Test
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01.10.2021

Apogee Duet 3 Test

USB 3.0 Audiointerface mit DSP

Die nächste Generation des mobilen High-End Interfaces

Die „kleinen“ Apogee Interfaces genießen seit ihrem Erscheinen im Jahre 2007 einen ausgezeichneten Ruf unter Ton- und Musikschaffenden, die auch gerne unterwegs dieser Tätigkeit nachgehen. So war/ist das Duet 2 (for iPad) seit 2013 mein zuverlässiger Begleiter bei vielen Produktionen, an denen zwischen gebuchten Studioterminen in Hotelzimmern weitergearbeitet wurde. Besonders die hohe Qualität der Mikrofonvorverstärker war in der frühen Phase mobiler Audiointerfaces keine Selbstverständlichkeit, was mit Sicherheit zur hohen Popularität von Duet 1 und Duet 2 beigetragen hat. 2021 liegt mir das neue Apogee Duet 3 zum Test vor. Was gibt es zu berichten?

Details & Praxis

Gerätekonzept

Das Duet 3 ist ein 2x4 USB 3.0 Audiointerface mit einer AD/DA-Wandlung in 24 Bit und Abtastraten bis zu 192 kHz. Mit einer Stromversorgung ausschließlich über den USB-C-Port und kompakten Gehäusemaßen von 103 x 151 x 30 mm (B/T/H) eignet sich das Interface hervorragend für den mobilen Einsatz am Mac, iOS-Geräten und Windows Computern. Letzteres zumindest laut Hersteller, da im Internet aktuell einige unschöne Problemmeldungen von PC-Usern kursieren, die hoffentlich nur vorübergehend sind. Ein wichtiges Upgrade gegenüber dem Vorgängermodell ist der Einsatz von DSP-Effekten. Der in Zusammenarbeit mit Tonlegende Bob Clearmountain entstandene ECS Channel Strip eignet sich hervorragend zur klanglichen Aufbereitung der Eingangssignale für die Aufnahme oder auch Streaming-Anwendungen, die ebenfalls mit dem Apogee Interface möglich sind.

I/Os

Gemessen am Verkaufspreis ist die I/O-Ausstattung des Duet 3, wie auch beim Vorgänger, spartanisch. Auf der schmalen Vorderseite befindet sich eine 3,5mm-Klinkenbuchse zum Anschließen eine Kopfhörers, während rückseitig zwei USB-C-Buchsen sowie die Anschlussbuchse des Breakout Kabels verbaut sind. Letzteres besitzt insgesamt sechs Anschlüsse. Zwei XLR-Buchsen für Mikrofon- und Line-Signale sowie vier TRS-Klinkenbuchsen in 6,35 mm. Zwei davon dienen als Input für hochohmige Instrumente und die verbleibenden als Line Outs, die man beispielsweise zur Verbindung mit Studiomonitoren nutzen kann.

Verarbeitung & Bedienung

Die Verarbeitungsqualität ist vorbildlich und auch der Materialmix verspricht eine lange Lebensdauer durch hartes und kratzfestes, so genanntes „Gorilla“-Glas und Aluminium. Die funktionssteuernden Softtouch-Keys des Vorgängermodells werden durch eine erweiterte Push-Funktionalität des prominenten Encoders (Control Knob) ersetzt, was sehr gut funktioniert. Ein langes Drücken dient der Stummschaltung des per kurzem Klick selektierten Ausgangs. Somit lassen sich grundlegende Funktionen wie Pegel und Mute der Ein- und Ausgänge nach wie vor auch ohne Software an der Hardware bedienen. Allerdings leidet die Bedienbarkeit ein wenig am spürbar geringeren Gewicht des schmalen und kompakten Interfaces. Trotz der großflächig gummierten Unterseite verrutscht das Duet 3 viel leichter beim Betätigen des Control Knob, wodurch beim häufigen stationären Einsatz im Homestudio die Anschaffung des optional erhältlichen Apogee Duet Dock tatsächlich eine Überlegung wert ist. Allerdings verteuert sich der gesamte Anschaffungspreis hierdurch um ca. weitere 150 Euro, was vermutlich die Schmerzgrenze einiger Interessenten weiter überschreitet.

