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Test
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09.10.2013

Alesis MultiMix 16 USB FX Test

16-Kanal-Mischpult mit integriertem Effektgerät und USB-Audiointerface

Low-Budget-Mischer oder Profigerät?

Mittlerweile die  fünfte Generation kompakter Studio- und Live- Mischpulte, die zudem über ein integriertes Effektgerät sowie eine USB-Schnittstelle verfügen, schickt Alesis mit dem MultiMix 16 USB FX ins Rennen. Trotz moderater Preisgestaltung fanden einzelne Produkte des kalifornischen Herstellers immer wieder Einzug in professionelle Gefilde. Als Beispiel dienen das Quadraverb oder natürlich die ADAT-Recorder.  

Schon rein äußerlich erkennbar beerbt das hier getestete Exemplar das vor knapp vier Jahren bei bonedo vorgestellte MultiMix 16 USB 2.0. Hat nun der Nachfolger auch das Zeug, sich im stark umkämpften Markt der kompakten Alleskönner zu behaupten? Schauen wir einmal genauer hin.  

Details

Layout

Beim MuliMix 16 USB FX handelt es sich, wie man schon von der Bezeichnung her ableiten kann, um ein 16-kanaliges Pult, welches über acht Mono- und vier Stereo-Eingangskanäle verfügt. Die ersten vier der Mono-Vertreter besitzen, im Gegensatz zu den nächsten vieren, einen Dreiband-EQ, der mit einem semiparametrischen Mittenband versehen ist. Ein relativ schmalbandiges Bell-Filter lässt sich hier in einem Bereich von 120 Hertz bis 4 Kilohertz um 15 Dezibel absenken oder anheben. Die folgenden vier Kanäle müssen sich an dieser Stelle schon mit einer Festfrequenz von einem Kilohertz begnügen, wobei dieses Filter etwas breitbandiger zufasst. Beim Vorgängermodell fand man dort noch ein 2,5 Kilohertz-Regelglied, was vielleicht nicht für so viele Audiosignale die optimale Frequenzwahl war. Bei denen sich nun anschließenden Stereokanälen wird es jetzt schon etwas dürftiger mit der „Klangverbiegerei“. Nur noch Bass- und Höhen-Regler sind mit Shelving-Filtern bei 80 Hertz und 12 Kilohertz vorgesehen, mit abermals 15 Dezibel maximaler Absenkung beziehungsweise Anhebung. Top-End- und Low-End-Manipulation finden wir in allen Kanälen auf diese Weise vor. Alle EQ-Potikappen sind auf ihrer Oberseite blau gefärbt.  

Unterhalb der EQ-Sektion schließen sich zwei rote Aux-Regler an, von denen der obere mit FX, der untere mit AUX PRE  beschriftet ist. Als Regelbereich ist minus unendlich bis plus 10 Dezibel aufgedruckt. Ein zwischen den beiden Drehgebern liegender Druckschalter verwandelt den ersten Send in eine PRE FADER-Schaltung, sodass zum Beispiel in einer Live-Anwendung zwei unabhängige Monitorwege realisiert werden können, da auch der zweite Send PRE FADER geschaltet ist. Ein solches Szenario kann ich mir bei dieser Pultgröße und Kategorie jedoch weitaus weniger gut vorstellen, wie den Wunsch, einen zweiten Effektweg eizurichten. Die Möglichkeit, auf Knopfdruck einen zweiten POST FADER-Weg zu realisieren, fände ich irgendwie sinnvoller.

Weiter südlich im Kanal lassen sich mit hellgrauen Drehknöpfchen Panorama beziehungsweise Balance bestimmen. Solo- und Mute-Buttons folgen, wobei jedem dieser eine Status-LED beiwohnt. Erstere leuchtet grün, wenn die Solo-Schaltung aktiviert ist. Sie erfüllt bei nicht gedrückter Solo-Taste aber auch noch eine Peak-Indicator-Funktion, ist daher auch mit PEAK beschriftet. Bemerkenswert dabei ist, dass sie ein POST-Fader-Signal anzeigt, also nicht den Pegel innerhalb des Kanals wiederspiegelt. Hell-gelb leuchtend verkündet die zweite den Mute-Status. Auch diese Mute-Schaltung arbeitet POST-FADER. Die Auxwege werden also nicht stummgeschaltet, wenn man einen Kanal mutet.  

