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Test
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20.05.2021

Analogue Solutions Leipzig V3 Test

Analoger Desktop-Synthesizer

Sound pur

Ich bin stets gespannt, wenn neue Klangerzeuger von Analogue Solutions auf den Markt kommen. Der britische Hersteller sucht meist einen eigenen Weg, Synthesizer oder Peripherie zu konzipieren. Das mag manchmal eigenwillig sein, ist oft aber innovativ und wie im Falle von Leipzig V3 auch konsequent. Der Leipzig-Synthesizer ist keinesfalls neu im Programm von Analogue Solutions, wurde jedoch im Vergleich zur Vorversion - dem in Jahre gekommenen Leipzig-S - um einige Features erweitert.

Details

Eckdaten

Der Analogue Solutions Leipzig V3 ist ein monophoner Synthesizer mit konsequent analogem Aufbau. Einziges Zugeständnis an die Gegenwart ist der MIDI-Anschluss, der mit Note On/Off, Velocity-Daten und Sync nur das Nötigste empfängt und nichts sendet. Genau das Richtige für analoge Puristen. Der Aufbau der Tonerzeugung klingt jetzt nicht besonders spektakulär: 2 VCOs plus Sub Oszillator, Mixer, 24-dB-Ladder-Filter im Moog-Stil, Modulationen, zwei ADSR-Hüllkurvengeneratoren, ein 8-Step-Sequenzer, ein 16-Step-MIDI-Sequenzer (!) sowie links eine Patchleiste mit insgesamt überschaubaren 11 Patchpunkten. Klingt nach einem Mini-Synth? Mitnichten! Komplett falsche Fährte.

Der erste Eindruck

Wow! Der Leipzig V3 kommt in einem massiven und stabilen Metallgehäuse, das in Bezug auf Formfaktor und der Größe an Waldorfs Kyra oder Iridium erinnert. Das ist doch mal ein Statement. Kein „Synth to go“, sondern schon ein sehr edles Teil, das optisch was hermacht: Schwarzes Chassis, große weiße Schrift und eine Benutzeroberfläche mit „One Knob, one Function“-Aufbau. Dank der großzügigen Maße sind natürlich alle Bedienelemente so übersichtlich angebracht, dass man diese optimal bedienen kann – besonders, wenn man sich in typischer „Rundrückenhaltung“ über das Gerät beugt. Klar, dass hier kein Display verbaut ist, zumal der Leipzig V3 auch nicht speicherbar ist – das würde überhaupt nicht ins Weltbild passen.

Analoger Signalweg

Wir starten mit den beiden Oszillatoren. Die Gesamtstimmung wird über Tune geregelt, während Detune nur auf VCO2 wirkt. Die Range von beiden Tune-Reglern ist sehr groß und reicht bis in den LF-Bereich. Daher es nicht ganz einfach ist, im Cent-Bereich nuancierte Einstellungen vorzunehmen, um Schwebungen zu erreichen. Da braucht man ein wenig Fingerspitzengefühl. Bei beiden Oszillatoren stehen „nur“ Sägezahn und Puls zur Verfügung. Dabei ist die Pulsbreite nur für VCO 1 regelbar. Eine Pulsbreitenmodulation ermöglichen beide VCOs, einmal per Dreieck (VCO 1) und zum anderen per Hüllkurve 1 (VCO2). Ungewöhnlich sind separate Glide-Regler für die beiden Oszillatoren. Das kann aber ganz nette Effekte erzeugen.

Im Mixerbereich werden die Lautstärkeanteile beider VCOs sowie eines Sub-Oszillators bestimmt. Hier lässt sich auch das „Weiße Rauschen“ hinzufügen. Alternativ dazu kann man ein externes Signal (Patchbay) mit in den Signalweg einbauen. Danach geht es in den 24 dB Ladder-Filter im klassischen Moog-Stil. Der Aufbau ist klar: Cutoff, Resonance (selbstoszillierend), Key Track und „Contour Amount“, um in der Moog-Diktion zu bleiben. 2013 hatten wir den Vorgänger im Test. Dort wurde u. a. bemängelt, dass der Resonance-Regler erst im letzten Drittel reagiert. Dies hat sich leider in der vorliegenden Version nicht geändert. An letzter Stelle steht dann der VCA, auf den sich wahlweise Hüllkurve 1 oder 2, ein Gate (in etwa eine Orgelhüllkurve) routen lässt. Mit „Thru“ wird eine Art „Initial Gain“ bezeichnet, was den VCA immer komplett geöffnet hält.