Testumgebung und Software

Der Test des Duet 3 erfolgte an einem iMac Pro unter macOS Catalina. Nach erfolgter Registrierung des Geräts in meinem Apogee Account wurde die Software Apogee Control 2 zum Download bereitgestellt. Die Installation wie auch die darauf folgende Durchführung des Tests an meinem Apple Computer verlief vollkommen reibungslos. Die Software bietet erwartungsgemäß erweiterte Bearbeitungsmöglichkeiten. Neben Input-Konfiguration (z.B. Eingangsquelle, FX, 48V, Softlimit, Phasendrehung) lassen sich für die Line Outs und den Kopfhörerausgang jeweils unterschiedliche Ausgangszuweisungen einstellen. So ist beispielsweise ein Mix aus den Eingangssignalen und zwei DAW Stereo Outs (Playback 1-2 / 3-4) möglich, während auf dem anderen physischen Ausgang ein anderes Signal (z.B. nur Playback 1-2) anliegt. Eine weiteres interessantes Feature ist die Rückführung des kompletten Mixes auf die Software Inputs 1 und 2 zur Aufnahme oder Sendung. Der im Lieferumfang enthaltene ECS Channel Strip ist profigerecht ausgestattet und bietet unter anderem die Möglichkeit zur Parallelkompression wie auch das Routing des High Pass in den Side Chain des Kompressors, was wirklich top ist. Ein Gate würde die Funktionalität noch komplettieren, wobei dieser Arbeitsschritt in den meisten Fällen beim nachträglichen Editieren sinnvoller ist. Im Gegensatz zu einigen Konkurrenzprodukten „printed“ der Channel Strip das Aufnahmesignal und kann nicht alternativ zum reinen Monitoring verwendet werden. Ein DSP-Hall, dessen Einsatz im Kopfhörermix des Künstlers nützlich sein kann, ist ebenfalls nicht mit an Bord, somit besteht noch etwas Luft nach oben für eventuell kommende Updates. Insgesamt empfinde ich die Apogee Control 2 Software aber als sehr gelungen und zweckdienlich, allerdings kann ich mir die Anmerkung nicht verkneifen, dass die Beschriftung im GUI recht klein und schwer lesbar ist. Nun sind meine Augen zwar nicht mehr die besten, aber am Computer komme ich bisher bei meiner Arbeit mit DAWs und meiner UAD Console Software ohne Brille ganz gut aus. Bei Apogee Control 2 musste ich tatsächlich erstmalig eine Ausnahme machen.

Sound

Der Wiedergabe-Check über meine Neumann Monitore und meine kleine, vertraute Sammlung an Referenzkopfhörern entspricht absolut den Erwartungen, die der Name des renommierten Herstellers weckt! Vertraute Fremd- und Eigenproduktionen werden in einer exzellenten Auflösung dynamisch, lebendig und äußerst transparent präsentiert. Auch bei meinem im Test obligatorischen Resampling mit doppelter Wandlung (DA/AD) überzeugt das Duet 3 klanglich. Die Mikrofonvorverstärker arbeiten ebenfalls profigerecht, aber nicht ganz so überzeugend, wie ich das erhofft hatte. Die Aufnahmen mit dem dynamischen Shure SM7B rauschen bei gleicher Vorverstärkung etwas mehr als mit meinem Apollo X4 von Universal Audio und auch einigen anderen USB-Audiointerfaces, die ich in der jüngeren Vergangenheit getestet habe. Dies ist kein Drama und auch nicht zwingend ein Qualitätsdefizit, sondern eher ein Hinweis, dass die Eingangsimpedanz für den Shure-Klassiker vielleicht nicht ganz optimal ist, was auch auf andere hochwertige Preamps zutreffen kann. Doch auch beim Kondensatormikrofon Neumann TLM 102 offenbart mein äußerst kritischer Recording Kopfhörer von Adam Audio ein kontinuierlich wiederkehrendes subtiles Knispeln. Im Produktionskontext sollte dieses Artefakt zwar tendenziell problemlos sein, ein unmittelbarer Gegencheck (gleiches Kabel, gleiches Mikro) mit meinem Apollo-Interface belegt, dass dies weder am Mikrofon noch an der Verkabelung liegt. Weiteren Testaufnahmen mit meinem Schoeps CMC5 verliefen hingegen ohne irgendwelche „Auffälligkeiten“. Noch einmal: Mikrofonaufnahmen mit dem Duet 3 sind durchaus profigerecht, aber nach meiner Einschätzung und Erfahrung auch nicht zwingend besser als mit einigen deutlich günstigeren Bus-Powered-Interfaces, die mir durch vergangene Reviews bekannt sind.