Wie gewohnt fußt unten ein Kanalfader, der als 60-Millimeter-Exemplar mit beidseitigem Staubschutz ausgeführt ist. Dieses sorgt unter anderem für ein gewisses Maß an Schwergängigkeit. Seine hellgraue Faderkappe ist leicht geriffelt, verfügt aber nur über eine wenig tief ausgeprägte Fingermulde, was mich in Verbindung mit dem relativ hohen physischen Widerstand schon manchmal hat abrutschen lassen. Da keine Subgruppen vorhanden sind, entfallen im unteren Bereich auch entsprechende Knöpfe fürs Routing. Alle Drehpotis sind nicht am, schon vom Vorgänger bekannten, robusten Gehäuse verschraubt, sondern nur an der Platine befestigt. Einzelplatinen-Konstruktionen findet man in dieser Preisklasse selbstverständlich auch nicht. Etwas Spiel zu allen Seiten weisen alle Drehgeber auf. Dies beängstigt mich zwar nicht wirklich, doch habe ich sicher schon Robusteres gesehen. Dass die Frequency-Potis der Parametrik etwas schwergängiger drehen, ist wohl gewollt und gut so, schließlich liegen die Knöpfe schon alle relativ eng beieinander.

Das, wie beim MultiMix 16 USB 2.0 mit Kunststoffteilen an den Seiten ausgestattete,  Aluminiumgehäuse weist mit rutschfesten Gummifüßen Standfestigkeit sowie auch ein optisch ansprechendes Erscheinen auf. Oberhalb der EQs ist seine Frontplatte circa zwei Zentimeter erhöht, was die Übersichtlichkeit des Pults etwas unterstützt, im Übrigen auch einfach schick aussieht. Eine gewisse Schutzfunktion für die sich nach oben hin anschließenden Gain-Regler bietet diese Konstruktion außerdem. Seine schwarzen Potikappen verschwinden somit zur Hälfte im Gehäuse, was den Respekt vor diesem Instrumentarium vielleicht ein wenig erhöht.  Ein Regelbereich von minus unendlich bis plus 20 Dezibel verkündet die Beschriftung, was natürlich „Quatsch“ ist. Ein Gain-Regler, der nach unten hin zumacht ist mir noch nicht untergekommen, es sei denn, er regelt gleichzeitig die Kanallautstärke. Sei`s drum, Gain-Veränderungen sind im Übrigen nur den Monokanälen vorbehalten wie auch die im folgenden beschriebenen Accessoires. Als da wären: ein schaltbares Highpass-Flter mit einer Eckfrequenz von 80 Hertz, dessen Schalter zwar bei Betätigung nicht knackt, wohl aber eine hörbare Signalunterbrechung hervorruft. Gleiches gilt übrigens auch für den PRE/POST-Schalter im ersten Auxweg. Nördlich des LOW CUTs beginnt nun das Anschlusspanel mit fest im Gehäuse verschraubten Metall-Klinkenbuchsen, zunächst für den Einschleifweg, darauf folgend der Line-Eingang.

Auch er ist als TRS, also Stereoklinkenbuchse für die Aufnahme von symmetrischen wie auch unsymmetrischen Signalen ausgeführt. Zu lesen gibt es das jedoch nirgendwo in dem fünfsprachigen ''Benutzerhandbuch'', das auch an anderen, durchaus wissenswerten Stellen mit Informationen geizt: ''Schließen Sie Line-Geräte mit 1/4''-Kabeln an diese Eingänge an...'' Es gibt durchaus Hersteller, die das Verfassen eines Manuals professioneller gestalten – zu nennen wäre da beispielsweise Soundcraft.

Weiter mit der Hardware. Nicht verriegelbare XLR-Buchsen aus Kunststoff bilden den Abschluss nach oben für symmetrische Mikrofon-Signale. Sie wirken, wie alle Steckverbindungen, hochwertig.   