Modulationen

Hier sind an erster Stelle die zwei klassischen ADSR-Hüllkurvengeneratoren zu nennen, die relativ knackig zugreifen. Etwas genauer sollten wir uns den Bereich „Modulation“ anschauen. Wir haben mit VCO1, VCO2 und Filter drei Modulationsadressen. Ein Wahlschalter sucht dabei die jeweilige Modulationsquelle aus. Dies kann der LFO (regelbar in der Frequenz) mit Dreieck und Rechteck sein. Bei VCO 1 lassen sich darüber hinaus noch Hüllkurve 1 und VCO 2 nutzen, bei VCO 2 Hüllkurve 2 und MIDI-Velocity und beim Filter VCO 1 und MIDI-Velocity. Hier lässt sich erkennen, dass dabei sowohl FM- als auch Filter-FM-Möglichkeiten zur Verfügung stehen. An dieser Stelle muss noch erwähnt werden, dass VCO 2 vom Empfang der MIDI-Noten ausgeschlossen werden kann, was dann hilfreich ist, wenn dieser Oszillator als Modulationsquelle verwendet werden soll.  

MIDI

Wie schon erwähnt, empfängt der Leipzig V3 neben MIDI-Sync MIDI-Noten und Velocity-Daten. Etwas eigenwillig ist dann die Einstellung des MIDI-Kanals (nur Empfang). Dabei muss bei gedrückter „Channel Program“-Taste ein Signal z. B. von einer MIDI-Tastatur anliegen. Dann reagiert der Leipzig V3 darauf entsprechend. Leider bietet der Synth nur einen MIDI-In und einen MIDI-Thru. Das bedeutet, dass er die Sequenzer-Daten NICHT über MIDI ausgibt. Vielleicht ein wenig zu minimalistisch gedacht. Das gilt zusätzlich für die Tatsache, dass das Instrument via MIDI nicht auf Signale des Modulationsrads reagiert, was sich auch nicht ohne Umwege über ein externes System realisieren lässt. 

Patchbay und Anschlüsse auf der Rückseite

Die wohl wichtigste Ergänzung in der V3-Version ist die kleine Patchbay, die auf der linken Seite platziert wurde. Dabei stehen immerhin elf Patchpunkte zur Wahl, unterteilt in fünf Inputs und sechs Outputs. „Master Pitch Mod“ adressiert beide VCOs für eine Pitchmodulation. Diese ist hier nicht auf 1 V/Okt. kalibriert und ist daher nicht für einen externen Sequenzer gedacht. Gleiches gilt für den Eingang „Mod Pitch VCO 2“, der, wie der Name vermuten lässt, nur auf VCO 2 wirkt. An dritte Stelle steht ein Eingang für die Modulation der Cutoff Frequency. „EG Trig“ löst beide Hüllkurven aus, während über „Ext Sig“ ein externes Signal in den Leipzig V3 integriert werden kann.

Auf der Ausgangsseite stehen beide Hüllkurven sowie die Signale von Dreieck und Rechteck bereit. „Seq Sync“ ist eine Art Thru-Funktion, die ein eingehendes Sync-Signal einfach weitergibt, mit „Seq.CV“ gibt man die CV des 8-Step-Seqeuncers nach außen. Die Anschlussleiste auf der Rückseite ist dann schon extrem minimalistisch: einmal Audio Out (6,3 mm), MIDI In/Thru und der Anschluss für das externe Netzteil. Bleibt nur noch den Kopfhöreranschluss auf der Vorderseite beim VCA (Miniklinke) zu erwähnen, der sich nicht separat in der Lautstärke regeln lässt.

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