Fazit

Das Apogee Duet 3 ist auch in der aktuellen Generation ein wertvolles Tool mit exzellenter AD/DA-Wandlung für vagabundierende Audio-Profis. Angesichts des geforderten Preises ist die Luft allerdings etwas dünner geworden, da mittlerweile auch in unteren Preisregionen vermehrt gute Wandler und Preamps angeboten werden und ebenfalls gut klingende Konkurrenzprodukte der gleichen Preisklasse meist deutlich umfangreicher ausgestattet sind. Auch empfinde ich nicht alles als top am neuen Duet. Trotz Premiumanspruch klingen die Preamps an zwei der drei im Test verwendeten Mikrofone nicht ganz so sauber wie konkurrierende USB-Interfaces und die Bedienbarkeit am Gerät leidet ein wenig an der mangelnden Standfestigkeit, die beim etwas größeren und schwereren Vorgängermodell nicht zu beanstanden war. Der aus meiner Sicht wichtigste Evolutionssprung und Mehrwert gegenüber dem Duet 2 ist der hervorragende ECS Channel Strip, mit dessen Hilfe sich ein ausgezeichnet Signal zum Tracking und gegebenenfalls auch Streaming aufbereiten lässt!

  • Pro
  • sehr gute AD/DA-Wandlung
  • hervorragende Abhörqualität über Speaker und Kopfhörer
  • zwei profitaugliche Mikrofonvorverstärker
  • hochwertiger Channel-Strip (DSP) zum Recording/Streaming
  • Verarbeitungsqualität
  • praktisches Transport-Case
  • kompakte Maße
  • Contra
  • Aufnahmequalität (Preamps) nicht zwingend besser als bei günstigeren Konkurrenzprodukten
  • GUI der Software schlecht lesbar
  • Gehäuse nicht besonders standfest
  • Channel Strip nicht zum reinen Monitoring nutzbar
  • für den Preis insgesamt puristische Ausstattung
  • Verzicht auf USB MIDI gegenüber Duet 2
  • Features & Spezifikationen
  • USB 3.0 Audiointerface mit DSP
  • Auflösung bis zu 24 Bit/192kHz
  • USB-C Bus-Powered
  • 2 USB-C Anschlüsse
  • 2 kombinierte Mikrofon-, Line und Instrumenteneingänge / Hi-Z
  • 2 Mic Preamps (48V, +65dB)
  • 1 Stereo-Out (6,3mm TRS)
  • 1 Headphone Out (3,5mm Klinke)
  • I/Os per Breakout Kabel (Apogee Duet Dock optional erhältlich)
  • DSP für Low-Latency Recording mit Apogee FX
  • Symphony ECS Channel Strip im Lieferumfang
  • Transportcase
  • Maße: 103mm x 30mm x 151mm (B/H/T)
  • Gewicht: 1,4kg
  • USB-C Kabel mit Adapter auf USB-A
  • Systemvoraussetzungen: Windows 10 Anniversary Update +, macOS 10.14.6+, iOS13
  • Preis: € 599,– (Straßenpreis am 1.10.2021)

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