischen Controllers) und praktische Helferlein wie einen Controller-Lernmodus und einen Panic-Button.

Der große mittlere Bereich dient der Auswahl von Klängen und wechselt sein Erscheinungsbild je nach gewähltem Modus. Links findet man hier stets eine lange Liste mit Presets, während die rechte Hälfte weitere Einstellungen bereithält. Ganz unten hat eine virtuelle Darstellung des Keyboards Platz gefunden, die für die Controllerzuweisungen zuständig ist und das Schrauben an Klängen mit der Maus ermöglicht. Die virtuelle Tastatur lässt sich übrigens ausblenden, wodurch mehr Platz für den mittleren Auswahlbereich frei wird.

Im Sound-Modus spielt Analog Lab einen Einzelsound, also eines der 5000 Presets von neun verschiedenen Arturia Softsynths. Der rechte Bereich lässt sich in diesem Modus zwischen einer hübsch gestalteten Studioansicht, in der der jeweils aktive Synth von einem Spotlight erhellt wird, und einer Filterfunktion umschalten. Letztere ermöglicht die Suche nach Klängen anhand von Kategorien wie Bass, Lead oder Pad, dem verwendeten Softsynth und/oder Attributen wie „Aggressive“, „Bright“ oder „Short“. Bei 5000 Sounds ist das ein mehr als willkommenes Feature.

Wählt man einen Klang aus, so werden die Controller des Keyboards automatisch einigen wichtigen Parametern des Synths zugewiesen. Obwohl die verschiedenen Synthesizer natürlich sehr unterschiedliche Einstellmöglichkeiten bieten, ist die Belegung immer ungefähr gleich, was auch durch das mitgelieferte Overlay-Sheet bekräftigt wird. Die Default-Belegungen für wichtige Parameter wie Cutoff und Resonanz (bzw. bei einigen Geräten ihre Entsprechungen wie z.B. „Brightness“ oder „Emphasis“), LFO Rate und die Amp-Hüllkurve sind bei allen Synths gleich – einzig das Wurlitzer fällt aus dem Rahmen, aber das ist ja auch kein Synthesizer. Insgesamt ist das ganz gut gelungen und es gibt beim Spielen kaum Überraschungen. Möchte man die Reglerbelegung ändern, kann man dies ganz einfach tun, indem man beim betreffenden Regler aus einem Menü den gewünschten Parameter auswählt. Für jedes Instrument stehen 19 steuerbare Parameter zur Verfügung. Das reicht aus, um ein bisschen zu schrauben, aber natürlich nicht, um Sounds wirklich frei nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Vor allem bei den komplexeren Synths wie dem CS-80 und dem Moog Modular fehlen doch eine ganze Menge Parameter. Ein Instrument für Klangtüftler ist Analog Lab nicht, möchte es aber auch gar nicht sein. Veränderte Sounds lassen sich speichern und der Presetliste hinzufügen.

Die Qualität der meisten Presets ist gut, wie man es von Arturia erwarten würde. Natürlich sind unter den 5000 Sounds auch etliche, die man nie benutzen wird, aber dank der Filterfunktion findet man recht schnell den gewünschten Klang. Hier ein paar Beispiele:

Im Multi-Modus lassen sich zwei Sounds zu Layer- oder Split-Setups kombinieren. Die Software hält schon eine lange Liste von vorgefertigten Multis bereit, aber es ist selbstverständlich auch möglich, eigene Setups zu erstellen und abzuspeichern. Die Zuweisung von Sounds zu den Parts 1 und 2 erfolgt einfach per Drag&Drop aus der Soundliste. Der Tastaturbereich, der MIDI-Kanal, die Oktavlage und die Transposition können für jeden Part frei eingestellt werden. Jedem Hardware-Drehregler kann im Multimode je ein Parameter von beiden Sounds zugewiesen werden, wodurch flexible Setups möglich werden: Man kann einige Regler mit Parametern von Part 1 belegen, andere für Part 2 reservieren und schließlich auf Wunsch Parameter beider Parts gleichzeitig mit demselben Regler beeinflussen.