Weiter rechts: vier symmetrische Klinkenbuchsen-Paare bilden die Eingänge der Stereokanäle. Darüber finden sich drei weitere TS-Pärchen, die diesmal unsymmetrisch den Stereo-Aux-Return beherbergen. Ihnen folgen die Aux-Sends 1 und 2, auf die wiederum  ein mit Monitor gekennzeichnetes Pärchen folgt, welches einen Controlroom-Out darstellt.

Bemängelte mein geschätzter Kollege Olli Jäger noch die fehlenden symmetrischen Ausgänge bei seinem damaligen Testobjekt, so sind sie hier wieder in Form zweier TRS-Buchsen vorhanden und bilden den MAIN-OUT. Ganz oben rechts sehen wir dann noch zwei Cinch-Pärchen für externe Tape-Zuspielungen und zur Ausgabe des MAIN-Signals mit Hifi-Pegel, zum Beispiel für Recording-Zwecke. Den Abschluss der ''American Connection'' bildet ein darunter gelegener 6,3- Millimeter-Kopfhöreranschluss nebst Pegelsteller.

Den Masterbereich finden wir, wie in dieser Klasse üblich, am rechten Rand des Mischers vor.  Ganz unten liegt ein 60-Millimeter-Schieberegler, der beide Hauptausgänge gleichzeitig steuert. Eine Möglichkeit, die Stereo-Balance zu beeinflussen, besteht nicht. Darüber informiert eine drei-farbige LED-Kette den Ton-Verantwortlichen über den Pegel an den Haupt-Ausgängen, folglich getrennt für links und rechts. Zwei weitere Lämpchen geben Aufschluss über allgemeine Betriebszustände. Von denen signalisiert die grüne, dass Netz-Spannung am Pult anliegt. Eine gelbe zeigt den Status der Phantomspeisung an, die auf alle Mikrofon-Eingänge gleichzeitig wirkt. Dann gibt es endlich wieder was zum Drehen. Zunächst die Master der beiden Aux-Wege, die in einer Linie mit ihren Zuspielern in den Kanälen stehen und deren Potikappen ebenfalls in Rot gehalten sind. Wie schon im Kanalzug, führt ein Rechtsanschlag dieser Regler zu einer weiteren 10 Dezibel-Verstärkung.  Oberhalb der Master-Sends regeln die beiden Returns von außen kommende Signale (AUX), beziehungsweise diejenigen, die vom eingebauten Effektgerät kommen (FX). Dieses bildet den nördlichen Abschluss des Bedien-Panels und liegt in Form eines 16-fach gerasterten Endlos-Encoders vor. Dieser Knopf ist etwas größer, recht griffig also, und im Gegensatz zu den anderen Drehgebern spürt man hier eine äußerst solide Verarbeitung. Eine Bypass-Stellung kennt das Gerät, den übrigen Positionen ist jeweils eine Effekt-Voreinstellung zugewiesen. Die Preset-Anwahl in dieser Art und Weise hat bei Alesis eine lange Tradition und ist auf jeden Fall in der Bedienung narrensicher. Wie auch beim Microverb (1), welches mich schon vor über 20 Jahren begeisterte, ist jedoch kein Zugriff auf einzelne Parameter möglich. Der Focus liegt hier in jedem Fall auf einfache Beherrschbarkeit. Natürlich ist man mit einer Auswahl von 15 unabänderlichen Presets ziemlich eingeschränkt, soll jedoch eine verlässliche Orientierung und ein möglichst schneller Zugriff im Vordergrund stehen, ist das Rotary-Konzept unschlagbar.