Außerdem gibt es einen Mixer, der für jeden Part Volume- und Pan-Regler sowie zwei Sends für die beiden Effektbusse A und B bereithält. Die Liste der Effekte reicht von Standards wie Chorus, Stereo-Delay und Reverb bis hin zu „Kaputtmachern“ wie Bitcrusher oder „Destroy“. Auch ein Kompressor und ein 4-Band-EQ sind dabei – eigentlich klassische Insert-Effekte, die man am besten zum Einsatz bringt, indem man den Sendweg auf Pre-Fader stellt, den Volume-Regler des Parts ganz herunter- und den Dry/Wet-Fader des Effekts ganz aufdreht. Die Effekte bieten nicht überragend viele Einstellmöglichkeiten, aber die wichtigsten Regler sind überall vorhanden und klingen tut es auch ganz ordentlich.

Der dritte Modus heißt Live und ist ein Setlist-Mode zum leichteren Aufrufen bestimmter Sounds mit Program-Change-Befehlen. Die 128 Slots (für 128 mögliche Program Changes) lassen sich wahlweise mit Einzelsounds oder Multis befüllen und dann über MIDI aufrufen, zum Beispiel über Program Up/Down Buttons eines Controllerkeyboards. Außerdem kann für jeden Slot im Klartext vermerkt werden, für welchen Song der darin befindliche Sound gedacht ist. So kann man sich schnell und einfach die für einen Gig benötigten Sounds zusammenstellen und muss beim Aufrufen nicht mit komplizierten Bank-Select-Befehlen hantieren (eine der mühsamsten und fehleranfälligsten Prozeduren, die uns der hoffnungslos veraltete MIDI-Standard beschert hat). Praktisch! Ebenfalls hilfreich für Live-Performances sind die sogenannten Snapshots. Mit ihnen kann man Sounds oder Multis auf den Pads des Keyboards ablegen und auf diese Weise sehr einfach zwischen ihnen wechseln.

Beim Steppen durch die Presets fällt leider auf, dass die Sounds nicht nur beim Umschalten abreißen, sondern der Wechsel – insbesondere im Multi-Modus – auch häufig von unangenehmen Knackgeräuschen begleitet wird. Diese sind zum Teil wirklich störend laut, ich habe das im folgenden Video einmal festgehalten. 

Außerdem gibt es teilweise heftige Pegelunterschiede zwischen verschiedenen Sounds, wie das zweite Video zeigt. Diese sind nicht nur störend, sondern manchmal sogar regelrecht gefährlich. In einem Fall konnte ich im Kanalzug meiner DAW nach dem Schreck und dem instinktiven Griff zum Lautstärkeregler eine Übersteuerung von über 50dB ablesen! Hier gibt es noch einiges zu tun, damit Analog Lab ein Ernst zu nehmendes Werkzeug für die Bühne und das Studio wird. 

Auch mit der Performance der Encoder unter Analog Lab hatte ich leider ein paar Probleme. Laut Bedienungsanleitung soll das Keyboard beim Einschalten ein speziell auf die Software abgestimmtes „neuntes Preset“ laden. Dennoch kamen Wertesprünge, Verzögerungen und andere Merkwürdigkeiten vor, und auch verschiedene Konfigurations-Experimente brachten keine Besserung. Manche Regler verursachten gelegentlich Parameterveränderungen in umgekehrter Richtung, ohne dafür konfiguriert zu sein. Ein anderer bewegte nicht sein virtuelles Gegenstück in der Software, sondern den benachbarten Regler, obwohl er erwiesenermaßen eine andere MIDI-CC-Nummer sendete als dieser. Es scheint sich hierbei um ein Softwareproblem zu handeln, denn eine Analyse der von der Hardware gesendeten MIDI-Werte zeigte, dass hier eigentlich alles in Ordnung war. Auch hier gibt es noch Verbesserungsbedarf.

2 / 3
.

Verwandte Artikel