Geboten werden schwerpunktmäßig Reverbs: drei ROOM-, drei PLATE- und zwei HALL-FX. Nicht nur verschiedene Hauptparameter wie Size und Decay wurden in die Vorlagen integriert, sondern auch zum Teil subtile Klangfarbenänderungen (EQ). Neben zwei Delay-Effekten sind noch Modulationseffekte, namentlich je ein ROTARY, CHORUS und FLANGER zu finden. Auch gibt es zwei Multieffekte, die jeweils CHORUS und ROOM kombinieren. Ausnahmsweise stellt der Hersteller die Charakteristik der einzelnen Programme und wofür er sie geeignet hält in der überwiegend gut ins Deutsche übersetzten Bedienungsanleitung präzise und gelungen dar. Neben unserer Muttersprache darf man sich über Italienisch, Französisch, Spanisch und natürlich Mittelhetitisch – nein, ich meine Englisch freuen.     

Monitor

Bleibt noch eine weiß eingerahmte Sektion zu beschreiben, die sich oberhalb der Stereokanäle befindet. Sie beherbergt rechts ein mit MONITOR bezeichnetes, etwas größer ausgefallenes Drehpoti mit weißer Oberseite. Es dient zur Regulierung der Lautstärke von angeschlossenen Kontrollmonitoren. Neben den mehrfach erwähnten Funktionen des MultiMix 16 USB FX, Pult, USB-Audiointerface und Effekteinheit, tritt hier noch eine weitere Eigenschaft zu Tage, welche die Namensgebung verschweigt. Ein Home-Studio erhält nämlich hiermit noch einen rudimentären, teilweise vom Master unabhängigen Monitorcontroller, wobei der analoge MAIN-OUT noch für Aufnahmen frei bleibt, zum Beispiel mit einem externen Interface. Was über den, sich sehr solide anfühlenden, mit maximal 20 Dezibel Verstärkung angegebenen Knopf, ausgegeben wird, bestimmt man mit zwei etwas weiter links gelegenen Druckschaltern. Sie sind farblich gleich gehalten wie das Poti. Der obere von ihnen bestimmt, ob das Mastersignal auf den Controlroom-Out gegeben werden soll oder nur die über die SOLO-Schaltung aktivierten Kanalsignale. Sie liegen immer auf diesem Bus an sowie auf dem Kopfhörerweg. Mit dem unteren hingegen kann man das Signal, das am USB beziehungsweise am Cinch-Eingang anliegt, auf die Studiomonitore routen. Unabhängig voneinander können diese beiden Quellen leider weder geschaltet noch geregelt werden. Das gilt auch für den letzten Schalter im Bunde, der diese beiden Eingänge direkt auf die Summe schickt. Wenigstens einen gemeinsamen Lautstärkeregler hätte ich hier doch gerne irgendwo gesehen.

Ein allerletztes „Schalterchen“ soll nun auch noch erwähnt werden, dann haben wir das obere Bedienfeld auch wirklich geschafft. Es sitzt oberhalb des EQs von Kanal 8 und verwandelt dessen Klinkeneingang in einen Hi-Z-Input. Dieser ist als eine optimal angepasste Schnittstelle an den Ausgang einer Gitarre oder eines Basses mit passiver Schaltung gedacht. Er bietet somit eine deutlich höhere Empfindlichkeit als ein Line-Input.

Backpanel

Die Kopfseite des Gerätes ist nun deutlich schneller beschrieben. Hier finden wir von links nach rechts einen breiten Kippschalter für die Haupt-Stromversorgung. Einen weiteren, etwas schmaler ausgefallenen für die gemeinsame Zuschaltung der Phantomspeisung auf die XLR-Eingänge für Kondensatormikrofone oder andere Quellen, die über eine aktive Schaltung, aber keine eigene Stromversorgung verfügen. Beide Schalter sind leider nicht versenkt eingebaut, bieten aber durch ihre Schwergängigkeit einen gewissen Schutz vor versehentlichem Ein- oder Ausschalten. Es folgt eine metallene Schraubverbindung für die mitgelieferte, externe 700-Milliampere-Stromversorgungseinheit - diese ist erdfrei und nicht als Steckernetzteil ausgeführt. Bis auf einen USB-Port (Typ B) für die Kommunikation mit einem Computer erspäht man nur noch ein paar Lüftungsschlitze.

Keine Angst, das MultiMix16 USB FX ist Lüfter- und Eigengeräusch-los. Auf geht`s zum praktischen Teil.

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